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Mentaltraining


Mentales Darts-Training von Kai Pfeiffer

Die starke Bedeutung des sogenannten mentalen Bereiches, gerade für das Dartsspielen dürfte wohl unstrittig sein. Ich möchte mich hier nicht an den Spekulationen beteiligen, zu wieviel Prozent der Erfolg von der richtigen Einstellung im Kopf anhängt, die Schätzungen laufen diesbezüglich von 70% bis 95%, denn jeder hat wohl schon Situationen erlebt, in denen ihm seine Nerven einen Streich gespielt haben, dennoch ein paar kurze Bemerkungen dazu.

Es ist schon verwunderlich, dass über die Jahre hinweg nahezu immer dieselben Spieler auf den Turnieren ganz vorne stehen, obwohl die Leistungen aller Spieler immer dichter zusammenrücken. Offensichtlich haben diese Leute noch einen anderen Vorteil als nur ein hohes Spielniveau. Ein deutlich schwächerer Spieler wird mit einer überlegenen Psyche zwar nicht unbedingt gegen einen deutlich besseren gewinnen, aber zwischen ungefähr gleich starken Spielern gibt der Kopf durchaus den Ausschlag!

Zunächst ein paar Worte zu den psychologischen Mechanismen, die hier wirken. Da wäre einmal die Kampf-/Fluchtreaktion zu nennen. Wie jeder wohl schon mal erlebt haben dürfte, fühlt man sich während eines Matches häufig deutlich unter Stress. Die Situation wird subjektiv (!) als Bedrohung empfunden, und unser Gehirn reagiert auf diese Bedrohung mit einem uralten Programm, das den Organismus als Vorbereitung auf Kampf und / oder Flucht in die Lage versetzen soll, körperliche Höchstleistungen zu vollbringen.

Durch Ausschütten von Stresshormonen wird der Puls erhöht, der Blutdruck steigt, Blut wird aus den Händen abgezogen und die Muskelvorspannung steigt (Folge: Verkrampfung). Was bei der Flucht vor einem Säbelzahntiger durchaus sinnvoll wäre, hat in einem Dartsmatch unglücklicherweise verheerende Folgen.

Der zweite Mechanismus ist ein wenig komplexer, und zwar hat er mit dem Nachdenken über die Situation (das laufende Match) zu tun und wird als Selbsterfüllende Prophezeiung bezeichnet. Im Prinzip bedeutet das, dass man sich unterbewusst selbst sabotiert, indem man gedanklich eine Art Vorhersage a la "gegen den Schulte mache ich das Bullfinish jetzt bestimmt nicht, aber toll wäre es schon" macht - und schon sorgt das eigene Unterbewusstsein dafür, dass man das Bull auch prompt nicht trifft.

Überhaupt sind alle Gedanken über das Spiel während des Spiels geeignet sich selbst ein Bein zu stellen. Dinge wie "lieber Gott, lass diesen Dart bitte ins Doppel gehen!" (der Dart wird gehofft, nicht geworfen), oder "oh Mann, ich habe die Chance einen 12er zu spielen" sind absolut tödlich für das eigene Spiel. Mir selbst ist es während eines Halbfinales im German-Masters gegen Abbie Burke nach einem starken ersten Set passiert, dass die Überlegung auftauchte "hoffentlich, hoffentlich kannst Du das Niveau bis zum Ende durchhalten". Prompt lief ab da nichts mehr und Abbie zog ins Finale ein.

Nachdem die Symptome nun bekannt sind, taucht natürlich die Frage auf: Was kann man dagegen tun?

Nun, die Maßnahmen kann man sinnvoll unterteilen in Maßnahmen im Vorfeld und Maßnahmen während eines Spiels.

Im Vorfeld kann man Situationen simulieren: Man stelle sich Zuhause im Geiste eine entsprechende Spielsituation vor und übe diese dann. Wesentlich hierbei ist es, sich selbst im Geiste möglichst intensiv in die Situation (z.B. 60 Rest zum Match gegen Andy Kröckel) hineinzuversetzen. Möglichst so stark, dass sich das bekannte, leicht flaue Gefühl im Magen einstellt. Durch die Simulation dieser Situationen, stellt sich ein Gewöhnungs- oder Abnutzungseffekt ein, der dazu führt, dass man in der tatsächlichen Lage dann deutlich ruhiger ist.

Im Vorfeld kann man Situationen durchdenken: Wie oben erwähnt, resultiert die Stressreaktion aus einer subjektiv empfundenen Bedrohung. Die als bedrohlich empfundene Lage kann viel von ihrem Schrecken verlieren, wenn man sich in Ruhe die Konsequenzen vor Augen führt und dabei die eigene Bewertung der Situation überdenkt: Ist es wirklich so schlimm, das Doppel zu verfehlen, was passiert denn dann? Kostet es mich den Kopf, oder ein Lächeln? - Solche Überlegungen führen häufig zu einer gesunden Mir-doch-egal-Haltung.

Im Vorfeld kann man Stress abbauen: Ziel ist es, Stresshomormone im Körper abzubauen, in dem man: ausschläft, sich körperlich stark anstrengt (z. B. 2 Stunden Squash spielt), oder ein paar Tränen vergießt. Hilfreich, aber sehr zeitaufwendig sind Autogenes Training, bzw. Meditationstechniken.

Im Spiel kann man Entkrampfen: Ein gutes Mittel ist Kaugummi kauen, oder Bonbons lutschen. So ulkig das auch klingen mag, durch diese Quasi-Nahrungsaufname wird biophysiologisch eine Entspannungsreaktion ausgelöst! Desweiteren helfen einige ruhige, konzentrierte (auf das Atmen konzentrierte) Atemzüge, oder ein mehrfacher Wechsel von Muskelanspannung und -entspannung.

Im Spiel kann man seinen Geist blocken: Wie oben erwähnt, sind Gedanken über das Spiel häufig ausgesprochen schädlich. "Na, dann denk doch einfach nicht!" rät der unbefangene Beobachter. Aber genau das ist ungeheuer schwierig. Um nun nicht an die Folgen des nächsten Darts zu denken, reicht es, schlicht an etwas anderes zu denken. An was dabei gedacht wird ist herzlich egal. Bewährt hat sich in diesem Zusammenhang eine Art sprechbare Phrase, mit der das Gehirn blockiert wird, indem gebetsmühlenhaft dieser Text in der Wurfbewegung laut gedacht wird.

Der Text an sich ist vollkommen egal: "Flugzeugträger", "arktische Zone", "ab den Fisch" oder sonstwas. Jeder möge sich seine Favoriten ausdenken. Wichtig ist allein, dass das Abschweifen des Geistes durch Fokussieren auf den Text verhindert wird. Im Prinzip könnte man dies bei jedem Dart durchführen, wovon ich allerdings abraten würde, denn wenn man bei jedem Dart "Heuwägelchen" vor sich hin denkt, dreht man wahrscheinlich durch. Sehr sinnvoll allerdings ist das bei Darts auf Doppel. Hier, wo der Stressfaktor mit am höchsten liegt, würde ich sogar raten, sich diese geistige Übung zur Regel zu machen.

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