Die 10… denkwürdigsten World Matchplay Momente Teil 5

10 wichtige Dartmomente

2. Rod Harringtons Meisterstück

Im Jahr 1998 fand die fünfte Auflage des World Matchplay statt. Zu diesem Zeitpunkt hatte noch nie jemand den Titel verteidigen können und mit dem Aus von Phil Taylor im Viertelfinale war dies auch in diesem Jahr nicht der Fall. Im Endspiel trafen sich Taylor-Bezwinger Ronnie Baxter und erstmals auch Rod Harrington, der sich nach dem Verlassen der BDO noch nicht sonderlich erfolgreich im neuen Verband präsentierte.

Beide mussten auf dem Weg ins Endspiel einige Hürden meistern. Ronnie besiegte neben Phil Taylor auch Andy Jenkins in der ersten Runde, deren Spiel aufgrund der Zwei-Legs-Vorsprung-Regel zwölf Extra-Legs hatte. Auch gegen Chris Mason reichte es für „The Rocket“ nur knapp. Rod bezwang unter anderem Bob Anderson und Keith Deller in engen Duellen um ins Endspiel einzuziehen. Dort schien sich der „Prince of Style“ selbst etwas zu sehr unter Druck zu setzen. Er wollte unbedingt gewinnen und stand sich so selbst im Weg. Ronnie hingegen war die Ruhe selbst und tat Harrington immer wieder weh. Vor allem auf die Doppel zeigte sich Baxter an diesem Tag unheimlich sicher. Er bestimmte die Partie von vorne weg, doch Rod biss sich immer wieder herein und kam nach Rückschlägen super zurück. Ronnie brachte sich dennoch mit 17:14 in Führung und war damit nur noch ein Leg vom erstem Major-Titel in seiner Karriere entfernt. Seine erste Chance darauf bekam er beim Stand von 17:15, als er jedoch Tops verpasste. Diesmal bestrafte ihn Harrington eiskalt und verkürzte damit weiter. Wenig später glich er sogar tatsächlich aus und so brauchten beide zum Turniersieg wieder zwei Legs Vorsprung. Es sollte der Moment folgen, der in die Geschichtsbücher einging. Beide spielten ein solides Leg, doch Baxter der den Anwurf hatte war im Vorteil. Dennoch stellte sich Harrington mit einer brillanten 134 als erster ein Finish, brachte sich auf 125 Punkte Rest. Baxter wollte den Druck natürlich erhöhen, warf eine 136 und stellte sich somit Tops. Bei seiner Doppelquote an dem Tag war nicht zu erwarten, dass Ronnie hier nicht in Führung gehen würde. Doch Harrington bekam zunächst die Chance. Und er ging einen unerwarteten Weg. Er traf die Triple-15 und hatte somit 80 Punkte Rest. Zur erneuten Überraschung der Kommentatoren ging er nicht auf ein Triple. Er warf nach kurzer Bedenkzeit den zweiten Dart in die Doppel-20. Ein weiteres Mal Tops und er würde in Führung gehen. Rod blieb ruhig, zielte, warf den dritten Dart und traf erneut die Doppel-20. Wohl selbst ein wenig überrascht, dass alles so klappte, brach der Jubel aus ihm heraus. Erstmals war er in diesem Spiel in Führung. Baxter musste grinsen und konnte es offensichtlich nicht fassen. Harrington hatte nun den Anwurf und bestimmte sein Leg. Er hatte sechs Darts Zeit für 140 Punkte Rest, traf zwei Mal die Triple-20, verpasste aber die Doppel-10. Baxter konnte aber keinen Druck aufbauen, er war müde und konnte nicht mehr die nötige Konzentration aufbauen. So nutzte Rod seinen dritten Matchdart und siegte tatsächlich mit 19:17.

Unter seinem Song „Let me entertain you“ von Robbie Williams ließ sich Rod Harrington danach für seinen ersten Titel beim World Matchplay feiern. Auch im Jahr darauf sollte Rod sich wieder unsterblich machen, als ihm als erster Spieler die Titelverteidigung beim World Matchplay gelang. Ronnie Baxter hingegen konnte auch in all den Jahren danach niemals ein Major Turnier gewinnen und wartet bis heute auf einen ganz großen Titel. Die 125 sollte von diesem Finale an für immer für Rod Harrington stehen, ähnlich wie die 138 für Keith Deller.

1. Der erste 9-Darter live im TV

Das World Matchplay im Jahr 2002 ging in die Geschichtsbücher ein. Nicht etwa wegen des hohen Niveaus, das die Akteure an den Tag legten. Auch nicht wegen der engen Duelle inklusive dem Finale zwischen Phil Taylor und John Part, das „The Power“ mit 18:16 kurz vor der Verlängerung gewann. Taylor schaffte in diesem Turnier das, was zuvor noch keinem Dartspieler gelungen war: ein 9-Darter live vor TV-Kameras.

Nach klaren Siegen über Shayne Burgess und Kevin Painter traf Phil Taylor im Viertelfinale auf seinen Intimfeind Chris Mason, mit dem er auch in den Folgejahren immer mal wieder aneinandergeriet. Beide Spieler begegneten sich zu Beginn auf einem ähnlichen Niveau und konnten jeweils zwei Legs für sich entscheiden. Doch Taylor wirkte schon in dieser Phase dominanter, es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis er sich absetzen konnte. Das fünfte Leg wurde von Mason eröffnet, der eine 135 warf und damit gut ins Leg startete. Taylor aber hatte eine noch bessere Idee und setzte seine ersten drei Darts allesamt in die Triple-20. Sid Waddell ahnte dies schon nach dem ersten Dart und kündigte an: „Mason knew this was gonna happen. Look at him, come again with another max!“ Chris machte einen Fehler, warf lediglich 41 Punkte und lag damit, obwohl er schon drei Darts mehr geworfen hatte, noch vier Punkte hinter „The Power“. Der Druck war damit vergleichsweise gering, doch er blieb dennoch weiter fokussiert und legte auch die folgenden drei Darts allesamt in die Triple-20. Zu diesem Zeitpunkt waren über die neun Jahre in der Professional Darts Corporation gerade ein Mal acht 9-Darter geworfen worden. Der erste auch hier von Phil Taylor, allesamt jedoch bei kleineren Turnieren, ohne den Druck der lauten Zuschauer oder der Fernsehkameras. Sid Waddell erkannte die Situation: „He’s on a 9-darter, oh my goodness! Oh my goodness, he is on a 9-darter! 100.000 pounds!” Dies war die Summe, die dem Spieler für ein perfektes Spiel an diesem Tag winkte. Mason warf eine 100 und machte danach den Weg frei für Phil Taylor. Dieser trat ans Oche und hatte die Triple-20 im Blick. Diese traf er genau am unteren, linken Rand. Viel zentraler traf er die Triple-19 und hatte damit nur noch 24 Punkte Rest. Ein letzter perfekter Dart in die Doppel-12 und er würde wieder ein Mal Geschichte schreiben. Sid Waddell: „Double-twelve for history! HISTORY! HE’S DONE IT! HE’S DONE IT!“ Phil Taylor versenkte auch den neunten Dart perfekt im notwendigen Feld. Er drehte sich danach um, warf die Arme nach oben und jubelte. Chris Mason jubelte mit, umarmte seinen Kontrahenten, seinen Widersacher, denn der Moment war größer als jede Rivalität.

Taylor siegte mit 16:7 und gewann am Ende eben auch das Turnier. Auch die nächsten beiden 9-Darter im Fernsehen wurden von Phil Taylor erzielt, ehe Raymond van Barneveld 2006 bei der Premier League nachzog. Bis heute wurden insgesamt 52 perfekte Spiele live im Fernsehen übertragen, das Preisgeld für einen 9-Darter ist in den Jahren, weil die Wahrscheinlichkeit eines zu sehen bei dem starken Niveau immer höher wurde, deutlich verringert worden. Doch bis heute bleiben diese Momente immer wieder etwas Besonderes. Wenn ein Dartspieler einen Hauch Perfektion ans Board zaubert.

Tobias Gürtler



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