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Psychischer Druck Inhaltsverzeichnis der Doktorarbeit

Druck und Veränderungen der Bewegungsausführung

Dr. Heiko Maurer

4.3 Studien zur Veränderung des Bewegungsverhaltens in Drucksituationen

Im Folgenden wird ein Überblick über die wenigen Arbeiten gegeben, die sich mit kinematischen Veränderungen bei erhöhtem Ausführungsdruck befassen. In Tabelle 1 sind entsprechende Studien aufgeführt, bei denen jedoch sehr unterschiedliche Aufgaben, Druckbedingungen und kinematische Parameter genutzt werden.

Bei Aufgaben ohne Zeitdruck (Klettern: Pijpers, Oudejans & Bakker, 2005; Gehen: Collins et al., 2001) ergibt sich bei erhöhter Zustandsangst (Ausführung in größeren Höhen) eine Ausführungsverlangsamung. Collins et al. (2001) finden zudem stärkere lineare Kopplungen für die unteren Extremitäten anhand der Winkelbeschleunigungsdaten beim Gehen, was als Einschränken von Freiheitsgraden interpretiert werden kann. Es liegen nur drei Studien vor, die sich auf Wurf- und Schlagbewegungen beziehen. Higuchi et al. (2002) nutzen eine virtuelle Schlagbewegung mit einem eingelenkigen Hebel und leichte elektrische Stimuli zur Erhöhung des Ausführungsdrucks. Es zeigen sich keine Veränderungen der Ausführungsleistungen, jedoch eine kleinere Ausholbewegung und geringere Variabilität im Umkehrpunkt der Bewegung und im Treffpunkt. Gray (2004) findet hingegen in einer wettkampfähnlichen Situation im Vergleich zu einer Baseline-Bedingung eine variablere Bewegungsausführung bei Baseball-Schlagbewegungen mit einem virtuellen Ball. Bestimmt wurde hier das zeitliche Verhältnis von Aushol- und Schlagbewegung. Diese erhöhte Variabilität geht einher mit geringerer zeitlicher Präzision beim Treffen des Balles. Higuchi (2000) untersucht Veränderungen durch erhöhten Evaluationsdruck beim Unterhandzielwurf mit der nicht-dominanten Hand. In der Drucksituation zeigen sich größere Streuungen im Ziel in Verbindung mit einem konstanten Abwurfpunkt. Dagegen ergeben sich größere Streuungen bei Korrelationsberechnungen der Winkelgeschwindigkeits- und -beschleunigungsdaten, was als Hinweis für ein variableres Bewegungsmuster gewertet wird.

Tabelle 1: Zusammenstellung von Arbeiten, die kinematische Veränderungen der Bewegungsausführung in Situationen mit erhöhtem Ausführungsdruck bzw. erhöhter Angst untersuchen.
Autor(en) Aufgabe Druckbedingung Befund
Beuter & Duda (1985)
Beuter, Duda & Widule (1989)
Gehen über Hindernisse
(N=9 Kinder)
(N=14 Kinder)
Evaluationsdruck durch einen anwesenden Arzt Qualitative Beschreibung der Hüft-, Knie- und Fußgelenksbewegungen; Unterschiede – die als weniger fließende Bewegung interpretiert werden – zeigen sich nur im Fußgelenk
Collins, Jones, Fairweather, Doolan & Priestley (2001) Exp. 1: Gehen über zwei Balken (N=16) Erhöhte Angst bei Ausführung in größerer Höhe (20m) Kleinere und langsamere Schritte in der Höhe; Kreuzkorrelationsberechnungen der Winkelbeschleunigungsdaten von Sprung-, Knie- und Hüftgelenk ergeben stärkere Kopplungen der Gelenkbewegungen
Exp. 2: Gewichtheben (Reisen) (N=7) Wettkampf- vs. Trainingssituation Schwierig zu interpretierende qualitative Beschreibung der Kreuzkorrelationsdaten weniger Versuche
Gray (2004) Baseballschlag mit virtuellem Ball (je n = 6 erfahrende Spieler in Experimental- und Kontrollgruppe) Wettkampfähnliche Situation mit finanziellem Anreiz Bestimmt wurde das zeitliche Verhältnis von Aushol- und Schlagbewegung; Es zeigte sich eine deutlich höhere Variabilität dieses Verhältnisses verbunden mit abnehmender zeitlicher Präzision beim Treffen des Balles
Higuchi (2000) Unterhandwurf mit der nicht-dominanten Hand (N=11) Erhöhter Evaluationsdruck Schlechtere Trefferleistung (AE); Erhöhte Variabilität (SD) der Korrelationen der Winkelgeschwindigkeitsverläufe von Schulter-, Ellbogen- und Handgelenk; Geringere Variabilität des Abwurfpunktes
Higuchi, Imanaka & Hatayama (2002) Virtuelle Schlagaufgabe mit eingelenkigem Hebelarm (N=14) Leichter elektrischer Stimulus bei schlechten Leistungen Keine Veränderung der Treffgenauigkeit (RMS-Fehler); Späterer Bewegungsbeginn, kleinere Ausholbewegung und konsistentere Bewegungsmuster
Mullen & Hardy (2000) Golf-Put (N=18, Handicap 12-18) Erhöhte Evaluation und Wettkampf mit finanziellem Anreiz Unklare Ergebnisse sowohl für die Leistung als auch für die explorativen kinematischen Analysen
Pijpers, Oudejans & Bakker (2005) Klettern an einer Indoor-Kletterwand (N=23) Erhöhte Angst bei Ausführung in größerer Höhe (5m) Längere Gesamtzeiten; Stärker abwägendes Verhalten (Zunahme explorativer Bewegungen); Verlangsamung der Bewegungsausführung (längere Zeitspannen zwischen den einzelnen Griff-Fixierungen)

Insgesamt lässt sich festhalten, dass Collins et al. (2001) beim Gehen in großer Höhe stärkere lineare Kopplungen der Gelenkbewegungen in den unteren Extremitäten finden, was als Reduktion der genutzten Freiheitsgrade interpretiert werden kann. Ansonsten wird in den genannten Studien aber nicht geprüft, ob die Abstimmung einzelner Ausführungsgrößen durch erhöhten Ausführungsdruck beeinträchtigt wird. Die genutzten Variabilitätsmaße sind vor dem hier diskutierten Hintergrund schwierig zu interpretieren. Zum einen erfolgt keine Unterscheidung zwischen unkontrollierter Streuung und aufgabendienlicher Variabilität und zum anderen wird auch nicht geprüft, ob die veränderte Ausführungsvariabilität zu einer Beeinflussung der Ergebnisvariabilität führt.

4.4 Fazit

Aus den in Kapitel 3 dargestellten Erklärungsansätzen ergeben sich Hinweise darauf, wie Bewegungsausführungen durch Drucksituationen bzw. Aufmerksamkeitsprozesse beeinflusst werden und daraus Leistungseinbußen resultieren können. Unterschiedliche Ansätze beschreiben das Ansteigen muskulärer Kokontraktionen, was als Einschränkung von Freiheitsgraden interpretiert werden kann.

In Abschnitt 4.1 wird das von vielen Autoren aufgegriffene Freiheitsgradeproblem von Bernstein (1967) eingeführt. Daraus lassen sich mögliche kinematische Veränderungen des Koordinationsmusters ableiten, nämlich geringere Bewegungsumfänge und stärkere lineare Kopplungen der Bewegungen verschiedener Gelenke. Quantitative Bezüge zu Leistungsveränderungen können dabei jedoch nicht hergestellt werden. Darin besteht der Vorteil des in Abschnitt 4.2 eingeführten Konzepts von Müller (2001), bei dem sich Faktoren bestimmen lassen, auf die Leistungsveränderungen bei Aufgaben mit hohen Konstanzanforderungen zurückführt werden können.

Die Koordination von Freiheitsgraden und die Nutzung aufgabendienlicher Kovariation stellen zwei ähnliche Betrachtungen von Bewegungsverhalten dar. Beide beziehen sich auf kinematische Aspekte der Bewegungsausführung und betrachten dabei die ergebnisbezogenen Abstimmungen einzelner Ausführungsgrößen. Die quantitative Bestimmung aufgabendienlicher Kovariation auf Gelenkebene ist jedoch bei Ganzkörperbewegungen nur schwer möglich, da hierfür eine sehr komplexe Modellierung der Bewegungsausführung erforderlich ist. Aus den möglichen Veränderungen der Bewegungsausführung lassen sich jedoch Erwartungen für die Beeinflussung der Faktoren formulieren, die anhand der Flugkurven quantitativ bestimmt werden können und die einen direkten Einfluss auf die Ergebnisvariabilität haben. So sollte die Beeinträchtigung der Gelenkkoordination zu einer größeren Streuung der Abwurfparameter und einer gleichzeitig verringerten Nutzung aufgabendienlicher Kovariation der Abwurfparameter führen.


>> Untersuchung I – Druck und Aufmerksamkeitslenkung
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