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Psychischer Druck Inhaltsverzeichnis der Doktorarbeit

Untersuchungsmethodik

Dr. Heiko Maurer

5.4.3 Kinematische Daten

Bewegungsausführung

Zunächst werden die 2D-Daten der Bewegungsausführung dargestellt. Damit soll die Hypothese geprüft werden, dass Drucksituationen bzw. ein ausführungsbezogener Aufmerksamkeitsfokus zu einer geringeren Nutzung von Freiheitsgraden im Bewegungsvollzug führen.

In Tabelle 3 sind die mittleren Bewegungsumfänge in den einzelnen Gelenken unter den verschiedenen Bedingungen dargestellt. Anhand der deskriptiven Daten zeigen sich zwar Unterschiede zwischen den Gruppen, jedoch durchweg keine Veränderungen zwischen den Baseline- und den Treatmentbedingungen. Auf eine statistische Prüfung mittels multivariater Varianzanalyse kann daher verzichtet werden. Damit ergibt sich also keine Verringerung der Bewegungsumfänge unter Druck- bzw. ausführungsbezogener Aufmerksamkeitslenkung.

Tabelle 3: Mittelwerte und Standardabweichungen [°] der Bewegungsumfänge in den einzelnen Gelenken.
Knie Hüfte Schulter Ellbogen Hand
M SD M SD M SD M SD M SD
DG B 43.29 9.14 22.14 10.54 49.22 11.11 103.29 11.56 52.29 18.70
D 43.27 8.25 22.51 10.21 49.94 11.08 103.50 11.51 52.28 17.39
IG B 47.70 6.84 23.52 8.07 51.20 11.50 104.81 15.59 52.92 15.99
I 48.07 6.24 23.93 7.23 50.82 10.64 104.24 14.56 54.56 16.76
EG B 44.48 19.39 22.94 15.49 51.83 15.22 102.98 17.37 59.99 15.35
E 44.57 20.28 22.51 15.96 51.01 15.09 101.45 17.66 58.61 15.02

In Abbildung 17 und Abbildung 18 werden die Ergebnisse der Korrelationsberechnungen zwischen den Winkelverläufen im Knie- und Schultergelenk sowie im Ellbogen- und Handgelenk veranschaulicht. Die dargestellten mittleren Fisher-Z-Werte entsprechen durchweg hohen Korrelationskoeffizienten (alle r-Werte > .83). Auch hier zeigen sich nur geringe Mittelwertunterschiede innerhalb der Gruppen, jedoch – insbesondere bei den Verläufen von Ellbogen- und Handgelenk – sehr hohe Streuungen, was auf individuell sehr unterschiedliche Technikausführungen hindeutet. Dies wird auch in Abbildung 19 deutlich, wo beispielhaft für vier Spielerinnen Winkel-Winkel-Plots für die Bewegungen im Ellbogen- und Handgelenk dargestellt sind.

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Abbildung 17: Mittlere Korrelationswerte (Fisher-Z-Werte) (+SD) der Winkelverläufe in Knie- und Schultergelenk.

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Abbildung 18: Mittlere Korrelationswerte (Fisher-Z-Werte) (+SD) der Winkelverläufe in Ellbogen- und Handgelenk.

Zur statistischen Prüfung werden zweifaktorielle Varianzanalysen mit den Faktoren Gruppe und Kopplung durchgeführt. Die Prüfung der Voraussetzungen ergibt in beiden Fällen jeweils in einer Zelle unzureichende Normalverteilung, was aber – bei der Anzahl erforderlicher Tests und einem α-Fehler-Niveau von .20 – nicht überzufällig ist und toleriert wird. In beiden Fällen ergibt sich der erwartete Interaktionseffekt der beiden Faktoren nicht (F-Werte < 1). In der Tendenz zeigt sich ein Messwiederholungseffekt beim Zusammenhang von Knie- und Schultergelenk (F1,27 = 3.07, p = .09, η2 = .10), nicht aber bei Ellbogen- und Handgelenk (F1,27 = 1.98, p = .17, η2 = .07). Auch ein bedeutsamer Gruppeneffekt ist nicht zu finden (Knie-Schulter: F2,27 = 1.39, p = .27, η2 = .09; Ellbogen-Hand: F2,27 = .07, p = .94, η2 = .01). Bei post-hoc-Analysen ergibt sich jedoch für die Spielerinnen der Druck-Gruppe in der Tendenz ein Anstieg der linearen Kopplung von Ellbogen und Hand (Wilcoxon-Test: Z10 = -1.48, p = .07).

Hypothese 1.2 kann damit nicht bestätigt werden. Das Einschränken von Freiheitsgraden zeigt sich nicht in geringeren Bewegungsumfängen in den beteiligten Gelenken. Stärkere lineare Kopplungen ergeben sich nur in der Tendenz in der Druck-Gruppe und bei dem Zusammenhang von Ellbogen- und Handgelenksbewegung.

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Abbildung 19 A-D: Ausgewählte Winkel-Winkel-Verläufe für Ellbogen- und Handwinkel für jeweils eine Wurfserie von vier Spielerinnen.

Ballflug

In Abbildung 20 ist die Veränderung der kovariationsbereinigten Ergebnisvariabilität ErwEV dargestellt, die ein Maß für die Ausführungsvariabilität der Bewegung darstellt. Dort zeigen sich nur geringe Unterschiede zwischen der Baseline- und der Treatment-Bedingung, jedoch etwas höhere Ausprägungen in der External-Gruppe.

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Abbildung 20: Veränderung der Ausführungsvariabilität (+SD) von der Baseline zur Treatmentserie (operationalisiert durch die kovariationsbereinigte Ergebnisvariabilität ErwEV).

Die Prüfung der Voraussetzungen für die Durchführung einer Varianzanalyse ergibt unzureichende Varianzhomogenität in der Treatmentserie und eine Verletzung der Normalverteilungsvoraussetzung in zwei Zellen. Aus diesem Grund wird eine nicht-parametrische zweifaktorielle Analyse mit den Faktoren Gruppe und Variabilität mit Messwiederholung auf dem Variabilitätsfaktor durchgeführt. Dies ist auch deshalb angebracht, weil bei einer Spielerin der Druck-Gruppe (entgegen dem Trend) eine sehr deutliche Reduktion von ErwEV zu finden ist und die auf Rangdaten basierenden Auswertungen relativ robust gegenüber Ausreißern sind. Dabei zeigt sich die erwartete Interaktion der Faktoren Gruppe und Variabilität nicht (F1.88,∞ = .02, p = .98). Es ergeben sich auch keine statistisch bedeutsamen Haupteffekte (Gruppe: F1.97,∞ = 1.55, p = .21; Variabilität: F1,∞ = .77, p = .38).

Damit kann Hypothese 1.3 nicht bestätigt werden. Es zeigt sich kein differentieller Anstieg der Ausführungsvariabilität in der Druck- und Internal-Gruppe.

In Abbildung 21 sind die mittleren Kovariationskoeffizienten (nach vorheriger Fisher-Z-Transformation) dargestellt. Diese beschreiben die Nutzung aufgabendienlicher Kovariation in den jeweiligen Serien. Auch hier zeigen die deskriptiven Daten nur geringe Mittelwertunterschiede zwischen den Bedingungen und zum Teil große Streuungen innerhalb der Gruppen.

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Abbildung 21: Veränderung bei der Nutzung aufgabendienlicher Kovariation (+SD) von der Baseline- zur Treatmentbedingung.

Bei den Daten zeigt sich ausreichende Normalverteilung und Varianzhomogenität, sodass eine zweifaktorielle Varianzanalyse mit den Faktoren Gruppe und Kovariation durchgeführt wird. Wie anhand der deskriptiven Daten zu erwarten, ergeben sich keine statistisch bedeutsamen Effekte (Interaktion: F2,27 = .81, p = .46, η2 = .06; Gruppe: F2,27 = .54, p = .59, η2 = .04; Kovariation: F1,27 = .07, p = .79, η2 = .01).

Der erwartete Anstieg der Ausführungsvariabilität in der Druck- und der Internal-Gruppe zeigt sich nicht. Hypothese 1.4 kann folglich nicht bestätigt werden.

5.4.4 Post-hoc-Analysen und Einzelfallbetrachtungen

Bei den bisher durchgeführten Analysen auf Gruppenebene ergeben sich nicht die erwarteten kinematischen Veränderungen. Für eine detaillierte Betrachtung der Daten werden nun noch post-hoc Zusammenhangsanalysen und Einzelfallbetrachtungen – insbesondere für die Spielerinnen der Druck-Gruppe – vorgenommen. Dabei werden zunächst Rangkorrelationsberechnungen nach Spearman genutzt, um den Zusammenhang von Zustandsangst und Leistung sowie des Trefferscores und der ermittelten Ergebnisvariabilität zu ermitteln. Im Anschluss werden die Veränderungen ausgewählter Daten für die Spielerinnen der Druck-Gruppe dargestellt.

Zunächst lässt sich der erwartete negative Zusammenhang zwischen ansteigender Zustandsangst und der Abnahme der Trefferleistung bestätigen. Für alle Spielerinnen (n = 30) ergibt sich ein mittlerer negativer Zusammenhang (r = -.64, p < .001), betrachtet man lediglich die Spielerinnen der Druck-Gruppe (n = 10), so erreicht dieser nicht das Signifikanzniveau (r = -.41, p = .24).

In Abschnitt 5.2 wurden die Erwartungen formuliert, dass es durch erhöhten Ausführungsdruck zu einem Anstieg der Ausführungsvariabilität (ErwEV) und einem Rückgang bei der Nutzung aufgabendienlicher Kovariation kommt. Zur Bestimmung der aufgabendienlichen Kovariation wurde die Streuung der Flugkurven beim Durchschneiden der Ringebene (BVEBB) genutzt. Dabei liegt die Annahme zugrunde, dass die einzelnen Ausführungsgrößen beim Freiwurf so aufeinander abgestimmt werden, dass geringe Ungenauigkeiten des Ballfluges am Ring resultieren und damit hohe Trefferleistungen einhergehen. Es gilt also zu prüfen, ob der Zusammenhang von geringer Ergebnisvariabilität und hoher Trefferleistung zutrifft. Dazu wird die Korrelation der ermittelten Trefferscores und der empirischen Ergebnisvariabilität (EmpEV) in den beiden Serien bestimmt. Hierbei bestätigt sich die erwartete Beziehung durch einen mittleren negativen Zusammenhang (r = -.62, p < .001, n = 60).

In Abbildung 22 A-D sind die Veränderungen von der Baseline- zur Druckbedingung für die Zustandsangst (A), den Trefferscore (B), die Ausführungsvariabilität (C) und den Kovariationskoeffizienten R (D) für die zehn Spielerinnen der Druck-Gruppe dargestellt.

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Abbildung 22 A-D: Veränderungen von der Baseline- zur Druckbedingung für die 10 Spielerinnen der Druck-Gruppe. Ansteigende Werte verdeutlichen einen Anstieg der Zustandsangst (A), der Trefferleistung (B), der Ausführungsvariabilität (C), jedoch ein Rückgang aufgabendienlicher Kovariation (D).

In Abbildung 22 A zeigt sich, dass die Druckbedingung bei neun der zehn Spielerinnen zu einem Anstieg der Zustandsangst führt, dies jedoch nicht bei allen Spielerinnen mit Leistungseinbußen einhergeht (Abbildung 22 B). Anahand von Abbildung 22 C wird deutlich, dass diese Verschlechterung der Trefferleistung – mit einer deutlichen Ausnahme – mit dem erwarteten Anstieg der Ausführungsvariabilität einhergeht. Die starke Reduktion von ErwEV bei Vp 5 hat bei einer Gruppengröße von n = 10 auch bei der Nutzung nicht-parametrischer Verfahren einen deutlichen Einfluss. Schließt man das Ergebnis von Vp 5 aus der Analyse aus, was auch aufgrund einer Ausreißeranalyse gerechtfertigt ist, dann lässt sich der erwartete Anstieg der Ausführungsvariabilität auch statistisch absichern (Wilcoxon-Test: Z9 = -2.07, p = .02). Ein Rückgang bei der Nutzung aufgabendienlicher Kovariation zeigt sich auch bei den in Abbildung 22 D aufgeführten Einzelbetrachtungen der Spielerinnen nicht. Lediglich bei drei Spielerinnen gehen die Leistungseinbußen mit einer verringerten Abstimmung der Wurfparameter einher.


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