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Psychischer Druck Inhaltsverzeichnis der Doktorarbeit

Erklärungsansätze für Leistungseinbußen in Drucksituationen

Dr. Heiko Maurer

3.2 Distraction Theories

Eine Erklärungsrichtung für suboptimale Leistungen in Situationen hoher Bedeutsamkeit bezieht sich auf die Störung von Aufmerksamkeitsprozessen, die für eine erfolgreiche Ausführung einer Aufgabe erforderlich sind. Solche Störungen könnten dazu führen, dass erforderliche Informationen nicht zur Verfügung stehen oder nicht angemessen verarbeitet werden können. Es sind verschiedene Prozesse denkbar, die einer solchen Ablenkung von relevanten Informationen zugrunde liegen können. Baumeister und Showers (1986) stellen die folgenden beiden in den Vordergrund: (1.) Eine weniger selektive Wahrnehmung führt zu einem Anstieg der zu verarbeitenden Informationsmenge, sodass für die Verarbeitung der relevanten Informationen keine ausreichenden Kapazitäten zur Verfügung stehen. (2.) Die aufgenommene Informationsmenge bleibt gleich, jedoch wird der Aufmerksamkeitsfokus auf irrelevante Informationen gerichtet. Dieser Mechanismus wurde insbesondere von Sarason (z. B. Sarason, 1960) geprägt und von Wine (1971) aufgegriffen. Dabei wird davon ausgegangen, dass bei Personen mit hoher Angst in Testsituationen selbstevaluierende Prozesse wirksam werden, die Aufmerksamkeitskapazitäten benötigen. Dies führt dann zu einer Behinderung bei bzw. Ablenkung von der Verarbeitung von aufgabenrelevanten Informationen. Ein weiterer möglicher Mechanismus (3.) geht auf Easterbrook (1959) zurück. Aufgrund eines umfassenden Literaturüberblicks gelangt er zu der Folgerung, dass es mit zunehmender emotionaler Aktivierung zu einer Verengung bei der Aufnahme und Verarbeitung von Umweltreizen kommt. Dies kann anfangs zu einer Leistungssteigerung führen, indem der Aufmerksamkeitsfokus auf aufgabenrelevante Informationen reduziert wird und irrelevante Informationen ausgeblendet werden. Eine weitere Verengung des Fokus kann jedoch auch dazu führen, dass aufgabenrelevante Informationen nicht mehr verarbeitet werden können und Leistungseinbußen resultieren. Easterbrook (1959) beschreibt damit ebenfalls eine umgekehrt-U-förmige Leistungsentwicklung (vgl. Abschnitt 3.1) und liefert einen möglichen kognitiven Erklärungsmechanismus.

Die dargestellten Erklärungsansätze nehmen Störungen von Aufmerksamkeitsprozessen an, die dazu führen, dass erforderliche Informationen nicht zur Verfügung stehen bzw. nicht angemessen verarbeitet werden. Diese Erklärungsrichtung ist insbesondere für solche Situationen geeignet, in denen Aufmerksamkeitsprozesse für eine erfolgreiche Ausführung von hoher Bedeutung sind (Lewis & Linder, 1997; Beilock & Carr, 2001). Im Sport ist dies bei offenen Fertigkeiten der Fall, die eine Anpassung der Ausführung an wechselnde Umweltbedingungen erfordern. Beispiele dafür sind Spielsportarten, bei denen Aufmerksamkeitsprozesse für die Erfassung des Spielgeschehens – wie etwa der Positionen von Mit- und Gegenspielern und des Balles – erforderlich sind. Allerdings muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass keine empirischen Arbeiten vorliegen, die die oben beschriebenen Mechanismen bei offenen motorischen Fertigkeiten überprüfen. Untersuchungen zur Beeinflussung kognitiver Leistungen stützen jedoch die Annahme einer reduzierten Kapazität des Arbeitsgedächtnisses in belastenden Situationen (Schmader & Johns, 2003; Beilock, Kulp, Holt & Carr, 2004b).

Für die Erklärung von Leistungseinbußen bei geschlossenen Fertigkeiten wird eine Ablenkung der Aufmerksamkeit von der Aufgabe dagegen als wenig angemessen erachtet (Lewis & Linder, 1997; Beilock & Carr, 2001; Gray, 2004). Bei diesen Fertigkeiten bleiben die Umweltbedingungen weitgehend stabil und vorhersagbar, sodass die Bedeutung freier Aufmerksamkeitsressourcen weniger leistungsbestimmend sein sollte. Diese Überlegung ist gut vereinbar mit den Vorhersagen gängiger Lernphasenmodelle (z. B. Anderson, 1982; Fitts & Posner, 1967), die der aufmerksamen Zuwendung bei der Ausführung geschlossener Fertigkeiten in Abhängigkeit des Lernstadiums unterschiedliche Bedeutung zuschreiben. Während zu Beginn des Lernprozesses eine aufmerksame Zuwendung zur Ausführung erforderlich ist, können diese nach extensiver Übung und Erreichen einer automatisierten Ausführung auch ohne Zuwendung der Aufmerksamkeit realisiert werden. Diese Vorhersagen wurden in einer Reihe von Untersuchungen mit Hilfe des Doppelaufgabenparadigmas bestätigt (Beilock et al., 2002a; Gray, 2004; für eine kritische Betrachtung Blischke, 2001).

Folglich erscheinen die Distraction Theories weniger plausibel für hochgradig geübte geschlossene Fertigkeiten wie etwa den Basketball-Freiwurf. An dieser Stelle sei aber auch erwähnt, dass neben der Aufnahme von Umweltreizen noch weitere Funktionen aufmerksamer Kontrolle denkbar sind (vgl. Abschnitt 3.3.3) und aus dieser Perspektive Leistungseinbußen aufgrund einer Störung ausführungsbezogener Aufmerksamkeitsprozesse plausibel erscheinen.

Ein alternativer Erklärungsansatz aus dem Bereich der Aufmerksamkeitstheorien wird im folgenden Abschnitt dargestellt.


>> Explicit Monitoring Theories
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