Steve West wirft van Gerwen raus

Am Abend des zweiten EM-Tages wurden in Dortmund die ersten vier Achtelfinalpartien ausgetragen. Dort trat auch wieder Titelverteidiger und Top-Favorit Michael van Gerwen auf die Bühne. Er bekam es mit Steve West zu tun. Richard North wollte indes gegen Weltmeister Rob Cross erneut für eine Überraschung sorgen. Eine hochklassige Partie erwarteten die Fans auch bei Joe Cullen gegen Michael Smith. Außerdem bekam es der ehemalige Europameister Simon Whitlock mit dem Schotten Peter Wright zu tun.

132 zum Sieg – „Rockstar“ gewinnt nach starkem Schlussspurt

Für Joe Cullen war Michael Smith im Jahr 2017 ein absoluter Angstgegner. Alleine auf der European Tour trafen sie sich vier Mal und jedes Mal zog der „Rockstar“ den Kürzeren. In diesem Jahr setzte sich dann jedoch Joe beim einzigen Duell durch, auch dieses fand auf der European Tour statt. Da war es sehr passend, dass sie sich auch bei der Europameisterschaft wiedertrafen. Dort holte sich Cullen durch einen soliden Auftritt seinen ersten Anwurf, ehe ein sehr kurioses Leg folgte. Gleich neun Möglichkeiten vergab Smith zum Ausgleich. Joe konnte gar nicht anders, als sich das Break mit seinem achten Versuch auf ein Doppel zu schnappen. Der Unterschied in der Folge dieses Legs war, dass Joe stabiler beim Auschecken werden sollte, während der „Bullyboy“ weiterhin Probleme hatte. Ein 114’er Finish brachte folgerichtig das 3:0 für Cullen und nach erneut fünf verpassten Doppelfeldern Smiths erhöhte er mit einem weiteren Break gar auf 4:0. Nach dieser für Smith sehr schwachen Anfangsphase besserte sich das Bild aus seiner Sicht etwas, als er es schaffte den Druck ein wenig zu erhöhen und so aufzuholen. Er gewann vier der nächsten fünf Legs und stand damit ganz kurz vor dem Ausgleich. In diesem Moment sollte der Knackpunkt für den Rest des Spiels folgen. Weil Michael erneut zwei Chancen auf Doppel vergab, ging er mit einem 4:6-Rückstand in die zweite Pause, statt mit einem 5:5-Unentschieden. Cullen hingegen holte sich dadurch neues Selbstvertrauen und drückte nochmal kräftig auf das Gaspedal. Nach dem 7:4 baute er mit einem 11-Darter zum Break seine Führung weiter aus und stand wenig später nur noch ein Leg vom Sieg entfernt. Dieses holte er sich dann mit Stil. Ein 132’er Finish sollte es sein, beendet auf dem Bullseye. Durch diesen letztlich deutlichen 10:4-Erfolg zog Cullen als erster Spieler ins Viertelfinale ein, sein bereits jetzt bestes EM-Ergebnis.

Bereits sechs Jahre ist es inzwischen her, dass Simon Whitlock sich den Titel bei der Europameisterschaft sicherte. Bis heute sein einziger Major-Erfolg. Zum damaligen Zeitpunkt war Wright noch weit von dem Niveau entfernt, dass er die letzten Jahre spielt, er stand bekanntermaßen sogar kurz vor dem Karriereende. Heute haben sich die Vorzeichen geändert und der Schotte war der Favorit in diesem Spiel. Auch wegen des starken 6:0-Erfolges aus der ersten Runde gegen Jermaine Wattimena. Zu Beginn war die Begegnung noch recht ausgeglichen. Whitlock zeigte zwar die besseren Scores, war auf die Doppel jedoch noch sehr fehlerhaft. Innerhalb der ersten beiden Legs vergab er ganze zehn Versuche, nur einer saß. Ein deutlich anderes Bild als in seiner Erstrundenpartie gegen Steve Beaton, den er vor allem über die Doppel knackte. Die erste Wendung dieser Partie folgte im sechsten Leg. Im Anschluss an die erste Unterbrechung warf Simon eine 171 zum perfekten Zeitpunkt und vollendete diese zum ersten Break der Partie. Dieses bestätigte er auch und so lief „Snakebite“ diesem Rückstand hinterher. Zunächst konnte er auch dran bleiben und die Partie offen halten, doch erneut kam ihm die Pause nicht ganz recht. Danach brauchte Peter wieder etwas Zeit um sich zu sammeln, was Whitlock auszunutzen wusste. Bis auf 8:4 konnte er sich absetzen, sodass alles in Richtung des Australiers zu laufen schien. Wright kämpfte ein letztes Mal. Er verkürzte auf 6:8 aus seiner Sicht. Doch dann nahm Whitlock ihm endgültig den Wind aus den Segeln. Der „Wizard“ zauberte ein 136’er Finish zum 12-Darter ins Board und vollendete nur wenig später 101 Punkte via Bullseye, 19, Doppel-16 zum 10:6-Sieg und Weiterkommen.

Zu viele Doppelfehler – North verliert unter Wert

Richard North war die große Überraschung am ersten Turniertag. Vor allem mit der Deutlichkeit mit der er Ian White schlug, war so nicht zu rechnen. Mit Weltmeister Rob Cross, der sich gegen Danny Noppert mühte, hatte er nun nichtsdestotrotz ein anderes Kaliber vor der Brust. Aber North startete nicht schlecht. Er bekam direkt im ersten Leg drei Breakdarts, konnte diese jedoch nicht verwerten. So holte sich Rob seinen ersten Anwurf auf der Doppel-19. Dieses Doppelfeld war auch das Ziel von Richard, der postwendend ausglich und sich erneut Chancen erarbeitete um in Führung zu gehen. Wieder vergab er aber alle drei. So sollte es auch im weiteren Verlauf weitergehen. Rob spielte nicht auf seinem Top-Niveau, streute hier und da aber einige Highlights wie das 142’er Finish zum ersten Break der Partie ein. Doch der eigentlich in der Anfangsphase stärkere Spieler war Richard North. Bis zur ersten Pause vergab er jedoch zehn Breakdarts, lag entsprechend mit 1:4 zurück. Er verkürzte zwar direkt im Anschluss, doch es sollte nicht mehr besser werden. North verlor zu keinem Zeitpunkt den Mut, er sah die Möglichkeit durchaus gegeben dem Weltmeister weh zu tun. Wenn es darauf ankam, war er jedoch einfach nicht zur Stelle. So verfehlte er wieder einige Doppelfelder und spätestens nach dem 2:8-Rückstand war ein Comeback nicht mehr realistisch. Das wusste auch Cross, der nun entspannter wurde und die Ziellinie ins Auge nahm. Zwar vergab er nochmal ein 132’er und ein 164’er Finish, weil North aber seinerseits 130 Punkte nicht auscheckte, tütete Cross das 10:2 ein. Bei am Ende nur zwei Doppeltreffern in 19 Versuchen, war der Grund des Ausscheidens für Richard North schnell gefunden.

Die letzte Partie des Abends gehörte dem Titelverteidiger. Michael van Gerwen bekam es mit Steve West zu tun, gegen den er eine makellose Bilanz hat. Alle elf Duelle hat der Niederländer für sich entscheiden können, auch im Halbfinale des European Tour Events in Gibraltar dieses Jahr. Auf dem Papier war ein Sieg für Michael Pflicht. Doch dieser schien sich schwieriger zu gestalten als gedacht. Zu Beginn hatte „Mighty Mike“ große Probleme und West wusste diese auszunutzen. Zwar spielte der Engländer nicht sonderlich gut, aber er tat das, was er tun musste. So führte Steve plötzlich mit 3:0 und wusste wohl selbst nicht genau wieso. Zwar kam MVG auch noch zu seinem ersten Leggewinn, zur Pause führte Steve durch ein 80’er Finish dann aber doch mit 4:1. Die Unterbrechung nutzte MVG um sich zu sammeln und so kam er auch deutlich stärker zurück auf die Bühne. In einem hohen Tempo holte er sich dabei zwei Legs in Serie, darunter ein Break, und spielte wenig später fünf perfekte Darts. Diese führten zu einem 11-Darter und den 4:4-Ausgleich. West musste kontern und tat genau dies. Er unterbrach den Lauf seines Gegners, indem er seinen eigenen Anwurf durchbrachte. Beinahe hätte er sich sogar wieder ein kleines Stück absetzen können, er verpasste aber ein 170’er Finish. Van Gerwen war zur Stelle und glich erneut aus. Dann legte West plötzlich nochmal einen Zahn zu. Er checkte 126 Punkte zum 12-Darter und gewann drei Legs in Serie um sich auf 8:5 abzusetzen. Die Sensation schien nun greifbar. Erneut startete West dann perfekt, doch zwei 180’er in Serie von van Gerwen sorgten für einen 11-Darter und das 6:8. Der Niederländer machte gut weiter und bekam sogar einen Dart zum Ausgleich, verpasste jedoch, sodass Steve auf 9:7 erhöhte und nur noch ein weiteres Leg zum Sieg brauchte. Und dieses konnte er sich im Anschluss tatsächlich bei eigenem Anwurf sichern. MVG konnte sich nach zwölf Darts nur auf Tops stellen, wo West aber ebenfalls schon auf seine Chance wartete und die zweite nutzte. Mit 10:7 warf Steve West den Titelverteidiger und Sieger der letzten vier Europameisterschaften aus dem Turnier und holte nebenbei auch seinen ersten Sieg überhaupt gegen den Weltranglistenersten.

European Championship


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