Schindler unterliegt Cullen im Entscheidungsleg

Beim European Darts Grand Prix im Glaspalast von Sindelfingen ging es am Samstagnachmittag mit der zweiten Runde weiter. Wie man es auf der European Tour gewohnt ist griffen auch hier die 16 gesetzten Spieler ins Geschehen ein, am Nachmittag waren unter anderem Dave Chisnall, Gerwyn Price, Michael Smith und Simon Whitlock an der Reihe. Das deutsche Publikum freute sich jedoch am meisten auf Martin Schindler, der es nach seinem gestrigen Whitewash über Robert Owen heute mit Joe Cullen zu tun bekam.

Chisnall überlebt einen Matchdart – Wattimena mit sechs Legs in Serie

Eröffnet wurde die zweite Runde des European Darts Grand Prix von Ian White und Madars Razma. Schon im ersten Leg bekam der Mann aus Lettland die Möglichkeit zu breaken, doch er verpasste die Doppelfelder vier Mal. So konnte White doch das erste Leg des Tages gewinnen, diesem konnte er ein Break zum 2:0 nachschieben. Auch im dritten Leg bekam Razma die Chance, seinen Gegner zu breaken, dieses Mal verpasste er aber zwei Darts dazu. White trat ans Board und bestrafte Razma mit einem 116er-Checkout. Danach konnte auch Razma endlich ein Doppelfeld treffen, er stellte auf 1:3 aus seiner Sicht. „Diamond“ war jedoch weiter gut unterwegs und schnappte sich mit einem 94er-Finish auch das fünfte Leg, ehe er im sechsten Leg 152 Punkte ausmachen konnte. Damit setzte er nicht nur das Highlight der Partie, er produzierte zusätzlich auch ein Break und das 5:1. Dieser Moment war zudem auch die Vorentscheidung, ein Treffer in der Doppel-18 im siebten Leg besiegelte den klaren 6:1-Erfolg. Entscheidend war vor allem die Erfolgsquote auf die Doppelfelder: während Razma nur einen seiner zwölf Würfe verwandelte kam White auf eine starke Quote von 60 Prozent.

Das zweite Match das Tages wurde zwischen Dave Chisnall und Matt Padgett ausgetragen; letzterer hatte gestern überraschend Dimitri van den Bergh aus dem Turnier genommen. Nachdem die ersten beiden Legs gerecht aufgeteilt wurden, Chisnall hatte seines mit einem 12-Darter gewonnen, brachte Padgett zunächst den eigenen Anwurf nach Hause und schaffte im vierten Leg dank eines 98er-Checkouts das erste Break des Spiels; mit 3:1 führte er zu diesem Zeitpunkt. Weil „Chizzy“ ein Leg später fünfmal an Doppelfeldern vorbeiwarf kam Padgett auch noch zum 4:1. Nachdem Chisnall den eigenen Anwurf im sechsten Leg problemlos gewann schaffte er im siebten Leg dank eines 12-Darter inklusive 136er-Highfinish dann sein erstes Break. Weil Padgett im Anschluss daran zwei wichtige Breakdarts an der Doppel-10 vorbeiwarf kam Chisnall durch den dritten Leggewinn in Serie zum 4:4-Ausgleich. Chisnall bekam im neunten Leg eine Breakchance, vergab aber auf der Doppel-20. Padgett hatte sich 65 Restpunkte gestellt, traf zunächst versehentlich die einfache 2, checkte aber dennoch via 13 und Bullseye zum 5:4, und im von Chisnall angefangenen zehnten Leg erhielt er tatsächlich seine Chance zum Sieg. Er hatte ganze 155 Punkte übrig, traf die Triple-20 und die Triple-19, verpasste aber seinen Matchdart auf der Doppel-19. Chisnall kam mit einem Schrecken davon und erzwang das Entscheidungsleg, welches von Padgett angefangen wurde. Chisnall startete zwar schwach, stellte sich später aber mit fünf Tripletreffern aus sechs Würfen 45 Restpunkte. Weil er mit der nächsten Aufnahme jedoch zwei Matchdarts ungenutzt ließ bekam Padgett bei 81 Restpunkten seine zweite Chance. Nach einem Treffer in der einfachen 19 spielten ihm die Nerven einen Streich und er verfehlte die große Zahl. Anstatt der einfachen 12 traf er die einfache 5 und vereitelte sich so selber einen Matchdart auf das Bullseye. Chisnall hatte jetzt genug gesehen und beendete das Spiel auf der Doppel-10. Letztendlich quälte sich der Weltranglistensiebte mit einem 89er-Average und einer 35-prozentigen Doppelquote zum knappen Sieg. Sein Drittrundengegner steht übrigens auch schon fest, er wird Ian White heißen.

Mit einem rein niederländischen Duell ging es weiter, konkret spielten Jelle Klaasen und Jermaine Wattimena gegeneinander. Klaasen startete furios in die Partie, spielte einen 11- und einen 12-Darter mit jeweils einer 180 zur schnellen 2:0-Führung. Erst im dritten Leg bekam Wattimena seine erste Chance auf ein Leg, weil er jedoch einmal nicht genau genug auf die Doppel-20 zielte kam Klaasen auch zum 3:0. „The Cobra“ hatte bis hierhin erst einmal an einem Doppelfeld vorbeigeworfen, diese Tatsache änderte sich aber schlagartig, als er im vierten Leg fünf Mal auf der Doppel-16 patzte. So kam Wattimena per Break zu seinem ersten Leggewinn, ehe er ein Leg später 122 Punkte via Triple-18, Doppel-18 und Doppel-16 auslöschte und nur noch mit 2:3 zurücklag. Sechs Fehler Klaasens im sechsten Leg ermöglichten „The Machine Gun“ auch das Break zum Ausgleich, und als Wattimena kurze Zeit später die Doppel-4 treffen konnte hatte er das Spiel gedreht. Ein 79er-Finish auf der Doppel-11 brachte Wattimena ein weiteres Break und das insgesamt fünfte Leg hintereinander. Wenige Minuten später war das Spiel dann beendet, Wattimena zeigte noch einen 18-Darter und schaffte aus dem 0:3-Rückstand heraus durch sechs Leggewinne in Serie den 6:3-Erfolg. Wattimena wird somit zum ersten Mal in seiner Karriere am dritten Tag eines European-Tour-Events mit dabei sein.

Anschließend war Martin Schindler an der Reihe. Er hatte gestern ohne Legverlust gegen Robert Owen gesiegt, hatte mit Joe Cullen heute aber einen schweren Gegner vor der Brust. Denn kaum ein Spieler war in diesem Jahr auf der European Tour so konstant erfolgreich unterwegs wie Cullen, er erreichte bei den bisherigen vier Turnieren drei Viertelfinals und ein Halbfinale. Cullen startete mit einem 13-Darter bei eigenem Anwurf ordentlich in die Begegnung, aber auch Schindler war gleich hellwach. Nach Scores von 180, 125 und 99 checkte er 97 Punkte mit zwei Pfeilen und schaffte so per 11-Darter den Ausgleich. Das Spiel blieb auch weiterhin auf hohem Niveau. Im dritten Leg warfen beide eine 180; und „The Wall“ bekam bei 123 Restpunkten eine Breakchance, er verfehlte jedoch die abschließende Doppel-9. Stattdessen durfte Cullen nochmal ans Board und der Engländer löschte 76 Punkte mit zwei Darts. Auch dieses Mal hatte Schindler eine Antwort parat, er schaffte den erneuten Ausgleich, konnte Cullens Anwurf im fünften Leg aber nicht gefährden. Mit einem 14-Darter konterte der Deutsche erneut, nach sechs gespielten Leg war noch immer alles ausgeglichen. Zwei 180er nacheinander verhalfen dem „Rockstar“ zum 14-Darter und zum 4:3, er verpasste im achten Leg allerdings zwei Breakdarts. So blieb das Match weiterhin ohne ein Break, denn Schindler brachte 54 Punkte auf null und hatte wiederum ausgeglichen. Martin hatte den Anwurf seines Gegners bis hierhin kein einziges Mal wirklich gefährden können, zumindest das änderte sich im neunten Leg. Doch Schindler vergab zunächst einen Dart auf das Bullseye und eine Aufnahme später auch zwei Pfeile auf die Doppel-20 beziehungsweise Doppel-10. Cullen versenkte in der doppelten 20 und war beim Stand von 5:4 nur noch ein Leg vom Weiterkommen entfernt. Mit diesem Vorhaben im Hinterkopf stellte sich der Engländer in Leg Nummer zehn nach zwölf Darts 40 Punkte Rest. Doch Schindler hatte unter hohem Druck ganz genau dasselbe vollbracht. Weil er das Leg begonnen hatte durfte sich „The Wall“ auch zuerst an den 40 Punkten versuchen, und er checkte gleich mit dem ersten Dart. Dementsprechend musste jetzt ein Entscheidungsleg den Sieger bestimmen. Cullen hatte den großen Vorteil, dieses Leg zu beginnen, zumal das Spiel bis hierhin auch ohne Break zurechtgekommen war. Beide scoreten nicht mehr ganz so gut wie vorher, dennoch hatte sich Cullen nach 15 geworfenen Darts erneut 40 Restpunkte gestellt. Martin war mit 161 Punkten zuerst an der Reihe. Weil er aber kein Triplefeld finden konnte blieb diese eine Chance ungenutzt und Cullen versenkte seinen zweiten Matchdart in der Doppel-20. Insgesamt war das Spiel auf hohem Niveau, Schindler zeigte mit rund 99,5 Punkten im Schnitt pro Aufnahme sogar das bessere Scoring als sein Gegner, während er aber „nur“ fünf seiner elf Versuche in den Doppelfeldern unterbrachte war Cullen mit sechs Treffern aus zehn Versuchen erfolgreicher.


Smith behält die Nerven im Entscheidungsleg, Whitlock mit Whitewash

Gerwyn Price und Danny Noppert durften als nächstes auf die Bühne des Glaspalastes. Der „Iceman“ hatte vor zwei Wochen bei den Austrian Darts Open in Graz das Finale erreicht, auch in Sindelfingen wollte er natürlich ein gutes Ergebnis erzielen. Noppert begann das erste Leg und konnte dieses auch zu sich holen, wenig später gewann auch der Waliser seinen Anwurf zum 1:1. Ein 13-Darter brachte Noppert wieder in Führung, per 122er-Finish via Bullseye, Triple-16 und Doppel-12 setzte Price wiederum den Konter zum 2:2. Die erste Möglichkeit zum Break gab es erst im fünften Leg, doch Price vergab zweimal auf die Doppel-8; der Niederländer bestrafte ihn mit einem 95er-Checkout für diesen Fehler. Im sechsten Leg war es dann an Noppert, einen Breakdart auszulassen. Price kam trotz sechs eigener Fehler beim Auschecken zum 3:3. „Noppie“ holte sich im Anschluss daran zunächst das Leg bei eigenem Anwurf, ehe ihm im achten Leg das erste Break der Partie gelang. Dazu spielte er einen ganz starken 12-Darter, welcher ein 127er-Finish auf dem Bullseye beinhaltete. Doch Price hatte sich noch längst nicht aufgegeben, er schlug mit einem 12-Darter inklusive 128er-Finish zum 4:5 aus seiner Sicht zurück. Problemlos konnte der „Iceman“ im zehnten Leg den eigenen Anwurf verteidigen, sodass es auch hier in ein Entscheidungsleg ging. Noppert durfte dieses beginnen, doch Price hatte sich als erster in den Finishbereich vorgespielt. 105 Restpunkte waren seine Hürde zum Drittrundeneinzug, doch nach Treffern im Single Bull und der Doppel-20 verfehlte er letztere mit dem dritten Dart. Einige Augenblicke später löschte Noppert 63 verbliebene Punkte mit zwei Darts aus und feierte einen knappen 6:5-Sieg. Während Price mit über 101 Punkten den besseren Average zeigte, war vor allem Nopperts starke Checkoutquote von 60 Prozent ausschlaggebend.

Mit der Nummer vier der Setzliste, Michael Smith, wurde die zweite Runde fortgesetzt. Der „Bully Boy“ duellierte sich dabei mit Arron Monk, somit spielten zwei frühere Juniorenweltmeister gegeneinander. Smith erlebte einen Start nach Maß, vollbrachte gleich im ersten Leg ein Break per 14-Darter. Weil er im zweiten Leg jedoch sechs Chancen auf das eigene Leg liegen ließ kam Monk zum sofortigen Rebreak. Einen verpassten Breakdart leistete sich der Premier-League-Spieler im dritten Leg, in der Folge kam Monk zum 2:1. Ein 72er-Finish brachte Smith den Ausgleich, und er konnte im Anschluss daran auch das erste Break der Partie produzieren. Dabei profitierte er im fünften Leg davon, dass Monk zum ersten Mal größere Schwierigkeiten auf Doppelfelder bekam und fünfmal vorbeiwarf. Ein Treffer in der Doppel-20 brachte Smith wenig später das 4:2, doch Monk erholte sich davon und schaffte den 4:4-Ausgleich. Smith hatte vorher im achten Leg drei Möglichkeiten vergeben, um mit 5:3 zu führen. Zwei weitere Fehler, diesmal auf die Doppel-12, kosteten ihn auch noch das neunte Leg, sodass Monk jetzt plötzlich mit 5:4 führte. Per 13-Darter konnte Smith das zehnte Leg für sich entscheiden, dementsprechend ging es auch hier in ein Entscheidungsleg. Monk durfte dieses beginnen, und nach 15 geworfenen Pfeilen hatte er sich 16 Restpunkte gestellt. Doch Smith war mit 70 Restpunkten zuerst an der Reihe und dieses Mal blieb der „Bully Boy“ fehlerfrei. Michael Smith zieht durch den knappen Erfolg in das Achtelfinale ein und trifft dort auf Jermaine Wattimena.

Beim Aufeinandertreffen von Kim Huybrechts und Kyle Anderson war vor dem Spiel kein klarer Favorit auszumachen. Zwar ist der Belgier der gesetzte Spieler, wirklich gute Leistungen konnte er in den letzten Wochen jedoch nicht zeigen. Ein 87er-Checkout im ersten Leg zum Break gefolgt von einem 11-Darter brachten Anderson schnell mit 2:0 in Führung, doch Huybrechts konnte sich schnell rehabilitieren. Er löschte erst 106 Punkte auf der Doppel-18 und checkte im vierten Leg 152 Punkte zum Break und zum Ausgleich. Speziell dieses 152er-Checkout schmerzte „The Original“, denn er hatte eine Aufnahme vorher dreimal auf Doppelfelder gepatzt. Ganz ähnlich wie das vorherige gestaltete sich das fünfte Leg. Huybrechts konnte 32 Punkte mit drei Darts nicht ausmachen und wurde von Anderson mit einem Highfinish in Höhe von 114 Punkten gebreakt; mit einem 14-Darter legte der Australier auch das 4:2 nach. Doch Huybrechts kämpfte weiter und konnte dank eines Kraftaktes erneut einen Rückstand von zwei Legs aufholen – dieses Mal zum Spielstand von 4:4. Per starkem 11-Darter inklusive eines 86er-Checkouts sicherte sich Anderson das vorentscheidende Break zum 5:4. Ein 17-Darter bei eigenem Anwurf im zehnten Leg war ausreichend, um den 6:4-Erfolg einzutüten. Anderson blieb mit seinem Average nur ganz knapp unter 100 Punkten, zudem brachte er sechs seiner 14 Versuche auf in den Doppelfeldern unter; Andersons Achtelfinalgegner wird Joe Cullen sein.

Simon Whitlock und Jan Dekker schlossen die dritte Session des European Darts Grand Prix mit ihrer Begegnung ab. Das Publikum hätte an dieser Stelle wohl lieber Gabriel Clemens auf der Bühne gesehen, doch dieser unterlag Dekker in Runde eins. Whitlock erwischte einen tollen Start, schaffte gleich im ersten Leg ein Break und konnte dieses im Anschluss daran bestätigen. Erst im dritten Leg bekam Dekker seinen ersten Pfeil auf ein Doppelfeld, weil er die Doppel-5 allerdings nicht treffen konnte durfte Whitlock nochmal ran. „The Wizard“ hatte 106 Restpunkte, checkte diese auf der Doppel-13 und führte jetzt mit 3:0. Seinen zweiten Wurf auf ein Doppelfeld erhielt der Niederländer im vierten Leg, doch sein Versuch auf die Doppel-16 passte nicht ganz. Whitlock hatte sich mit einer 180 40 Restpunkte gestellt, die er auch umgehend auschecken konnte – 4:0 stand es jetzt. Whitlock war von Anfang bis Ende richtig gut unterwegs, so auch im fünften Leg. Er checkte 90 Punkte mit zwei Darts via Triple-20 und Doppel-15 und war jetzt nur noch ein Leg vom Weiterkommen entfernt. Und um dieses zu holen setzte der Australier nochmal ein echtes Highlight. Mit einer 162, also dreimal der Triple-18, stellte er sich 140 Restpunkte. Und diese 140 Zähler konnte er auch noch via zweimal Triple-20 und Doppel-10 zum 6:0-Triumph ausmachen. Whitlock zeigte einen soliden Average von 99,1 Punkten, außerdem versenkte er starke zwei Drittel seiner Würfe in den entsprechenden Doppelfeldern; währenddessen erhielt im gesamten Spielverlauf Dekker gerade mal zwei Chancen auf Doppelfelder.

Alexander Kuck

European Darts Grand Prix


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