Team Niederlande verteidigt den World Cup-Titel

Crunchtime beim World Cup of Darts 2018! In der letzten Session des Turniers ging es Abend noch für vier Nationen um den ganz großen Wurf. Bevor es im Endspiel um den Pokal ging mussten vorher noch die Halbfinals über die Frankfurter Bühne gebracht werden. Dabei duellierten sich Schottland und Australien sowie Belgien und die Niederlande. Die beiden siegreichen Nationen würden dann später am Abend den Turniersieg unter sich ausmachen.

Drei Entscheidungslegs zwischen Schottland und Australien

Das erste Halbfinale wurde also zwischen Schottland und Australien ausgetragen. Während Gary Anderson und Peter Wright sich gerade in den Einzeln stark präsentiert hatten, konnten Kyle Anderson und Simon Whitlock speziell in den Doppelspielen glänzen. Damit sie auch im Halbfinale ein solches spielen konnten musste zumindest einer der beiden Australier sein Einzel gewinnen. Den ersten Versuch wagte dabei Whitlock, der es mit Wright aufnahm. „Snakebite“ eröffnete zwar das Spiel, verpasste im Auftaktleg aber zwei Möglichkeiten zum Leggewinn. Whitlock war ganz stark zur Stelle und löschte 130 Punkte auf der Doppel-5 für ein frühes Break aus. Mit einem 13-Darter gelang Wright sofort der Konter, und als er wenig später ebenfalls mit 13 Darts das eigene Leg gewann führte er mit 2:1. Mit seinem zweiten Highfinish, dieses Mal 105 Punkte, konnte der „Wizard“ den Ausgleich herbeiführen, musste das darauffolgende Leg allerdings wieder an seinen Kontrahenten abgeben. Bei eigenem Anwurf waren beide mittlerweile ziemlich stabil, so holte sich Whitlock mit einem 14-Darter das 3:3 und erzwang das Entscheidungsleg. Wright durfte dieses beginnen, traf mit den ersten fünf Darts sechs Triple-20er und brachte diesen Vorsprung am Ende auch nach Schottland. Bei Wright stand am Ende ein 106er-Average, bei Whitlock ein ebenfalls starker 101er. Es folgte das Duell der Andersons, wobei Kyle weitaus mehr unter Druck stand als Gary, denn eine Niederlage wäre gleichbedeutend mit dem Halbfinalaus. Kyle startete gut und sicherte sich Leg Nummer eins, musste aufgrund eines Fehlers auf die Doppel-15 das zweite Leg allerdings an seinen Namensvetter abtreten. Mit dem letzten Dart in der Hand traf Kyle die Doppel-20 um sich selbst wieder in Front zu bringen, doch auch Gary war bei eigenen Anwürfen ziemlich souverän und so holte sich der Schotte das 2:2. Im fünften Leg erhielt „The Flying Scotsman“ dann seine erste Breakchance, doch er verpasste die Doppel-20; der Australier war dementsprechend nur noch ein Leg vom Sieg entfernt. Dass es im folgenden Leg noch nichts mit dem Sieg werden würde, machte Gary schnell klar, denn er begann mit zwei 180ern und vollendete letztlich zum 13-Darter – auch dieses Einzel musste im siebten Leg entschieden werden. Kyle durfte dieses beginnen, musste in den ersten zwei Aufnahmen aber jeweils einen Bounceout hinnehmen. Doch „The Original“ ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen, stellte sich nach Scores von 120, 120 und 131 130 Restpunkte. Ohne den ganz großen Druck, denn Gary war noch nicht im Finishbereich, konnte Kyle den Weg über Triple-20, Triple-10 und Tops einschlagen und das Duell der Andersons für sich entscheiden. Durch einen Einzelsieg für jede Nation musste jetzt das entscheidende Doppel absolviert werden. Die Schotten hatten im ersten Leg Anwurf, wie gewünscht holten sie dieses Leg auf ihre Seite. Mit einer 180 stellte Gary Anderson seinem Teamkollegen ein leg später 120 Restpunkte, die dieser auch zum Break und zum 2:0 ausmachen konnte. Auch Leg Nummer drei ging an die Nummer eins der Setzliste, Gary versenkte in der Doppel-4 und war mit seinem Partner nur noch ein Leg vom Finale entfernt. Und im vierten Leg wäre es beinahe auch soweit gewesen, doch Wright warf drei Matchdarts außen an der Doppel-18 vorbei. Die Australier, bisher ohne Dart auf Doppelfeld bekamen in Person von Kyle Anderson jetzt ihre ersten, gleich sein erster Pfeil steckte in dem von Wright verpassten Feld und brachte das 1:3. Zwei weitere Matchdarts, dieses Mal auf der Doppel-16 ließ Wright im fünften Leg liegen, sodass Whitlock Tops treffen konnte und weiter verkürzte. Im sechsten Leg gab es dann keine Matchdarts mehr für die Schotten, die Australier spielten einen 14-Darter und erzwangen aus dem 0:3-Rückstand heraus tatsächlich noch das Entscheidungsleg. Zwei 140er hintereinander waren letztlich der Wegweiser für Team Schottland, Wright checkte 81 Punkte aus und nutzte seinen siebten Matchdart zum 4:3-Erfolg.


Zwei 4:2-Siege bringen die Niederlande ins Endspiel

Der Finalgegner der Schotten wurde logischerweise im zweiten Halbfinale gesucht. Die Belgier um Kim Huybrechts und Dimitri van den Bergh forderten dabei die Nachbarn aus den Niederlanden heraus. Das Problem aus Sicht der Belgier: Michael van Gerwen und Raymond van Barneveld präsentieren sich zurzeit wieder in absoluter Topform, kassierten in drei Turnierrunden nur ein einziges Leg gegen sich. In bewährter Manier schickten beide Teams ihre Kapitäne ins erste Einzel, dementsprechend spielte Michael van Gerwen gegen Kim Huybrechts. Eine verpasste Breakmöglichkeit auf Tops kostete Huybrechts das erste Leg, van Gerwen war bei 82 Punkten fehlerlos und checkte mit zwei Darts. Per 14-Darter konnte „The Hurricane“ ausgleichen, doch van Gerwens Anwurf im darauffolgenden Leg konnte er nicht gefährden. Mit einem 106er-Highfinish auf der Doppel-18 gelang Huybrechts der erneute Ausgleich, ehe van Gerwen die Doppel-12 erwischte und sich wieder in Führung brachte. Im sechsten Leg leistete sich Huybrechts dann einen Fehler auf eine große Zahl sowie zwei Patzer auf Doppel und musste dieses Leg an „Mighty Mike“ abgeben, der den 4:2-Erfolg klarmachte. Dimitri van den Bergh musste die Situation für Belgien jetzt also retten und Raymond van Barneveld bezwingen. Van den Bergh startete eigentlich gut ins Spiel, warf im ersten Leg zwei 180er, verpasste aber einen Dart auf die Doppel-14. Das rief van Barneveld auf den Plan, dem in diesem Auftaktleg ebenfalls ein Maximum gelungen war; er traf nämlich die Doppel-18 für einen 11-Darter und ein schnelles Break. Auch im zweiten Leg zeigte „Barney“ seine ganze Klasse, checkte 161 Punkte um einen 12-Darter abzuschließen. Der erste Fehler unterlief im erst im dritten Leg, als er einmal nicht genau genug auf die Doppel-18 zielte. Van den Bergh traf die Doppel-8 mit dem letzten Versuch und verkürzte. Als er wenige Augenblicke später auch die Doppel-18 finden konnte war das Break und der 2:2-Ausgleich vollbracht. Im fünften Leg unterliefen dem jungen Belgier die wohl spielentscheidenden Fehler. Bei 16 Restpunkten landeten alle drei Darts neben den Doppelfeldern, van Barneveld spielte seine gesamte Erfahrung aus und checkte 97 Zähler mit zwei Darts zum wichtigen Break. Im sechsten Leg vergab van den Bergh noch eine Möglichkeit auf das Bullseye um Millimeter, van Barneveld war zur Stelle und machte den Finaleinzug der Niederländer perfekt. Sein Average von 113,38 Punkten ist van Barneveld höchster vor TV-Kameras.

Van Gerwen führt sein Land zum Turniersieg

Schottland oder die Niederlande – eine dieser beiden Nationen würde also den Pokal mit in die Heimat nehmen. Für Raymond van Barneveld und Michael van Gerwen wäre es eine erfolgreiche Titelverteidigung, für Peter Wright und Gary Anderson der Premierensieg. Die Distanz wird für das Finale erhöht: wer den Pokal in die Höhe heben will, muss drei Punkte einfahren – dadurch werden wir auf jeden Fall noch ein Doppelspiel sehen.

Angefangen wurde aber wie gewohnt mit zwei Einzelspielen, im ersten duellierten sich van Gerwen und Wright. Etwas ungewohnt war, dass van Gerwen die Bühne aufgrund der Setzliste und anders als normal als Erster betrat. Und auch sportlich legte van Gerwen furios los: Wright vergab eine Breakchance auf das Bullseye und van Gerwen bestrafte dies mit einem 143er-Checkout. Mit einem 13-Darter konnte der Weltranglistenerste ein Break nachlegen, doch er musste sofort das Rebreak hinnehmen. Das lag daran, dass Wright 103 Punkte zum Abschluss eines 12-Darter ausmachte. Auch bei eigenem Anwurf präsentierte sich „Snakebite“ wenig später souverän und checkte 70 Zähler am Ende eines 15-Darters, der 2:2-Ausgleich war hergestellt. Allerdings war van Gerwen in der Lage, die Führung für Wright zu verhindern, dazu nahm er 112 Punkte mit und war nur noch ein Leg vom ersten Punktgewinn für sein Land entfernt. Und dieses holte er sich wenige Minuten später bei gegnerischem Anwurf, ein 92er-Checkout war gleichbedeutend mit dem 1:0 für Team Niederlande.

Gary Anderson stand gegen Raymond van Barneveld somit schon unter einem gewissen Druck. Zwar wäre eine Niederlage an sich theoretisch noch verkraftbar, doch sie würde den Titel für Schottland in weite Ferne rücken lassen. Mit einer 180 startete der Schotte perfekt ins Spiel, und auf der Doppel-10 holte er sich wenige Aufnahmen später das Auftaktleg. Ein ganz wichtiges 80er-Finish zum Break gelang Anderson im zweiten Leg, van Barneveld hatte Sekunden vorher einen Dart an der Doppel-16 vorbeigeworfen. Anderson war sich der Wichtigkeit des Spiels auch in der Folge bewusst und deshalb hochkonzentriert, ein Treffer in der doppelten 4 bedeutete die klare 3:0-Führung. Als Anderson sich im vierten Leg mit einer 180 46 Restpunkte stellte, schien das Match kurz vor seinem Ende zu stehen. Doch „The Flying Scotsman“ ließ fünf Matchdarts liegen und ermöglichte „Barney“ sein erstes Erfolgserlebnis. Doch ein Leg später war die Angelegenheit wirklich durch, Anderson nutzte seinen insgesamt achten Matchdart und glich zum 1:1 im Gesamtstand aus.

Jetzt war also das Doppelspiel an der Reihe. Durch Andersons Sieg konnte dieses noch keine Entscheidung herbeiführen, sehr wohl aber richtungsweisend für den weiteren Verlauf des Endspiels sein. Leg Nummer eins ging an die anwerfenden Niederländer, van Gerwen checkte 66 Punkte aus. Noch besser aus „Oranje“-Sicht verlief das zweite Leg: van Barneveld löschte 135 Punkte via Bullseye, Triple-15 und Doppel-20 aus, schaffte ein Break und brachte seine Farben mit 2:0 in Führung. Auch im dritten Leg blieben die Schotten ohne Wurf auf ein Doppelfeld, das lag daran, dass „Barney“ 96 Punkte ganz souverän mit zwei Darts auf null brachte und die Führung erhöhte. Doch noch hatten sich die Schotten nicht aufgegeben, Anderson checkte im vierten Leg 127 Punkte auf dem Bullseye und verhinderte den Whitewash. Mehr wurde es dann auch nicht mehr, Wright warf dreimal an der Doppel-16 vorbei und van Barneveld versenkte in der Doppel-8 zum 4:1-Erfolg. Den Gesamtstand betrachtend führten die Niederländer mit 2:1.

Das bedeutete, dass es nach dem nächsten Spiel schon vorbei sein könnte. Gary Anderson musste gegen Michael van Gerwen gewinnen, um den schottischen Titeltraum am Leben zu halten. „Mighty Mike“ könnte im Gegensatz dazu die Titelverteidigung klarmachen. Van Gerwen zeigte früh im Spiel, dass er nur ein einziges Ziel verfolgt. Ein 13-Darter besorgte frühestmöglich ein Break für den Weltranglistenersten, und auf der Doppel-8 konnte er dieses Break auch zum 2:0 bestätigen. Erst im dritten Leg durfte Anderson zum ersten Mal auf Doppel werfen, doch er verfehlte die doppelte 14 zwei Mal. So traf van Gerwen die Doppel-20 und war nur noch ein Leg vom Gesamtsieg entfernt. Und einen 13-Darter bei eigenem Anwurf später war diese Mission dann auch erfüllt, van Gerwen setzte mit seinem 111er-Average in dieser Partie nochmal ein echtes Highlight und darf sich gemeinsam mit van Barneveld über die gelungene Titelverteidigung freuen.

Alexander Kuck

PDC World Cup


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