Jeffrey de Zwaan wirft van Gerwen raus

Es ist Ende Juli und so startete im Empress Ballroom des Winter Gardens zu Blackpool wie gewohnt das World Matchplay. Bei der 25. Auflage dieses geschichtsträchtigen Turnieres ging es in diesem Jahr erstmals um die neu benannte Phil Taylor-Trophy. Michael van Gerwen war der Top-Favorit und startete gegen Landsmann Jeffrey de Zwaan. Auch Adrian Lewis wollte den Pott, bekam es mit James Wilson zu tun. Premier League-Finalist Michael Smith traf auf Jonny Clayton und Dave Chisnall musste gegen Keegan Brown ran.

Die World Matchplay Bühne mit der Phil Taylor Trophy

Das englische Kommentatoren-Team um Dave Clark und Wayne Mardle verzeichnet mit Phil Taylor einen prominenten Neuzugang


Lewis vermeidet so gerade das Erstrundenaus

Den Auftakt in dieses Turnier durfte ein Halbfinalist aus dem Vorjahr machen. Adrian Lewis bekam es in der ersten Runde mit James Wilson zu tun, der sich sicherlich nicht gerne an sein Debüt im vergangenen Jahr erinnert. Trotz guter Leistung schenkte er dort einen Sieg aus der Hand, unterlag Peter Wright mit 8:10. Das wollte er dieses Mal besser machen, doch „Jackpot“ startete furios. Nach dem 88’er Finish zum 1:0 warf er gleich fünf perfekte Darts und holte sich so mit einem Break auch das 2:0. Erst im Anschluss daran fand auch James etwas besser in die Partie. Dies wurde allerdings auch durch das plötzliche Nachlassen Adrians begünstigt. So holte sich „Lethal Biscuit“ ebenfalls zwei Legs nacheinander und glich wieder aus. Ein tolles 100’er Finish mit zwei Mal Tops sorgte aber für die Pausenführung für Lewis. Besser wurde es für Lewis danach aber lange nicht. Es sollte eine sehr frustrierende Phase anbrechen in der er sich absolut nicht zurechtfand. Er zeigte sich sehr unzufrieden, stand immer mal wieder kurz davor die Darts wütend wegzuwerfen. Das wusste ein Wilson natürlich auszunutzen. Nach dem Ausgleich holte er sich dank seiner starken Doppelquote Leg um Leg und drehte das 2:3 in ein 7:3. Die erste große Überraschung schien greifbar, doch wie so oft im Dartsport entschieden auch hier kleine Momente über den Verlauf einer Partie.


Nach einem 12-Darter zum 4:7 aus seiner Sicht verpasste Adrian ein 150’er Finish zum Break. Weil Wilson aber gleich drei Möglichkeiten auf die Doppel ausließ, holte sich Adrian dieses doch noch und verkürzte den Abstand wenig später auf nur noch ein Leg. Beinahe hätte er noch ausgeglichen, doch die Doppel-14 und die Doppel-7 waren nicht die Freunde vom „Jackpot“. Wilson atmete auf, setzte sich wieder auf 8:6 ab. Im Leg darauf traf Adrian dann aber doch die Doppel-7 und schaffte fast folgerichtig auch den Ausgleich. Spätestens in diesem Moment kam James ins Grübeln, dachte wohl auch an das vergangene Jahr. Und tatsächlich, nach dem 8:9 konnte sich Wilson im anschließenden Leg dank einer 180 zwar nochmal auf 20 Punkte Rest stellen, es sollte jedoch seine letzte Aufnahme gewesen sein. Mit einem 116’er Finish beendete Adrian Lewis das Spiel zu seinen Gunsten und setzte sich mit 10:8 durch.


Dave Chisnall traf danach auf Keegan Brown und für Keegan war dieses Los sicherlich nicht gerade Grund zur Freude. In elf Duellen mit „Chizzy“ konnte Brown nicht eines für sich entscheiden. So auch nicht vor drei Jahren, als sich die beiden schon mal beim World Matchplay trafen. Damals siegte Dave, allerdings in der zweiten Runde, mit 13:11. Doch die zuletzt weniger starken Leistungen des Dave Chisnall ließen Keegan zumindest hoffen und so begann er auch motiviert. Mit einem 109’er Finish schnappte er sich direkt ein Break und ließ sich auch nicht von prompten Ausgleich aus der Ruhe bringen. Brown schnappte sich einfach erneut ein Break und bestätigte es dieses Mal auch zum 3:1. Dave war sehr unzufrieden. Zwar holte er sich das 2:3 kurz vor der ersten Pause, rollte aber danach vielsagend mit den Augen in Richtung Publikum. Bis hierhin lief nicht viel zusammen.


Nach der Pause war er dann weiter sehr genervt, vor allem, weil Brown hier und da etwas viel Zeit benötigte um seine Darts aus dem Board zu nehmen. So musste Dave häufig neu ansetzen. Doch im sechsten Leg machte es ihm nichts aus. Er atmete durch, ging ans Oche und checkte 148 Punkte zum Break und Ausgleich. Und als wäre es nicht genug, brachte er nur ein Leg später ein 147’er Finish ins Ziel und ging damit erstmals in Führung. Zwar glich Brown unter großen Druck wieder aus, doch „The Needle“ ließ daraufhin immer stärker nach. Dave hingegen kämpfte sich durch das Match und konnte nun auch Fehler korrigieren. Zum Beispiel traf er bei 96 Punkten Rest die einfache eins, konnte via Triple-19, Doppel-19 das Leg aber dennoch nach Hause fahren. Zusätzlich zu den sowieso schon eher mäßigen Scores von Keegan Brown kamen auch noch unzählige Bouncer hinzu, die ihn mit der Zeit immer mehr den Mut verlieren ließen. Dave sorgte im 13. Leg nochmal für ein Highlight, als er mit 140 Punkten sein drittes High Finish ins Board nagelte, danach beendete er das Match auch mit dem 10:4 und sicherte sich somit den Einzug in Runde zwei. Von Keegan war es mit am Ende nur 76 Punkten im Schnitt einfach zu wenig.


Smith macht sich das Leben selber schwer

Es war wohl die Sensation des bisherigen Jahres. Bei den UK Open traf Michael van Gerwen in seinem Auftaktmatch auf seinen Landsmann Jeffrey de Zwaan. Eine Partie, die er eigentlich locker gewinnen wollte, entwickelte sich zum Desaster, als er mit 8:10 unterlag. Jeffrey nahm aus diesem Sieg unglaublich viel Schwung mit und konnte sogar schon ein Players Championship Turnier in diesem Jahr für sich entscheiden. Nun trafen sie sich wieder und MVG wollte Revanche. Er startete sehr gut, holte sich das erste Leg und legte mit einem 84’er Finish via 5, Triple-19, Doppel-11 ein Break nach. Jeffrey blieb aber cool, holte sich direkt ein Rebreak und hätte beinahe mit einem 116’er Finish wieder ausgeglichen. Er verpasste allerdings Tops, sodass „Mighty Mike“ seine Führung erneut ausbauen konnte. Auf die Doppel ließ der Weltranglistenerste aber an diesem Tag eine Menge liegen, sodass Jeffrey seine Chancen bekommen sollte. Und diese wusste die „Black Cobra“ auch zu nutzen. Zunächst checkte er 79 Punkte auf Tops, dann glich er aus. Beide Male hatte Michael zuvor ein Doppel verfehlt. Danach lief alles zunächst geregelt ab. Die Akteure zeigten sich in ihren eigenen Anwürfen sehr sicher. Bei de Zwaan waren es in dieser Phase weniger die Scores mit denen er auftrumpfte, vor allem sein Timing war herausragend. So konnte er auch mit zwischenzeitlich zehn Punkten weniger im Average die Partie offen halten. Immer wieder glich er aus und zeigte dabei starke Nerven. So warf Michael im zehnten Leg eine klasse 180 um sich vier Punkte Rest zu stellen, aber de Zwaan traf die Doppel-8 zum 5:5.


Nach der zweiten Pause ging die Post dann so richtig ab. Zunächst brachte Michael 100 Punkte auf null und jubelte danach lautstark los, denn de Zwaan stand auf 81 Rest und somit war Druck da. Dann brachte Jeffrey ein 121’er Finish ins Ziel, ging dabei den Weg über Bull, Triple-13 und Doppel-16. Dies schien Michael zum Nachdenken zu bringen, denn danach traf er deutlich weniger Triple. Jeffrey wusste, er musste nun zuschlagen. Und genau das tat er. Der Darts1 Spieler im Fokus des Monats März zeigte nun immer wieder zwei Triple pro Aufnahme, holte sich ein Break und konnte dieses auf der Doppel-19 bestätigen. Nachdem er dann auch noch ein Break zum 9:6 schaffte, merkten auch die Fans in Blackpool, dass es für MVG immer schwerer wird und dichteten das Lied „Football’s coming home“ in „Michael’s going home“ um. Und sie sollten recht behalten. Ein 14-Darter zum Abschluss brachte Jeffrey de Zwaan den 10:6-Sieg ein und besiegelte das sensationelle Erstrundenaus des Top-Favoriten.


Die letzte Begegnung des ersten Tages bestritten Michael Smith und Jonny Clayton. Es war das fünfte Duell der beiden, das erste allerdings auf einer größeren Bühne. Bisher war Smith noch ungeschlagen gegen den Waliser, der sich aber in den letzten zwölf Monaten unheimlich verbessert hatte. In diesem Jahr gewann er sogar sein erstes European Tour Event. Um bei seinem Debüt im Empress Ballroom einen Sieg einzufahren, musste er aber eine tadellose Leistung abrufen. Dies zeigte ihm der „Bully Boy“ auch direkt auf, als er sich mit sehr großer Geschwindigkeit die ersten beiden Legs schnappte, dabei auch ein 106’er Finish ins Board zauberte. Er startete dann auch perfekt ins dritte Leg, konnte jedoch seine zwei Breakchancen nicht nutzen. So kam auch Clayton ins Spiel und konnte weitere vergebene Möglichkeiten Smiths zum Ausgleich verwerten. Zur ersten Pause lag der Waliser dann aber trotzdem mit 2:3 und einem Break zurück. Auch danach lief es zunächst weiterhin sehr gut für Smith. Der holte sich zwei weitere Legs um auf 5:2 zu erhöhen, doch zufrieden war er nicht. Jeder noch so kleine Fehler machte ihn augenscheinlich wütend. Er wirkte noch hektischer als sonst, lief damit auch Gefahr das eigentlich so kontrollierte Spiel noch aus der Hand zu geben. Clayton wusste die schlechte Stimmung von Smith auszunutzen und holte sich seinerseits zwei Legs nacheinander, zeigte sich auf der Doppel-16 dabei sehr sicher. Zum Ausgleich kam es jedoch nicht, weil Michael seinen Anwurf zum 6:4 souverän nach Hause brachte.


Zu diesem Zeitpunkt spielte Smith im Schnitt zehn Punkte pro Aufnahme mehr als sein Gegner, so deutlich war das Ergebnis jedoch nicht. Ein tolles 154’er Finish brachte Clayton sogar noch näher heran, so verkürzte „The Ferret“ auf 5:6. Smith war in dieser Phase einfach zu wenig konstant. Guten Legs folgten meist mäßige und so blieb Clayton auch danach weiter im Spiel. Erst das Break zum 9:6 sorgte für eine kleine Vorentscheidung zugunsten von Michael Smith, der danach bei eigenem Anwurf die Partie entscheiden wollte. Trotz einiger weiterer Ausrutscher war seine sechste 180 Gold wert, da er sich damit 48 Punkte Rest stellte. Sein erster Matchdart landete dann in Tops und so siegte Michael Smith mit 10:6. Am Ende war er mit seinem 97’er Average um ganze 13 Punkte stärker als Clayton.


Tobias Gürtler

World Matchplay


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