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Aus dem Testlabor
von Unicorn Darts


Für manche lief es nicht so gut…

Es mag ja nicht gerade ein originelles Thema für einen Darts-Blog sein, doch andererseits wäre es nach dem Gewinn seines 14. Weltmeistertitels fast schon abwegig, wenn ich mich nicht dem Phänomen Phil Taylor widmen würde. Vor einem Jahr habe ich berichtet, wie sehr alle im Unicorn-Hauptquartier, einschließlich ich selbst, davon überrascht wurden, dass Taylor von seinem alten 24 g schweren „Purist Phase 3“ zum neuen „Sigma Pro“ wechselte, der ein Gramm schwerer ist. Doch auch wenn er dessen optimierte Flugeigenschaften sehr schätzte, lag ihm der etwas feinere Grip der ursprünglichen Sigma-Barrels aus 97% Wolfram (jetzt: „Phil Taylor Phase 4“ oder „Sigma 970“, um sie von dem mit 95% Wolfram und rauerem Grip versehenen „Sigma 950“ zu unterscheiden) einfach nicht so. Zudem beeinträchtige ihn die etwas schärfere hintere Kante der „Sigma Pro“-Flights, wenn er den Dart in Richtung Auge zurückzog. Und so dauerte es nicht allzu lange und Phil fing an herumzuprobieren: Erst tauschte er den Schaft aus, dann wechselte er von den Sigma- zu den sehr ähnlichen „John Lowe“-Barrels, die über einen aggressiveren Grip verfügen und bis dahin seiner Frau gehört hatten. Mit der Hilfe von Q, Unicorns zauberndem Ingenieur, veränderte Phil den 26 Gramm schweren „John Lowe“-Barrel ein wenig und kombinierte ihn mit seinen üblichen „Slim“-Flights und einer Version des „Sigma Pro“-Schafts – und fertig war der „Phil Taylor Phase5“, mit dem Taylor während des Jahres 2008 verblüffende Leistungen erzielte und danach strebte, seinen 13 Weltmeistertiteln weitere hinzuzufügen. Manche sehen die 13 ja als Unglückszahl, in diesem Fall waren lediglich seine Gegner vom Unglück betroffen…

Und so kommen wir zu der Frage, die mich und wahrscheinlich noch ein paar andere beschäftigte, die über diese Weiterentwicklung bei „The Power“ nachdachten: Welchen Anteil an Phils Erfolgen hat denn nun die verbesserte Aerodynamik der Darts, und wie viel haben sein wiedergefundener Fokus und die frische Entschlossenheit dazu beigetragen? Nun, ich bin ja schon ein „Anhänger“ der Flugdynamik, doch ich denke, dass die Darts nur einen kleinen Anteil dazu beitrugen. Gerade wenn man seinen verbesserten Standard berücksichtigt (das sieht man daran, dass bisher außer Phil nur noch ein einziger Spieler bei einem WDF- oder PDC-Weltmeisterschaftsfinale über Raymond van Barnevelds 101.18 bei dessen 1:7 Niederlage hinausgekommen war), hat natürlich ein Mann, der schon 13 Weltmeisterschaften gewinnen konnte, reelle Chancen darauf, noch einen weiteren Titel zu holen, auch wenn er seine Darts, die er schon länger benutzt, nicht wechselt.

Aber auch wenn ich ein fast schon legendär unfähiger Darts-Spieler bin, so habe ich doch genügend Wettkampferfahrung, um zu wissen, dass sehr viel zusammenkommen muss, damit man seine Bestleistung abrufen kann. Es muss wirklich alles stimmen, offensichtliche Dinge wie Ausrüstung und physische Verfassung, genauso wie Trainingsaufbau, richtiges Essen und Schlafmuster. Und wenn man all diese Dinge auch wirklich berücksichtigt, hat man dadurch einen weiteren Vorteil: Man kann darauf vertrauen, dass die eigene Vorbereitung der des Gegners überlegen war. Und ich glaube daran, dass dies genau der Vorteil ist, durch den Phil in den letzten Jahren immer wieder aufs Neue erfolgreich sein konnte. Auch wenn der Wechsel der Darts an sich nicht wirklich einen Unterschied macht, kann er doch das entscheidende Puzzleteil gewesen sein.

Nachdem ich dies losgeworden bin, können wir uns jetzt einmal anschauen, wie dieser Wechsel eigentlich vonstatten ging. Wir beginnen mit den 24 g schweren „Phase 3“-Darts, die Phil Ende 2007 benutzte. Der Barrel ist 53,3 mm lang, hat einen Durchmesser von 8,8 mm und, alles zusammengenommen, ein Trägheitsmoment von rund 5000. Wenn man jetzt auch noch seine relativ schweren „XL Titanium“-Schäfte und die einen geringen Auftrieb liefernden „Slim“-Flights berücksichtigt, bedeutet dies, dass die Gierungswellenlänge sehr groß war und der Dart somit so gute wie keine Fehler verziehen hat, sondern einen nahezu perfekten Wurf erforderte.

Als Phil und ich uns zu dieser Zeit trafen, ging es vor allem darum, seinen charakteristischen Wurf genauer unter die Lupe zu nehmen (davon zu einem späteren Zeitpunkt mehr) und eine andere Flight/Schaft-Kombination auszusuchen, welche die Wellenlänge verkürzte und die Darts horizontaler im Board landen ließ, so dass sie nicht mehr nach oben zeigten. Doch dann schnappte er sich ja die „Sigma Pro“-Barrels, die einen Durchmesser von 8 mm haben, nur 41,5 mm lang sind und deren Trägheitsmoment nur halb so groß ist wie das der „Phase 3“, wodurch sie auch eine viel kürzere Wellenlänge haben.

Im Vergleich dazu: Die 26 g schweren „Phase 5“, die er jetzt benutzt, sind 40,9 mm lang und haben einen Durchmesser von 7,9 mm. Damit sind sie den Sigmas ziemlich ähnlich - der Grund dafür, dass sie ein Gramm schwerer sind, obwohl der Wolfram-Anteil 2% geringer ist, liegt darin, dass das Barrel in der Mitte weniger gewölbt ist. Die Gierungswellenlänge liegt ungefähr zwischen den „Phase 3“- und den Sigma-Darts.

Ich kann mithilfe des UniLab und unter Berücksichtung von Phils Stil, Standard und Haltung, sowie der Geschwindigkeit, des Spins und seines Spiels für jeden seiner Darts „Durchschnitte“ berechnen. Das Ergebnis ist interessant: „Phase 3“ scort 95,9%, die „Sigma Phase 4“ 97,9% und die „Phase 5“-Darts 97,4%. Eine Differenz von 2% und auch von 1,5% in den UniLab-Spielscores ist sicherlich erheblich, während der Unterschied zwischen „Phase 4“ und „Phase 5“ deutlich geringer ausfällt und nicht kompensieren würde, dass sich Phil mit dem Grip der „Phase 4“ nicht so wohl fühlt wie mit dem der „Phase 5“.

Wenn ich jetzt ganz unwissenschaftlich vorgehen würde, kann ich natürlich sagen, dass sich die Differenz von 1,5% zwischen „Phase 3“ und „Phase 5“ in der 9%-Differenz zwischen Phils und Barneys Durchschnitt beim Weltmeisterschaftsfinale niederschlägt und könnte daraus natürlich auch völlig falsche, jedoch schmeichelhafte Rückschlüsse ziehen, wie wesentlich unsere neuen Darts zu seinem Sieg beigetragen haben. Doch ich denke, Ihr wisst, dass ich Euch niemals absichtlich irreführen würde! Und vor allem würde ich mich selbst ganz schön in die Zwickmühle bringen, sollte Phil auf der Suche nach weiterer Verbesserung noch einmal erfolgreich die Darts wechseln - und dann welche mit einem viel niedrigeren Match-Score auswählen…


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