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Uniboffin

Aus dem Testlabor
von Unicorn Darts


Der Spindoktor

Ist es eine gute Sache, seinem Dart beim Wurf einen Drall zu geben? Womöglich ja. Zunächst einmal deshalb, weil schon ein kleines bisschen Drall im Flug (etwa eine halbe Drehung) dazu beiträgt, die immanente Ausrichtung („nicht achsensymmetrisch“ wäre der wissenschaftliche Ausdruck) in der Aerodynamik der Flights auszugleichen. Auch wenn die Flights perfekt in den Schäften stecken und sämtliche Oberflächen rechtwinklig sind, weicht der erzeugte Auftrieb leicht ab, vielleicht um rund 10%, je nachdem ob die Flights als x oder als + ausgerichtet sind. Würde sich der Dart überhaupt nicht drehen, könnte man in der Gierungsbewegung je nach Ausrichtung einen deutlichen Unterschied feststellen, und darüber werden sich die wenigsten Spieler den Kopf zerbrechen wollen.

Dieser Ausgleichseffekt ist noch wichtiger, wenn man davon ausgeht, dass a) die Oberflächen der Flights normalerweise nicht alle exakt rechtwinklig ausgerichtet sind, b) die Flights nicht immer eine gerade Linie mit dem Schaft bilden, und c) der Schaft selbst nicht absolut gerade verläuft und auf einer Achse mit dem Barrel liegt.

Natürlich kann man alle diese Faktoren verringern, wenn man echte Qualitätsdarts und das entsprechende Zubehör benutzt, alles sorgfältig behandelt und das Zubehör austauscht, wenn es leicht angeschlagen ist. Doch sie werden trotzdem auftreten, auch wenn das menschliche Auge das Ausmaß so gut wie gar nicht wahrnehmen kann. Ohne Drall würden diese Asymmetrien immer noch für so viel Auftrieb sorgen, dass ein Dart sein Ziel verfehlt. Schon ein bisschen Spin könnte die Auswirkungen mildern. Das machen ohnehin viele Spieler, ohne dass sie sich dessen bewusst sind; doch diese Flight-Auftrieb-Asymmetrien, welche die Abweichungen verursachen, gleichen diese auch wieder aus, indem sie gleichzeitig ein aerodynamisches Schlinger-Moment hervorrufen, durch das der Dart (oder der Flight-Komplex, wenn man einen „Spinner“-Schaft benutzt) von sich aus zu trudeln beginnt, sobald er die Hand verlassen hat.

Will ein Spieler jedoch nicht nur die Auftriebsabweichungen, die z.B. durch leicht verbogene Flights hervorgerufen werden, sondern auch den Flug-Gierungswinkel und den von der geraden Linie abweichenden Aufprall der Spitzen verringern, kann es helfen, wenn man dem Dart beim Abwurf einen Drall mitgibt. Als besonders hilfreich entpuppt es sich, wenn man Flights verwendet, die einen großen Auftrieb haben. Und das ist auch der Grund, warum das UniLab diesen Spin berücksichtigt, wenn es ein Dart-Setup empfiehlt.

Und jetzt können wir auch die Frage beantworten, ob die Sigma-Darts auch für Spieler geeignet sind, die ihren Dart „andrehen“. Die Antwort lautet „Ja“, aber mit Vorbehalt.

Der „Sigma One“ hat Flights, die für einen verhältnismäßig hohen Auftrieb sorgen und könnte daher, wie ich schon erklärt habe, für Spieler mit Spin noch besser fliegen. Das „Pro“-Setup mit dem geringeren Auftrieb könnte ebenfalls davon profitieren, wenn auch nicht in dem Maße wie ein konventioneller Dart, denn ein Teil seiner Zielsicherheit würde dadurch verloren gehen.

Jetzt noch ein paar wissenschaftliche Anmerkungen zum Dart-Drall. Überspringt die beiden nächsten Abschnitte einfach, wenn Ihr nicht so an technischen Einzelheiten interessiert seid!

Auch wenn man es vielleicht vermutet: Die Vorteile, die sich ergeben, wenn man einem Dart einen Drall mitgibt, bedeuten überhaupt nicht, dass er sich dadurch stabilisiert. Die Spin-Geschwindigkeit und auch das axiale Trägheitsmoment sind beide viel zu gering, um den Gyroskop-Effekt zu erzeugen, der eine Kugel (ein statisch instabiles, durch Drall stabilisiertes Projektil) auf den rechten Weg bringt. Läge die Spin-Geschwindigkeit höher, würde sie den Dart sogar instabiler machen, weil sie aerodynamische Kräfte auf die Flights ausübt, welche die normale Gierungsdämpfung in eine Gierungsverstärkung verwandeln - ein Effekt, der als „dynamische Instabilität“ bekannt ist.

Es stimmt aber auch, dass diese aerodynamischen Kräfte selbst bei einem geringen Spin andere dynamische Probleme hervorrufen können, die als Gierungs-Dämpfungs-Resonanz bekannt sind und die auftreten, wenn sich Spin-Geschwindigkeit und Gierungsrate zu ähnlich sind. Glücklicherweise ist aber der Flugweg eines Darts zu kurz, als dass wir uns darüber den Kopf zerbrechen müssten.

So, nach diesem Ausflug in eine wenig sinnvolle Gelehrsamkeit kommen wir nun zurück zu etwas praktischeren Dart-Angelegenheiten. Der 19 g Sigma-Softtip-Dart ist tatsächlich für manche Ligen zu schwer - dafür ist der verdammte Designer verantwortlich (Entschuldigung!). Was den besten Ersatz mit 18 g anbelangt, würde ich vorschlagen, noch ein bisschen zu warten - mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Zum Abschluss noch einmal zurück zum absichtlichen Spin, und zwar mit einer Warnung: Sollten Eure Darts nicht wie Bananen gebogen sein, macht es wirklich kaum einen Unterschied und ich würde Euch nicht empfehlen, es auszuprobieren (man erzeugt den Spin, indem man den Daumen und die Finger, die den Dart halten, beim Abwurf in entgegengesetzte Richtungen bewegt), es sei denn, das ist Eure „natürliche“ Bewegung - sonst kann es passieren, dass Euch der so wichtige saubere Abwurf nicht gelingt.

Und wenn ich schon von Darts rede, die wie Bananen gebogen sind, beende ich meinen heutigen Beitrag doch mal mit einem etwas ungenau wiedergegebenen Zitat von Groucho Marx: „Darts fliegen wie Pfeile und eine Banane fliegt wie eine Banane“.


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