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Psychischer Druck Inhaltsverzeichnis der Doktorarbeit

2 Druck und sportliche Leistung

Dr. Heiko Maurer

2.1 Choking under Pressure

Zur Beschreibung des Phänomens suboptimaler Leistungen in wichtigen Wettkampfsituationen wird häufig der Begriff choking under pressure verwendet. Das Verb choking – alltagssprachlich als ersticken, verkümmern, dämpfen oder hindern genutzt – wird von Baumeister und Showers (1986, p. 362) im hier vorliegenden Kontext definiert als „... the occurrence of suboptimal performance under pressure conditions [...] if one can reasonably certain that the performer could have done better. [...] Additionally, it is inherent in the definition of choking that the performer wants to perform well …“. Damit werden explizit Leistungsverschlechterungen ausgenommen, die z. B. durch motivationale Aspekte verursacht werden.

Unter Druck (pressure) verstehen die Autoren „the presence of situational incentives for optimal, maximal, or superior performance“ (Baumeister & Showers, 1986, p. 362). Als mögliche Faktoren zur Steigerung der Bedeutung einer Situation werden die Möglichkeit von Belohnung oder Bestrafung, die Anwesenheit von Zuschauern, Wettkampfbedingungen, die Wichtigkeit einer zu erbringenden Leistung oder die Erwartung negativer Konsequenzen diskutiert (Baumeister & Showers, 1986; Strauß, 1997).

Das Konstrukt Druck beschreibt damit lediglich die hohe Bedeutung, die ein Athlet seiner Leistung in einer entsprechenden Situation zuschreibt. Dabei bleibt zunächst unklar, welche Reaktionen beim Athleten mit einer solchen Situation verbunden sind und wie Druck operationalisiert werden kann. Bei einem Blick in die Literatur zeigen sich in diesem Zusammenhang eine meist unklare Begriffsverwendung und ein häufig synonymer Gebrauch der Begriffe Druck, Angst, Stress und Aktivierung (vgl. Woodman & Hardy, 2001; Zaichkowsky & Baltzell, 2001), sodass zunächst eine kurze Abgrenzung der Begriffe vorgenommen wird.

Der Begriff Stress wird in der Regel sehr weit gefasst und beschreibt Situationen, die mit erhöhten Anforderungen an eine Person verbunden sind (Woodman & Hardy, 2001). Meist wird angenommen, dass eine kognitive Bewertung der Stresssituation darüber entscheidet, wie diese wahrgenommen wird. Bei der kognitiv-transaktionalen Theorie von Lazarus (1966, 1991) wird von einer Ereigniseinschätzung (primary appraisal) und eine Ressourceneinschätzung (secondary appraisal) ausgegangen. Daraus resultiert eine Bewertung, die eher als Herausforderung, Bedrohung oder Schaden eingestuft wird. Angst resultiert dann, wenn die Stresssituation als Bedrohung wahrgenommen wird.

Auch beim Angstbegriff sind weitere Differenzierungen erforderlich. Zunächst ist grundsätzlich zwischen Angst als Zustand (state anxiety) und als Persönlichkeitseigenschaft (Ängstlichkeit, trait anxiety) zu unterscheiden. Dabei zeigt sich, dass hochängstliche Personen in bedrohlichen Situationen mit einem stärkeren Anstieg der Zustandsangst reagieren. Weiterhin wird Angst als mehrdimensionales Konstrukt verstanden, wobei mindestens zwei Dimensionen beschrieben werden. In der Regel werden eine kognitive Komponente (Besorgnis) und eine somatische Komponente unterschieden. Letztere beschreibt die Wahrnehmung physiologischer Veränderungen wie Schweißbildung, Herzklopfen oder muskuläre Anspannung. Häufig wird diese somatische Komponente mit der physiologischen Erregtheit (arousal) gleich gesetzt, zum Teil werden hier aber auch weitere Differenzierungen vorgenommen, auf die hier aber nicht weiter eingegangen wird (vgl. Stöber & Schwarzer, 2000; Woodman & Hardy, 2001; Zaichkowsky & Baltzell, 2001). Der von Martens, Burton, Vealey, Bump und Smith (1990) eingeführte Fragebogen zur Bestimmung der Zustandsangst in Wettkampfsituationen (Competitive State Anxiety Inventory 2, CSAI-2) umfasst drei unabhängige Subskalen. Zusätzlich zu den bereits erwähnten Komponenten wird das Selbstvertrauen (self-confidence) erfragt.

Die beschriebenen Zusammenhänge lassen sich wie folgt zusammenfassen: In sportlichen Wettkampfsituationen liegen häufig Bedingungen vor, die zu einer gesteigerten Bedeutung der Leistung führen. Damit ergibt sich eine Stresssituation, die in Abhängigkeit der kognitiven Bewertung sowohl als Herausforderung als auch als Bedrohung wahrgenommen werden kann. Im letztgenannten Fall resultiert daraus ein Anstieg der Zustandsangst, was sich in den einzelnen Komponenten der Angst widerspiegelt. Druck beschreibt damit also ein übergeordnetes, eher allgemeines Konstrukt. In vielen vorliegenden Arbeiten zum choking under pressure-Phänomen wird nicht spezifiziert, ob mit der erhöhten Bedeutung der Leistung in einer Drucksituation die Annahme verbunden ist, dass diese als belastend wahrgenommen wird und zu einer Angstreaktion führt. Nicht für alle der in Kapitel 3 diskutierten Erklärungsansätze erscheint dies zwingend erforderlich. Wie später deutlich werden wird, führt es jedoch zu Schwierigkeiten bei der experimentellen Bearbeitung des Phänomens, wenn das Vorliegen einer Druckbedingung nicht durch geeignete Instrumente kontrolliert werden kann. Hierfür eignet sich die Erfassung der Zustandsangst, wofür etablierte Fragebögen zur Verfügung stehen. Wenn im Folgenden von Druck oder Drucksituationen gesprochen wird, dann wird immer von einer als belastend wahrgenommenen und zu einem Anstieg der Zustandsangst führenden Situation ausgegangen. Dies dient nicht nur der Spezifizierung und Operationalisierung des Druckkonstruktes, sondern erscheint auch mit Blick auf das Praxisphänomen im Wettkampfsport angemessen, wenn mit einer Leistung in einer kritischen Situation zum Teil beträchtliche Konsequenzen verbunden sind und der Athlet unter starker Beobachtung steht.

An dieser Stelle ist anzumerken, dass sich die Wahrnehmung von Drucksituationen in Abhängigkeit der sportlichen Erfahrung verändern kann. So können Mellalieu, Hanton und O’Brien (2004) zeigen, dass Athleten mit mehr Erfahrung Angstsymptome in Wettkampfsituationen stärker positiv interpretieren und unterstützend wahrnehmen. Dieses Ergebnis deutet auch auf eine Schwierigkeit bei der Untersuchung des choking under pressure-Phänomens hin. Die experimentelle Erzeugung entsprechender Drucksituationen dürfte sich bei erfahrenen Wettkampfsportlern hierdurch schwierig gestalten. Dies könnte auch der Grund für die Ergebnisse einer eigenen Studie (Maurer, 2007) sein, die im Rahmen einer Kadersichtungsmaßnahme des Deutschen Pétanque Verbandes durchgeführt wurde. Die Aufgabe bestand darin, eine neun Meter entfernte Zielkugel mit der im Pétanque üblichen Schusstechnik zu treffen (20 Versuche). Obwohl die Leistung ein Kriterium für die Aufnahme in den Bundeskader darstellte und damit von hoher Bedeutung sein sollte, zeigten sich im Vergleich zu einer Baselinebedingung weder ein Anstieg der Zustandsangst noch eine Verschlechterung der Leistung.


>> Zusammenhang von Druck und motorischer Leistung
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