Webster wirft den Weltmeister raus

Am fünften Spieltag des World Matchplay sollten die letzten Viertelfinalisten gefunden werden. Aus deutschsprachiger Sicht war dort vor allem das Duell zwischen dem Österreicher Mensur Suljovic und Max Hopp-Bezwinger Ian White interessant. Doch auch die anderen Spiele hatten es in sich. Der sechsfache Finalist von Blackpool, James Wade, traf auf Simon Whitlock, Kim Huybrechts musste nach besiegtem Fluch gegen Vorjahresfinalist Peter Wright ran und Weltmeister Rob Cross bekam es mit Darren Webster zu tun.

Suljovic ackert sich ins Viertelfinale

Den Auftakt in den Abend machten Simon Whitlock und James Wade. Es war das 39. Duell der beiden, von den bisherigen konnte Whitlock satte 21 gewinnen. Er hatte sich bei seinem lockeren Sieg über Richard North nicht allzu sehr verausgabt, während Wade mit mäßiger Leistung gegen Jermaine Wattimena in die Verlängerung musste. Hier wollte er sich nun steigern und so auch seiner Rolle als Geheimfavorit gerecht werden. Doch den besseren Start erwischte Simon. Der Australier spielte in den ersten drei Legs so furios, dass Wade kaum hinterher kam. Obwohl „The Machine“ auch rund 100 Punkte pro Aufnahme warf, bekam er in diesen Legs noch keine Chance auf ein Doppel. Ins vierte Leg startete Simon Whitlock dann bereits zum dritten Mal in dieser Partie perfekt, sollte dieses Mal aber kein Glück haben. Er verpasste zwei Möglichkeiten auf die Doppel und Wade zeigte das, was ihn zu so einem gefährlichen Gegner macht. Mit einem 149’er Finish holte sich James ein direktes Rebreak und stellte so ein Mal mehr sein perfektes Timing unter Beweis. Mit etwas Glück verkürzte er noch vor der Pause und war nur noch ein Leg im Rückstand.


Im Anschluss sollte die Begegnung dann aber ziemlich verflachen. Vor allem Wade vergab auf die Doppel unheimlich viele wichtige Darts. Auch mit seinen Scores konnte er nicht korrigieren. So gelang es Whitlock, nachdem Wade gleich drei Darts zum Ausgleich vergab, sich relativ schnell wieder abzusetzen. Bis auf 6:3 brachte er sich in Führung und hätte diese auch noch weiter ausbauen müssen. Allerdings traf er weder Tops für ein 112’er Finish, noch die folgenden drei Versuche auf die Doppel. So blieb Wade zwar im Spiel, war allerdings gezwungen im Anschluss High Finishes zu zeigen um Legs zu gewinnen. Sowohl 124 als auch 109 konnte er jedoch nicht mit einem Treffer im Doppel veredeln und so schien Whitlock mit der 8:4-Führung bereits für die Vorentscheidung gesorgt zu haben. Wade aber gab nicht auf. Er kämpfte und versuchte immer wieder sich zurück ins Spiel zu bringen. Doch jedes Mal, wenn er die Chance bekam, ließ er sie liegen. Statt auf 8:9 heran zu kommen lag er so mit 7:10 zurück und bekam nur noch eine letzte Möglichkeit die Niederlage abzuwenden. Dazu musste er bei 61 Punkten am Ende die Doppel-20 treffen, er verfehlte jedoch knapp. Whitlock war zur Stelle und beendete die Titelhoffnungen von Wade mit dem 11:7.


Danach war Mensur Suljovic an der Reihe. Er bekam es mit Ian White zu tun, gegen den er alle drei Aufeinandertreffen auf großen Bühnen für sich entscheiden konnte. Daran wollte er auch heute nichts ändern und startete entsprechend fokussiert in die Partie. Zunächst sah es unheimlich gut aus für den Österreicher, der sich standesgemäß auf der Doppel-14 seinen ersten Anwurf schnappte und sich durch seine gute Phase bis auf 3:0 in Führung setzen konnte. Ähnlich wie in der ersten Begegnung des Abends kam dann aber ein kleiner Knick in das Spiel des dominierenden Akteurs. Mensur verpasste drei Darts auf die Doppel und so fand auch Ian ins Match. Der holte sich das 1:3 und vergab danach ein 121’er Finish auf der Doppel-14 um noch näher ran zu kommen. Nur weil Suljovic danach das 157’er Finish auf Tops verpasste, kam White doch noch zum Break und 2:3 vor der ersten Pause. Die Antwort von Mensur folgte nach der kurzen Unterbrechung in Form eines 101’er Finishes und somit erneuten Breaks.


Es war eine richtig gute Phase für „The Gentle“, der sich insgesamt vier Legs in Serie schnappen konnte und dabei mit einem 121’er Finish auf Bull auch noch für ein tolles Highlight sorgte. Mit 7:2 führte er und an ein Comeback von „Diamond“ glaubten wohl die wenigsten. Einer der daran glaubte war White selbst und der kämpfte sich tatsächlich zurück und wurde stärker. Er traf nun sehr viele 140’er und setzte Suljovic auf diese Weise sehr unter Druck. Der konnte zwar für etwas mehr Ruhe sorgen, als er sich mit einer 147 einen Rest von 32 Punkten stellte und diese wenig später mit seinem ersten Versuch auf null brachte, doch auch mit dieser 9:5-Führung war er noch nicht durch. White ließ sich einfach nicht abschütteln, warf nun auch 180’er und setzte nochmal zu einer letzten, großen Aufholjagd an. Obwohl auch Mensur den Druck hoch hielt, sich ein Mal auf acht Rest stellte und ein weiteres Mal noch eine tolle 180 ins Board zauberte, blieb Ian eiskalt. Er checkte unter anderem 150 Punkte und verkürzte mit einem starken 13-Darter ein Leg später auf 8:9. Nun schien alles wieder drin zu sein für den Mann aus Stoke-on-Trent, doch da grätschte Suljovic mit einem enorm wichtigen Break zum 10:8 dazwischen. Weil White danach ein 127’er Finish auf Bull verpasste, konnte Mensur auf der Doppel-7 den 11:8-Erfolg perfekt machen und den Einzug ins Viertelfinale ausgiebig feiern.


„Snakebite“ lässt seinen Worten Taten folgen

Weltmeister Rob Cross war als nächstes an der Reihe und er hatte mit Darren Webster einen äußerst gefährlichen Gegner. Zwar konnte Rob seine bisherigen beiden Duelle gegen den „Demolition Man“ gewinnen, doch im Jahr 2018 lief es für Rob noch nicht sehr rund. Beide konnten sich in den Auftaktpartien aber souverän durchsetzen und so erwartete man ein Match auf Augenhöhe. Die Begegnung startete aber mit einem Knall. Fünf perfekte Darts warf Cross ins Board, doch fast bezeichnenderweise auf den folgenden Spielverlauf, brachte er das Leg nicht ins Ziel. Webster war zur Stelle, behielt seinen Anwurf. Zunächst sah es aber aus, als würde Cross sich von nichts aus der Ruhe bringen lassen. Er wirkte sehr unaufgeregt und fokussiert, spielte einfach sein Spiel. Im vierten Leg folgte dann aber der erste kleine Rückschlag. Nachdem er ein 110’er Finish auf der Doppel-18 verpasste, konnte Webster sich das erste Break des Spiels schnappen. Rob aber blieb ruhig, stellte sich mit einer 150 einen Rest von 36 Punkten und schaffte das direkte Rebreak und glich wenig später aus.


Eine ähnliche Situation gab es aber nur drei Legs später wieder. Darren Webster hatte sich erneut durch ein Break einen Vorsprung von zwei Legs erarbeitet, jedoch gelang es ihm nicht das Break auch zu bestätigen. Im eigenen Anwurf war er danach oft nicht solide genug und so konnte „Voltage“ immer wieder zurückschlagen. Der bessere Spieler auf der Bühne war aber dennoch Darren Webster, der vor allem in den Scores mal wieder eine fantastische Performance bot und den Weltmeister immer wieder ärgerte. So richtig zum Nachdenken brachte er ihn aber erst im 13. Leg, als er dann doch mal ein Break bestätigen konnte und sich so auf 8:5 absetzte. Rob Cross wusste nun, dass er seine eigenen Anwürfe unter keinen Umständen mehr abgeben durfte, ein weiteres Break würde wohl das Aus bedeuten. Rob blieb aber ruhig, zeigte ein tolles 88’er Finish zum 6:8 und machte auch danach gut weiter. Er versuchte auch Webster in dessen Legs unter Druck zu setzen, aber auch er war nicht aus der Fassung zu bringen. Kompromisslos holte er sich so auch das 10:7, nachdem Rob zwei Möglichkeiten zum Break auf der Doppel-14 verpasste. Zwar konnte Cross danach noch ein letztes Mal verkürzen, war aber nicht in der Lage 121 Punkte auf dem Bullseye auszuchecken. So nutzte dann Darren seinen dritten Matchdart zum 11:8 und besiegelte damit das Aus des Weltmeister.


Im letzten Achtelfinale des diesjährigen World Matchplay standen sich Peter Wright und Kim Huybrechts gegenüber. Huybrechts hatte durch seinen Auftaktsieg im Sudden Death-Leg gegen John Henderson seinen ersten Erfolg überhaupt bei diesem Turnier errungen. Nach zuvor sechs Erstrundenpleiten war dies wie das Besiegen eines Fluches. Gegen Wright musste er nun ähnlich furios spielen, denn Peter wollte nach der Endspielteilnahme aus dem Vorjahr dieses Mal auch den Titel gewinnen.


Vor dem Duell wirkte Huybrechts weitaus verbissener, während Peter Lockerheit versprühte. Vielleicht auch wegen der Aussage „Snakebites“, der im Vorfeld die Meinung vertrat, Huybrechts hätte nicht das Spiel ihn zu besiegen. Doch die zwei 180’er vom „Hurricane“ bereits im ersten Leg sprachen eine anderen Sprache. Darauf konnte Kim dann aber zunächst nicht aufbauen. Peter blieb sehr ruhig und drehte mit einem 12-Darter und anschließendem Break das Spiel, sodass er letztlich mit einer 3:2-Führung in die erste Pause gehen konnte. Dieses eine Break sollte auch danach noch das Spiel bestimmen. Der Druck auf den Schultern von Huybrechts war entsprechend einen Tick größer und so kam es auch, dass er nach der Unterbrechung eine Chance zum Rebreak vergab. Peter zeigte sich in seinen Legs in dieser Phase souverän, packte aber mit einem 121’er Bullfinish auch ein tolles Highlight aus. Die Antwort von Kim war ein 11-Darter samt 100’er Finish, was aber Wright dazu veranlasste vier perfekte Darts zu zeigen und einen tollen 12-Darter nachzulegen. Dabei checkte er 90 Punkte via Single Bull, Single Bull, Tops. Es war das 6:4 und Kim brauchte weiterhin dringend ein Break.


Er sollte stattdessen jedoch einen weiteren Rückschlag einstecken müssen, als Wright sich mit dem 7:4 erneut ein Leg des Belgiers holen konnte und dieses kurze Zeit später auch noch bestätigte. Der endgültige Nackenschlag folgte dann wohl im 13. Leg. Kim hatte sich gerade auf Tops gestellt um zu verkürzen, da checkte Peter 130 Punkte auf dem Bullseye für ein weiteres Break. Es war frustrierend für Kim, der zu diesem Zeitpunkt einen Average von über 100 spielte. Peter war allerdings in dieser Phase bei fast 110 Punkten im Schnitt und entsprechend an diesem Tag einfach eine Nummer zu groß. Der Sieg sollte am Ende nicht mehr gefährdet werden und so checkte Peter nochmal 116 Punkte und sicherte sich kurze Zeit später bei eigenem Anwurf den klaren 11:5-Sieg. Am Ende spielte er mit 105,6 Punkten einen bärenstarken Average und verdiente sich damit auch den Einzug ins Viertelfinale.


Tobias Gürtler

World Matchplay


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