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Gegen das Board oder gegen den Gegner?

Karlheinz Zöchling Ich habe Deinen Artikel über die "white area" gelesen, sehr interessant. Mein Name ist Darren Kam und ich lebe in Calgary, Kanada (einer ganz aktiven Dartsgegend, wenn ich selbst so sagen darf) und wir sehen das Ganze vollkommen anders.

Wir denken, wenn man die Würfe und Scores der Anderen einfach ignoriert, kann man sich selbst auch nicht psychisch fertig machen. Wir gehen von der Vorraussetzung aus, dass das die Scores der Anderen sind und man davon nicht betroffen ist. So heißt es für uns, Du spielst gegen das Board. Die einzige Person die es zu schlagen gilt, bist Du selbst. Aber am Wichtigsten ist es, Spaß dabei zu haben, Du könntest auch arbeiten müssen.
Vielen Dank, dass Du Dir Zeit für uns nimmst

Darren Kam.

Lieber Darren,
vielen Dank für Deine E-Mail.
Du sprichst ein grundlegendes Problem an: Soll ich gegen das Board oder gegen den Gegner spielen? Das ist eine der wirklich wichtigen Fragen, die auch von Spielern auf hohem Niveau kontrovers gesehen wird, und es gibt praktische und, wie ich sagen möchte, philosophische Ansätze. Hier ist der Standpunkt, den ich vertrete:

Erst einmal praktisch gesehen. Das Spiel des Gegners einfach zu ignorieren scheint eine gute Möglichkeit zu sein, um ruhig zu bleiben und zu gewinnen. Das Hauptproblem dabei ist, dass es nahezu unmöglich ist, vom Gegner nicht beeinflusst zu werden. Wesentlich für eine gute Vorstellung ist Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit muss man hier sehr weit gefasst sehen, sie beeinhaltet Engagement, Konzentration, ganz da zu sein, die sensorische Fähigkeit, seinen eigenen Wurf zu erfühlen und so weiter. Das ist auch unabdingbar, wenn man alleine spielt, weil es mit der Energie in Zusammenhang steht. Große positive Energie erfordert Aufmerksamkeit, Spaß haben erfordert Aufmerksamkeit und aus der Sport-Psychologie wissen wir, dass wir vollen Einsatz nur bei hoher positiver Energie geben können. Aber wie kann ich wirklich aufmerksam sein, wenn ich etwas ignoriere? Du dürftest ja dann nur Deinen Gegner und sein Spiel ignorieren, was sehr schwierig wäre (ich gehe so weit zu sagen, dass es unmöglich ist). Wie man sieht, handelt es sich hier um zwei Dinge, die einander eigentlich ausschliessen: den hohen Energiebedarf, der höchste Aufmerksamkeit erfordert und die Notwendigkeit, die Aufmerksamkeit einzuschränken, um den Gegner ignorieren zu können. Sollte es tatsächlich gelingen, den Gegner vollständig aus Deinen Gedanken auszuschließen, gibt es schließlich doch eine Situation, die Du nie ignorieren kannst und mit der Du Dich beschäftigen musst: den "Game Shot" des Gegners.

Hier eine kurze Zusammenfassung des Gesagten:

  1. Möglicherweise wäre eine Person, die den Gegner ignorieren kann und trotzdem einen perfekten Energie Status aufrechterhält, der perfekte Wettkämpfer, aber wir wissen, dass wir das niemals erreichen können.
  2. Wegen 1. und weil wir wissen, dass das für unseren Gegner genauso gilt, können wir das zu unserem Vorteil ausnutzen und versuchen, den Gegner so stark zu beeinflussen wie es möglich ist (und natürlich innerhalb der Regeln des Fair Play).

Nun zur "Philosophie": Wenn wir den Gegner ignorieren ist das, als ob wir alleine spielen würden. Warum sollte ich dann an einem Turnier teilnehmen? Was bedeutet dann gewinnen für mich (außer möglicherweise Geld)? Würde ich ein Turnier mitmachen, wenn ich alleine genauso viel Spaß hätte? Das ist nicht der praktische Ansatz: wenn es mir keinen Spaß macht, werde ich nicht gut spielen - das ist eine grundlegende Regel der Sport-Psychologie. Es macht mir Spaß, ein interessantes Spiel zu spielen, in dem ich spüren kann, wie sich Spannung aufbaut und es ist harte Arbeit diese Spannung unter Kontrolle zu halten. Ich hätte niemals so viel Spaß, wenn ich die Spielstände oder Ähnliches ignorieren würde. Denk daran - Spaß haben ist nicht nur einfach etwas Erfreuliches, sondern notwendig, um gewinnen zu können. Der Begriff "Spaß" bedeutet nicht, dass das ganze Spiel aus Cheerios und Hurras besteht, es sind mehr gute Gefühle, und dass man still und aufmerksam genießt (Englisch ist nicht meine Muttersprache, deshalb weiß ich nicht, ob "Fun" die treffendste Beschreibung für diesen Gemütszustand ist).

Ich hatte mit anderen Spielern einige wertvolle Diskussionen zu diesem Thema und bin, wenn Du willst, gerne bereit ausführlicher darauf einzugehen.


>> Das Problem mit dem dritten Wurf bei 501
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