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Aus dem Testlabor
von Unicorn Darts


Kunstvolle Flights

Als ich kürzlich abends gerade einmal nicht in meinem Labor arbeitete (ich trank meinen Kaffee vor dem Fernseher), sah ich doch tatsächlich etwas Unheimliches. Na ja, vielleicht nicht unbedingt unheimlich, jedoch zumindest ungewöhnlich. Phil Taylor spielte ziemlich schlecht Darts.

Dieses Phänomen hatte schon ein paar Tage zuvor begonnen, als er in seinem letzten Gruppenspiel beim Grand Slam gerade einmal ein einziges Leg gewinnen konnte. Doch weil es dabei um gar nichts mehr ging, hatte ich dem keine Bedeutung beigemessen. Jetzt ging das aber in seinem Achtelfinalmatch gegen Colin Lloyd genauso weiter, hielt jedoch nicht lange an. Beim Stande von 3:4 hatte Taylor einen „Power“-Schub, holte sich sieben Legs in Folge und siegte mit 10:4.

Es gab einen bestimmten Grund, warum mich dies so besonders interessierte: Phil spielte mit einem neuen Flight-Design, das er sich ganz alleine ausgedacht hatte und hat dafür (Achtung: aerodynamischer Fachjargon!) die pfeilförmige Vorderflanke meiner „Sigma Pro“-Flights benutzt, allerdings mit einer stärker geschwungenen Rückflanke und einer deutlich geringeren Spannweite.

Vom flugdynamischen Standpunkt aus hätte ich gedacht, dass Phils Flights viel zu klein sind, um den idealen Auftrieb zu liefern. Einem Spieler von seinem Format hätte das nicht unbedingt Probleme bereitet, sofern er gut spielte und sein Abwurf gleichmäßig war, doch wenn dem nicht so war, konnte dies schon zu ein paar missratenen Darts führen…

Es gibt allerdings auch Vorteile. Das Trägheitsmoment ist niedrig, was die geringere Stabilität wieder ausgleicht, und durch den geringeren Auftrieb wirken sich die Unregelmäßigkeiten der Darts auch weniger auf die Aerodynamik aus. Ebenso bilden kleinere Flights für die nachfolgenden Darts kleinere Hindernisse, und die Sicht auf das Zielfeld ist weniger beeinträchtigt. Außerdem - jetzt bezogen auf Phils persönlichen Wurfstil - könnte er weiter ausholen, ohne dass der Dart in seinem Gesicht landet, und seine Darts würden nach meinen Berechnungen leicht unterhalb der Horizontalen auf das Board treffen, wie es bei seinem alten „Purist“-Setup auch der Fall war.

Diese Vorteile können nun entscheidend sein und Phil meinte, dass er mit diesen Flights besser als je zuvor spielen würde, zumindest im Training. Und diese Trainingsresultate schienen sich auch in Turnierergebnissen widerzuspiegeln, als er seine ersten beiden Gruppenspiele des Grand Slam of Darts ohne Legverlust gewinnen konnte. Und dann kam dieses vollkommen uncharakteristische letzte Gruppenspiel. Also könnt Ihr Euch sicher vorstellen, dass ich sein weiteres Abschneiden bei diesem Turnier besonders aufmerksam verfolgte.

Und nun, nachdem der letztendlich doch ungefährdete Sieg im Darts-Geschichtsbuch festgehalten ist, dachte ich, dass es sich lohnt, Euch zu berichten, wie sich dies alles auf meine Gedanken über das Flight-Design ausgewirkt hat.

Wichtig hierbei ist, dass Phils Flight tatsächlich einigen Prototypen der Sigma-Flights aus den 1980ern sehr ähnlich ist. Es ist natürlich immer schön, wenn durch Experimente Theorien bestätigt werden, aber ich hatte diese Flights ja für sehr gute Spieler entworfen, die Darts mit einem sehr niedrigen Trägheitsmoment benutzen, das sicherlich um einiges unter dem von Phils „Phase 5“-Darts liegt. Auch wenn sich jetzt nicht das Gegenteil herausgestellt hat, bin ich davon ausgegangen, dass sie für die allgemeine Benutzung, auch durch die Profis, einfach zu klein sind.

Als Phil nun mit seinen neuen Flights spielte, dachte ich, dass er die Messlatte des Sports bezüglich „sehr gut“ möglicherweise doch wieder höher gelegt hatte und ich vielleicht darüber nachdenken sollte, diese frühen Designs wieder aufzugreifen. Was haltet Ihr von „Sigma Super Pro“?

Sollte es doch nicht so gut für ihn laufen, was ich für ziemlich unwahrscheinlich halte, würde ich die Messlatte natürlich wieder dorthin legen, wo sie bisher war, und diese Designs wanderten in die Schublade mit den historischen Kuriositäten (wie beispielsweise die „Slick Sticks“ aus Kohlefasern) zurück. Dann müsste ich mir keine Sorgen darüber machen, ob ich wohl eine neue „Super Pro“-Standardkategorie ins UniLab einbauen müsste, doch ich muss schon einräumen, dass ich darüber enttäuscht wäre. Ich wäre kein echter Wissenschaftler, wenn ich nicht gerne Fortschritte sehen würde.

Und schließlich habe ich, wenn ich schon von „Super Pro“ rede, die Ergebnisse des Grand Slam of Darts natürlich noch aus einem weiteren eigennützigen Grund verfolgt. Barney erreichte die Halbfinale und spielte dabei, ganz aus eigenen Stücken, mit „Sigma Pro“-Schäften und -Flights. Auch wenn viele Leute dieses Setup, zusammen mit Barneys Barrels, aus aerodynamischen Gründen nicht als günstig bezeichnen würden, kann man erwidern, dass es ähnliche „Super Pro“-Vorteile hat wie Phils neues Setup. Wie auch immer, hoffentlich hilft es ihm, wieder zur alten Form zurückzufinden.


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