Suljovic und Anderson ziehen ins Endspiel ein

Es fehlten beim World Matchplay 2018 nur noch drei Spiele, bis der diesjährige Sieger feststehen würde. Am Samstagabend ging es in Blackpool somit in die vorletzte Session mit den beiden Halbfinals. Im ersten spielte dabei Peter Wright gegen Mensur Suljovic; im Anschluss daran wollte Jeffrey de Zwaan gegen Gary Anderson den nächsten Favoritensturz vollbringen. Wer ins Finale einziehen wollte musste siebzehn Legs auf seine Habenseite bringen.

Schwacher Suljovic schlägt noch schwächeren Wright


In Person von Simon Whitlock hatte Peter Wright im Viertelfinale zwar einen schwach aufgelegten Gegner erwischt, doch er selber spielte klasse Darts und brillierte mit einer 75-prozentigen Doppelquote. Dagegen hatte Mensur Suljovic ein paar mehr Probleme mit seinem Viertelfinalgegner Darren Webster, doch letztendlich setzte sich der Wiener sicher durch. Wright, heute in einer Hose mit Hot-Dog-Muster gekleidet, eröffnete und holte sich das erste Leg, auch weil Mensur zwei Möglichkeiten auf „seine“ Doppel-14 ausließ; doch die Doppel-11 brachte letztgenanntem schon wenig später das erste Erfolgserlebnis. Das dritte Leg des Spiels ging mit dem Anwurf an „Snakebite“, dieser konnte mit dem Gewinn des daran anschließenden Legs sogar das erste Break der Partie produzieren. Doch Mensur konterte sofort und verkürzte mit einem 11-Darter zum 2:3 zur ersten Pause. Die ersten beiden Legs nach dieser Unterbrechung gingen an „The Gentle“, der folglich zum ersten Mal in Front lag. Mit einem 12-Darter, abgeschlossen mit einem 136er-Finish stellte Wright den 4:4-Ausgleich her, ehe Suljovic seinerseits mit einem 12-Darter zurückschlug und mit diesem Break wieder in Führung ging. Im Anschluss verteidigte Mensur noch den eigenen Anwurf und hatte zur zweiten Pause zwei Legs Vorsprung. Die ersten beiden Legs nach dieser Unterbrechung wurden gerecht aufgeteilt, im dreizehnten Leg punktete der anwerfende Wright allerdings zu schwach, in der Folge vollbrachte sein Gegner ein weiteres Break und führte zu diesem Zeitpunkt mit 8:5.


Im nächsten Leg lief es dann allerdings genau umgekehrt, Suljovic scorete zu schwach und kassierte sofort das Rebreak. Beide durchlebten zu dieser Zeit eine ganz schwache Phase, letztendlich war Mensur im letzten Leg vor der dritten Unterbrechung der leicht bessere Spieler und holte sich mit einem 17-Darter ein weiteres Break zur 9:6-Führung. Nach dieser Pause hatte der Weltranglistenzweite zunächst Oberwasser, holte sich zwei Legs nacheinander, verpasste im achtzehnten Leg jedoch einen Dart auf das Bullseye und ermöglichte es seinem österreichischen Gegner so, wieder auf zwei Legs Abstand davonzuziehen. Doch insgesamt traf Mensur in dieser Session einfach zu wenige Tripletreffer, musste noch mal zwei Legs an den selber schwach spielenden Wright abgeben. Nach zwanzig gespielten Legs – also zur vierten Pause – stand es also 10:10-Unentschieden. „The Gentle“ kam verbessert aus der Pause, spielte zuerst einen 16-Darter zum Break und zeigte dann aus heiterem Himmel ein 151er-Highfinish zum 12:10. Dass er im darauffolgenden Leg sogar nachlegen konnte hatte er zu großen Teilen Wright zu verdanken, der zwei Möglichkeiten auf Doppel-10 ausließ. Mensur konnte dementsprechend breaken, und als wenig später bei eigenem Anwurf so gut wie gar keinen Gegenwind bekam hatte er ganze vier Legs Vorsprung auf seinen Kontrahenten. Wright war in diesem Spielabschnitt aufgrund fehlenden Scorings eigentlich ohne Chance auf einen Leggewinn, hätte Suljovic in Leg Nummer 25 nicht sieben Mal auf Doppelfelder gepatzt. So machte „Snakebite“ 54 Punkte aus und lag zur fünften und letzten Unterbrechung mit 11:14 im Rückstand.


Die ersten beiden Legs nach der Pause wurden aufgeteilt, ehe Mensur seinen Anwurf im 28. Leg unter großen Mühen verteidigte und nur noch ein Leg vom Finale entfernt war. Wright bäumte sich noch für kurze Zeit auf, warf im daran anschließenden Leg zwei Maxima und holte sich dieses dann auch ohne größere Schwierigkeiten. Im 30. Leg hatte Suljovic dann Anwurf, doch Wright punktete in diesem Leg besser. Weil er aber fünf Mal auf Doppelfelder patzte bekam der Wiener mit 70 Restpunkten seine Chance zum Matchgewinn, und diese konnte er auch nutzen, checkte via Triple-14, 0 und Doppel-14. Nach dem 17:13-Erfolg steht Mensur Suljovic also im Finale des zweitwichtigsten Turniers des Jahres, doch das Spielniveau war eines Halbfinals beim World Matchplay nicht würdig. Mensur kam auf einen Schnitt von 90,16 Punkten pro Aufnahme und traf die Doppel zu circa 39 Prozent. Wright war noch schwächer unterwegs, überschritt im Average nicht mal die 90er-Marke und spielte eine Doppelquote von rund 37 Prozent; zudem boten beide zusammen in dreißig Legs gerade einmal sieben 180er.


Anderson brennt ein Feuerwerk ab


Michael van Gerwen, Adrian Lewis und Dave Chisnall. Diese drei prominenten Spieler fielen einem fantastisch aufspielenden Jeffrey de Zwaan in diesem Turnier bereits zum Opfer. Mit Gary Anderson stand dem jungen Niederländer aber wieder ein großer Brocken im Weg. Der Schotte hat eines der besten Spiele der Turniergeschichte in den Knochen, schlug Joe Cullen ganz knapp mit 19:17 und machte sich dabei mit seinem 9-Darter zum Helden von Blackpool.


De Zwaan, der zweifellos das größte Spiel seiner noch jungen Karriere absolvierte zeigte wie in Runden zuvor überhaupt keine Anfangsnervosität, checkte im ersten Leg 122 Punkte unter hohem Druck auf der Doppel-7 und verteidigte so den eigenen Anwurf. Anderson glich mit 14 Darts aus und zeigte im darauffolgenden Leg einen 12-Darter, der ihm das erste Break der Partie bescherte. Doch weil der „Flying Scotsman“ im vierten Leg vier Chancen auf Doppel ausließ kam der Niederländer zum umgehenden Rebreak. Noch schlechter aus der Sicht Andersons lief es im fünften Leg, er vergab ganze sechs Möglichkeiten zum Break. De Zwaan, der selber vier Mal patzte, ging also mit einer knappen Führung in Pause Nummer eins. Nach der Unterbrechung war schnell zu sehen, dass Anderson sich vorgenommen hatte, sich zu verbessern. Er glich zunächst aus und profitierte im siebten Leg von zwei Fehlern seines Gegners auf die Doppel-14. Doch um das Leg für sich zu entscheiden musste er selber 96 Punkte checken, und er tat dies via 20, Doppel-18 und Doppel-20 zum 4:3. Dieses eben geschaffene Break konnte der Weltranglistenvierte wenige Augenblicke später auch bestätigen und führte mit zwei Legs Vorsprung. Doch de Zwaan war weiterhin voll im Spiel, holte sich noch zwei Legs nacheinander und glich trotz zu diesem Zeitpunkt elf Punkten weniger im Average zum 5:5 aus. Das Spiel war schnell und auf hohem Niveau, Andersons Punktedurchschnitt lag fast seit Beginn bei über 100 Punkten, de Zwaan näherte sich dieser Marke immer weiter an. So checkte der Youngster im ersten Leg nach der zweiten Pause 100 Punkte perfekt mit zwei Darts, Anderson konterte mit einem 87er-Checkout zum 6:6.


Auch die beiden daran anschließenden Legs wurden mit dem Anwurf gewonnen, dabei holte sich Anderson seines mit einem fantastischen 10-Darter. Im fünfzehnten Leg gelang Anderson dann sogar noch ein Break, er ging also mit einer knappen Führung in die dritte Unterbrechung. Die fünf Legs der vierten Session wurden allesamt mit dem Anwurf gewonnen, die folgenden Zahlen veranschaulichen das hohe Level dieses Spiels: Anderson gewann seine Legs mit 13, 12, und 14 Darts; de Zwaan holte seine mit 12 (abgeschlossen mit einem 140er-Finish) und 11 Darts. Zur vierten Pause und nach zwanzig gespielten Legs lag der Schotte also immer noch mit einem Break vorne und führte mit 11:9. Ein seltener Fehler unterlief de Zwaan im ersten Leg nach dieser Unterbrechung: er ließ vier Möglichkeiten auf Doppelfelder aus und musste sich ansehen, wie Anderson die Doppel-1 für ein Break treffen konnte. Als der Doppelweltmeister kurze Zeit später auch noch das eigene Leg gewann führte er gar mit 13:9. Anderson war jetzt voll in Fahrt und zeigte im 23. Leg eins der ganz großen Highlights dieser Partie: mit einer 180 stellte er sich 152 Punkte, die er mit zweimal Triple-20 und Doppel-16 ausmachen konnte. Damit holte er das vierte Leg in Serie und schaffte ein weiteres Break, doch letzteres wurde von de Zwaan sofort egalisiert, weil er mit einem 14-Darter rebreakte. Aber Anderson befand sich in dieser Phase auf allerhöchstem Niveau, schnappt de Zwaan das 25. Leg mit einem 112er-Checkout vor der Nase weg und führte zur letzten Unterbrechung klar mit 15:10.


Auch das erste Leg nach dieser Pause ging ans Hause Anderson, der einen 11-Darter mit einem 100er-Checkout beendete und ein Leg vor dem Sieg stand. De Zwaan gab sich aber noch nicht auf, konnte zunächst den eigenen Anwurf durchbringen und legte sogar ein Break nach. Doch danach wollte Anderson das Match zu einem Schluss bringen, und das gelang ihm auch mit einem Treffer in der doppelten 5 – 17:12 lautete der Endstand. Die tolle Reise des Jeffrey de Zwaan endet also im Halbfinale, heute kam er noch auf einen Average von gut 99 Punkten und eine 43-prozentige Doppelquote. Es ist schwer zu sagen, ob es überhaupt jemanden gäbe, der Gary Anderson am heutigen Abend geschlagen hätte. Der Schotte kam auf einen Punktedurchschnitt von über 106, traf die Doppel zu 38 Prozent und warf sechzehn 180er. Durch seinen Finaleinzug macht er die Neuauflage des Champions League-Endspiels von 2017 perfekt, morgen spielt er gegen Mensur Suljovic um die Phil Taylor Trophy.


Alexander Kuck

World Matchplay


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