Huybrechts besiegt seinen Fluch in einem Krimi

Am Montagabend wurden die letzten Erstrundenpartien des World Matchplay ausgetragen. Mit dem Sieger von 2007, James Wade, griff jemand ins Turniergeschehen ein, der sich in Blackpool bekanntermaßen sehr wohlfühlt. Er traf auf Jermaine Wattimena. Vorjahresfinalist Peter Wright bekam es mit Jelle Klaasen zu tun und Kim Huybrechts wollte seinen Matchplay-Fluch gegen John Henderson besiegen. Außerdem musste Simon Whitlock gegen Debütant Richard North antreten.

„Lionheart“ erlebt Debakel bei Matchplay-Debüt

Den Auftakt in den letzten Erstrundenabend machten Kim Huybrechts und John Henderson. Eine Partie, die von den Namen her eigentlich relativ klar zu sein schien. Allerdings sah es genauer betrachtet ganz anders aus. Kim hatte neun seiner zwölf Duelle gegen Henderson verloren und beim World Matchplay in sechs Auftritten noch nie ein Spiel gewinnen können. Doch das wollte er anscheinend ändern, denn er startete furios. Nach seinem souveränen ersten Anwurf checkte er 128 Punkte zum Break und 2:0. Beinahe hätte er auch ein 142’er Finish nachgelegt, verpasste jedoch Tops knapp. Das 3:0 wurde es trotzdem und nur weil er 126 Punkte auf dem Bull verpasste, kam Henderson zu seinem ersten Leg. Dabei checkte er mit 114 ebenfalls ein High Finish. Dieses toppte Kim dann aber ein weiteres Mal, als er sich mit dem 156’er Finish weiter in Führung setzte und ein klasse Break zum 5:1 nachlegte. Der „Hurricane“ wurde in dieser Phase seinem Spitznamen absolut gerecht. Er zeigte unfassbar viel Selbstvertrauen und fast alles schien ihm bei enorm hohem Tempo zu gelingen. Henderson hingegen war sichtlich unzufrieden, setzte hier und da immer mal ab um sich neu zu fokussieren. Oft rutschte er in die kleinen Felder hinein. Auf die Doppel war er allerdings bärenstark. So nutzte er das Auslassen eines 105’er Finishes von Kim mit einem eigenen 104’er Finish. Eine kleine Phase von mehreren Breaks brachte dabei den „Highlander“ immer besser ins Match. Vor allem nach dem 81’er Finish auf Bull war John richtig mit dabei. Dieses brachte ihn vor der Pause auf 4:6 heran und darauf konnte er aufbauen.


Er schaffte wenig später tatsächlich den Ausgleich und machte danach ordentlich Druck. Kim hingegen unterliefen immer mehr Fehler, er blieb in den eigenen Anwürfen aber zunächst noch sicher. Beim Stand von 8:8 passierte dem Belgier dann aber doch das Malheur, als er gleich zwei Mal die Doppelfelder verpasste. Henderson nutzte dies zur 9:8-Führung und hatte nun die Chance zum Matchgewinn. Ein brillanter 12-Darter von Huybrechts sorgte jedoch für das Rebreak und leitete die furiose Schlussphase ein. Es ging in die Verlängerung, wo Henderson direkt ein 115’er Finish zu einem erneuten Break verpasste, sodass Huybrechts sich doch wieder in Front brachte. Im Anschluss starteten beide perfekt. Weil der „Highlander“ 121 auf dem Bullseye verpasste, bekam Kim seinen ersten Matchdart, ebenfalls auf Bull. Er verfehlte jedoch und so schaffte John über die Doppel-17 das 10:10. Es blieb dramatisch. Ein 82’er Finish zum Sieg vergab Kim beim Stand von 11:10 zwar auf Tops, 123 Punkte brachte er ein Leg später aber unter Druck zum 12:11 ins Ziel. Nach dem erneuten Ausgleich ging es ins Sudden Death Leg, in dem beide einen super Start hinlegten und nach sechs Darts bereits kurz vor dem Finishbereich waren. Wegen eines Fehlers von Henderson bekam Kim aber erneut zwei Matchdarts, konnte beide aber zum wiederholten Male nicht nutzen. John stand bei 106 Punkten Rest, traf die Triple-5, korrigierte mit der Triple-17 aber verfehlte dann Tops zum Sieg. So nutzte Huybrechts seinen insgesamt sechsten Matchdart auf der Doppel-8 zum 13:12-Sieg und zur Beendigung seines persönlichen Blackpool-Fluches.


Richard North hatte sich für sein Debüt beim World Matchplay einiges vorgenommen. Er spielte bisher ein solides Jahr, während es um Simon Whitlock nach dem tollen Start in der Premier League eher ruhig wurde. So rechnete sich North auch einige Chancen aus, musste sich aber früh eingestehen, dass er sich nach nur einem Spiel aus Blackpool verabschieden würde. Whitlock holte sich nach der ersten 180 direkt ein Break und konnte es mit dem 2:0 locker bestätigen. Spätestens mit dem weiteren Break war North bedient. Er beschäftigte sich fortan lange Zeit zu sehr mit sich selbst, schüttelte viel mit dem Kopf und zeigte seine Unzufriedenheit offen. Er wirkte sehr enttäuscht, dass er nicht sein bestes Spiel auf die Bühne bekam. Während des fünften Legs rutschte er sogar unter 70 Punkte im Schnitt, was er jedoch mit seiner ersten 180 direkt korrigierte. Er konnte sich sogar erstmals auf ein Doppel stellen, Whitlock aber war gnadenlos. Der checkte 126 Punkte auf der Doppel-6 zum 5:0 und nächsten Break.


Bis zum 8:0 hatte North noch nicht einen Dart auf ein Doppel vergeben, allerdings auch nur, weil er noch keine Möglichkeit bekam. Dies änderte sich aber in Leg Nummer neun, als er Tops zum 1:8 traf. So verhinderte er den Whitewash und konnte vor der Pause sogar ein Break holen. Eine Aufholjagd, auch wenn die Fans sie sich wünschten, sollte es aber nicht mehr geben. „Lionheart“ verpasste das Bullseye um weiter zu verkürzen und Whitlock schnappte sich das direkte Rebreak. Wenig später fuhr er die Partie dann mit dem 10:2 locker nach Hause und erreichte damit die zweite Runde.


Wade mit viel Mühe weiter

Nach dem Aus von Michael van Gerwen galt James Wade als einer der ganz großen Favoriten auf den Turniersieg. Diese Einschätzung kam nicht von ungefähr, hat er doch in Blackpool bereits sechs Mal das Endspiel erreicht, im Jahr 2007 sogar das World Matchplay für sich entscheiden können. Er war es auch, der die 38 Spiele andauernde Siegesserie von Phil Taylor bei diesem Turnier im Jahr 2015 beendete. Gegen Jermaine Wattimena wollte er daher natürlich möglichst souverän in die nächste Runde einziehen, doch die Partie entwickelte sich zu einer sehr spannenden Angelegenheit. Beide hatten zunächst große Schwierigkeiten ins Spiel zu finden, vor allem auf die Doppel war das zu Beginn nicht berühmt. Sie ließen einige Chancen liegen, Wattimena war aber ein wenig stärker in den Scores und erarbeitete sich so ein paar Versuche mehr. Zur ersten Pause führte Jermaine auch dank eines Breaks mit 3:2, die Doppelquote der beiden stand zu diesem Zeitpunkt aber bei gerade mal 18 Prozent.


Nachdem die „Machine Gun“ die Nerven auf der Doppel-1 behielt kam dann aber Wade immer besser in seinen Rhythmus. Er holte sich drei Legs in Serie um die Partie erstmals mit 5:4 anzuführen. Jermaine hätte dann eigentlich wieder ausgleichen müssen, doch er vergab zwei Darts auf die Doppel-16. Wade wusste dies zu bestrafen, indem er 124 Punkte auf der Doppel-11 ins Ziel brachte. Die Pause im Anschluss hätte dann aber zu keinem schlechteren Zeitpunkt für „The Machine“ kommen können, denn so verlor er wieder ein wenig den Flow. Es entwickelte sich ein kleines Breakfestival, ehe Wade mit der 8:5- und wenig später 9:7-Führung bereits wie der sichere Sieger aussah. Wattimena aber gab nicht auf und checkte 104 Punkte unter Druck und erzwang nur kurze Zeit später mit dem 9:9 die Verlängerung. Dort blieben zunächst beide in ihren eigenen Anwürfen cool, ehe Wade beim Stand von 11:10 die Chance zum Sieg bekam. Er verpasste aber ein 113’er Finish auf Tops. Weil jedoch auch Wattimena die Doppel-20 nicht traf, er hatte 117 Punkte Rest, kam James nochmal ran und beendete das Spiel auf der Doppel-18 zum 12:10.


Die letzte Erstrundenbegegnung spielten Vorjahresfinalist Peter Wright und Jelle Klaasen. Von der Statistik her war Peter der ganz klare Favorit, auch weil die letzten elf Duelle der beiden allesamt an den Schotten gingen. Aber das musste er auch heute erst mal ans Board bringen. Der Start sah schon mal gut aus für „Snakebite“. Nachdem er sich souverän sein erstes Leg holte, profitierte er von einem dicken Schnitzer seines Kontrahenten in Leg zwei. Dort traf Jelle bei 120 Punkten Rest zwar die Triple-20, der zweite Dart landete jedoch in der fünf. Peter durfte also nochmal ran, checkte 83 Punkte zum Break und erhöhte wenig später mit einem 122’er Bullfinish auf 3:0. Erst danach machte sich auch die „Cobra“ auf der Anzeigetafel bemerkbar. Beinahe hätte er sogar nochmal ein Break vor der Pause geholt, vergab jedoch ein 138’er Finish auf der Doppel-12. Wright holte sich also doch das 4:1 und damit lief das Spiel ganz nach Plan für Peter.


Und auch danach ging es munter weiter für den Schotten. Beinahe hätte er 131 Punkte via zwei Mal Tops ausgecheckt, doch auch wenn er es knapp verfehlte, gelang ihm in jenem sechsten Leg ein weiteres Break. Jelle kämpfte, doch er war nicht konstant genug um Wright zu gefährden. Nur in den eigenen Legs kam er auch zu Versuchen auf die Doppel. Im achten gelang ihm so auch sein zweiter Leggewinn, doch weil er zwei Legs später dann 121 Punkte auf dem Bullseye nicht ins Ziel brachte, konnte Wright sich auf 8:2 absetzen und damit einen großen Schritt in Richtung zweite Runde machen. Klaasen aber gab nicht auf. Er holte sich ein Break und startete danach mit vier perfekten Darts. Ein toller 12-Darter brachte ihn so wieder auf 4:8 heran. Diese Power konnte er allerdings nicht lange genug aufrecht erhalten. Wright sorgte daher mit dem 170’er Finish zum 9:4 nochmal für ein tolles Highlight, ehe er sich kurze Zeit später in seinem nächsten Anwurf das 10:5 und somit auch endgültig das Weiterkommen sicherte.


Tobias Gürtler

World Matchplay


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