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Psychischer Druck Inhaltsverzeichnis der Doktorarbeit

Erklärungsansätze für Leistungseinbußen in Drucksituationen

Dr. Heiko Maurer

3.3.4 Aufmerksamkeitslenkung in Drucksituationen

In den letzten Abschnitten wurden Ergebnisse dargestellt, die zeigen, dass die Lenkung der Aufmerksamkeit auf den Ausführungsprozess häufig zu Leistungseinbußen führt. Im Folgenden werden nun Studien aufgegriffen, die nachzuweisen versuchen, dass in Drucksituationen diese Hinwendung der Aufmerksamkeit zur Bewegungsausführung erfolgt. Insgesamt liegen nur sehr wenige Studien vor, die dies direkt in Drucksituationen untersuchen. Zudem ist es schwierig, zwischen den in Abschnitt 3.2 beschriebenen Ablenkungstheorien und dem von Baumeister (1984) vorgeschlagenen Ansatz zu trennen. Eine Aufmerksamkeitslenkung auf die Ausführung der Bewegung kann auch eine Ablenkung von anderen aufgabenrelevanten Aufmerksamkeitsprozessen implizieren. Zur Trennung der beiden Mechanismen wird bei Lewis und Lindner (1997) die zusätzliche Ausführung einer kognitiven Zweitaufgabe beim Golf-Put in einer Drucksituation genutzt. Dieser Vorgehensweise liegt folgende Überlegung zugrunde: Ist die Hinwendung der Aufmerksamkeit auf den Ausführungsprozess die Ursache für Leistungsverschlechterungen, so sollte dies durch die Bindung der Aufmerksamkeit mittels der kognitiven Zweitaufgabe verhindert werden. Dagegen ist eine Leistungsverschlechterung zu erwarten, wenn Ablenkung die Ursache von choking ist. Lewis und Lindner (1997) finden bessere Leistungen in der Drucksituation bei gleichzeitiger Ausführung der Zweitaufgabe, was auf die Beeinflussung der Leistung durch ausführungsbezogene Aufmerksamkeitslenkung hindeutet. Ein methodisches Problem bei dieser Vorgehensweise besteht allerdings darin, dass die Lenkung der Aufmerksamkeit auf die Zweitaufgabe auch zu einer Ablenkung von der Drucksituation führen kann. Um diese mögliche Konfundierung auszuschließen, müsste geprüft werden (z. B. durch die Erfassung der Zustandsangst), ob die Versuchspersonen trotz Ausführung der kognitiven Zweitaufgabe einen erhöhten Ausführungsdruck wahrnehmen. Da diese Konfundierung in der beschriebenen Untersuchung nicht geprüft wurde, bleibt das Ergebnis nur bedingt aussagekräftig.

Baumeister (1984) leitet zusätzliche Evidenzen für den von ihm postulierten Zusammenhang aus der Erfassung der Neigung zur Selbstaufmerksamkeit (dispositional self-consciousness) ab, die mit Hilfe der Self-Consciousness Scale von Fenigstein, Scheier und Buss (1975) erfasst wurde (vgl. Abschnitt 3.1). Dabei zeigten Versuchspersonen, die zur Beobachtung eigener Handlungen neigen, in der Drucksituation bessere Leistungen, als Personen bei denen diese Eigenschaft nur gering ausgeprägt ist. Für Baumeister (1984) stellt dieses Ergebnis ein weiteres Indiz für seine Hypothese dar. Er erwartet, dass der Mechanismus insbesondere bei solchen Personen zu einer Beeinflussung der Leistung führt, die ihre eigenen Handlungen normalerweise kaum explizit beobachten. Dagegen sollte ein ausführungsbezogener Aufmerksamkeitsfokus bei Personen mit hoher Neigung zur Selbstaufmerksamkeit der Normalfall sein und hierdurch kein zusätzlicher negativer Effekt entstehen. An dieser Stelle sei jedoch erwähnt, dass die Forschungslage in diesem Punkt widersprüchlich ist und der Großteil der Arbeiten den umgekehrten Zusammenhang findet. Beispielsweise zeigen bei Brockner (1979) und Wang et al. (2004) gerade die Personen schlechte Leistungen unter Druck, bei denen die Neigung zur Selbstaufmerksamkeit stark ausgeprägt ist. Auch Masters et al. (1993) gehen davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit für Leistungseinbußen in Drucksituationen steigt, wenn Personen zu einer bewussten Ausführungskontrolle neigen. Zur Erfassung dieses Merkmals entwickeln sie die aus 20 Items bestehende Reinvestment Scale, die auch 12 Items aus der oben erwähnten Self-Consciousness Scale von Fenigstein et al. (1975) enthält. In einer Reihe von Untersuchungen zeigt sich der erwartete negative Zusammenhang hoher Ausprägungen bei der Reinvestment Scale und suboptimaler Leistungen in Drucksituationen (Masters et al., 1993; Chell, Graydon, Crowley & Child, 2003; Jackson et al., 2006; Maxwell, Masters & Poolton, 2006).

Lewis und Lindner (1997) sowie Beilock und Carr (2001) nutzen in ihren Untersuchungen Trainingsbedingungen, durch die eine erhöhte Selbstaufmerksamkeit provoziert werden soll. Hierdurch soll eine Gewöhnung an solche Bedingungen erzielt und Leistungseinbußen in Drucksituationen vermieden werden. Dazu wurden die Versuchspersonen während der Übungsphase mit dem Hinweis gefilmt, dass die Aufnahmen später von Sportpsychologen und Trainern ausgewertet werden. In beiden Untersuchungen zeigten sich in einer anschließenden Testphase im Unterschied zu Kontrollgruppen keine Leistungseinbußen in einer Drucksituation. Mit Bezug auf die oben beschriebenen Überlegungen von Baumeister (1984) interpretieren die Autoren dieses Ergebnis als Unterstützung für den explicit monitoring-Ansatz. Allerdings finden Liao und Masters (2002) das gegenteilige Ergebnis in einer Untersuchung zum Basketball-Freiwurf. Die Versuchspersonen wurden in einer Übungsphase (100 Würfe) explizit aufgefordert, ihre Aufmerksamkeit auf die Ausführung der Bewegung zu lenken und zeigten in einer anschließenden Drucksituation – im Gegensatz zu einer Kontrollgruppe – Leistungseinbußen.

Insgesamt sind diese Studien aus verschiedenen Gründen schwierig zu interpretieren. Neben den unterschiedlichen genutzten Fertigkeiten (Golf-Put, Freiwurf) bleibt unklar, ob in den ersten beiden Untersuchungen durch die Übungsbedingungen tatsächlich eine Lenkung der Aufmerksamkeit auf die Bewegungsausführung provoziert wurde. Möglicherweise erfolgte durch die Präsenz der Videokamera und die angekündigte Evaluation lediglich eine Gewöhnung an einen erhöhten Ausführungsdruck und die anschließende Druckbedingung wurde nicht mehr als solche wahrgenommen. Da sowohl in der Trainingsbedingung als auch in der Drucksituation kein Manipulationscheck durchgeführt wurde, lässt sich diese Frage nicht beantworten. Weiterhin umfassen alle drei Untersuchungen lediglich eine Trainingseinheit. Mit Blick auf die Sportpraxis erscheint es unwahrscheinlich, dass der negative Effekt der postulierten Aufmerksamkeitslenkung in so kurzer Zeit eliminiert werden kann. Auch im sportlichen Training wird zur Technikoptimierung die Aufmerksamkeit immer wieder auf spezifische Aspekte der Bewegungsausführung gelenkt, was nicht automatisch zu einer Vermeidung des choking-Effektes führt. Zudem müsste genauer spezifiziert werden, wie eine mögliche Gewöhnung an eine ausführungsbezogene Aufmerksamkeitslenkung die postulierten negativen Leistungseffekte verhindern kann. Hier schlagen lediglich Lewis und Lindner (1997) zwei mögliche Erklärungen vor, die jedoch nicht weiter geprüft wurden: (1.) Es könnte eine Gewöhnung an das phänomenale Erleben selbstevaluierender Prozesse eintreten, sodass dies in Drucksituationen keine ungewohnte Situation darstellt. (2.) Die selbstevaluierenden Prozesse könnten ebenfalls eine Automatisierung erfahren und dann möglicherweise die automatisierte Bewegungsausführung nicht mehr stören. Insgesamt tragen die dargestellten Trainingsstudien jedoch nur wenig zur Klärung der Frage bei, durch welche Prozesse die Leistung in Drucksituationen beeinflusst wird.

Direkte Evidenzen für den Zusammenhang von Aufmerksamkeitslenkung und motorischer Leistung und der Rolle dieses Zusammenhangs in Drucksituationen ergeben sich aus Untersuchungen von Gray (2004), bei denen ebenfalls Doppelaufgaben genutzt wurden. Im Gegensatz zu den bisher beschriebenen Untersuchungen wurden die Doppelaufgaben jedoch nicht zur Manipulation des Aufmerksamkeitsfokus eingesetzt, sondern zur Erfassung der aktuellen Aufmerksamkeitsrichtung. In den Untersuchungen führten erfahrene Baseball-Spieler Schlagbewegungen mit einem virtuellen Ball aus. Während der Schlagbewegung ertönte an einem variierenden Zeitpunkt für 80 ms ein Ton mit einer Frequenz von 250 oder 500 Hz. Nach der Schlagbewegung sollten die Versuchspersonen entweder einschätzen, ob die Schlagbewegung während des Tones gerade abwärts oder aufwärts ausgeführt wurde (skill-focused dual-task) oder ob ein hoher oder niedriger Ton zu hören war (extraneous dual-task). Bei einem weiteren Drittel der Versuche war keine Reaktion auf den Ton erforderlich. Die Abfragen wurden randomisiert nach Beendigung der Schlagbewegung durchgeführt, sodass sich die Spieler nicht darauf einstellen konnten. Während also die ausführungsbezogene Doppelaufgabe eng mit der Schlagausführung in Verbindung steht, ist die Einschätzung der Tonhöhe unabhängig vom Ausführungsprozess. Dabei geht Gray davon aus, dass eine Lenkung der Aufmerksamkeit auf die Schlagausführung mit guten Leistungen in der ausführungsbezogenen Doppelaufgabe einhergehen sollte und dies die Ausführung der automatisierten Schlagbewegung negativ beeinflusst. Umgekehrt wird angenommen, dass die Lenkung der Aufmerksamkeit auf Aspekte in der Umwelt mit guten Leistungen in der nicht-ausführungsbezogenen Doppelaufgabe und guten Ausführungsleistungen einhergehen. Entsprechend dieser Annahmen kann Gray (2004, Experiment 2) zeigen, dass Schlagserien mit hohen Fehlerraten bei der Schlagbewegung mit guten Leistungen in der ausführungsbezogenen Doppelaufgabe einhergehen. Dagegen zeigt sich der erwartete positive Zusammenhang von Schlagleistung und Leistung in der nicht-ausführungsbezogenen Doppelaufgabe nicht, was vom Autor auf Deckeneffekte bei der Doppelaufgabe zurückgeführt wird. In einer weiterführenden Studie (Experiment 3) kann zudem festgestellt werden, dass die Einführung einer Drucksituation zu besseren Einschätzungen bei der ausführungsbezogenen Doppelaufgabe und Leistungsverschlechterungen bei der Baseball-Aufgabe führt.

Die von Gray (2004) eingeführte Methode stellt eine Möglichkeit dar, um die tatsächliche Aufmerksamkeitslenkung im Ausführungsprozess zu erfassen. Die Ergebnisse der dargestellten Studien liefern direkte Hinweise für den in den Explicit Monitoring Theories postulierten Aufmerksamkeitsmechanismus.


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