Stimmen zum Premier-League-Spektakel in Berlin

Deutschland-Premiere, Zuschauer-Weltrekord - die PDC hatte am vierten Spieltag der „Premier League Darts“ in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin gleich mehrere Gründe, in Feierlaune zu geraten. Im Anschluss der Partien sprachen wir exklusiv mit den Siegern Michael Smith, Mensur Suljovic, Michael van Gerwen und Rob Cross sowie Peter Wright, der immerhin einen Punkt ergattern konnte. In diesem Artikel haben wir einige Reaktionen auf den denkwürdigen Abend in Berlin zusammengefasst.

Michael Smith (7:3 gegen Simon Whitlock):


„Ich bin erleichtert, im vierten Spiel den vierten Sieg errungen zu haben. In dieser Saison spiele ich endlich so, wie ich mir das vorstelle. Doch auch weiterhin schaue ich nur von Spiel zu Spiel und lasse mich nicht unter Druck setzen. Früher wollte ich immer allen zeigen, was ich draufhabe, doch jetzt habe ich begriffen, dass es einzig und allein darum geht zu gewinnen und nicht darum, einen möglichst tollen Eindruck zu hinterlassen. Ich will in jedem Spiel die beiden Punkte holen, denn die sind entscheidend.

Dass ich nach vier Spieltagen die Tabelle anführe, heißt noch gar nichts. Mich interessiert der Tabellenstand erst, wenn ich sicher für die Spiele nach der Judgement Night qualifiziert bin. Erst dann ist es an der Zeit, seinen Blick in Richtung Playoffs zu richten.

Das Publikum war großartig, es hat sich allen Spielern gegenüber sehr respektvoll verhalten. Zu Beginn war es in der Halle noch recht ruhig, doch nach der ersten 180 wurde es immer lauter. Schließlich wurde es sogar so laut, dass ich mich immer wieder zum Publikum umgedreht habe und mich von dieser wahnsinnigen Atmosphäre beeindrucken ließ. Da musste ich mich echt zwingen, mich wieder auf mein Spiel zu konzentrieren. Es war ein wunderbarer Abend und ich bin sehr froh, dabei gewesen zu sein.“

Mensur Suljovic (7:3 gegen Gerwyn Price):


„In den letzten Wochen habe ich eigentlich immer gut gespielt und hohe Averages gezeigt, aber nicht gewonnen, weil ich zu oft zu viele Doubles verpasste. Am ersten Spieltag war ich als Debütant noch sehr nervös, das hat sich dann im Laufe der Zeit gelegt. Trotzdem ist mir in den ersten drei Wochen kein Sieg gelungen. Ich war Tabellenletzter, alle standen vor mir. Das hat sich durch den heutigen Erfolg glücklicherweise geändert.

Die Stimmung in der Halle war fantastisch. Viele meiner Freunde und Fans waren hier. Wie vielleicht bekannt ist, habe ich früher fünf Jahre lang für den DC Walldorf in der deutschen Bundesliga gespielt. Da lernt man natürlich eine ganze Menge Leute kennen und viele von denen waren heute Abend hier. Es fühlte sich wirklich wie ein Heimspiel an, vielleicht sogar noch besser, denn endlich kommt hier in Berlin mal was zurück. Wir haben früher oft in Berlin gespielt - im Finale der Deutschen Meisterschaft vor vielleicht 100 Zuschauern, von denen die meisten Angehörige waren - und immer verloren. Und heute kommen 12.000 Zuschauer, die ich auf jeden Fall in meinem Rücken gespürt habe. Wenn das Publikum mich nicht so gepusht hätte, wäre ich vermutlich nicht als Sieger von der Bühne gegangen. Doch wenn man merkt, dass das Publikum voll hinter einem steht, dann kommt noch mehr Adrenalin und dann kann man auch alles aus sich herausholen.

Die Rekordkulisse hat viel ausgemacht. Es ist doch wunderbar, hier in Deutschland zu spielen, wo die Fans hinter einem stehen. Das ist schon ein Unterschied zu den Spieltagen, die in Großbritannien stattfinden. Für mich waren die 12.000 Zuschauer eine zusätzliche Motivation und kein Grund, nervös zu werden. Die Fans haben immer und immer wieder meinen Namen gesungen und das hat mich extrem motiviert. Man kann also wirklich sagen, dass mich die Halle zum Sieg getragen hat. Ich konnte Gerwyn Price ansehen, dass er sich von der Atmosphäre hat beeindrucken lassen. Er wusste nicht so recht, was er machen sollte und war ziemlich verunsichert. Gegen Ende wollte er wieder ins Spiel reinkommen, doch ich habe mich ganz auf mein Spiel konzentriert und ihn nicht mehr reingelassen.

Leider habe ich nach den ersten beiden Spieltagen den Fehler gemacht, mich zu sehr unter Druck zu setzen. Ich war wirklich froh, für die Premier League nominiert worden zu sein. Das war mein letztes Ziel, nachdem ich sowohl im Steel- als auch im E-Darts-Bereich an so gut wie jedem Turnier auf der Welt teilgenommen habe. Mein größter Wunsch war es, in der Premier League zu spielen und an den ersten Spieltagen habe ich überhaupt gar keinen Druck verspürt und wirklich gut gespielt, doch am Ende standen da immer null Punkte, null Punkte, null Punkte. Und dann ist der Druck automatisch da, weil es dann ganz schnell heißt, der Mensur hat den Platz in der Premier League nicht verdient. Wenn einer keine Punkte holt, dann hat er dort nichts verloren. Also hat mich der Blick auf die Tabelle schon gehörig unter Druck gesetzt, doch ich muss sagen, den meisten Druck habe ich heute gehabt, weil meine Frau dabei war. Ich habe vorher gesagt, sie ist mein letzter Joker und wenn dieser Joker nicht hilft, dann weiß ich auch nicht mehr weiter. Zum Glück ist alles gutgegangen.“

Michael van Gerwen (7:2 gegen Daryl Gurney):


„Ich denke, der heutige Abend war ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des Dartsports, nicht nur auf Deutschland bezogen, sondern allgemein. Mittlerweile finden überall auf der Welt Profi-Turniere statt. Die Veranstaltungen werden immer größer und größer und ich bin sehr froh, dass ich ein Teil dieser Entwicklung sein darf.

Natürlich ist es sehr anstrengend, Woche für Woche Top-Leistungen abrufen zu müssen, doch genau das ist mein Job, den ich sehr liebe. Diese Einstellung ist meiner Ansicht nach die Grundvoraussetzung für den Erfolg. Wenn man seinen Job nicht mag, kann man auch nicht erfolgreich sein. Ich freue mich über die beiden Punkte und konzentriere mich jetzt voll und ganz auf den nächsten Spieltag, den ich optimistisch angehen kann.

Spiele wie das gegen Peter Wright, als ich nicht mein A-Game gezeigt habe, können mal vorkommen, besonders in der Premier League. Keinem Spieler wird es jemals gelingen, in einer Saison alle Spiele zu gewinnen. Von daher ist es nicht so tragisch, wenn man mal ein Spiel verliert. Man muss halt nur zusehen, dass man nach 16 Wochen der Beste ist. Durch den Sieg gegen Daryl heute Abend bin ich diesem Ziel wieder ein Stückchen näher gekommen.

Von Berlin konnte ich mir ein bisschen was ansehen, doch die meiste Zeit habe ich mich natürlich auf das heutige Spiel gegen Daryl Gurney vorbereitet. Ich werde aber auf jeden Fall irgendwann einmal privat nach Berlin zurückkehren, denn mir gefällt Berlin wirklich gut, eine schöne und aufregende Stadt, nur halt ein bisschen kalt im Februar. Ich hätte nicht gedacht, dass es so kalt werden würde. Daher freue ich mich schon darauf, im Sommer mit meiner Familie an der Spree entlang zu spazieren.

Ich gehe fest davon aus, dass auch nächstes Jahr ein Premier League-Spieltag in Berlin ausgetragen wird. Man kann das hier ein bisschen mit den Niederlanden vergleichen, wo der Spieltag in Rotterdam jedes Mal innerhalb weniger Minuten ausverkauft ist. Dass auch die Deutschen gut feiern können und gleichzeitig heiß auf Spitzensport sind, haben sie heute Abend ja eindrucksvoll bewiesen.“

Rob Cross (7:3 gegen Raymond van Barneveld):


„Als ich auf die Bühne ging, musste ich mich sehr darauf konzentrieren, in meinem Tunnel zu bleiben und mich nicht von dieser großartigen Atmosphäre ablenken zu lassen. Von daher habe ich zwar mitbekommen, dass es sehr laut war, doch ich musste zusehen, meinen Fokus nicht zu verlieren und mich nicht zu sehr davon beeindrucken zu lassen.

Ich fand mein Spiel heute Abend eher durchschnittlich bzw. solide, doch ich weiß, dass ich es besser kann. Als ich mit 6:3 führte, war mir klar, dass es heute zum Sieg reichen würde und ich nur noch zusehen musste, nicht nachzulassen und über die Ziellinie zu kommen. Dennoch habe ich gegen Raymond nicht alles gezeigt, was ich draufhabe. Doch solange ich auch solche Spiele gewinne, kann es mir egal sein, ob ich mein ganzes Können gezeigt habe oder nicht, denn am Ende zählen nur die beiden Punkte.

Der Blick auf die Tabelle nach den ersten beiden Spieltagen war natürlich schmerzhaft. Nach dem schlechten Start muss ich jetzt jede Woche voll auf Sieg spielen. Ich gehe aber ganz entspannt an die Sache ran. Wenn ich nach dem neunten und dem 15. Spieltag noch im Rennen bin, ist das schön. Wenn nicht, muss ich es im nächsten Jahr halt besser machen, sollte die PDC mich dann wieder für die Premier League aufstellen. Würde ich nach jedem Spieltag auf die Tabelle schauen, könnte dies dazu führen, dass ich schlechte Laune bekomme.

Das ist auch der Grund, warum ich im Vorfeld keine Practice Darts auf der Bühne werfe. Denn wenn ich eine Bühne nicht mag – und das kann schon mal vorkommen – habe ich in den drei verbleibenden Stunden bis zum Abend dieses schlechte Gefühl im Kopf und muss zusehen, wie ich damit klarkomme. Also lerne ich die Bühne immer erst kennen, wenn ich die neun Darts unmittelbar vor Spielbeginn werfe. Sollte mir dann eine Bühne nicht liegen, habe ich halt Pech gehabt und muss da irgendwie durch. Doch auf diese Weise laufe ich im Vorfeld wenigstens nicht drei Stunden lang mit einem miesen Gefühl durch die Gegend. Die Bühne hier in der Mercedes-Benz-Arena hat mir gut gefallen. Die meisten Bühnen sind großartig und daran sieht man auch, dass dieses schlechte Gefühl ganz gewiss nicht an den Bühnen, sondern einzig und allein an mir liegt. Das ist reine Kopfsache.

Das deutsche Publikum ist einfach nur fantastisch. Nicht nur hier in Berlin, sondern auch bei allen Turnieren der European Tour, die ich bisher gespielt habe. Ich spiele sehr gerne in Deutschland, denn die Zuschauer sind sehr fair und immer mit Begeisterung bei der Sache. Die feiern mich als Engländer genauso ab wie ihre eigenen Spieler. Da habe ich in Schottland und selbst im Ally Pally in London schon ganz andere Erfahrungen gemacht. Wenn ich beispielsweise in Glasgow gegen Gary Anderson oder Peter Wright spiele, muss ich damit rechnen, gnadenlos ausgepfiffen und ausgebuht zu werden. Und hier werde ich gefeiert. Das finde ich natürlich sehr schön und von daher freue ich mich schon auf den nächsten Premier League-Spieltag in Berlin. Es wurde ein neuer Zuschauerrekord aufgestellt, das Publikum hat für eine zauberhafte Stimmung gesorgt – da wären die Verantwortlichen der PDC ja verrückt, wenn sie 2019 nicht nach Berlin zurückkehren würden.“

Peter Wright (6:6 gegen Gary Anderson):


„Es war ein wunderbarer Abend vor einem fantastischen Publikum in einer tollen Halle. Ich denke, die ganze Welt konnte sehen und hören, wie dartsverrückt und stimmungsgewaltig die deutschen Zuschauer sind. Für mich ist es der Wahnsinn, wie ich hier in Deutschland empfangen werde und ich bin froh und glücklich, meinen Teil zur Entwicklung des Dartsports in diesem Land beitragen zu dürfen. Die jungen deutschen Spieler wie Martin Schindler und Max Hopp haben sich prächtig entwickelt und es fehlt ihnen nicht mehr viel, um nach ganz oben vorstoßen zu können. Es ist mir ein Vergnügen, ihnen zu zeigen, wie man ein Premier League-Spieler wird.

Das Spiel gegen Gary war für meinen Geschmack ein bisschen zu schnell. Normalerweise spiele ich etwas langsamer. Ich habe vor dem Match mal wieder meine Darts gewechselt. Mit denen fühlte ich mich besser, auch wenn ich mir für den einen oder anderen Wurf nicht genügend Zeit genommen habe. Doch ich habe das Spiel genossen und finde es klasse, ein Teil der Show gewesen zu sein, bei der ja ein neuer Weltrekord aufgestellt worden ist. Wir Dartspieler lieben es, in einer solchen Atmosphäre wie heute Abend zu spielen. Wenn das Publikum dankbar für die gute Unterhaltung ist, sich selbst feiert und uns anfeuert, können wir die beste Leistung abrufen. Dann springt der Funke über.

Ich werde in Deutschland immer wieder gefragt, ob es nicht komisch sei, dass es hier zwar eine unglaubliche Begeisterung für das Profi-Darts, aber keine Weltklassespieler gibt. Doch das stimmt nicht so ganz. Es gibt viele Talente in Deutschland und die besten deutschen Spieler müssen eigentlich nur noch lernen, ihre Nerven in den entscheidenden Momenten in den Griff zu bekommen. Man darf nicht vergessen, dass auf zwei noch sehr jungen Spielern, Martin und Max, riesige Erwartungen und ein sehr großer Druck lasten. Ich bin jetzt fast 48 Jahre alt und muss trotzdem manchmal hart kämpfen, um diesen wahnsinnigen Druck aushalten zu können. Doch Martin und Max werden es schaffen, da bin ich mir sicher. Sie müssen sich nur in Ruhe entwickeln und ihre Erfahrungen sammeln können. Wenn dies gewährleistet ist, wird Deutschland bald Weltmeistern und Premiere League-Spielern aus dem eigenen Land zujubeln können. Habt also noch etwas Geduld mit euren Talenten und sie werden euch schon bald zeigen, wie gut sie wirklich sind.“

Text: Martin Rönnberg

Premier League Spielberichte Woche 4

Premier League Darts

Michael van Gerwen Porträt

Rob Cross Porträt

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