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Das "Golden Girl"

Ich kenne Trina Gulliver nicht persönlich, aber sollten wir uns jemals treffen, wird sie mir wahrscheinlich einen Kopfstoß versetzten und mich umhauen (etwas was sie einmal in der Schule mit einem Jungen getan hat, der über sie herzog) nachdem sie die ersten paar Abschnitte hier gelesen hat.

Ich habe gerade die letzte Seite von Gullivers 309 Seiten starkem Manuskript umgeblättert, als dessen Co-Autor der Doktor of Darts Patrick Chaplin fungierte. Das "Golden Girl" --- Autobiography der besten Dartspielerin der Welt wird demnächst vom John Blake Verlag London herausgebracht, mehr oder weniger gleichzeitig mit Gullivers Versuch eine beispiellose achte Weltmeisterschaft in Lakeside für sich zu gewinnen. Das Buch bietet für jeden Dart Enthusiasten etwas, natürlich besonders für alle Frauen, die im Dart Großes leisten möchten, und für geile Männer.

Für Mitglieder der männlichen Gattung, zu denen auch ich mich rechne (obwohl mir meine Frau über die Feiertage einen meiner Fußnägel rot lackiert hat), ist das Buch voller Ablenkungen. Aber das ist eine gute Sache. Sich gegen Ablenkungen verschließen zu können ist genauso wichtig beim Lesen über Darts wie während man Darts spielt.

Im "Golden Girl" fangen die Ablenkungen früh an und gehen immer weiter. Da ist der Abschnitt über den "Orgasmus" , den Gulliver beim World Cup in Perth hatte. Dann gibt es den Abschnitt darüber, wie sie vor Kevin Painter und Martin Fitzmaurice ihre Unterhosen fallen ließ. Dann gibt es ihre Andeutungen, dass sie gerne mit dem Rugby Star Jonny Wilkinson knutschen würde. Und die Stelle, die einem am meisten ablenkt, dort wo sie nach einer besonders wichtigen Begebenheit ausruft : Mein Gott! Ja! Ja! Ja!

Also, all ihr männlichen Dartspieler da draußen, die Ihr die Ansicht vertretet, es ist unter eurer Würde für ein Buch über euren Sport, das eine Frau geschrieben hat Geld auszugeben, ich kann Euch nur ermutigen, hinzugehen und es Euch zu kaufen. Ich garantiere Euch, ihr werdet keine Probleme haben auf Kurs zu bleiben, währen ihr die Seiten umblättert.

Aber einmal ganz ernsthaft, dieses Buch ist ein Muss für Dartspieler jeden Geschlechts und jedes Leistungsniveaus. Darüber hinaus beinhalten die Prüfungen und Sorgen, die Entschlossenheit und die Beharrlichkeit, die Gullivers Reise zur Spitze in ihrem Beruf begleitet, ja manchmal gequält haben, eine Lektion für uns alle, in und außerhalb des Dartsports.

Der Erfolg ist dem Golden Girl nicht in den Schoß gefallen. Ihr Vater war ein Schürzenjäger, der früh aus ihrem Leben verschwand und die beste Freundin ihrer Mutter heiratete. Er überließ es ihrer Mutter sie und ihre vier Geschwister aufzuziehen. Sie war immer ein Wildfang und hatte in der Schule zu kämpfen, war nur in Sport gut. Als junges Mädchen war sie besonders tüchtig in Schlagball und Netzball, von denen ich als Amerikaner noch nie gehört habe. Ein Freund hat mir erklärt, dass es Tätigkeiten sind, die sehr viel Geschick erfordern und bei denen es im Grunde darum geht, dass eine Gruppe junger Mädchen in kurzen Röcken herumrennt. Wenn ich die Fotografien im Buch richtig beurteile, kann ich sehr wohl verstehen, warum Gullivers Fähigkeiten so sehr geschätzt wurden.

Sie traf die Liebe ihres Lebens Paul "Gully" Gulliver als Teenager. Er war ein sinnlicher Typ, der nicht nur den Wildfang in ihr ansprach. Aber im Alter von 19 Jahren, als sie zusammengezogen waren, erkrankte Gully rätselhafter Weise an Gillian Barre Syndrom (einer Art Multipler Sklerose) und war zwei Jahre ans Bett gefesselt. Während dieser Zeit begann Gulliver sich auf Darts zu konzentrieren, überwiegend zur mentalen Erholung. Zu dieser Zeit fing sie auch an, sich vorzustellen, wie es sein könnte wenn Darts ihre Vollzeit Beschäftigung wäre.

Von Beruf war Gulliver Tischler und Schreiner. Passend zu ihrem Wildfang Grundwissen und weil sie gerne Holz bearbeitet (das soll kein Wortspiel sein!) erarbeitete sie sich ihren Abschluss in diesem von Männern dominierten Beruf. Eine Zeitlang arbeitete sie als Angestellte, machte sich dann selbstständig und für ein Jahr oder so unterrichtete sie sogar an einem College Frauen in Schreierei und Tischlerei (sie glaubt, dass das ihr half, das für ihre Dartkarriere so wichtige Selbstvertrauen zu erwerben).

1986 wuchs in Gulliver die Überzeugung, dass sie wirklich mit ihren Darts etwas erreichen könne und dass sie eines Tages Weltmeister werden könnte. Schon in ganz jungen Jahren hat sie immer versucht in allem, was sie in Angriff nahm, die Beste zu sein --- und das nicht nur innerhalb ihres Geschlechts. Sie hat niemals daran gezweifelt, dass sie nicht auf gleichem Niveau mit Männern in Wettstreit treten könnte, weder an ihrem Arbeitsplatz und schon gar nicht in der von Männern beherrschten Dartwelt. Dieses frühe Vertrauen in sich wurde noch verstärkt, als sie in der Dart Saison 1986-87 als Mitglied in eines der Herren Superleague Teams der Warwickshire Herren Liga aufgenommen wurde und ihre ersten vier Spiele gewann.

Wie alle Dartspieler, gleich ob männlich oder weiblich, die eine professionelle Laufbahn anstreben, hatte Gulliver finanziell zu kämpfen. Als sie in den Turnier Circuit einstieg, ganz ohne Sponsor, hatte sie rasch ihre und Gullys Ersparnisse aufgebraucht und auch die ihrer sie unterstützenden Mutter. Trotzdem kämpfte sie sich weiter, obwohl sie erkannte, dass die Preisgelder der Frauen verglichen mit denen der Männer lächerlich gering waren, sie sah keine Alternative. Wenn sie ihr Ziel erreichen wollte, die Beste der Welt zu werden, hatte sie keine Wahl, sie musste an so vielen Turnieren teilnehmen wie nur irgend möglich, um sich die wertvollen Ranglisten Punkte zu verdienen.

Gulliver schrieb hunderte von Briefen an mögliche Sponsoren, erhielt nur wenige Antworten und die waren alle negativ. In Ladies Darts zu investieren, dass war einfach im Business undenkbar. Hätte nicht das Schicksal eingegriffen, wäre Gullivers Karriere möglicherweise zu Ende gegangen, ohne sie je in diese erstaunlichen Höhen gebracht zu haben.

Das Schicksal kam in Gestalt von Graham Reeves von den Reeves Bootsbauern. Eine belanglose Unterhaltung bei einer Veranstaltung, die mit Darts zu tun hatte, führte zu dem unerwarteten Angebot Reeves, die Kosten Gullivers für ihre Teilnahme bei den Swiss Open 1997 zu übernehmen und daraus entwickelte sich ein Jahresvertrag. "Dieser Augenblick hat mein Leben verändert", erinnert sich Gulliver, und so war es auch wirklich. Innerhalb eines Jahres nachdem der finanzielle Druck verschwunden war, war sie die Nummer 1 der Welt des Frauen Darts. Reeves Bootsbauer ist immer noch ein wesentlicher Sponsor von Gulliver.

Ich glaube, dass mit dem Erfolg die Unterstützung kommt - und tatsächlich tauchten weitere Sponsoren auf. Das Autohaus von Ufton stellte ihr einen BMW 318 Tourer (und später einen Mitsubishi Carisma und einen Nissan Primera) zur Verfügung. Dann erschienen die Fleischfabrik McCourt Meats aus Cambridgeshire und noch andere. 1998 rief Winmau an und die Partnerschaft ist so stark wie eh und je. Und auch Gulliver selbst ist noch genauso stark, sie hat nun sieben Weltmeistertitel und zahllose andere Gewinne zu verzeichnen.

Natürlich wird im "Golden Girl" viel über ihre Dart Tätigkeiten erzählt, über all die Jahre die Gulliver schon unterwegs ist, über Siege und Niederlagen, Kämpfe und Enttäuschungen. Aber das Buch ist viel mehr als nur eine Erinnerung an all die Matches, die sie gespielt hat. "Golden Girl" ist ein Buch darüber, wie alle Widerstände, die die Welt und dieser Sport Frauen entgegenstellen, überwunden wurden und wie eine Frau entgegen aller Wahrscheinlichkeit Erfolg hatte.

Bei allen Erfolgen am Oche hat Gullivers Ehemann Gully selten, wenn überhaupt jemals zugeschaut. Auch wenn er bei den Turnieren dabei war, war er nicht in der Lage ihr beim Wettkampf zuzusehen, er blieb immer auf dem Parkplatz, bis das Spiel vorbei war und irgendjemand ihn über das Ergebnis unterrichtet hatte. Es ist nicht überraschend, dass Gulliver 2005 geschieden wurde und dass sie sich 2006, während eines Tiefpunkts in ihrem Leben dazu entschloss, psychologische Beratung zu suchen.

Ja, Beratung. Daran sieht man, was für ein Buch es ist --- vollkommen offen und ehrlich. Gulliver enthüllt alles (einschließlich ihres gut verborgenen rote Rosen Tattoos, das sie sich 2007 nachdem sie zum Kapitän der englischen Damen National Mannschaft ernannt worden war und das normalerweise gut versteckt ist, das aber bei einem Sprung in den Swimmingpool bei der Verlobungsparty von Peter Manley und Crissy Howat sichtbar wurde). Sie hält nichts zurück.

Außer einmal … zumindest ein bisschen.

Im möglicherweise einzigen untertriebenen Kommentar ihres Buches erinnert sich Gulliver an ihre Gefühle, nachdem die BDO im September 2000 angekündigt hatte, dass zum allerersten Mal überhaupt eine Frauen Dartsweltmeisterschaft bei der Embassy World Dart Championship 2001 in Lakeside ausgetragen werden sollte. "Ich könnte mir vorstellen, dass es diese Weltmeisterschaft für uns möglicherweise nicht gegeben hätte, jedenfalls nicht so bald, hätte die PDC nicht ihren Vorschlag gemacht und damit die BDO gezwungen".

Wirklich?

Diese Stellungnahme ist eine Gratwanderung zwischen überlegter Diplomatie und einfach verrückter Prophezeiung, und ich spüre hier den mäßigenden Einfluss des Doktors of Darts. Aber ich wende ganz respektvoll ein, dass ohne "möglicherweise" die Tatsachen treffender dargestellt würden.

Wie vielen Leuten bekannt ist (und worauf sich auch Gulliver bezieht), trat irgendwann nach dem Finale der Embassy 2000 der Turnierdirektor der PDC Tommy Cox mit einem vom Vorstand genehmigten Vorschlag an sie und andere Top Dart Spielerinnen heran. Einer von ihnen, die durch ein Knockout Turnier ermittelt werden sollte, würde ein Platz bei der Skol World Darts Championship garantiert.

Der Plan schaute folgendermaßen aus: Die acht Spitzen Frauen der Rangliste zu diesem Zeitpunkt würden unter sich den 32. Platz bei der Skol auskämpfen. Gulliver nahm das Angebot teilzunehmen zunächst einmal an, weil sie sich aber der BDO verpflichtet fühlte, fragte sie nach, ob es nicht von der BDO Führung (die ja immer noch die gleiche ist) veranstaltet werden könne.

Es reicht zu erwähnen, dass die BDO damit "nicht glücklich" war. Es gab Gerüchte, dass Spielerinnen, die teilnehmen würde, bestraft würden, etwas was der BDO Oberboss Olly Croft später bestätigte.

Dann, wie vorauszusehen war, reagierte im September 2000 die BDO auf die PDC Idee und kündigte an, 2001 in Lakeside eine Frauen World Darts Championship veranstalten zu wollen.

Hätte die BDO das auch getan, wenn die PDC nicht diese Idee gehabt hätte?

Natürlich nicht!

Die BDO hat seit Jahren nichts getan, was nicht Reaktion oder Gehässigkeit auf oder gegen die PDC war. Die Organisation ist heute nur noch ein klassisches Beispiel für ein Begründer Syndrom und es ist schon lange überfällig, dass die Leitung zurücktritt. Sie ist eine Bremse für den Fortschritt.

Es war nicht überraschend, dass die meisten Top Frauen, als Skol näher kam, beschlossen, dass das Risiko den Ruhm nicht wert war. Es blieben nur zwei übrig: die Amerikanerin Stacey Blomberg (die endlich Licht sah) und Garyl King aus Kanada. Der Rest ist Geschichte…

King trat an und wurde so die erste Frau, die ein Finale in einem bis zu diesem Zeitpunkt reinen Männer Turnier erreichte. Sie gewann das erste Set, bevor sie 3:1 gegen Graeme Stoddart (zu dieser Zeit auf Platz 29 der Welt) unterging. Als ich dieses Kapitel des "Golden Girl" las, gebe ich zu, griff ich mir kurz an den Kopf. Warum, fragte ich mich, ist Gulliver, die ohne Einschränkungen die Details ihres privaten Lebens und ihre wirklichen Gefühle in jeder anderen Hinsicht mitteilt, so überaus vorsichtig, wenn sie auf die BDO zu sprechen kommt? Wo sie doch selbst bestätigt, dass die weiblichen Top Spieler schon seit Jahren versucht hatten ohne Erfolg an die BDO Elite zu appellieren, damit eine Weltmeisterschaft für die Frauen eingeführt würde?

Ah ha! Das war dumm von mir…

Ich hätte mir nicht den Kopf darüber zerbrechen brauchen, ein paar Seiten später wurde meine Frage beantwortet, und die Antwort war offensichtlich: Wie auch immer, die Frauen haben bekommen, was sie wollten und verdienten und wenn sie auf der BDO herumhacken würde, damals oder heute, würde Gulliver riskieren, all das aufs Spiel zu setzten, wofür sie so lange kämpfen musste, um es zu erreichen.

Sie wussten ja auch, was sie bekommen würden. Die BDO bot ihnen neben dem Knüppel auch noch eine Karotte an.

Seltsam unangebracht fügt Gulliuver hinzu, dass sie jetzt erst bekannt machen kann, dass sie damals, als sie mit der BDO die Drohung von Sanktionen für die Frauen, die am Knockout für Skol teilnehmen würden, diskutierte, auch gefragt wurde, wie die Frauen reagieren würden, würde die BDO gleichzeitig mit der Weltmeisterschaft der Männer eine Frauen Weltmeisterschaft in Lakeside stattfinden lassen.

Es wird klar, dass Gulliver fest daran glaubt, dass sie am Oche der PDC gegen die besten Männer der Welt bestehen könnte (und wahrscheinlich davon träumt, das auch zu tun), dass sie aber davor zurückschreckt, aus Furcht vor der BDO, diese Möglichkeit auch nur anzudeuten. Ihre Rache könnte alles zerstören, was sich Gulliver im Laufe ihres Lebens erarbeitet hat - die prestigereiche Leitung des Damen Nationalteams und ihre Weltmeistertitel.

Also was kommt dann als nächstes für die Gulliver?

An der Spitze ihrer Wunschliste, und ganz aktuell, steht die Titelverteidigung.

Da es genügend Leute gibt, die diesem Titel keinen Wert zugestehen, da nur sehr wenige Frauen am Turnier teilnehmen und das Format sehr kurz ist, wird sie weiter darum kämpfen, dass die Teilnehmerzahl steigen wird und das Format ausgedehnt wird, und natürlich auch für einen gerechteren Anteil am Preisgeld. (Für ihren Sieg 2007 erhielt sie einen Scheck über noch nicht einmal ein Zehntel von Martin Adams 70000 Pfund Weltmeisterschaftsgeld).

Als eines der Gründungsmitglieder der Ladies Darts Association, wird sie den Sport fördern, anregen und verbessern auf nationaler, internationaler und weltweiter Ebene für alle Frauen, die Dart spielen, sie wird ihre lebenslange Idee von einem Leben und von Darts, in dem Frauen eine wirkliche Chance haben, weiterverfolgen.

Aber trotzdem bleibt die Frage: Wird "Golden Girl" Trina Gulliver eines Tages den großen Wechsel vollziehen? Wird sie sich dafür entscheiden, zu beweisen, woran sie glaubt, nämlich gegen die Männer anzutreten und regelmäßig die Besten der Besten der Welt bei den Männern zu schlagen?

Die Zeit wird es weisen. Wenn man aus der Geschichte lernen kann und wenn ihr bisheriger Lebensweg als Indikator dienen kann, ist ganz klar, dass sie das möchte. Ob sie es auch wirklich tun wird ist eine andere Geschichte, eine, die wie ich und viele andere hoffen in ihrem nächsten Buch erzählt wird.

Zum Schluss noch eine persönliche Botschaft an Trina…

Trina, solltest Du das lesen und sollten wir uns wirklich einmal treffen und Du Dich in der Lage fühlen, mich nicht niederzuboxen, dann mache ich Dir einen Vorschlag (und der ist viel besser als der damals von Tommy Cox). Wenn Du mir Dein Rosen Tattoo zeigst, zeig ich Dir meinen rot lackierten Zehennagel. Und ich werde es für Dich arrangieren, dass Du mit Jonny Wilkinson knutschen kannst.

Was hältst Du davon?

Viel Glück in Lakeside.

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