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Psychischer Druck Inhaltsverzeichnis der Doktorarbeit

Psychischer Druck, Aufmerksamkeits-lenkung und sportliche Leistung

Dr. Heiko Maurer

1 Einleitung

„Perl versagen Nerven in Schluss-Sekunde“1 – Überschriften und Kommentare wie diese sind regelmäßig in Sportteilen der Tageszeitungen zu finden. Ganz offensichtlich sind wichtige Wettkampfsituationen für Athleten mit einem besonderen „Druck“ verbunden. Für die Medien, viele Zuschauer aber auch Sportlerinnen und Sportler besteht der besondere Reiz gerade in diesen kritischen Wettkampfsituationen. Während sich einige Sportler dadurch auszeichnen, auch in solch wichtigen Wettkampfsituationen einen „kühlen Kopf zu bewahren“, sind viele andere Athleten dafür bekannt, in diesen Situationen nicht ihre optimalen Leistungen abrufen zu können. Letztere werden häufig als „Trainingsweltmeister“ bezeichnet (z. B. Barkhoff, 2002; Marahrens & Keil, 2004).

Im Wettkampfsport ist das Erbringen guter Leistungen in wichtigen Wettkampfsituationen von großer Bedeutung. Folglich sind Leistungseinbrüche in Drucksituationen – im Englischsprachigen hat sich für dieses Phänomen der Begriff choking under pressure etabliert – von großem Interesse in der sportpsychologischen Forschung. Dies spiegelt sich auch in einer langen Forschungstradition wider, in der versucht wird, physiologische und psychologische Faktoren sowie Persönlichkeitsmerkmale zu identifizieren, die mit der Erbringung motorischer Leistungen in Verbindung stehen. Beispielhaft sei an dieser Stelle die auf Yerkes und Dodson (1908) zurückgehende klassische umgekehrte-U-Hypothese genannt (vgl. Abschnitt 3.1), die in einer Vielzahl sportpsychologischer Arbeiten aufgegriffen wurde. Dabei ist jedoch anzumerken, dass viele dieser Arbeiten zwar leistungsbeeinflussende Faktoren beschreiben, die für das Verständnis des choking under pressure-Phänomens erforderlichen internen Prozesse und leistungsmindernden Wirkmechanismen dabei jedoch häufig nicht spezifiziert und geprüft werden.

Erst in den letzten Jahren wurden vermehrt Untersuchungen durchgeführt, die sich den internen Prozessen widmen, durch die Leistungseinbußen in Drucksituationen verursacht werden. Im Zentrum der Überlegungen steht dabei ein auf Baumeister (1984) zurückgehender Erklärungsansatz mit der Grundannahme, dass es in besonders wichtigen Situationen zu einer Lenkung der Aufmerksamkeit auf den Ausführungsprozess kommt und daraus bei hochgradig geübten Fertigkeiten eine Störung der automatisierten Ausführung resultiert. Zur Unterstützung dieser Hypothese werden zumeist indirekte Belege aus Studien zur Wirkung unterschiedlicher Aufmerksamkeitsbedingungen herangezogen. So lässt sich zeigen, dass sich bei geübten Fertigkeiten schlechtere Leistungen unter solchen Bedingungen ergeben, die eine Hinwendung der Aufmerksamkeit zum Ausführungsprozess erfordern (z. B. Beilock, Carr, MacMahon & Starkes, 2002a). Eine Studie von Gray (2004) liefert direkte Evidenzen für die Annahme, dass die erhöhte Bedeutung einer Situation zu einer Lenkung der Aufmerksamkeit auf den Ausführungsprozess führt.

Aber auch in den neueren Arbeiten zur negativen Wirkung einer ausführungsbezogenen Aufmerksamkeitslenkung wird meist nicht weiter spezifiziert, welche Veränderungen der Bewegungsausführung sich daraus ergeben und wie diese zu einer Beeinträchtigung der Leistung führen. Erste Hinweise ergeben sich aus Studien, die mittels Elektromyographie (EMG) die Muskelaktivität bei der Ausführung der Bewegung untersuchen. Bei der Lenkung der Aufmerksamkeit auf die Bewegungsausführung zeigt sich hierbei ein Anstieg der Aktivität in der ausführenden Muskulatur. Dieses „Versteifen“ der Gliedmaßen kann als verminderte Nutzung von Freiheitsgraden im Bewegungsvollzug (Bernstein, 1967; Vereijken, van Emmerik, Whiting & Newell, 1992) interpretiert werden, um eine erhöhte Kontrolle der Bewegung zu erreichen. Aber auch hier bleibt zunächst die Frage offen, wie dadurch das Bewegungsergebnis negativ beeinflusst wird. Ergebnisse von Hossner (2004; siehe auch Ehrlenspiel, 2001) geben hierzu einen Hinweis. Einhergehend mit einer Fokussierung der Aufmerksamkeit auf die Bewegungsausführung und einem Anstieg der muskulären Aktivität zeigt sich eine Abnahme kompensatorischer Prozesse. Sie untersuchen die Gelenkstellungen bei der Ausführung des Basketball-Freiwurfs und können zeigen, dass die einzelnen Gelenke so aufeinander abgestimmt werden, dass im Endpunkt der Bewegungskette hohe Konstanz resultiert. Durch eine Abnahme solcher kompensatorischen Prozesse könnten größere Ungenauigkeiten im Bewegungsergebnis entstehen.

Damit sind die zentralen Fragen der hier vorliegenden Arbeit umrissen: Durch welche Ursachen können Leistungseinbußen bei Aufgaben mit hohen Genauigkeitsanforderungen in sportlichen Drucksituationen erklärt werden und welche kinematischen Veränderungen der Bewegungsausführung sind damit verbunden?

Bei der Bearbeitung dieser Fragen werden im folgenden Kapitel zunächst grundlegende Begriffe spezifiziert und die Befundlage zu Leistungseinbußen in bedeutsamen Situationen dargestellt. In Kapitel 3 werden vorliegende Erklärungsansätze für dieses Phänomen diskutiert. Im Vordergrund steht dabei der oben beschriebene Ansatz, bei dem eine Störung der automatisierten Ausführung durch einen ausführungsbezogenen Aufmerksamkeitsfokus angenommen wird. Es folgt eine Darstellung vorliegender Ergebnisse und eine Einordnung in Überlegungen zur Funktion der Aufmerksamkeit im Rahmen der Handlungskontrolle.

Will man verstehen, wie aus den kognitiven Prozessen Leistungseinbußen im Bewegungsergebnis resultieren, so ist – wie oben deutlich wurde – eine Erweiterung der Betrachtungen auf den Ausführungsprozess erforderlich. Dazu wird in Kapitel 4 zunächst das Freiheitsgrade-Konzept von Bernstein (1967) dargestellt, auf das sich zahlreiche Autoren im hier vorliegenden Kontext beziehen. Für Bernstein (1967) besteht die zentrale Schwierigkeit bei der Bewegungskontrolle in der Koordination des vielgliedrigen menschlichen Bewegungsapparates. Dabei wird angenommen, dass zu Beginn des Lernprozesses, aber auch in Abhängigkeit der Aufgabenanforderungen, die Zahl der zu kontrollierenden Freiheitsgrade eingeschränkt werden kann, indem z. B. einzelne Gelenke fixiert werden. Hierdurch lassen sich Vorhersagen für kinematische Veränderungen der Bewegungsausführung ableiten. Allerdings ist es schwierig, deren Auswirkungen auf das Bewegungsergebnis zu quantifizieren. Aus diesem Grund wird in Abschnitt 4.2 als Erweiterung der Betrachtungen ein von Müller (2001) eingeführtes Konzept aufgegriffen. Dabei werden Faktoren unterschieden, auf die sich Leistungsveränderungen bei Aufgaben mit hohen Genauigkeits- und Konstanzanforderungen zurückführen lassen. Zudem werden Methoden bereitgestellt, die es ermöglichen, deren Einfluss auf das Bewegungsergebnis zu quantifizieren.

Kapitel 5 und 6 umfassen den empirischen Teil der Arbeit. Dabei werden die Wirkungen von erhöhtem Druck und verschiedenen Aufmerksamkeitsbedingungen auf das Bewegungsergebnis und kinematische Aspekte der Bewegungsausführung untersucht. Im Unterschied zu den bisher vorliegenden Arbeiten wird hier ein feldnahes Vorgehen gewählt. Dies spiegelt sich nicht nur in der Wahl der Bewegungsaufgabe (Basketball-Freiwurf) und der Versuchspersonen (U16/U18-Kaderspielerinnen) wider, sondern auch in der Durchführung der Untersuchungen im Rahmen von Kadermaßnahmen und der Gestaltung feldnaher Druck- und Aufmerksamkeitsbedingungen.

Abschließend erfolgt in Kapitel 7 eine Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Arbeit und ein Ausblick auf mögliche Weiterführungen.

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¹ Gießener Anzeiger, 15.01.2007, Überschrift eines Berichts über ein Basketballspiel.


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