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Das erste White Sands Missile Lauch Dart Turnier

Es gibt sicher Leute die denken, dass die 84 Meilen oder die eine Fahrstunde zwischen El Paso in Texas und Alamogordo in Neu Mexiko auf dem alten US Highway 54 ziemlich trostlos sind, aber mir kam es nicht so vor. Normalerweise werden die Reisenden auch auf dem einsamen Stück zwischen Fort Bliss und der Holloman Air Force Basis auf Militär treffen, mir ist das nicht passiert. Mir sind stattdessen vier Grenzpatrouillen-Offiziere und einige Dutzend Kaninchen über den Weg gelaufen. Zwischen den beiden Treffen war ich beim ersten White Sands Missile Launch Dart Turnier in Alamogordo und hatte dort eine richtig gute Zeit, wenn sie auch nicht so aufregend war, wie meine Erfahrungen bei der An- und Abreise.

Direkt nachdem ich die mexikanische Grenze "überfahren" hatte, sah ich den Hinweis auf einen Wiege-Punkt und kurz darauf kam ich zu so orange-gelben Hütchen, die den Verkehr auf die Zufahrt zum Wiege-Punkt schleusten. Aber auch die linke Fahrbahn war offen. Ich zögerte einen Moment, wusste nicht, was ich tun sollte, entschloss mich zu bremsen und lenkte dann in meinem Mietauto rechts an den Hütchen vorbei auf die Spur zur Waage. Dann überlegte ich es mir aber wieder anders…

Warum weiß ich nicht genau, aber in dem Moment erschien es mir sinnvoller. Bei mir zuhause - wahrscheinlich überall wo ich schon zuhause war - sind die Wiege Stationen für Lastwagen. Eigentlich konnte es hier gar nicht anders sein.

Also lenkte ich mein Auto vorsichtig zwischen den Hütchen hindurch wieder auf die linke Fahrbahn und richtete meinen Blick wieder auf mein Ziel Alamogordo. Die Gleichförmigkeit der braunen Umgebung und die Countrymusik aus meinem Radio lullten mich ein. Umso überraschter war ich über das Blaulicht…

Zwei Straßenkreuzer zwangen mich auf das Bankett. Ich bremste abrupt, kurbelte mein Fenster herunter und suchte in meinem Dartkoffer nach meinem Führerschein. Sofort stürzten vier Beamte aus ihren Fahrzeugen, die Hände an den Waffen und umzingelten mein Auto. Einer rief mir zu fallenzulassen, was ich in den Händen hielt und meine Hände auf das Lenkrad zu legen.

Damit Ihr Beschied wisst: Ich war ziemlich gerast. Aber diese Kerle dachten an etwas ganz Anderes. Worum ging es denen???

Also fragte ich höflich: "Was habe ich denn getan?"

"Haben Sie den Kontrollpunkt der Grenzpatrouille denn nicht gesehen?"

"Ich dachte, das wäre eine Wiegestation".

"Haben Sie die orange-gelben Hütchen gesehen?"

"Natürlich. Tatsächlich hatte ich mich schon zur Wiege-Station hin eingefädelt. Aber dann dachte ich, dass ich damit nichts zu tun hätte. Ich dachte, das wäre für Lastwagen."

Der Polizist fragte nach meiner Fahrerlaubnis. Ich überlegte, aber nur kurz, ob er mich niederschießen würde, wenn ich wieder nach ihr angelte.

Als er die Fahrerlaubnis entgegennahm fragte er mich, woher ich kommen würde und wohin ich fahren würde und ob ich amerikanischer Staatsbürger sein. "Ja, ich bin amerikanischer Staatsbürger, ich bin gerade in El Paso gelandet und jetzt auf dem Weg nach Alamogordo. Führt denn diese Straße auch noch woanders hin?" Er lächelte noch nicht einmal.

Er fragte mich, warum ich denn nach Alamogordo fahren würde und, weil er immer noch nicht lächelte, dachte ich, es wäre besser nicht zu schreien "Bloß nicht den Kofferraum öffnen" und antwortet lieber: Es mag Ihnen ja etwas seltsam erscheinen, aber ich fahre wegen eines Dart-Turniers dorthin". Die Antwort des Polizisten überraschte mich fast so sehr wie das Blaulicht vorher.

"Ach ja? Ich habe von dem Turnier gelesen." Und selbst, wenn Ihr es mir absolut nicht glauben wollt, wir endeten tatsächlich in einer Unterhaltung über Dart!

Als er mich ohne Strafzettel und mit guten Wünschen für das Turnier auf den Weg schickte, empfahl er mir das nächste Mal besser anzuhalten, wenn ich zu einem Grenz-Kontroll Punkt kommen würde. Ich denke, das war kein schlechter Rat…

Was er aber gar nicht erwähnte waren die Kaninchen.

Es heißt immer, dass Alamogordo 30 Meilen von der Hölle und drei Meilen vom Wasser" entfernt wäre, aber ich habe eigentlich nur Bier gesehen. Während des Turniers kam ich mir schon manchmal wie in der Hölle vor. Auch die beiden Spieler, die unglücklicherweise meine Partner sein durften, Susan "the Smiley Canadian" und Kevin Lewis aus Dallas (der Flip Wilson´s Geraldine wie aus dem Gesicht geschnitten ist), dürften es so empfunden haben. Die Hölle, die sie vor Augen hatten, waren meine Darts…

Nach der Ziehung für den Freitag-Abend traf ich eigentlich nur die Doppel 1. Ich fand sogar innerhalb eines Drei-Leg-Spieles zwölf davon. Also flogen meine Partnerin Delaney und ich gleich wieder aus dem Turnier und hatten viel Zeit uns zu unterhalten. Dabei stellte sich heraus, dass Delaney zusammen mit Rani Gills in den alten Dartgeschichten eine besondere Rolle spielt. Dies sind die beiden berüchtigten oder vielleicht auch berühmten Damen, die vor einigen Jahren einmal Stühle nach Erik Bristow geworfen haben. Deshalb musste ich nach dem Turnier unbedingt eine E-Mail an John Lowe schicken, indem ich nachfragte, ob Erik Bristow sich noch an die "Smiley Canadian" erinnert. Am nächsten Morgen war schon eine Antwort im Computer: "Natürlich erinnert sich Erik noch an Susan. Er bittet Dich, sie zu fragen, ob sich ihre Treffsicherheit inzwischen verbessert hat?"

Am Samstag schien es das Glück mit mir besser zu meinen. Beim Cricket schaffte ich es unter die Top 8, da ging ich gegen jemand namens "Big A" aus Albbuquerque unter, einem kleinen Dorf irgendwo in der Kalahari. Ich punktete im ersten Leg sechsmal auf den Zwanzigern und einmal auf der 19 und konnte im zweiten Leg mit den ersten drei Darts die Zwanziger schließen und erzielte dann sieben Punkte auf der 19. Das Problem war, dass das alles war, was ich traf. Big A zerquetschte mich wie ein Auto ein Kaninchen zerquetschen würde, das plötzlich aus dem Dunkeln auftaucht.

Die gute Nachricht ist, dass mein Partner Kevin, während ich im Viertelfinale unterging, noch immer stark spielte. Lewis verlor dann schließlich im Finale gegen Mike Ramey aus Roswell. Kein Wunder, dass Lewis und ich uns dann gut fühlten und uns Chancen für die Doppel ausrechneten. Und natürlich lagen wir damit vollkommen daneben. Ganz schnell waren wir aus beiden Turnieren draußen, konnten aber dafür vor den anderen unsere Hot Dogs bestellen.

Während ich dabei war meinen hinunter zu schlingen, kam ein Kind auf mich zu. Sean Weeks hieß es. Er war sieben Jahre alt und gerade einmal so groß wie die Munchkins im Zauberer von Oz. Er forderte mich zu einem Spiel um einen Dollar heraus. Leicht verdientes Geld, dachte ich - das würde gerade für noch einen Hot Dog reichen. Game on!

Als wir uns dann etwas später trafen, bot ich ihm an, den Wetteinsatz zu verändern. "Ich würde lieber um Deine Schuhe spielen", sagte ich. Sean lehnte das aber ab, weil "die Schuhe ganz neu sind und weil sie Dir sowieso nicht passen würden". Dann fügte er hinzu: "Ich werde sowieso gewinnen und ich will Deine ausgelatschten Schuhe nicht, Du grauhaariger Depp."

Also, na ja, das hat er natürlich nicht wirklich gesagt, aber ich vermutete, er hätte es gesagt, hätten nicht sein Bruder Hayden, seine Mutter, seine Großmutter und rund ein Dutzend weiterer Verwandter daneben gestanden.

Sean gewann die Auslosung, wollte 501 spielen und wir legten los. Der kleine Mann warf ein paar hervorragende Darts, erzielte regelmäßig 40 oder 50 Punkte und einmal sogar 76 (danach drehte er sich um, schüttelte seine Fäuste und wurde von seiner Großmutter wegen Herumkasperns gescholten).

Unglücklich für Sean ließ er sich drei Punkte Rest und mir gelang es die Doppel 5 auszumachen. Ich gab ihm trotzdem seinen Dollar, denn hätte ich nicht das ganze Spiel hindurch auf die 1 geworfen und wäre das Spiel weitergegangen, bis Sean 21 gewesen wäre, wäre es schon möglich gewesen, dass er schließlich ausmachen hätte können. Ich denke, er hatte sich den Dollar schon wegen seines Grips verdient.

Alles in allem war es für mich ein gutes Turnier. Ich habe 35 Dollar erspielt, mich bei den Doppeln und den gemischten Trippeln blamiert und wurde fast von einem Zwerg geschlagen. Meistens läuft es für mich nicht so gut.

Früh am nächsten Morgen brach ich in Alamogordo auf, damit ich nach meiner Fahrt über den Highway 54 nach El Paso noch den 6.00 Uhr Flug nach Hause erwischen konnte. Ich war gerade einmal 15 Minuten unterwegs, bevor ich auf das erste Kaninchen traf.

Erst dachte ich, da wird ein Stück Papier über die Straße geblasen. Aber während ich schnell näher kam wurde das Fell im Scheinwerferlicht immer deutlicher und ich erkannte, dass es war, was es war - und dass es nicht geblasen wurde, sondern dass es hoppelte - und dass, wenn ich nicht sofort etwas unternahm, mein Kühlergrill sein Ende bedeuten würde.

Also lenkte ich da draußen um der unschuldigen Kreatur auszuweichen, obwohl ich immer noch mehr als die erlaubte Geschwindigkeit fuhr, im Stockfinstern und meilenweit von der Zivilisation entfernt, wo wahrscheinlich schon hinter den Felsbrocken Klapperschlangen darauf warteten, mein Auto anzufallen. Ich verlor die Kontrolle über das Auto, kam von der Straße ab, fuhr über das Bankett und kam schließlich rund 20 Yards rechts der Straße in einem Haufen Unkraut zum Stehen.

Da frage ich mich natürlich wo eigentlich die Grenzpatrouille abgeblieben ist, wenn man von Kaninchen und vielleicht auch Klapperschlangen angefallen wird??? Die Frage kann ich gleich auch selbst beantworten. Sie essen verfluchte Donuts und zwingen Autos in Wiege-Stationen, in die eigentlich nur Lastwagen gehören. Ich hätte tot sein können!!!

Ich zirkelte mein Auto um Pflanzen und Felsen herum, über Bodenunebenheiten und zurück auf die Straße. Weiter ging es, langsam kam mein Selbstvertrauen zurück und ich beschleunigte wieder. Plötzlich tauchte erneut ein Kaninchen auf und ich lenkte um es herum, blieb aber diesmal auf der Straße. Dann erschien von der anderen Straßenseite eines. Erneut ein Ausweichmanöver und auch dieses Kaninchen war gerettet. Und da kam schon das nächste und noch eines.

Während der nächsten 40 Meilen tauchten Dutzende von Kaninchen aus der Dunkelheit auf. Eines nach dem anderen hoppelten sie auf die Straße, blinzelten in meine Scheinwerfer und dachten wahrscheinlich bei sich: So ein verdammter Mist, also genau das Gleiche, was ich dachte, während ich jedes Mal aufs neue mein Leben aufs Spiel setzte um ihr Leben zu retten.

Aber ich schaffte es nach El Paso und kein einziges Kaninchen hatte ins Gras gebissen auf meiner wilden Fahrt von Alamogordo. Möglicherweise hatten einige einen Herzinfarkt erlitten nachdem ich an ihnen vorbei war. Oder noch wahrscheinlicher wurden sie von einem anderen Auto an einem anderen Tag erwischt, schließlich scheinen sie schon ziemlich dumme Kaninchen zu sein.

Das mit 5000 $ dotierte White Sands Missile ist ein tolles Dart Turnier. Delilah Hartmeier und ihr Team haben viele Stunden investiert, um dieses erstmalig ausgetragene Turnier aus der Taufe zu heben und zu erreichen, dass es von der ADO sanktioniert wird und nächstes Jahr wird es sicher, was das Preisgeld angeht, besser und profitabler sein.

Dazu kommt, dass Alamogordo in der Umgebung einiges aufzuweisen hat: das White Sands Monument und das Museum der Weltraum Geschichte. Das Museum steht an der Stelle, an der das Grab des Schimpansen Ham zu finden ist. Ham wurde grausam 1959 in der Wildnis Kameruns gefangen und war 1961 der erste Homide, der ins Weltall geschossen wurde. Und natürlich findet man nicht weit entfernt, nur wenige Stunden mit dem Auto, die erstaunlichen Höhlen von Carlsbad.

Ich plane wieder zum Turnier zu fahren, das steht schon fest und ich möchte auch andere ermuntern, es in ihren Kalender aufzunehmen - aber ich gebe Euch drei Ratschläge mit auf den Weg (die für alle, die es geschafft haben, bis hierhin zu lesen offensichtlich sind): Seid vor Grenzpatrouillen auf der Hut, seid auf der Hut vor Killer Kaninchen und seid auf der Hut vor einem Mini Gauner mit dem Namen Sean Weeks!!!

Vor Ort
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33 - Vor einem Jahr, im Mai, in der Dartwelt

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