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Statistik-Analyse:
Tops ist nicht die erste Wahl

Christopher Kempf, der neue Statistiker der PDC, analysiert die statistischen Unterschiede zwischen der Doppel-16 und der Doppel-20.

Bei der PDC-Weltmeisterschaft kam es zu einer Art „Wachablösung“, nicht nur aufgrund des Karriereendes der Darts-Legende Phil Taylor oder durch den Erfolg von Rob Cross über den Weltranglistenersten Michael van Gerwen, sondern auch in Bezug auf die Taktik der Spieler bei der Auswahl eines Checkout-Doppels.

Die Darts-WM 2018 war die erste seit über einem Jahrzehnt, bei der die vier Halbfinalisten beim Auschecken der Doppel-16 den Vorzug gegenüber der Doppel-20 gaben. Auffällig ist in diesem Zusammenhang das frühe Ausscheiden einiger Spieler, die Tops gegenüber der Doppel-16 bevorzugen: Weder James Wade, Adrian Lewis oder Dave Chisnall, noch Peter Wright, Alan Norris oder Jelle Klaasen – die allesamt im Jahr 2017 bei weitem mehr Pfeile auf Tops als auf die Doppel-16 warfen – überstanden die zweite Hauptrunde.

Tops ist das Lieblingsdoppel von Dave Chisnall Schatten

Van Gerwen, Jamie Lewis, Rob Cross und Phil Taylor trafen über das gesamte Turnier gesehen 43% ihrer Versuche auf die Doppel-16 und nur 16% der Versuche auf Tops. Während der WM erwies sich die Doppel-16 im Vergleich zur Doppel-20 als das leichter zu treffende und vorteilhaftere Doppel. Das grüne Feld wies eine höhere Checkout-Quote (45,9%) auf als das rote Segment (41,1%). Alle Doppelfelder, auf die geworfen werden muss, wenn man die Doppel-16 innen verpasst (also D8 und D4), lieferten eine höhere Trefferquote als jene der Doppel-20-Reihe (D10 und D5) – man vergleiche die große Differenz zwischen der Doppel-4 (44,4%) und der Doppel-5 (36,7%). In 29,1% der Fälle verpassten die Spieler die Doppel-20 innen und mussten somit häufiger auf die jeweils niedrigeren Doppelfelder wechseln als die die Doppel-16-Spieler, die nur in 21,1% der Fälle das große Feld trafen.

Diese Zahlen bestätigen die Daten, die bei Turnieren der PDC im gesamten Jahr 2017 gesammelt wurden. Sie beweisen, dass ein 32er-Checkout im Vergleich zum 40 Punkte-Checkout die sicherere Variante ist, dass Würfe auf die Doppel-10 und die Doppel-5 viel risikoreicher als Versuche auf die Doppel-4 und Doppel-2 sind, und dass die Angst, das Doppelfeld innen zu verpassen, besonders beim Weg über die Doppel-20, die Wahrscheinlichkeit eines Leggewinns erheblich beeinflussen kann.

Der Unterschied zwischen Tops und der Doppel-16 fällt besonders ins Auge, wenn man die Checkout-Versuche zwischen 41 und 52 Punkten Rest vergleicht, bei denen die Spieler die freie Wahl haben, welches der beiden Doppelfelder sie anvisieren. Bei der letzten WM im „Ally Pally“ kam es 159 Mal zu der Situation, dass ein großes Feld erfolgreich getroffen wurde, um zwei Darts auf eines der beiden Doppelfelder (D20 oder D16) zu haben. Dabei entschieden sich die Spieler in 80% der Fälle für die Doppel-16, wobei 73% ihrer Versuche erfolgreich waren, während diejenigen, die Tops wählten, in nur 60% der Fälle das Leg mit dieser Aufnahme für sich entscheiden konnten. Gesetzt den Fall, dass diese Werte bei allen Turnieren der PDC relativ konstant auftreten, können die Doppel-16-Fans davon ausgehen, dass sie in jedem Spiel, in dem ein solches Checkout-Szenario (also 41-52 Punkte Rest) sechs Mal eintritt, mindestens ein Leg mehr als ihre Gegner gewinnen.

Für Wade und Anderson steht 2018 viel auf dem Spiel Schatten

Es ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich, warum die Doppel-16 eine höhere Checkout-Quote als die gleichgroße Doppel-20 aufweist. Sicherlich hatte die sagenhafte Trefferquote von 46% auf die Doppel-16 bei der WM mit der Vorliebe einiger Spitzenspieler für dieses Doppel zu tun. Allen voran Phil Taylor, der ein letztes Mal seine unfassbare Präzision bei Versuchen auf sein favorisiertes Doppelfeld zeigte, das er bei seinen 34 Checkouts auf dieser Route nur vier Mal innen verfehlte.

Doch auch insgesamt gesehen, also auf alle Turniere der PDC hochgerechnet, hat die Doppel-16 2,5% mehr Treffer zu verzeichnen als Tops. Warum ist dies so? Einerseits befindet sich die Doppel-20 am höchsten Punkt der Dartscheibe, höher als alle Treble-Felder, auf die der Spieler zielt, um sich schließlich Tops zu stellen. Andererseits befindet sich die Doppel-16 auf etwa der gleichen Höhe wie das Treble-19-Feld, auf das die meisten Spieler mindestens einmal pro Leg werfen.

Der weniger extreme Wechsel von jedem anderen Feld auf die Doppel-16 könnte ein Grund für die höhere Wahrscheinlichkeit eines Checkouts sein. Zudem verschafft die Anordnung der Felder auf dem Dartboard den Doppel-16-Fans einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Wenn ein Spieler die Doppel-16 innen verpasst, muss er bei seinem folgenden Wurf nahezu keine Korrekturen vornehmen. Die Doppel-8 befindet sich direkt neben der Doppel-16 und bietet dem Spieler ein Zielsegment von fast genau der gleichen Form wie das Feld, auf das er eben erst gezielt hat.

Dagegen führt ein Verpassen der Doppel-20 auf der Innenseite zu einem krassen Wechsel ans andere Ende des Dartboards zur Doppel-10, und falls diese verpasst wurde, den ganzen Weg zurück auf die gegenüberliegende Seite zur Doppel-5. Der eklatanteste Unterschied zwischen den beiden Wegen wird deutlich, wenn man sich das Problem der Doppel-5 betrachtet. Als einziges Doppelfeld einer ungeraden Zahl auf den beiden Wegen konfrontiert die Doppel-5 den Spieler mit dem Risiko, einen Dart aufs Doppel zu verlieren, wenn er dieses Segment innen verpasst, woraufhin der Spieler den Wurf höher ansetzt als er es bei anderen Feldern tun würde, um eben dieses Risiko zu umgehen.

Ein Verfehlen der Doppel-10 auf der Innenseite und der dadurch erzwungene Wechsel auf die gefürchtete Doppel-5 sorgen bei den Doppel-20-Fans für ähnliche Angstmomente. Dementsprechend hat die Doppel-5 eine der niedrigsten Trefferquoten aller Doppelfelder auf der Scheibe, und das Auschecken von 10 Punkten mit drei Darts (58,2%) ist statistisch gesehen weniger wahrscheinlich als ein Checkout von 60 Punkten mit drei Pfeilen (59,7%). Das vergleichbare Doppel in der 16er-Reihe, die Doppel-4, kennt diese Probleme nicht und wird tatsächlich mit einer größeren Genauigkeit getroffen als die Doppel-20, -10 oder -5.

Das heißt jedoch nicht, dass die Doppel-20 für niemanden die beste Wahl ist. Bei vielen Spielern, die eindeutig Tops favorisieren, besonders Gary Anderson, würde ein Wechsel auf die Doppel-16 zu einer Unterbrechung ihrer natürlichen Bewegung und einer Veränderung ihrer Spielanlage führen. Und natürlich ist die Doppel-20 bei Checkouts von 53 und mehr Punkten von größter Bedeutung – aus diesem Grunde kann ein Spieler nie ganz auf die Doppel-20 verzichten, auch wenn er sie überhaupt nicht mag. Doch egal wie klein der Vorteil der Doppel-16 gegenüber Tops auch sein mag, es gibt ihn wirklich und er kann langfristig gesehen zum Gewinn einiger zusätzlicher Legs führen und somit die Karriere eines Spielers positiv beeinflussen.

Text: Dave Allen (PDC)
Übersetzung: Martin Rönnberg

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