Turnierfavorit Gary Anderson bezwingt van Barneveld

Sechzehn Spieler mussten das World Matchplay 2018 bereits verlassen, für die sechzehn verbliebenen ging es ab dem heutigen Dienstagabend in die zweite Turnierrunde. Den Anfang in diese Runde machte dabei das Top-Ten-Duell zwischen Dave Chisnall und Michael Smith, ehe Daryl Gurney gegen Joe Cullen ranmusste und van Gerwen-Bezwinger Jeffrey de Zwaan auf Adrian Lewis traf. Gary Anderson und Raymond van Barneveld beendeten dann noch den Abend. In der zweiten Runde wird der Modus best-of-21-Legs gespielt.

Chisnall und Cullen mit starken Performances

Die Nummer acht der Welt spielte gegen die Nummer neun – ein Anzeichen für ein enges Duell. Doch bei näherem Betrachten fällt klar auf, dass der tieferplatzierte Michael Smith seit vielen Monaten deutlich formstärker unterwegs ist als sein heutiger Gegner Dave Chisnall. Doch letztgenannter, seit etwa anderthalb Jahren ohne nennenswerten Erfolg, knüpfte in der ersten Runde an alte Stärke an und überzeugte speziell beim Auschecken. Smith kam gut rein und begann gleich mit einem 12-Darter, welchem er einen 14-Darter zum Break folgen ließ. Ein Leg später erhielt „Chizzy“ dann seinen ersten Wurf auf ein Doppel, verfehlte aber und ermöglichte Smith das 3:0. Mit einem starkem 12-Darter holte sich Chisnall danach endlich sein erstes Leg, doch das darauffolgende ging wieder an den „Bully Boy“, der somit eine 4:1-Führung in die erste Pause nahm. Nach der Pause gelang Smith sofort ein weiteres Break, ehe das nächste Leg beispielhaft den Unterschied in diesem Spiel demonstrierte. Chisnall hatte bei 117 Rest eine Breakmöglichkeit, vergab aber auf Tops. Smith hatte 110 Punkte Rest, allerdings checkte er aus und erhöhte auf 6:1. Auch im achten Leg verpasste „Chizzy“ eine Möglichkeit auf Tops, wieder wurde er von Smith betraft, der jetzt sechs Legs Vorsprung hatte. Die verbliebenen beiden Legs vor der zweiten Unterbrechung gingen immerhin noch an Chisnall (Leg Nummer zehn holte er mit einem 148er-Checkout), sodass er mit einem 3:7-Rückstand in diese Pause ging. Und Chisnall kam gut aus dieser heraus, breakte seinen Gegner umgehend mit einem 12-Darter inklusive 128er-Highfinishes. Auch das zwölfte Leg ging an den Mann im gelben Hemd, dabei hatte er aber ein wenig Glück, dass Smith eine Möglichkeit auf die Doppel-7 ausließ. Ein Leg später ließ der „Bully Boy“ zwei Chancen zum Leggewinn aus und musste das fünfte Leg nacheinander an Chisnall abgeben – dieser lag plötzlich nur noch mit 6:7 zurück. Ein Leg später war kaum für möglich gehaltene Ausgleich perfekt – Chisnall checkte 44 Punkte auf der Doppel-18 und stellte auf 7:7.


Erst danach konnte Smith den Lauf seines Gegners beenden. Dazu musste er aber auch sein ganzes Können unter Beweis stellen und unter hohem Druck 94 Punkte auslöschen. Ähnlich viel Druck hatte „Chizzy“ ein Leg später, doch bei 79 Restpunkten blieb er ganz ruhig und stellte beim Stand von 8:8 wieder Parität her. Im darauffolgenden Leg erlebte das Match eine Premiere, denn Chisnall übernahm tatsächlich zum ersten Mal die Führung – dazu profitierte er von einem Fehler seines Gegners auf Tops und brachte selber 71 Punkte auf null, und als er dieses Break bestätigen konnte war er nur noch ein Leg vom Sieg entfernt. Im neunzehnten Leg war es dann besiegelt: ein 11-Darter machte den 11:8-Triumph nach 1:7-Rückstand perfekt. Dave Chisnall hatte man lange Zeit nicht mehr so gut spielen sehen: 103,02 Punkte im Average, eine Doppelquote von knapp 50 Prozent und zehn 180er sind Ausdruck einer tollen Leistung des Engländers – er holte sich außerdem zehn der letzten elf gespielten Legs und freut sich aufs Viertelfinale.


Dass Daryl Gurney überhaupt noch in Blackpool dabei war, grenzte an ein Wunder. Gegen Steve West überlebte der Nordire ganze elf Matchdarts; sein heutiger Gegner Joe Cullen hatte dagegen in seinem Erstrundenduell mit Gerwyn Price überhaupt keine Schwierigkeiten. Gurney machte schon im ersten Leg Druck auf den gegnerischen Anwurf, doch der „Rockstar“ konnte diesen mit einem 116er-Checkout verteidigen. Mit einem 13-Darter konnte er sogar ein Break nachlegen, vergab in den Legs drei und vier aber jeweils einen Dart auf Tops. So konnte Gurney zunächt rebreaken und wenige Augenblicke später auch ausgleichen. Das letzte Leg vor der Pause ging dann wiederum mit dem Anwurf an Cullen, der eine knappe Führung mitnahm.


Nach der Unterbrechung zeigte Gurney ein 100er-Finish, ehe Cullen mit einem 13-Darter wieder die Führung übernahm. Der Engländer machte im bisherigen Verlauf der Partie insgesamt den besseren Eindruck, nahm Gurney im achten Leg so auch den Anwurf ab und lag mit zwei Legs Abstand in Front; bei eigenem Anwurf erhöhte er wenig später auf 6:3. Speziell im Scoring war Cullen seinem Gegner in dieser Phase deutlich überlegen, holte sich ohne viel Gegenwind noch ein Break vor der zweiten Pause und führte mit 7:3. Im ersten Spiel des Abends hatte Chisnall so einen Rückstand noch gedreht, doch in diesem Fall war an ein solches Comeback nicht zu denken. Das lag zum einen daran, dass Gurney einfach zu schwach punktete und zum anderen daran, dass Cullen einfach gut unterwegs war. So holte sich der „Rockstar“ auch die ersten drei Legs nach der Pause mit 13, 11 und 15 Darts und war beim Stand von 10:3 kurz vor der Ziellinie. Gurney bekam im vierzehnten Leg dann zwar noch eine Möglichkeit zum Leggewinn, doch er vergab. Cullen machte 88 Punkte mit zwei Darts weg und gab wie in Runde eins nur drei Legs an seinen Gegner ab. Auch die Statistiken sind erneut beeindruckend: ein Punktedurchschnitt von knapp 100 gepaart mit einer 50-prozentigen Erfolgsquote auf Doppelfelder. Für Cullen geht es am Freitag in sein zweites Major-Viertelfinale.


Jeffrey de Zwaan schmeißt auch Lewis raus

Mit seinem Sieg über Michael van Gerwen sorgte Jeffrey de Zwaan für eine der größten Überraschungen in der Geschichte dieses Turniers. In Person von Adrian Lewis bekam er eine Runde später den nächsten Hochkaräter in den Weg gestellt. Das erste Leg ging auch an Lewis, er traf nach ein paar Doppelproblemen die doppelte 1, doch danach kam de Zwaan ins Spiel. Er holte sich vier Legs in Serie mit 16, 13, 12 und 13 Darts und konnte sich zur ersten Pause einen komfortablen Vorsprung herausspielen. Der junge Niederländer zeigte bis hierhin einen 102er-Average und lag damit rund 15 Punkte über dem seines Gegner. Auch das sechste Leg des Spiels ging an den vermeintlichen Außenseiter, ehe Lewis die Serie seines Gegners beendete und sein zweites Erfolgserlebnis vermelden konnte, 2:5 betrug der Rückstand aus der Sicht des Engländers. Mit einem Checkout in Höhe von 104 Punkten gelang de Zwaan im achten Leg das erste Highfinish der Partie, Lewis konterte mit einem 13-Darter; er musste das zehnte Leg allerdings wieder an de Zwaan abgeben, der 82 Punkte auf null bringen konnte und mit dem 7:3 in die zweite Unterbrechung ging.


„The Black Cobra“ lag im Average mittlerweile bei fast 104 Punkten, Lewis konnte sich immerhin auf 97,5 Punkte verbessern, doch er musste weiterhin zwei Breaks und vier Legs aufholen. „Jackpot“ kam gut aus dieser Pause heraus, checkte zunächst ohne Druck 121 Zähler auf der Doppel-16 und konnte danach einen starken 13-Darter zum Break produzieren, der Rückstand betrug jetzt nur noch zwei Legs. Doch anstatt dieses Break zu bestätigen spielte Lewis bei eigenem Anwurf schwach und durfte sich ansehen, wie der Niederländer 120 Punkte zum sofortigen Rebreak ausmachen konnte. Im vierzehnten Leg spielten dann beide tolle Darts und hatten beide nach neun geworfenen Pfeilen identische elf Punkte Rest gestellt. Doch weil de Zwaan angeworfen hatte durfte er sich an diesen zuerst versuchen, er war erfolgreich und beim Stand von 9:5 nur noch zwei Legs vom Sieg entfernt. Die beiden daran anschließenden Legs wurden erneut mit dem Anwurf gewonnen, sodass de Zwaan nur noch ein einziges Leg vom Viertelfinale trennte. Das darauffolgende Leg, das siebzehnte der Partie wurde von Lewis begonnen und er holte es sich auch mit einem 13-Darter, doch danach hatte de Zwaan Anwurf und sich dabei nach zwölf Darts 40 Restpunkte gelassen. Doch der Niederländer zeigte tatsächlich mal Nerven und zielte mit drei Matchdarts zu hoch, Lewis checkte 49 Punkte und hielt sich im Spiel, 8:10 lautete der Spielstand jetzt. „Jackpot“ befand sich in seiner besten Phase und holte sich mit 14 Darts nochmals den eigenen Anwurf. Jeffrey de Zwaan durfte das darauffolgende Leg anfangen und wusste, dass dies seine letzte Chance sein würde, um das Match vor der Verlängerung zu entscheiden. Nach neun Darts konnte sich de Zwaan in diesem zwanzigsten Leg bei 136 Restpunkten platzieren, warf dann aber nur schwache 42 Punkte und blieb bei 94 Rest sitzen. Lewis hatte bei 121 Restpunkten seine Chance, erspielte sich auch einen Wurf auf das Bullseye, verfehlte dieses aber relativ deutlich. So trat „The Black Cobra“ mit 94 Zählern vors Oche, traf zunächst die einfache 18 und checkte dann sensationell noch mit Doppel-18 und Doppel-20 – ein fantastischer Schlusspunkt einer tollen Partie. Dem Average des Niederländers von etwa 99 Punkten stand ein 104er-Schnitt bei Lewis gegenüber, die Doppelquoten lagen bei beiden Akteuren bei über 40 Prozent.


Ein echter Kracher beendete den Dienstagabend: Gary Anderson und Raymond van Barneveld trafen aufeinander – zusammengerechnet standen also sieben Weltmeistertitel auf der Bühne des Emperess Ballroom. Mit einem sicheren 62er-Finish startete van Barneveld in die Partie; mit einem Treffer in der doppelten 9 konnte er das Break zum 2:0 nachlegen und dieses wenige Minuten später auch bestätigen. Und der beeindruckende Start des Niederländers ging auch im vierten Leg weiter, mit einer 180 stellte sich 82 Punkte, die er auf dem Bullseye für ein Break auschecken konnte. Erst im darauffolgenden Leg unterlief „Barney“ der erste Fehler, bei 60 Rest warf er den zweiten Pfeil in die einfache 5 und nahm sich so eine weitere Chance. Anderson wusste, dass er dringend eingreifen musste und so nahm er 110 Punkte auf der Doppel-18 von der Scheibe – mit einem 1:4-Rückstand ging er dennoch in die Pause. Allerdings kam der Schotte nicht gut aus dieser Unterbrechung, denn er vergab vier Möglichkeiten auf Doppel und ermöglichte seinem Kontrahenten ein Break. Doch weil er es kurze Zeit später bei 84 Restpunkten besser machte kam Anderson zum sofortigen Rebreak, welches er bei eigenem Anwurf mit 14 Würfen bestätigen konnte. Anderson fand in dieser Phase der Partie immer mehr zu seinem Spiel, während der Niederländer ein wenig nachließ. So konnte Anderson im neunten Leg erneut einen 14-Darter zeigen und so ein weiteres break produzieren, sein Rückstand betrug jetzt nur noch zwei Legs. Doch vor der zweiten Pause packte „Barney“ nochmal ein Highlight aus und brachte 130 Punkte zum Abschluss eines 12-Darters auf null. Dank dieses Breaks ging er mit einer 6:4-Führung in diese Unterbrechung.


Nach dieser Pause präsentierte van Barneveld dem Publikum das nächste Bull-Finish, dieses Mal fielen ihm 122 Punkte zum Opfer; Anderson war wenige Augenblicke vorher ganz knapp an einem 170er-Finish gescheitert. Der Schotte konterte dies zunächst mit zwei 70er-Checkouts in Folge, das zweite davon brachte ihm das Break zum 6:7 aus seiner Sicht ein. Und als der Weltranglistenvierte Tops am Ende eines 13-Darters treffen konnte hatte er zum ersten Mal in diesem Duell den Ausgleich erreicht, wenig später übernahm Anderson mit einem weiteren Break gar die Führung. Doch van Barneveld war weiterhin voll in der Partie drin, was sich auch im sechzehnten Leg zeigte. Anderson vergab erneut bei 170 Restpunkten und der Niederländer checkte 76 Punkte zum sofortigen Rebreak. Wenig später ging van Barneveld dann seinerseits wieder in Führung, allerdings hatte Anderson kaum Probleme erneut auszugleichen, 9:9 lautete nun der Spielstand. „Barney“ durfte das neunzehnte Leg anfangen, doch Anderson lief im vom Scoring her schnell davon und hatte dementsprechend auch genügend Zeit, um das Leg auch für sich zu entscheiden. Bei eigenem Anwurf hatte der „Flying Scotsman“ jetzt die große Chance zum Sieg, und man merkte sofort, dass er diese unbedingt nutzen wollte. Er zeigte Scores von 140, 140 und 139, ließ sich also 82 Restpunkte. Van Barneveld konnte sich noch bei 170 Zählern platzieren, doch der Schotte ließ sich davon nicht mehr aus der Ruhe bringen und checkte via 14, 18 und Bullseye zum Match. Anderson überzeugte bei seinem 11:9-Erfolg mit einem Average von 104,17 Punkten und einer Doppelquote von fast 50 Prozent, er wird sich im Viertelfinale mit Joe Cullen messen.


Alexander Kuck

World Matchplay


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