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Dartspieler im Fokus November 2019

Es ist der Monat vor der Weltmeisterschaft. Bis auf das Players Championship Finale sind alle größeren Turniere gespielt, die Teilnehmer stehen bis auf wenige Ausnahmen fest. Eine fantastische Zeit steht also wieder bevor, in der wir gemeinsam mit der Familie auf dem Sofa sitzen und genüsslich Plätzchen essen, während im Fernsehen natürlich die Darts-WM läuft. Einige werden sich das Spektakel auch vor Ort anschauen. Und zu einer Weltmeisterschaft gehören immer auch: Überraschungen.

Eine solche Überraschung erlebte ich über das ganze Jahr. Bei der vergangenen WM sah ich in einem Spieler aufgrund seiner Rechenfehler keinen Akteur, der sich groß in den Mittelpunkt spielen würde. Er würde frühestens bei der kommenden WM wieder in Erscheinung treten, dachte ich. Das tut er zwar auch, aber qualifiziert über die Pro Tour Order of Merit. Als Zweiter. Da sollten wir den Fokus vielleicht doch nochmal etwas genauer auf ihn richten, auf José de Sousa.

Wer ist José?

José de Sousa ist ein Portugiese, lebt allerdings schon lange in Spanien. Er ist mit seinen 45 Jahren ein sehr erfahrener Spieler, der sowohl im E-Dartbereich als auch im Steeldart auf der iberischen Halbinsel jahrelang dominierte. So kam es auch gar nicht weiter überraschend, dass er sich bereits versuchte für die Weltmeisterschaft 2012 zu qualifizieren – und es auch schaffte. Dort unterlag er zwar in der Vorrunde Devon Petersen knapp mit 3:4, aber er bewies, dass er in seiner Region zu den besten Spielern zählte. Dennoch blieb er zunächst eher regional aktiv, schien nicht die ganz großen Ambitionen auf eine Karriere bei der PDC zu haben. Erst im Jahr 2017 versuchte er es wieder und probierte sich an der Q-School. Dort verlor er an drei Tagen bereits seine erste Partie, aber an einem erreichte er das Entscheidungsspiel gegen Zoran Lerchbacher. Das verlor er allerdings und so blieb er zunächst weiter unter dem Radar. Allerdings nicht für lange. Er holte sich über knapp zwei Jahre genügend Selbstvertrauen und versuchte sich zum zweiten Mal in seiner Karriere für die Weltmeisterschaft der PDC zu qualifizieren. Und es gelang ihm wieder.

Bei der Auflage von 2019 bekam er es mit Michael Barnard zu tun, der über das Jahr die Challenge Tour dominierte. José kämpfte sich nach einem 0:2-Rückstand zwar zurück zum 2:2, unterlag am Ende aber doch und schied direkt aus. Doch danach nahm seine Karriere so richtig Fahrt auf. José probierte sich erneut an der Q-School und dieses Mal ergatterte er sich über die Rangliste tatsächlich eine Tour Card. Auf der Pro Tour steigerte er sich dann von Monat zu Monat. Nachdem er sich zunächst für kein European Tour-Event qualifizieren konnte, gelang ihm das im siebten Versuch, dann kam er bei den Danish Darts Open aber auch direkt ins Viertelfinale, besiegte unter anderem Daryl Gurney. Und damit noch nicht genug. Nach einem Viertelfinale, einem Halbfinale und auch einem Finale, gewann de Sousa mit einem 8:1-Sieg gegen Gerwyn Price im September sein erstes Players Championship-Turnier. Knapp einen Monat später legte er nach und schlug Glen Durrant für seinen zweiten Titel, um das sehr erfolgreiche Jahr abzurunden.

Prognose

„José de Sousa wird frühestens bei der nächsten WM wieder in Erscheinung treten.“ – so lautete mein Urteil vor knapp einem Jahr. Das war Quatsch, das hat sich über das Jahr gezeigt. Ein größeres Problem, das ich generell mit ihm hatte, waren seine häufigen Rechenfehler. Auch dieses Jahr hatte er wieder einige Schnitzer drin. Doch er konnte sie korrigieren. Auf der European Tour checkte er zum Beispiel 39 Punkte über die 5, Doppel-16 und Doppel-1. So etwas kann einem Spieler im Profibereich um die Ohren fliegen. Aber ansonsten hat er natürlich unheimlich viel drauf und die beiden Turniersiege auf der Pro Tour waren kein Zufall. Er hat für mindestens ein weiteres Jahr seine Tour Card, hat sich in dem einen Jahr bereits an die Top-64 herangespielt. Im Normalfall wird er nach einem vermutlich soliden Players Championship Finale bei der WM zum ersten Mal einen Sieg einfahren und wenn er sich dann so rasant stabilisiert wie über dieses Jahr, dann sehe ich in ihm durchaus einen Kandidaten für die Top-32 am Ende von 2020. Ob es diesmal wirklich so kommt, wir werden sehen. Bis dann!

Tobias Gürtler



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