Österreich scheitert an Japan, die Schweiz ist weiter

Wenn sich zwei Spieler mit gleicher Nationalität im Dartsport nicht mehr duellieren, sondern sich zu einem Team zusammenschließen, dann weiß man, dass der World Cup of Darts läuft. Genau wie in den vergangenen Jahren ist die Frankfurter Eissporthalle Austragungsort des einzigen Teamwettbewerbs im PDC-Kalender. Team Deutschland wird wie letztes Jahr von Max Hopp und Martin Schindler besetzt, doch diese beiden sind erst morgen an der Reihe. Am heutigen Donnerstagabend startete das Turnier mit acht Erstrundenpartien, auf die Bühne durften neben den Schweizern und Österreichern unter anderem auch die Geheimfavoriten aus Wales und Australien sowie die topgesetzten Schotten. In der ersten Runde wird ausschließlich im Doppel gespielt; die Distanz ist mit Best-of-9-Legs ziemlich kurz.

Ein 136er-Checkout bringt Spanien in Runde zwei

Das Eröffnungsspiel wurde zwischen Italien und Kanada ausgetragen. Aus dem nordamerikanischen Team ist der dreifache Weltmeister John Part natürlich nicht wegzudenken, mit Dawson Murschell bekam er einen Debütanten an die Seite gestellt. Die Italiener sind im Vergleich zum Vorjahr in komplett neuer Besetzung, dieses Mal spielen Michel Furlani und Alessio Medaina im Duo. Wie zu erwarten taten sich beide Nationen zu Beginn speziell im Scoring schwer, doch es war Part, der im ersten Leg Tops gleich mit dem ersten Versuch traf und sich dieses Leg holte. Im zweiten Leg ließen die Italiener zwei Chancen auf Doppelfelder liegen, sodass Part auf der Doppel-10 das 2:0 mitnahm. Auch das dritte Leg wurde vom dreimaligen Weltmeister gewonnen; im vierten wurde es kurios. Die Italiener vergaben zusammen fünf Möglichkeiten, zuvor hatten sich Part und Murschell beide bei 44 Restpunkten überworfen. Letztendlich behielten sie aber auch in diesem Leg die Oberhand, denn Part traf erneut das entscheidende Doppelfeld und stellte auf 4:0. Ein Leg später vergab Murschell den ersten Matchdart auf die Doppel-10, sodass Medaina ebenjenes Doppelfeld treffen konnte und so die Höchststrafe verhindern konnte. Schon ein Leg später war aber alles vorbei, die Südeuropäer ließen im sechsten Leg nochmal vier Möglichkeiten auf Doppelfelder liegen und brauchten sich dann nicht mehr darüber wundern, dass Murschell das Match auf der Doppel-8 beendete – Kanada steht in Runde zwei.

Weiter ging es mit dem Duell von Russland und Spanien. Letztgenannte, bestehend aus Cristo Reyes und Toni Alcinas durften ihren Erstrundengegner nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn Aleksandr Oreshkin und Boris Koltsov konnten beide schon einige Erfahrungen bei diesem Turnier sammeln, bei der letzten Ausgabe ging es sogar bis ins Viertelfinale. Auf der Doppel-9 gelang es Oreshkin, das erste Leg auf die eigene Seite zu ziehen. Ein verpasster Dart auf die Doppel-20 von Reyes kostete die Spanier zweite Leg; Oreshkin hatte seinem Partner mit einer 171 36 Restpunkte gestellt, die Koltsov auch umgehend zum Break ausmachte. Doch im dritten Leg zeigte Alcinas dann seine Klasse und löschte 141 Punkte zum sofortigen Rebreak aus, und ein 80er-Checkout später war der 2:2-Ausgleich hergestellt. Die beiden darauffolgenden Legs wurden mit dem Anwurf gewonnen. Im siebten Leg hatten die Spanier die große Chance zum möglicherweise vorentscheidenden Break, doch Alcinas warf bei 40 Restpunkten dreimal an Doppeln vorbei, Koltsov bedankte sich und stellte auf 4:3. Weil die beiden Spanier im Anschluss daran wiederum ihr eigenes Leg gewannen musste ein Entscheidungsleg gespielt werden. Koltsov startete ohne Tripletreffer, stattdessen war Reyes hellwach und konterte mit einer 180. Letztendlich hatten sich die Russen nach zwölf Darts 114 Restpunkte, doch die Spanier waren bereits nach neun Darts im Finishbereich. Toni Alcinas stellte sich mit 136 Restpunkten vor die Scheibe, traf zwei Triple-20er und versenkte mitten in der Doppel-8. Ein 12-Darter im Entscheidungsleg bringt Reyes und Alcinas also in die nächste Runde.

Als nächstes waren die Schweizer Alexander Fehlmann und Andreas Bless an der Reihe. Gegen China wollten die Eidgenossen dabei unbedingt eine Runde weiterkommen. Die Besonderheit am chinesischen Team ist, dass in Person von Momo Zhou zum zweiten Mal in der Geschichte des World Cups eine Frau teilnimmt. Ihr zur Seite stand Xiaochen Zong, der in der Vorrunde der diesjährigen Weltmeisterschaft stand. In den ersten Minuten dieses Spiels zeigten sich beide Länder verständlicherweise noch etwas nervös. So verfehlte China vier Chancen auf Doppelfelder, zu allem Überfluss traf Zong bei sieben Restpunkten die einfache 3. So war es Andreas Bless, der auf der Doppel-8 die Nerven behielt und auf 1:0 stellte. Im zweiten Leg war wieder Bless der entscheidende Akteur, denn er konnte 82 Punkte nach einem Ausrutscher in die einfache 9 noch via Triple-19 und Doppel-8 ausmachen. Ein Leg später ließen Zhou und Zong zusammen ganze sieben Möglichkeiten auf Doppelfelder aus, sodass es dieses Mal Fehlmann war, der erneut auf der Doppel-8 auch das 3:0 für die Schweiz holte. Im vierten Leg gelang Zong die erste 180 des Spiels, und er konnte einige Aufnahmen später auch die Doppel-5 treffen – das erste Erfolgserlebnis für das chinesische Duo. Vom Scoring her waren sie den Schweizern auch leicht überlegen, sodass Momo Zhou im fünften Leg ohne viel Gegenwind die Doppel-10 treffen konnte und das Break zum 2:3 herstellen konnte. Doch weil die Chinesin im sechsten Leg einen Dart an der Doppel-6 vorbeiwarf musste sie sofort das Rebreak hinnehmen. Bless traf die Doppel-10 mit dem letzten Pfeil, stellte auf 4:2 und war mit seinem Partner nur noch ein Leg von der zweiten Runde entfernt. Mit einer Aufnahme von 171 Punkten gelang Fehlmann im siebten Leg sein bester Moment, und letztendlich war er es auch, der den ersten Matchdart nutzte und die Schweiz in die nächste Runde brachte. Entscheidend in diesem Match war zweifellos die Doppelquote: während China nur zwei seiner 23 Versuche nutzen konnte, trafen die Eigenossen diese Felder zu über 38 Prozent.

Routinier Per Laursen und Debütant Henrik Primdal vertreten beim diesjährigen World Cup die dänischen Farben. Zum Auftakt mussten sie sich mit Diogo Portela und Bruno Rangel aus Brasilien messen. Im Auftaktleg ließen die Dänen drei Möglichkeiten auf Doppel aus, Rangel bestrafte diese Fehler auf der Doppel-6 und schaffte so sofort ein Break. Im zweiten Leg zielte Primdal auf Tops, doch er warf dreimal zu hoch und musste den Brasilianern auch das zweite Leg überlassen. Als Rangel 92 Punkte mit drei Darts auschecken konnte ging auch das dritte Leg an Team Brasilien. Danemärks Negativlauf setzte sich auch im vierten Leg fort. Zunächst traf Laursen die große 14 nicht, eine Aufnahme später patzte Primdal dreimal bei 40 Restpunkten. Portela konnte die Einladung der Gegner gar nicht mehr ausschlagen und stellte auf der Doppel-5 auf 4:0. Im fünften Leg saß dann endlich ein Pfeil der Dänen im gewünschten Doppelfeld, Primdal traf die Doppel-19 und verhinderte den Whitewash. Doch schon wenig später war das Spiel beendet, Rangel brachte 80 Punkte auf null und durfte sich gemeinsam mit seinem Teamkollegen über den Zweitrundeneinzug freuen.


Wales muss kämpfen, Australien und Schottland souverän weiter

Mit den Vorjahresfinalisten aus Wales stand als nächstes ein gesetztes Duo auf der Frankfurter Bühne. Zwar ist Mark Webster zum ersten Mal in der Turniergeschichte nicht mehr mit am Start, doch mit Gerwyn Price und Jonny Clayton hat Wales unabhängig davon ein starkes Team zu bieten. Gegen Team Thailand, bestehend aus Thanawat Gaweenutavong und Attapol Eupakaree waren Price und Clayton natürlich hochfavorisiert. Die Waliser starteten gut ins Spiel, Price löschte 86 Punkte auf der Doppel-7 für einen 15-Darter aus; doch auch Thailand war ganz gut unterwegs. Dies zeigte sich auch daran, dass Eupakaree Tops mit dem ersten Versuch traf und zum 1:1 ausglich. Kurze Zeit später gelang es dann auch Clayton, sein erstes Leg beim World Cup zu gewinnen; hierzu traf er die Doppel-10 mit dem letzten Dart in der Hand. Erneut die doppelte 10 konnte Clayton ein Leg später treffen, damit produzierte er das erste Break des Spiels und brachte seine Farben mit 3:1 in Front. Doch weil Price im fünften Leg einmal auf die Doppel-20 patzte konnte Gaweenutavong verkürzen. Ganz ähnlich gestaltete sich das Bild im sechsten Leg: Price verpasste eine Chance auf Tops, Eupakaree traf dieses Doppelfeld und glich zum 3:3 aus – die beiden Akteure aus Thailand hatten noch keinen Dart an Doppeln vorbeigeworfen. Besser machte es der „Iceman“ im siebten Leg, als er 108 Punkte auf null brachte und Wales so wieder in Führung brachte. Im achten Leg gab es dann schon die ersten Matchdarts für Wales, doch Clayton vergab zwei davon. So bekam Gaweenutavong bei 65 Restpunkten noch eine letzte Chance, doch anders als zuvor setzte er zwei Darts an der Doppel-20 vorbei. Price ließ sich dann nicht mehr lange bitten, versenkte in der Doppel-4 und tütete den umkämpften 5:3-Erfolg ein.

Simon Whitlock gehört zu den Spielern, die noch keine Ausgabe dieses Wettbewerbs verpasst haben. Auch in diesem Jahr vertrat er zusammen mit Kyle Anderson Australien. Zum Auftakt war ihnen Hong Kong um Royden Lam und Ho-Yin Shek zugelost worden. Mit einem 16-Darter startete Hong Kong erfolgreich ins Spiel, doch auch die Australier waren beim eigenen Anwurf souverän und sicherten sich das 1:1. Mit einem schönen 14-Darter gelang den Australiern im Anschluss daran auch das Break zum 2:1, und sie konnten dieses im Anschluss auch bestätigen. Speziell Whitlock war in dieser Phase des Spiels richtig gut unterwegs, warf im vierten Leg eine 180 und checkte 77 mit zwei Pfeilen zur 3:1-Führung. Die Männer aus Hong Kong ließen im fünften Leg dann insgesamt vier Möglichkeiten aus, um zu verkürzen. Anderson bestrafte dies, indem er 68 Punkte souverän mit zwei Darts ausmachte; ihn und seinen Partner trennte nur noch ein Leg vom Sieg. Und dieses wurde dann auch schnellstmöglich eingeholt, Whitlock traf die Doppel-4 zum Abschluss eines 15-Darters und brachte Team Australien in die zweite Runde. Beim heutigen 5:1-Erfolg konnten Whitlock und Anderson wirklich überzeugen, warfen 94 Punkte im Durchschnitt und brachten die Hälfte ihrer Versuche in den Doppelfeldern unter.

Rein von den Namen her ist Schottland eines der hochkarätigsten Teams des Turniers. Das dachten sich die meisten auch im letzten Jahr, doch da unterlagen Gary Anderson und Peter Wright sensationell Singapur in Runde eins. Ein solches Fiasko wollten die beiden Top-4-Spieler dieses Mal natürlich vermeiden. Beim Erstrundengegner handelte es sich dabei um die USA, die wie gewohnt mit Darin Young und Larry Butler antraten. Auf der Doppel-10 gewann Wright das erste Leg der Partie; die Schotten wirkten schon früh im Spiel deutlich konzentrierter und entschlossener als im letzten Jahr. Dazu passte auch, dass „Snakebite“ die Doppel-6 im zweiten Leg zum Abschluss eines 13-Darters traf. Erst im dritten Leg bekamen die Amerikaner ihre ersten Würfe auf Doppelfelder, doch Butler ließ zwei Chancen aus und musste dementsprechend auch Leg Nummer drei an die an Position eins gesetzten Gegner abgeben. Besser lief es im vierten Leg, Butler checkte 25 Punkte aus und brachte seinem Team den ersten Leggewinn ein. Ein zweiter 13-Darter brachte den Schotten kurz darauf das 4:1, erneut war es Wright, der das abschließende Doppelfeld traf. Und als Wright im sechsten Leg die Doppel-20 traf, war das Spiel bereits beendet. Mit einem 95er-Average und einer Doppelquote von 45 Prozent ließ Schottland nie einen Zweifel daran aufkommen, wer die zweite Runde erreichen würde. Mit Wright und Anderson ist bei diesem World Cup wieder zu rechnen.

Der Abend wurde von den Teams aus Österreich und Japan abgeschlossen. Genau wie Mensur Suljovic ist auch Haruki Muramatsu ein Dauerbrenner bei diesem Turnier, beide sind seit der Premiere im Jahr 2010 dabei. An die Seite gestellt bekamen sie dieses Mal zwei Debütanten: Zoran Lerchbacher für Österreich und Seigo Asada aufseiten der Japaner. Die Österreicher kamen gut ins Spiel, Suljovic checkte im ersten Leg 90 Punkte mit zwei Darts zum Abschluss eines 14-Darters. Im zweiten Leg verpasste Mensur jedoch das 13er-Segment und nahm sich selbst einen Wurf auf das Bullseye. Die Konsequenz war, dass die Österreicher den 1:1-Ausgleich kassierten. Mit fünf perfekten Pfeilen startete das Duo aus Japan ins dritte Leg, letztendlich wurde es ein 14-Darter zur 2:1-Führung. Das japanische Team war bis hierhin richtig gut unterwegs, bewegte sich mit seinem Average zu diesem Zeitpunkt rund um die 100-Punkte-Marke. Auch ins vierte Leg startete Asada mit einer 180, am Ende dieses Legs stand ein 13-Darter und das Break zum 3:1 für die Japaner. Besonders Asada warf in dieser Phase richtig gute Darts, eröffnete auch Leg Nummer fünf mit einem Maximum. Dass dieses Leg am Ende dennoch nicht an seine Nation ging, lag daran, dass sie drei Chancen auf Doppel ausließen. Auch Lerchbacher hatte in diesem Leg dreimal gepatzt, doch Suljovic verkürzte wenig später für Team Österreich auf 2:3. Mittlerweile standen beide Teams stark unter Druck, was sich im sechsten Leg stark auf die Genauigkeit auswirkte. Sowohl Lerchbacher als auch Asada vergaben bei 32 Restpunkten drei Chancen zum Leggewinn, doch Muramatsu hielt seine Nerven zusammen und checkte auf der Doppel-4 zum 4:2 aus seiner Sicht - die Überraschung war zum Greifen nah. Auf der anderen Seite entwickelte sich das Spiel für Zoran Lerchbacher immer mehr zum Desaster. Auch im siebten Leg vergab er drei Chancen, dieses Mal auf Tops, um das Leg zu gewinnen. Doch weil Asada den ersten Matchdart auf das Bullseye ungenutzt ließ konnte Mensur die Situation retten und das Break zum 3:4 herstellen. Im achten Leg konnte Suljovic dann 48 Punkte auf der Doppel-14 auslöschen, er verhinderte so weitere Matchdarts für die Gegner und brachte seine Nation in das Entscheidungsleg – dieses wurde jedoch von den Japanern begonnen. Mensur war das ziemlich egal, denn er startete mit einer 180 ins Match, doch er und Lerchbacher konnte in der Folge nicht mehr gut genug scoren. Ganz anders sah es in diesem Punkt bei Team Japan aus. Einer 180 von Asada legte Muramatsu eine 137 nach, mit der seinem Partner 40 Restpunkte stellte. Und auf der Doppel-10 konnte Asada diese auch ausmachen, die größte Überraschung des heutigen Abends war perfekt. Dieser Erfolg ist keinesfalls unverdient, die Japaner zeigten sowohl den besseren Average als auch die bessere Erfolgsquote auf Doppelfelder. Auf österreichischer Seite kämpfte Suljovic bis zum Schluss, doch er bekam von Lerchbacher viel zu wenig Unterstützung.

Alexander Kuck

PDC World Cup


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