Vier Persönlichkeiten


Vier Persönlichkeiten

Zuletzt hatten wir das Thema Persönlichkeitspsychologie und festgestellt, dass es fünf große Merkmale gibt, die Menschen beschreiben können und zwar die Extraversion, die Verlässlichkeit, die Gewissenhaftigkeit, den Neurotizismus und die Offenheit für Erfahrungen. Jeder dieser großen fünf Merkmale beschreibt die Ausprägung, wie ein Mensch ist.

Jetzt gehen wir weiter mit dem Thema Persönlichkeitspsychologie und machen eine kleine Zeitreise und zwar zurück in das fünfte Jahrhundert vor Christus. Damals gab es den berühmten Arzt Hippokrates (nach dem der hippokratische Eid geleistet wird, den die Ärzte schwören). Dieser gute, alte Hippokrates hat damals schon festgestellt, dass Menschen unterschiedlich sind. Woran liegt das, und wie kann man das erklären? Damals gab es unter den Ärzten noch eine sogenannte Säftelehre. Man ging davon aus, dass die verschiedenen Gemütszustände mit den Säften im Körper zu erklären sind. Und verschiedene Gemütszustände beziehungsweise Persönlichkeitstypen hat Herr Hippokrates vier Säften zugeordnet, und zwar dem Blut, dem Schleim, der schwarzen Gallenflüssigkeit und der gelben Gallenflüssigkeit. Dass das mittlerweile nicht mehr haltbar ist, ist klar. Aber was bedeutet nun was?

Blut, das Sanguis, ist das sanguinische Temperament. Das sind Menschen, die eher heiter und aktiv sind. Der Schleim entspricht dem Phlegma, Leute mit dem phlegmatischen Temperament. Das sind die, die eher teilnahmslos und schwerfällig sind. Die schwarze Gallenflüssigkeit sind die Melancholiker, die also ein melancholisches Temperament haben. Sie sind oft traurig, eher grüblerisch. Und gelbe Gallenflüssigkeit entspricht dem cholerischen Temperament, also Menschen die eher leicht erregbar und reizbar sind. Genau die gleiche Einteilung haben wir heute auch noch in ganz vielen Persönlichkeitstests oder in Persönlichkeitsmodellen. Die gilt sogar noch für unseren inneren Schweinehund Günter. Sie können sich erinnern, Günter, unsere kleine Stimme in unserem Kopf, die kommentiert, was uns im Leben passiert. Auch bei Günter gibt es verschiedene Persönlichkeitsmodelle dieser Art. Wir stellen uns vor, es gäbe vier verschiedene Günter-Charaktere, die uns beeinflussen, den "Routine-Günter", den "Cholero-Günter", den "Besserwisser-Günter" und den "Aktions-Günter". Stellen sich sich einfach vier verschiedene Aggregatszustände von inneren Schweinehunden vor. Diese inneren Schweinehundtypen, je nachdem wer gerade am lautesten ist, sind die, die unser Handeln und unser Leben beeinflussen.

Fangen wir mit dem Schweinehundtyp Nummer eins an, dem "Routine-Günter". Er würde natürlich in der hippokratischen Typologie in etwa dem phlegmatischen Schweinehund entsprechen. Er ist das Phlegma. Er entspricht dem Schleim, ist teilnahmslos und schwerfällig. Wir stellen uns ein inneres Selbstgespräch mit "Routine-Günter" vor. Diese Menschen sagen "immer mit der Ruhe, eins nach dem anderen, das haben wir schon immer so gemacht, nur nicht den Mund verbrennen, wo kämen wir denn da hin, wir können doch nicht plötzlich alles über den Haufen schmeißen, sollen die anderen doch erst mal anfangen."

Sie merken, diese "Routine-Günter" stehen sehr auf klare Abläufe und Gewohnheiten. Sie wollen die aufgebaute Routine immer beibehalten. Sie sind die Herdentiere, Teil von einem Ganzen, Teil einer Gruppe und diejenigen, die gerne das Rädchen im System sind. Sie sagen nicht unbedingt: "Hey, ich mach die Dinge mal anders, ich probier mal was Neues aus" oder sich an die Spitze einer Gruppe stellen und sagen: "ich ergreife das Kommando und wir gehen mal hierhin oder dorthin." Das sind eher diejenigen, die anderen folgen, die sozusagen dem Chef folgen. Diese "Routine-Günter" fühlen sich dann besonders wohl, wenn sie möglichst wenig mitdenken müssen, wenn sie möglichst wenig Verantwortung übernehmen oder Neues ausprobieren sollen. Bevor diese bei Veränderungen anfangen oder mitmachen, gründen sie erst einmal eine Gewerkschaft. Veränderung geht gar nicht. Wie, ich muss jetzt was neu machen, ein neues Computersystem, einen neuen Weg zur Arbeit, eine neue Partnerschaft, eine neue Sprache lernen, eine neue Übung im Fitnessstudio. Alles keine Chance. Das Spannende ist, wenn sie einmal etwas Neues gelernt haben, etwas Neues mit ganz viel Locken, ganz viel Liebe zum Detail und mit ganz viel Motivation und ganz viel, guck, so geht das, muss man auch immer ganz genau erklären. Wenn sie die neue Routine drauf haben, gehen die neuen Verhaltensweisen in der Regel genauso gut wie die alten. Das heißt der "Routine-Günter" hat immer eine schizophrene Konditionierung im Kopf. Er denkt, alles was er neu anfangen muss, ist schwer. Er merkt nicht, dass das einfach nur eine Frage der Routine ist, die er aufgebaut hat. Der "Routine-Günter" möchte immer, dass die Welt sicher ist und alles, was unbekannt ist, das ruft in ihm Angst hervor. Das Gute am "Routine-Günter" ist, dass es sehr verlässliche Menschen sind. Sie arbeiten gerne regelmäßig, sind gehorsam, freundlich und verstehen sich gut mit anderen Menschen. Das sind einfach brave und nette Leute.

Wir brauchen alle einen "Routine-Günter" im Kopf, damit wir unseren Alltag im Griff haben und routinierte Arbeiten abarbeiten können. Stellen Sie sich vor, Sie haben etwas zu tun, was immer nach dem gleichen Schema geht, und Sie empfänden das als furchtbar stressig, weil Sie ständig auf der Suche nach Neuigkeiten und Inputs sind. Das Schöne bei diesem "Routine-Günter" ist, dass man sich darauf verlassen kann, dass die Aufgaben anständig erledigt werden, wenn sie sie angehen. Nur weniger schön ist, dass der "Routine-Günter", wenn Sie so einen im System haben und Sie haben am besten noch mehrere davon in der Gruppe, dann sind jegliche Formen von Veränderungen erst einmal ganz schwer umzusetzen. Weil diese "Routine-Günter" wirklich alles daran setzen, erst einmal alles genau gleich zu machen, so wie sie es immer schon getan haben, und das ist unangenehm. Warum? Was ist der Hauptantrieb von "Routine-Günter"? Einer der Haupthandlungsgründe ist Sicherheit. Sie brauchen unheimlich viel Sicherheit. Sicherheit in den Abläufen, Sicherheit in ihren Umgebungsstrukturen, Sicherheit mit anderen Menschen. Das sind eher harmoniebedürftige Typen. Das sind innere Schweinehunde, die uns das Leben manchmal ganz schön zur Hölle machen können. Sollten Sie sich mit den bisherigen Definitionen von "Routine-Günter" identifiziert haben, dann ein Tipp für Sie. Wenn Sie wissen, dass Sie etwas Neues machen sollen, und Sie haben im Kopf noch eine Stimme, die sagt, lass es sein, mach es morgen (Aufschieberitis) dann gehen Sie davon aus, dass die Stimme nicht Recht hat. Machen Sie sich klar, dass viele dieser Dinge, die im Kopf einfach nur Routinen sind, jederzeit neu routiniert und auf eine andere Weise in Ihren Kopf reinprogrammiert werden können. Wenn Sie die neuen Verhaltensweisen drei-, viermal wiederholt haben, dann fallen ihnen die neuen Dinge genauso leicht wie die alten. Das ist der Typ Nummer eins, der sogenannte Phlegmatiker. Der muss erst einmal in Schwung kommen. Wenn er in Schwung gekommen ist, kann er die Dinge genauso routiniert wie die anderen.


Wir hatten gehört, dass Hyypokrates sich ausgedacht hat, es gibt den Sanguiniker, den heiteren Aktiven, den Phlegmatiker, den Teilnahmslosen und Schwerfälligen, den Melancholiker, den Traurigen und Grüblerischen und den Choleriker, den Reiz- und Erregbaren. Ensprechend gibt es auch hier vier verschiedene Günter-Typen. Typ Nummer eins hatten wir besprochen. Das war der "Routine-Günter", der Phlegmatiker.

Nun zum Typ Nummer zwei. Das ist der Melancholiker, der Traurige, der Grüblerische oder aber in der Günter-Terminologie, der sogenannte "Besserwisser-Günter". Dem "Besserwisser-Günter" geht es nicht um die Routine als Weg. Ihm geht es darum, die Routine richtig zu machen. Er ist ein richtiger Effizienzfanatiker. Einer, der nach Perfektion strebt, ein ganz kritischer. Einer, der sich kein x für ein u vormachen lässt, sondern immer alles richtig machen will. Problem bei ihm, es ist ihm meistens egal, ob er das Richtige tut. Er verzettelt sich schon einmal in seiner Tätigkeit, weil er immer auf Kleinigkeiten achtet, und weil er immer sehr kritisch ist. "Besserwisser-Günter" klopfen gerne Sprüche wie: Träume sind Schäume, der Teufel ist ein Eichhörnchen; Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste; so einfach kann man das nicht sagen, da muss ich erst einmal in den Statuten nachlesen, ob man das so machen kann.

Also Besserwisser können einem echt ständig auf die Nerven gehen. Vor allem, wenn man schnell mal etwas umsetzen will. Vielleicht kennen Sie das. Sie sind in einer Gruppe zusammen, denken sich etwas aus und denken, das ist eine tolle Geschichte. Dann kommt der Besserwisser-Typ dazu und denkt sich, so kann man das nicht sagen. Warum hat das was mit Melancholie zu tun? Warum hat das was mit Traurigkeit oder mit grüblerischem Handeln zu tun. Ganz einfach. Der Melancholiker ist ein typisch grüblerischer Typ und denkt sich, ist die Welt so wie sie ist richtig, wenn es hier und da eine Gefahr gibt. Einer der Hauptantriebe von solchen besserwisserischen oder in der Extremausprägung zwanghaften Typen ist, dass sie alles richtig machen wollen, weil sie Angst haben, etwas Falsches zu tun. Sie haben häufig eine ganz hohe Grundängstlichkeit der Welt gegenüber. Solche Typen sind häufig ganz tolle Spezialisten. Das sind diejenigen, die immer gucken wollen, dass sie ein Gebiet so perfekt wie möglich beherrschen. Das sind auch Leute, die gerne auf Zahlenkram starren, auf Kleingedrucktes im Vertrag oder die immer wissen, wie es eigentlich geht, die immer noch über den zweiten, dritten, vierten oder fünften Schritt im Kopf nachdenken, wenn andere Leute denken: cool down, du machst dir viel zu viele Gedanken. Das sind diejenigen, die erst einmal analysieren und analysieren, aber nicht in Schwung kommen. Dadurch übersehen sie, dass viele Dinge im Leben nicht ins Tausendste durchkalkuliert werden müssen, bevor man sie macht. Man kann sie einfach so machen. Die meisten Dinge auf der Welt funktionieren, man muss sie nur angehen. Eine Geschichte von ökonomischem Verhalten, dass man nicht immer alles bis ins Letzte analysiert. Also, sie machen eher Paralyse durch Analyse. Wenn etwas entschieden ist, zweifeln sie die Entscheidung an, sie wollen nachrechnen, kontrollieren. Denn alles andere macht ihnen Angst. Leider neigen sie auch zum Schwarzsehen und zur Besserwisserei. Was machen sie? Anstatt die Dinge im Überblick zu beurteilen (das sind nicht diejenigen, die in die Adler-/Vogelperspektive gehen) verzetteln sie sich in den Kapillaren des Systems. Sie gucken eher so im Kleinkram. Stellen Sie sich einen "Besserwisser-Günter" vor, der sich ein Bild von van Gogh anschaut und erkennt das Motiv gar nicht. Warum? Er steht mit der Lupe davor. Er guckt sich den einen Fleck an, dann den nächsten und kann Ihnen ganz genau sagen, wie die einzelnen Flecken aussehen. Aber er kann Ihnen nicht sagen, wie die Gesamtkomposition ausschaut. Das ist doof, weil diese Menschen sich Gedanken machen über Themen, worüber sie sich keine Gedanken machen müssen, weil das Leben häufig einfacher, klarer und direkter funktioniert. Auf der anderen Seite, wenn Sie so einen "Besserwisser-Günter" im Kopf haben, der Sie steuert, kann das auch positive Seiten haben. Solche Leute oder Teammitglieder mit "Besserwisser-Günter" im Kopf sind Superspezialisten. Wenn Sie Fachfragen haben und so jemanden haben, der getrieben ist von Fach- oder Spezialistenfragen, werden Sie kaum jemand Besseren finden, der sich in die Aufgabe reinfuchst. Das ist jemand, der Befriedigung darin finden kann, spezielle Fragestellungen zu erörtern, wo andere Leute sagen: halt, ist mir viel zu kompliziert, will ich gar nicht, will gar nicht diesen Kleinkram wissen. Das heißt, der "Besserwisser-Günter" ist nicht grundsätzlich etwas Negatives, der hat durchaus auch Kompetenzen.

Ganz im Gegenteil zu diesem "Besserwisser-Günter" gibt es den sogenannten "Cholero-Günter". Der Choleriker mit der angeblich gelben Flüssigkeit und der "Routine-Günter" ticken völlig anders als der "Besserwisser-Günter". Da, wo der "Besserwisser-Günter" geguckt hat, mach ich es richtig, fragt sich der Choleriker, tue ich überhaupt das Richtige, das heißt stimmt die Richtung, in die ich gehe? Dem ist es ziemlich egal, ob alles nach den richtigen Regeln läuft und mit Kleinkram will er sich nicht aufhalten. Stattdessen will der "Cholero-Günter" Ergebnisse, und zwar die besten, möglichst ohne Umwege, und zwar jetzt. Seine Sprüche lauten in etwa: ganz oder gar nicht, der frühe Vogel fängt den Wurm, jetzt oder nie, du oder er, schwarz oder weiß, die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist die Gerade.

Also Sie ahnen, das sind Menschen, die im Hauptantrieb eher ziel- und handlungsorientiert vorgehen. Also diejenigen, die wissen ganz genau in welche Richtung es geht. Sie wissen genau, der Wind kommt von links, Wind geht nach rechts, sie wissen genau, wo ist das Zwischen- beziehungsweise das Endziel. Wie komme ich dahin, in welchen Zeitabständen komme ich dahin, und was muss ich dafür tun und los gehts. In Teams geben diese Choleros oftmals die Richtung vor, und die anderen müssen folgen. Das ist praktisch, denn diese Choleros haben meist einen guten Überblick. Sie leben sozusagen in der Vogelperspektive. Sie wissen, wo es langgeht. Problematisch ist nur, dass sie meistens schon am Ziel angekommen sind, während andere ihre Pläne erst in der Realität umsetzen müssen. Das klappt nicht immer. Das sind Menschen, die eher eine Art Sozialflurschaden anrichten, die gerne einmal ruppiger durch das Leben gehen, als es sein muss. Sie kennen vielleicht solche Situationen im Job. Sie kommen in ein Großraumbüro, die Stimmung ist allgemein geknickt, weil kurz vorher ein "Cholero-Günter" durchgelaufen ist. Denen ist es auch egal, was die Menschen von ihnen halten, sie gehen ihren Weg und der Schwachpunkt ist leider die Kommunikation. Das sind die Menschen, für die die Sprüche aus der Management-Phílosophie erfunden wurden: Du musst den anderen abholen, wo er steht, du musst immer alles erklären, das wissen die nicht, sie denken, die Welt tickt genauso schnell im Kopf wie sie. Aber die Welt tickt nicht so schnell. Sie gehen häufig ihre Routinen beziehungsweise besserwisserischen Wege. Solche "Cholero-Günter" werden leicht ungeduldig, ruppig, sie streiten sich, sie sagen: los, mach es endlich und das Team duckt sich weg. Also, worin liegt die Stärke dieser "Cholero-Günter"? Wenn sie so einen im Kopf oder im Team haben, gucken Sie, was sagt er, in welche Richtung geht es. Wo liegt die Schwäche bei ihm. Ganz klar, gucken Sie, dass der ordentlich kommuniziert. Schalten Sie einen Gang zurück, kommunizieren Sie mehr, erwarten Sie nicht so viel von Ihrer Umgebung, erwarten Sie vor allem nicht, dass die anderen wissen, was Sie denken, erwarten Sie nicht, dass die anderen schon so schnell am Ziel sind. Vor allem wenn Sie mit "Cholero-Günter" zu tun haben, müssen Sie öfter sagen, das klappt schon, Mut machen, immer einen Gang zurückschalten, immer kommunizieren. Dann ist auch der "Cholero-Günter" glücklich und wird im Leben ganz viel Erfolg haben.


Dieser Typ Nummer vier. Sie ahnen, in welche Richtung es geht. Nach der hippokratischen Lehre ist das der Sanguiniker, der ein Bluttemperament hat, der heiter ist und der wieder ganz anders tickt. Dem ist der Weg nämlich wurscht, auch das Ziel seiner Handlung ist ihm egal. Was er will ist Action, und davon eine ganze Menge. Er kloppt Sprüche wie: probieren geht über studieren, mach halt, wird schon irdendwie, wer rastet der rostet, Hauptsache Action oder alle Menschen sind Freunde. Routinen mögen "Aktions-Günter" überhaupt nicht, Neues mögen sie umso lieber. Das Gute bei denen ist, dass sie diesen starken Antrieb haben, mit anderen Menschen schnell in Kontakt zu kommen. Wenn Sie jemanden auf einer Messe brauchen, der neue Kontakte knüpft oder jemanden, den Sie ans Telefon setzen müssen, und der ganz schnell mit verschiedenen Menschen gut auskommen soll, nehmen Sie jemanden, der "Aktions-Günter-mäßig" tickt. Sie kommen prima mit anderen Menschen zurande, weil sie alle möglichen Arten von neuen Projekten engagiert und motiviert angehen. Das Ganze hat allerdings auch eine negative Seite. Lange Analysen halten sie eher für Zeitverschwendung. Das geht hin bis zur Leichtfertigkeit, bis dahin, dass man neue Dinge anfängt, um was Neues angefangen zu haben, sich aber überhaupt nicht über die Konsequenzen Gedanken gemacht hat. Man macht einfach mal was, probiert es aus und mit soviel Sicherheit, dass es schon irgendwie klappt, weil man schon immer seinen Kopf aus der Schlinge gezogen hat. Es ist nicht gesagt, dass die neuen Dinge, die "Aktions-Günter" anfangen, von Erfolg gekrönt sind. Risiko, egal denken sie, wenn es schief geht, klappt es beim nächsten Mal. Sie können sich vorstellen, wie Leute drauf sind, die einen "Aktions-Günter" im Kopf haben. Sie sind meistens in Bewegung, meistens gutgelaunt, leider auch etwas oberflächlich, Routinen finden sie langweilig, Besserwisserei finden sie unwichtig, Choleroallüren sind unelegant. Wie kann man wegen jeder Kleinigkeit in die Luft gehen. Sie haben so viele Eigenschaften und Fertigkeiten, zwischenmenschliche Fertigkeiten. Sie sind so flexibel, wenn nicht a, dann b, sie haben gar keine Vorstellung, dass der Choleriker seinen Weg geht und sagt, ich habe Ziel eins und Ziel zwei. Das will ich alles schaffen. Sie haben keine Ahnung wie das geht und von Nachdenklichkeit, Genauigkeit und Strategien halten sie auch nicht besonders viel, weshalb ihr Aktionsdrang sie mitunter in Schwierigkeiten bringt. Aber mit Charme und Schwung schaffen sie es meistens, diese Probleme vom Hals zu kriegen. Manchmal denken sie doch, dass sie vor dem Handeln erst einmal Grübeln sollten. Wenn Sie bei neuen Projekten so einen im Kopf haben, wunderbare Geschichte, auch, wenn sie mit anderen Menschen zusammen sein sollen, aber Vorsicht. Machen Sie sich klar, dass Projekte nicht nur aus dem Anfang bestehen, also nicht nur darin, eine Anfangshürde zu überwinden. Die ist für "Aktions-Günter" definitionsgemäß gar nicht vorhanden. Sondern diese Anfangshürde zeigt vielen Leuten erst, ob ein Projekt überhaupt ökonomisch ist, ob es Sinn macht. Wenn Sie diesen Ökonomiezweck gar nicht machen, dann handeln, handeln, handeln Sie um des Handelns selbst willen. Es ist ihnen egal, ob dabei etwas herauskommt. Das ist der wichtige Punkt. Der "Aktions-Günter" sagt, am heutigen Tag habe ich diesen Impuls, morgen den nächsten Impuls, dann mach ich einfach mal, und übermorgen wieder einen anderen Impuls. Das heißt, dass man Handlungen gerne anfängt, aber die Handlungen nicht bis zum Ende durchhält. Vorsicht. Wenn Sie so einen "Aktions-Günter" im Kopf haben und sich angesprochen fühlen, und der "Aktions-Günter" hat eine Idee und sagt: machen wir dieses oder jenes, dann schlafen Sie erst eine Nacht darüber. Wenn er Ihnen am nächsten Tag das Gleiche sagt, dann schlafen Sie noch eine Nacht darüber, nach der dritten Nacht noch eine, und wenn er am vierten Tag konsistent in eine Richtung handelt oder denkt, überlegen Sie, vielleicht ist irgendwas dran. Vielleicht sollten Sie diesem "Aktions-Günter" nachgeben und machen, was er vorschlägt. Aber bitte lassen Sie den "Aktions-Günter" nur ganz reduziert strategische Entscheidungen fällen. Strategie ist nämlich nicht die Sache der "Aktions-Günter". Unter langfristigem Denken können sie sich nichts vorstellen.

Wie geht man mit so einem im Team um, also einem Mitglied, das aktionistisch tickt? Wenn Sie führen müssen, machen Sie sich klar, solche Menschen, solche inneren Schweinehunde brauchen Strukturen. So mühsam es ist, eine Richtung vorzugeben, ist es trotzdem wichtig. Aber die Strukturen dürfen nicht zu starr und eng werden, dem "Aktions-Günter" nicht die Luft zum Atmen nehmen. Dann sind sie schnell bei einer kleinen Depression, haben keine Lust im Leben, sind nicht mehr motiviert.

Versuchen wir zusammenzufassen: Wir haben vier verschiedene Menschentypen, den Sanguiniker, den Phlegmatiker, den Choleriker und den Melancholiker oder den "Routine-Günter", den "Besserwisser-Günter", den "Aktions-Günter" und den "Cholero-Günter". Wenn Sie sich in einem dieser Günter wiedererkannt haben, Vorsicht. Das nennt man dann Persönlichkeitsstörung. Das steht auf einem anderen Blatt. Persönlichkeitsstörung ist eine so extreme Ausprägung eines bestimmten Menschentypen, dass diese Menschen Probleme mit sich selbst haben, auch Probleme mit der Umwelt. Also das sollten Sie nicht haben. Sie sollten sich nicht mit genau einem Typen identifizieren, aber Sie werden vermutlich den einen oder anderen Aha-Effekt gehabt haben. Sie sollten eher in die Richtung gehen: das ist ein Anteil von mir oder das oder so bin ich eher nicht. Ich hoffe, Ihnen geholfen zu haben, sich zu positionieren.

Warum möchte ich Ihnen dieses Thema so nahe bringen? Wir Menschen sollten in einem hohen Maß synergistisch tätig sein. Was der eine gut kann, muss noch lange nicht das sein, was der andere gut kann. Wir neigen gerne dazu, vor allem in Deutschland ist das eine Unsitte, alles über einen Kamm zu scheren. Die Welt muss gerecht sein, gleiche Rechte und Pflichten für alle. Genau das ist falsch, wenn man es von der Persönlichkeitspsychologie betrachtet. Man sollte eher sagen, jeder kann Dinge unterschiedlich gut, jedem machen andere Dinge unterschiedlich viel Spass. Achten wir darauf, dass wir unser Team so zusammensetzen, dass jeder das machen kann, was er gut kann, worin er stark ist, was ihm Spass macht. Auch in der Familie sollten wir respektieren, was der andere will, was ist der andere für eine Persönlichkeit. Dann geht die Motivation im Leben leichter von der Hand als ohne.

Ich selbst hatte meine ersten Erfahrungen zum Thema Persönlichkeiten bei meiner Doktorarbeit. Das war im Jahre 1998. Da habe ich eine Doktorarbeit in der Universitätsklinik Ulm gemacht und zwar habe ich Persönlichkeitsstörungen bei Strafgefangenen gemessen. Das war eine sehr spannende Arbeit. Wenn man sich in diese Thematik reindenkt, hat man sehr viele Schemata im Kopf, man weiß, wie die Menschen sein sollten. Ich hatte die Schwierigkeit, dass ich eine gewisse Zeit nach der Doktorarbeit noch durch die Welt gelaufen bin und mich gefragt habe, was ist das für ein Typ. Ich neigte damals auch dazu, Menschen in Schubladen zu stecken. Deswegen möchte ich das Thema Persönlichkeit mit einem warnenden Hinweis schließen: Vorsicht. Stecken Sie Menschen nicht in Schubladen. Sie sind nicht in Schubladen zu stecken, sie sind individuell. Sie haben alle eine eigene Persönlichkeit. Das bedeutet auch, dass diese Metaphern, diese Schubladen, die ich angeboten habe, nicht als letztgültige Regel bestehen bleiben sollten, sondern nehmen Sie diese als Modelle. Kleine Hinweise, dass andere Menschen anders sind als Sie und immer sind sie individuell und meistens sind sie nett. Urteilen Sie nicht über andere Menschen und gehen Sie mit einem besseren Gespür für andere Persönlichkeiten durch die Welt.



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