Dartsbuch

Gerwyn Price gewinnt die World Series Finals 2020

Am Sonntagabend waren bei den World Series Finals 2020 in Salzburg nur noch vier Spieler übrig, und noch am selben Abend würde der Turniersieger feststehen. Im ersten Halbfinale standen sich Gerwyn Price und Peter Wright gegenüber, im zweiten trafen Rob Cross und James Wade aufeinander. Nach einer Unterbrechung wurde dann das Endspiel ausgetragen. Alle drei Partien gingen über die Distanz „Best of 21 Legs“.

Wright trotz herausragender Leistung unterlegen

Viel mehr als ein Duell zwischen der Nummer zwei und der Nummer drei der Welt kann man als Dartsfan nicht erwarten. Peter Wright und Gerwyn Price waren beide gleichermaßen heiß auf den Finaleinzug und wollten dies hier und jetzt unter Beweis stellen. Schon im Premierenleg bekam Wright die Möglichkeit zu einem schnellen Break, konnte einen Versuch auf die Doppel-20 jedoch nicht verwandeln. Dagegen gelang dem „Iceman“ im zweiten Durchgang ein eigenes Break, einen 12-Darter beendete er mit einem 100er-Finish. Wright konterte ohne zu zögern ebenfalls mit einem 12-Darter, ließ danach jedoch zwei Chancen zum Ausgleich aus. Price bedankte sich mit dem nächsten Break, legte mit einem weiteren „Zwölfer“ nach und lag zur ersten Pause mit 4:1 vorne.

Auch nach dieser Unterbrechung behielt die Partie ihr außerordentlich hohes Niveau. „Snakebite“ sicherte sich sein zweites Erfolgserlebnis mit einem 130er-Highfinish, doch Price ließ bei seinem Anwurf erneut nichts anbrennen und stellte den alten Abstand mit einem 13-Darter wieder her. Analog hierzu gingen auch die beiden darauffolgenden Legs vonstatten: Wright reduzierte seinen Rückstand mit einem starken 11-Darter, doch Price brachte nach einem 13-Darter wieder Land zwischen sich und seinen Gegner. Das letzte Wort vor der zweiten Pause wurde von Wright gesprochen, der zum Abschluss eines 12-Darters 116 Punkte löschte, aber noch immer mit 4:6 im Hintertreffen war.

Nachdem der Waliser das nachfolgende Leg bereits eingesammelte hatte, breakte er mit einem 102er-Highfinish für den nächsten 12-Darter – bestätigen konnte er dieses erneut mit einem 13-Darter. Wright versuchte weiterhin sein Bestes und verbuchte selbst einen 13-Darter, schaffte es aber einfach nicht, an seinen Gegner heranzurücken. Dies lag in erster Linie am fantastisch aufspielenden Price, der im 15. Leg auch noch 100 Punkte über zweimal Tops ausmachte und sich so weit brachte, dass ihm nur noch ein Leg zum Finaleinzug fehlte. Wright kam zwar auf der Doppel-16 noch zu einem Erfolgserlebnis, mehr als eine unbedeutende Ergebniskorrektur war dies aber nicht mehr. Denn Price nutzte wenig später seinen zweiten Matchdart auf der Doppel-8 zum 11:6-Erfolg. Price kam unterm Strich auf einen Durchschnitt von rund 102,5 Punkten und eine Doppelquote von 48 Prozent und zwang so Wright in die Knie, der selbst mit einem 108er-Average und einer 50-prozentigen Doppelquote brillierte.

Wade zeigt sich ungewohnt schwach auf den Doppeln

Die letzten Wochen waren für Rob Cross aus sportlicher Sicht definitiv nicht einfach. Erst schied der Ex-Weltmeister bei der Premier League als Tabellenletzter nach der Judgement Night aus, danach lief auch bei der Autumn Series kaum etwas zusammen. Doch bei den World Series Finals präsentierte er sich bislang stark verbessert und wollte gegen James Wade den vorletzten Schritt gehen. Wade, der dieses Turnier als einzig verbliebener Spieler bereits gewonnen hatte, hatte Anlaufschwierigkeiten und setzte seine ersten neun Versuche auf Doppel ausnahmslos in den Sand. Dadurch musste er die ersten beiden Legs an seinen Kontrahenten abgeben und verbuchte erst im dritten Leg das erste Erfolgserlebnis. Kurz darauf leistete sich „The Machine“ jedoch die nächsten beiden Fehler, sodass Cross trotz sechs eigener Fehler zum 3:1 kam. Wade konnte dann noch vor der ersten Unterbrechung verkürzen; bis hierhin konnte die Partie nicht ansatzweise mit dem spektakulären ersten Halbfinale mithalten.

Nachdem die ersten drei Legs nach dieser Unterbrechung allesamt vom jeweils anwerfenden Spieler gewonnen worden waren, produzierte „Voltage“ im neunten Durchgang ein Break, verpasste es aber, sich ernsthaft von seinem Gegner abzusetzen – dies lag vor allem an vier Fehlwürfen auf Doppelfelder im nächsten Leg. Wade bedankte sich auf der Doppel-20 und lag zu diesem Zeitpunkt nur mit 4:6 hinten.

Die Partie plätscherte zunächst weiter vor sich und Cross hielt seinen Vorsprung von zwei Legs auch in den nächsten Minuten aufrecht. Zwar packte Wade im 13. Durchgang aus heiterem Himmel ein 170er-Finish aus, doch Cross brachte sein eigenes Anwurfleg wiederum problemlos nach Hause und verhinderte den möglichen Ausgleich. Ganz im Gegenteil gelang es Cross nun, sich entscheidend abzusetzen. Er schnappte sich drei Legs nacheinander und benötigte dadurch nur noch ein einziges, um das Endspiel zu erreichen. Ein Durchgang ging dann Wade, doch mehr war für den neunfachen Major-Sieger mit dieser Leistung einfach nicht machbar. Cross beendete die Partie mit einem 13-Darter und gewann das zweite Halbfinale mit 11:7. Beide Spieler lagen mit ihrem Average am Ende bei deutlich unter 90 Punkten.


Cross gibt eine 8:4-Führung aus der Hand

Im nun folgenden Finale standen sich also Rob Cross und Gerwyn Price gegenüber. Beide Profis kannten bereits das Gefühl, ein Major-Turnier gewonnen zu haben und wollten dieses Gefühl unbedingt auch heute verspüren. Dabei war von vornherein klar, dass Cross seine Halbfinalleistung würde steigern müssen, um den seit 16 Spielen ungeschlagenen Price bezwingen zu können. Gleich zu Beginn setzte „Voltage“ dann ein dickes Ausrufezeichen: er machte 144 Punkte via Triple-18, Triple-18 und Doppel-18 aus und kam so direkt zum Break. Price ließ das natürlich nicht lange auf sich sitzen und antwortete mit einem starken 11-Darter, ehe ihm ein 128er-Finish zum Abschluss eines 12-Darters die schnelle Führung einbrachte. Cross sorgte sofort wieder für den Ausgleich, ehe der „Iceman“ mit fünf perfekten Darts in den fünften Durchgang hineinkam und schließlich per 13-Darter auf 3:2 aus seiner Sicht stellte.

Nach der ersten Pause war Cross dann am Drücker, unter anderem mit einem 13-Darter konnte er drei Legs in Serie für sich entscheiden. Zwar musste er das darauffolgende neunte Leg an seinen Gegner abgeben, doch er stellte den alten Abstand umgehend wieder her und nahm daher einen 6:4-Vorsprung mit zum Pausentee.

Es war eindeutig feststellbar, dass Price seine überragende Performance aus dem Halbfinale nicht ganz wiederholen konnte und Cross sich im Vergleich zum ersten Spiel klar gesteigert hatte. So holte sich der frühere Weltmeister sofort nach der Unterbrechung das nächste Break, ehe ihm ein enorm wichtiges 110er-Highfinish gelang. Price stand bereits jetzt unter Zugzwang und musste dringend wieder an seinen Gegner heranrücken. Genau dies gelang dem Weltranglistendritten jetzt auch. Mithilfe von Checkouts in Höhe von 74, 79 und 40 Punkten sammelte er seinerseits drei Legs nacheinander ein und verkürzte bis auf 7:8 – der Ausgang dieser Partie schien also wieder offen zu sein.

Mit einem 100er-Finish baute Cross seinen Vorsprung zwar wieder aus, doch dies war nur von kurzer Dauer. Denn Price verteidigte sein Anwurfleg ebenfalls und vollbrachte danach dank eines souveränen 74er-Finishes das lang ersehnte Break. Beim Stand von 9:9 ging es in die absolute Crunchtime, keiner der beiden Profis wollte sich jetzt noch Fehler erlauben. Cross leistete sich im 19. Leg allerdings einen, als er eine Breakmöglichkeit auf dem Bullseye ausließ. Price nutzte seine letzte Chance auf der Doppel-5, positionierte sich im nächsten Leg bereits bei 40 Rest und stand ganz kurz vor dem Triumph. Cross durfte allerdings zuerst vors Oche treten und musste 111 Punkte auf Null bringen. Dies gelang ihm jedoch nicht, weil er den abschließenden Wurf auf die Doppel-18 zu ungenau zielte. Gerwyn Price nutzte Sekunden später seinen ersten Matchdart auf der Doppel-20 und gewann das Endspiel mit 11:9. Der Waliser feierte seinen dritten Major-Titel und wurde dafür mit 70.000 Pfund belohnt. Für Rob Cross bleiben neben dem guten Abschneiden bei einem TV-Turnier 30.000 Pfund und ein Startplatz beim Grand Slam im November.


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