Deutschland knackt das Schweden-Doppel

Nach dem Aus von Österreich gegen Japan, wartete man am zweiten Tag auf die nächste große Überraschung. Deutschland wollte mit einer solche nichts zu tun haben, denn Max Hopp und Martin Schindler galten gegen die Schweden als Favoriten. Die Titelverteidiger aus den Niederlanden bekamen es mit Gibraltar zu tun. Mitfavorit England traf auf Tschechien und das belgische Team wollte gegen Irland zeigen, dass sie auch nach der Trennung der Gebrüder Huybrechts konkurrenzfähig sind.

Singapur dominiert nach schwachem Start

Den Anfang machten die Teams aus Neuseeland und Singapur. Beide traten in der gleichen Formation wie im vergangenen Jahr an. So spielten Cody Harris und Warren Parry für die „Kiwis“, Paul und Harith Lim für Singapur. Im vergangenen Jahr erreichten die Lims sensationell das Viertelfinale und schlugen auf dem Weg Favorit Schottland. Dort wollten sie anknüpfen, kamen aber zunächst überhaupt nicht ins Spiel. Neuseeland hingegen begann sehr solide, warf im ersten Leg vier Aufnahmen um die 100 Punkte und ging ungefährdet durch Warren Parry in Führung. Parry war es auch, der mit dem ersten Break der Partie auf 2:0 erhöhen konnte. Singapur musste nun reagieren und tat dies eindrucksvoll. Fast wie aus dem Nichts erhöhten beide Lims ihr Niveau um etwa drei Level, spielten einen herrlichen 12-Darter zum direkten Rebreak und starteten mit zwei 140’ern in das vierte Leg. Auch dieses holten sie sich am Ende, ehe ein 14-Darter dank eines 80’er Zwei-Dart-Finishes von Paul ein weiteres Break einbrachte. Neuseeland war nun völlig raus und schien dem Druck den Singapur machte nicht gewachsen. Auch die Doppelstärke der Lims war beeindruckend, beim Stand von 4:2 stand die Quote bei 80%, der Average war klar über 90 Punkten. Sie ließen im Anschluss dann aber doch nochmal ein wenig federn, sodass Neuseeland ein letztes Mal verkürzen konnte, Cody Harris traf das Doppel im sechsten, gemeinsamen Versuch. Am Ende war Singapur aber zu gut und so checkte Paul 68 Punkte zum 5:3-Sieg um die Lims in die nächste Runde zu bringen.

Für Veniamin Symeonidis war es ein besonderer Tag. Der gebürtige Grieche lebt bereits seit einigen Jahren in Deutschland, durfte nun aber zusammen mit John Michael sein Heimatland vertreten. Ihnen gegenüber stand das Team aus Finnland, das mit Marko Kantele und Kim Viljanen antrat. Diese beiden zeigten von Beginn an, wie gut sie harmonieren. Das erste Leg holten sie sich ohne jegliche Probleme, auch weil man den Griechen die Nervosität anmerkte. Im Anschluss vergab Symeonidis den Ausgleich auf Tops, sodass sich Finnland mit einem Break absetzen konnte. Doch Veniamin machte es wenig später besser, als er Griechenland mit dem direkten Rebreak im Spiel hielt. Dies gelang aber in erster Linie deshalb, weil die Finnen sich in jenem dritten Leg förmlich aus dem Spiel raushielten. Danach packten sie dafür nochmal eine Schippe drauf. Vor allem Kim Viljanen hatte richtig Lust, warf die erste 180 des Tages und scheiterte nur knapp an einem 124’er Finish auf Bull. Dennoch holten sie sich ein weiteres Break. Nach der zweiten 180 von Viljanen und dem 4:1, schien der ganz große Moment möglich. Marko Kantele hatte Leg Nummer sechs mit einer 180 eröffnet und auch Viljanen traf mit seinen ersten beiden Darts die Triple-20. Der dritte sollte in die Triple-19, verfehlte diese aber und ging in die Triple-7. Das perfekte Spiel sollte es also nicht werden, ein 112’er Finish von Kantele brachte den Finnen aber trotzdem den klaren 5:1-Sieg.

Nordirland entgeht erneutem Erstrundenaus knapp

Daryl Gurney und Brendan Dolan sind als Repräsentanten von Nordirland eines der gesetzten Teams, womit ein Sieg in der ersten Runde als Pflicht gilt. Im letzten Jahr kamen sie dieser nicht nach, als sie Deutschland unterlagen. Gegen Polen um Krzysztof Ratajski und Tytus Kanik wollten sie es nun besser machen, durften sie aber nicht unterschätzen. Die Polen zeigten auch von Beginn an, wie gefährlich sie sind. Weil Nordirland gleich fünf Darts auf Doppel vergab, checkte World Masters Champion Ratajski zum Break, welches er auf Tops wenig später auch bestätigte. Dabei hatte er eine 180 von Gurney mit einer eigenen beantworten können. Gurney war es auch, der Nordirland ins Spiel brachte, als er 61 Punkte auf null brachte und auf 1:2 verkürzte. Aber nicht nur diese beiden Akteure waren im Spiel. Dolan und Kanik machten auch mit, jedoch weniger erfolgreich in dieser Phase. Sie vergaben eher die Chancen. So ließ Kanik ein 104’er Finish liegen, Dolan aber nutzte drei Möglichkeiten auf Tops nicht zum Break. Polen behielt so den Vorsprung, blieb in den eigenen Anwürfen ruhig. In denen von Nordirland machten sie Druck. So war Gurney gezwungen ein 82’er Finish auszuchecken, ließ sich aber auch nicht lumpen. Nach dem 4:2 durch Kanik schien die Überraschung greifbar, doch Tytus vergab im Anschluss ein 90’er Finish zum Sieg auf dem Bullseye. Gurney blieb cool und brachte 70 Punkte ins Ziel. Auch wenn die Nordiren im achten Leg dann drei Aufnahmen ohne Triple zeigten, reichten die fünf in Serie danach noch zum Break und 4:4-Ausgleich. Im Entscheidungsleg spielte Polen dann eigentlich gut, stand nach zwölf Darts auf 85 Punkten Rest. Doch Gurney zeigte seine ganze Klasse und checkte ein 101’er Finish via 19, Bullseye, Doppel-16 zum 5:4-Erfolg Nordirlands.

Liam O’Brien wusste selbst wohl gar nicht, was er beim World Cup zu erwarten hatte. Der weitestgehend unbekannte Südafrikaner hatte das Qualifying Event in seiner Heimat gewonnen, wodurch er Devon Petersen nach Frankfurt begleiten durfte. Nun musste er gegen ein ungarisches Team antreten, das im Vergleich zu letztem Jahr komplett ausgetauscht wurde. Allerdings vertrat Nandor Bezzeg sein Land bereits mehrfach beim World Cup, nur 2017 eben nicht, für Tamas Alexits war es aber Neuland. Die Ungarn konnten sich das erste Leg schnappen, jedoch brauchten sie ganze 24 Darts dafür. Ungefähr auf diesem Niveau verlief der Großteil der Partie. Es war eine sehr zähe Angelegenheit, bei der Liam O’Brien aber im zweiten Leg ein tolles Highlight auspackte. 160 Punkte brachte er ins Ziel um auszugleichen, ehe ein toller 13-Darter Südafrika das Break einbrachte. Doch nach diesem Zwischenhoch ging es schnell wieder bergab. In einem normalen Leg hätte man bei den Profis wohl keine Chance, wenn man 26 Darts benötigt. Hier reichte es Südafrika um das Break zu bestätigen und auf 3:1 zu erhöhen. Südafrika war besser ohne wirklich gut zu sein. O’Brien war trotz mangelnder Erfahrung sogar der stärkste Spieler am Oche, allerdings fehlte ein wenig die Konstanz. Drei Breakdarts vergab Petersen im fünften Leg, sodass Ungarn nochmal zurückkam. Sie holten zwei Legs in Serie und glichen zum 3:3 aus. Bei eigenem Anwurf verpasste Alexits dann aber die Doppel-2, sodass O’Brien mit einem 72’er Finish ein erneutes Break holte. Mit eigenem Anwurf wollte Südafrika dann die Entscheidung, vergab aber nochmal sechs Matchdarts. Nur weil Nandor Bezzeg die Doppel-7 verfehlte, konnte O’Brien tatsächlich den 5:3-Sieg für die Südafrikaner eintüten.


Dimitri Van den Bergh rettet Belgien


Dimitri Van den Bergh spielte sich kürzlich auf Schalke bis ins Endspiel der German Darts Masters, schlug Michael van Gerwen und Gary Anderson. Nun sollte er nach 5 Jahren Ronny Huybrechts beim World Cup ersetzen und mit dessen Bruder Kim Belgien vertreten. Gegen das Team aus Irland lief es aber zunächst eher schlecht als recht. Es war ein grausiges erstes Leg der Belgier, bei dem sie unter 60 Punkte im Schnitt spielten. Die Iren um Debütant Steve Lennon und William O’Connor wussten dies zu nutzen. Sie holten sich sofort ein Break und blieben auch danach zunächst cool. Lennon checkte 76 Punkte und auch O’Connor zeigte sich danach auf die Doppel sicher, erhöhte mit einem weiteren Break auf 3:0. Die Überraschung schien bereits greifbar und nachdem Kim Huybrechts ein 125’er Finish vergab und der nervöse Dimitri ebenfalls drei Mal das Doppel verfehlte, hätte Lennon auf 4:0 erhöhen können. Er verpasste allerdings Tops und so kam Belgien doch nochmal zurück. Zunächst holte Kim das Rebreak, brachte im Anschluss auch den eigenen Anwurf durch. Doch er alleine reichte nicht um Irland dauerhaft unter Druck zu setzen. So schafften diese das 4:2 und waren kurz vor der Sensation. Dann aber kam auch Dimitri Van den Bergh in Fahrt. Was er die folgenden drei Legs zeigte war unglaublich. Nachdem sich Irland auf 48 Punkte Rest stellte und den Sieg schon riechen konnte, checkte der „Dreammaker“ 130 Punkte auf dem Bullseye und verhalf mit seiner 180 und dem folgenden 54’er Finish zu einem 11-Darter und Break. Es war das 4:4 und plötzlich war alles wieder offen. Erneut warf Van den Bergh eine 180 und stellte im Anschluss mit 125 Punkten einen Rest von 36. Irland durfte aber nochmal ran und William O’Connor verpasste ein 170’er Finish auf dem Bullseye. So hatte Kim Huybrechts drei Matchdarts auf der Doppel-18, wovon er den letzten zum 5:4-Erfolg tatsächlich noch verwandelte.

Der langsame Umbruch im englischen Team hatte bereits im vergangenen Jahr angefangen. Dort ersetzte Dave Chisnall Phil Taylor. Auch dieses Jahr war Dave wieder dabei, jedoch begleitete ihn dieses Mal Weltmeister Rob Cross, der Adrian Lewis verdrängte. Sie galten von Natur aus als Mitfavoriten, mussten sich aber erst mal gegen Roman Benecky und Karel Sedlacek aus Tschechien beweisen. Trotz eines vergebenen 106’er Finishes von Cross holten sie sich direkt ein Break, auch weil Benecky eine Chance auf Tops ausließ. Und England machte sehr stark weiter. „Chizzy“ und „Voltage“ harmonierten fantastisch und untermauerten dies mit einem tollen 13-Darter. Zwar verkürzte Tschechien im Anschluss nach Doppelproblemen der Engländer, doch diese setzten sich danach wieder toll ab. Dave warf vor dem 3:1 seine zweite 180 der Partie, im fünften Leg setzten sie dann noch einen drauf. Nach einer 174 von Rob checkte Dave 134 Punkte zum 12-Darter, der ein weiteres Break und die 4:1-Führung bedeutete. Tschechien gab aber nicht auf. Nach Sedlaceks 180 brachte dieser unter Druck auch 52 Punkte zum Rebreak ins Ziel und auch Benecky durfte sich nochmal auszeichnen. Mit einem 104’er Finish verkürzte er auf 3:4 aus Sicht von Tschechien und alles schien möglich. Die Hoffnungen wurden aber schnell zerstört. Rob und Dave zeigten einen weiteren 13-Darter zum 5:3 und zeigten mit einem starken Average von 93 Punkten eine tolle Leistung.


Titelverteidiger gelingt einziger Erstrunden-Whitewash

Was war das für eine Party im vergangenen Jahr, als Max Hopp und Martin Schindler Nordirland aus dem Turnier warfen und erst im Viertelfinale scheiterten? Diese wollten die beiden Deutschen in diesem Jahr wiederholen und hatten mit Schweden einen Gegner, der machbar schien. Allerdings wollten sich Daniel Larsson und Dennis Nilsson nicht so leicht geschlagen geben. Es sollte sich eine Partie entwickeln, bei der es vor allem auf Nervenstärke ankam. Schweden durfte anfangen und trotz einer tollen 129 von Max um 16 Punkte Rest zu stellen, behielt Nilsson die Nerven, brachte Schweden in Führung. In der Folge lief es zunächst nach einem klaren Muster ab. Beide Teams waren in den eigenen Anwürfen sehr souverän. Für Deutschland übernahm Hopp die Rolle des Vorlagengebers, Schindler vollstreckte eiskalt. Nach vier Legs stand es somit 2:2, beide Teams waren auf die Doppel noch absolut fehlerlos. Dies änderte sich im fünften Leg, als Martin ein 164’er Finish auf dem Bullseye verpasste. Schweden hingegen blieb perfekt, weil Larsson, trotz eines Treffers in der einfachen fünf, 76 Punkte auf null brachte. Deutschland brauchte unbedingt ein Break, spielte zu diesem Zeitpunkt mit 96 Punkten im Schnitt auch elf Punkte mehr als die Skandinavier. Doch beinahe waren sie es, die ein Break kassierten. Schweden stellte sich auf 58 Punkte Rest, Martin aber bleib cool und nutzte seinen dritten Dart auf Doppel-12 zum 3:3. Die Erlösung folgte dann im siebten Leg. Martin gelang dort ein brillantes 126’er Finish auf der Doppel-6, wodurch das deutsche Team erstmals in Führung ging und nun um den Sieg kämpfte. Eine tolle 180 von Martin schien dabei die Schweden gebrochen zu haben, denn sie hielten danach nicht mehr mit. Hopp vergab dann zwar ein 115’er Finish, doch Martin vollstreckte im Anschluss zum fünften Mal in dieser Partie und brachte Deutschland mit dem 5:3 in die nächste Runde. Dort werden sie es mit alten Bekannten aus Nordirland zu tun bekommen.

Die letzte Erstrundenbegegnung war das Match des Titelverteidigers. Michael van Gerwen und Raymond van Barneveld vertraten wie gewohnt die Niederlande und bekamen es mit Dyson Parody und Justin Broton aus Gibraltar zu tun. Alles andere als eine klare Angelegenheit galt für die Ansprüche der Oranje als Enttäuschung. Die ersten beiden Aufnahmen gingen für die Niederländer dann zwar gehörig in die Hose, aber sie machten es im Anschluss wieder gut. Innerhalb von neun Darts brachten sie 399 Punkte auf null, MVG checkte dabei 160 Punkte zum Break. Nach einem perfekten Start waren sie dann auch in der Lage dieses auf der Doppel-2 zu bestätigen. Allerdings vergaben sie zuvor vier Möglichkeiten auf die Doppel. Da Gibraltar allerdings nicht hinterherkam und noch bei über 200 Punkten stand, war der Druck entsprechend gering. Etwas näher am Doppel war Gibraltar im dritten Leg, als sie sich immerhin auf 77 Punkte Rest stellten. Michael van Gerwen aber checkte 78 zum 3:0 und nächsten Break. Wenn der Drops bis hierhin noch nicht gelutscht war, war er es spätestens mit dem vierten Leg. Beim Anwurf der Niederländer war Gibraltar erneut chancenlos. Furios brachte „Mighty Mike“ dieses Mal ein 103’er Finish ins Ziel und erhöhte damit auf 4:0. Wenig später war die Partie dann tatsächlich vorbei. Zwar vergab Raymond van Barneveld noch ein 160’er Finish auf Tops, van Gerwen tütete den 5:0-Sieg direkt im Anschluss aber ein. Es war der einzige Whitewash der ersten Runde und bei einem Average von 102,95 Punkten setzten die Niederländer ein deutliches Ausrufezeichen an die Konkurrenz.

Tobias Gürtler

PDC World Cup


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