Dartsbuch

Whitlock zeigt van Gerwen die Grenzen auf

Am Samstagabend durften sich die Dartsfans in aller Welt auf die Viertelfinals des World Grand Prix 2020 freuen. Alle acht verbliebenen Spieler waren heiß darauf, in Coventry den nächsten Schritt zu gehen. Besonders im Blickpunkt standen die beiden Topfavoriten Michael van Gerwen und Gerwyn Price, die heute gegen Simon Whitlock beziehungsweise Jeffrey de Zwaan antreten mussten. Den Auftakt machte allerdings Gary Anderson mit seinem Duell gegen Dirk van Duijvenbode, zudem trafen Dave Chisnall und Joe Cullen aufeinander. Gespielt wurde unverändert im Modus „Best of 5 Sets“.

Van Duijvenbode lebt seinen Traum weiter

Als Nummer 73 der Weltrangliste war Dirk van Duijvenbode der am niedrigsten platzierte Turnierteilnehmer. Doch der Niederländer trumpfte groß auf, schickte Mensur Suljovic und Dimitri Van den Bergh nach Hause und rückte bis ins Viertelfinale vor. Dort wollte er nun Doppelweltmeister Gary Anderson aus dem Weg räumen. Van Duijvenbode eröffnete den Abend mit einem 76er-Finish, ehe auch Anderson seinen ersten Anwurf locker nach Hause brachte. Nachdem sich der „Titan“ wieder in Führung gebracht hatte, ließ er einen Setdart liegen, spielte es im notwendig gewordenen Entscheidungsleg aber hervorragend und machte den Satzgewinn mit einem 96er-Finish perfekt.

Nach der Pause machte van Duijvenbode mit einem 13-Darter nahtlos weiter, dieses Break konnte er mit einem 14-Darter bestätigen. Anderson lief in dieser Phase hinterher, auch sein eigener 14-Darter im dritten Leg änderte daran nichts. Denn sein niederländischer Gegner antwortete sofort, traf die doppelte 18 und erhöhte seinen Vorsprung auf 2:0. Der „Flying Scotsman“ stand nun also bereits mächtig unter Druck, doch im dritten Durchgang ging es zunächst ähnlich schlecht weiter wie in den beiden vorangegangenen. Nachdem Anderson das erste Leg bereits verloren hatte, warf er zu Beginn des zweiten acht Pfeile an Doppelfeldern vorbei und kassierte dementsprechend das Break. Kurz bevor es zu spät war, sammelte sich Anderson jedoch nochmal und erzwang mit einem 14- und einem 13-Darter das Entscheidungsleg. Dort erhielt van Duiijvenbode bei 152 Rest den ersten Matchdart, warf aber deutlich an der Doppel-16 vorbei. Anderson rettete sich auf der doppelten 20 und lag nur noch mit 1:2 hinten. Van Duijvenbode schüttelte sich kurz und entschied die nächsten beiden Legs mit 14 und 13 Würfen für sich, sodass er erneut ganz kurz vor der Ziellinie stand. Anderson holte sich zwar das nächste Leg, begann kurz darauf jedoch mit fünf Fehlern beim Double-In. Van Duijvenbode ließ sich die Gelegenheit jetzt nicht mehr entgehen, nutzte seinen vierten Matchdart auf der Doppel-20 und erreichte durch den 3:1-Erfolg sein erstes Major-Halbfinale.

Chisnall dreht den selbstverschuldeten 0:2-Rückstand

Nachdem Dave Chisnall mit einem 103er-Average in das Turnier gestartet war, hatte er gestern das Glück auf seiner Seite – sein Gegner Ryan Joyce ließ sieben Matchdarts aus. Auch Joe Cullen musste in der zweiten Runde mächtig kämpfen, gegen Jonny Clayton siegte er erst im Sudden Death-Leg. „Chizzy“ legte mit einem 150er-Finish los und verpasste ein Leg später nur knapp ein 148er-Checkout. Dies rief Cullen auf den Plan, der wenig später jedoch selbst drei Breakdarts in den Sand setzte. Chisnall holte sich an diese Stelle also die Führung zurück, ließ dann jedoch den ersten Setdart liegen und musste in den Decider. Dort hatte Chisnall eigentlich alles im Griff, konnte allerdings ganze neun Möglichkeiten zum 1:0 nicht verwerten. Cullen bedankte sich dafür, erwischte die Doppel-8 und lag selbst vorne.

Nachdem der „Rockstar“ im zweiten Durchgang mit einem 120er-Finish vorgelegt hatte, antwortete Chisnall mit einem 13-Darter, brauchte anschließend aber neun Würfe, um überhaupt erst ins nächste Leg hineinzukommen. Letztlich ging auch der zweite Durchgang in das entscheidende fünfte Leg, wo es für Chisnall erneut ganz bitter wurde: diesmal ließ er fünf Chancen aus. Cullen hatte selbst sechs Setdarts ausgelassen, verwandelte aber letztlich doch noch in der Doppel-7 und brachte sich mit 2:0 in Front. Erstaunlich waren dabei die Schwankungen von „Chizzy“: erst machte er zu Beginn des dritten Durchgangs 150 Punkte aus, dann leistete er sich sechs Fehlwürfe beim Double-In. Doch Cullen patzte einige Momente später selbst zweimal und ermöglichte seinem Kontrahenten das Break. In diesem Fall zeigte Chisnall keine Nerven, machte den Satzgewinn auf der Doppel-8 perfekt und lag nur noch mit 1:2 hinten. Nun folgte der vierte Durchgang, in dem die ersten beiden Legs gerecht aufgeteilt wurden. Danach registrierte Chisnall, dass Cullen drei seiner Pfeile über die Doppel-20 warf. Der Vorjahresfinalist holte sich in dieser Situation ein Break, glänzte im darauffolgenden Leg mit einem 155er-Finish zum 12-Darter und machte den 2:2-Ausgleich perfekt. Chisnall hatte jetzt Oberwasser und schnappte sich auch die ersten beiden Legs des finalen fünften Satzes, wobei er bei Letzterem von zwei Fehlern seines Gegners profitierte. Doch Cullen gab die Partie noch nicht verloren, kämpfte sich nochmal heran und brachte das Match in das Entscheidungsleg. Dort stellte sich der anwerfende Chisnall mit 20 Restpunkten vors Oche, warf die ersten beiden Pfeile außen vorbei und brachte den dritten trotz schwieriger Position im gewünschten Feld unter. Auf diese Weise hatte Chisnall wie bereits gestern aus dem 0:2 ein 3:2 gemacht.

Als Michael van Gerwen und Simon Whitlock zum letzten Mal vor TV-Kameras aufeinandertrafen – dies geschah beim World Matchplay im Juli – setzte sich der Australier klar und deutlich mit 11:4 durch. Van Gerwen wollte sich heute dafür revanchieren und den nächsten Schritt in Richtung Titelverteidigung gehen. Nachdem der Niederländer das erste Leg bereits abgeben musste, ließ er im zweiten zwei Möglichkeiten zu seinem ersten Erfolgserlebnis aus – Whitlock bestrafte dies mit einem 107er-Highfinish. Van Gerwen sicherte sich per 13-Darter zwar das sofortige Rebreak, doch Whitlock setzte im direkten Gegenzug noch einen drauf und beendete den Satz mit einem 12-Darter zu seinen Gunsten.

Nach der Pause beobachtete Whitlock ganz genau, wie van Gerwen viermal außen an der Doppel-16 vorbeiwarf. Der „Wizard“ löschte seinerseits 100 Punkte über zweimal Tops und landete auf diese Weise das nächste Break. Whitlock machte seine Sache richtig gut und nutzte die Schwäche des Favoriten wie in dieser Szene mehrfach aus. Er zeigte in der Folge zwei 14-Darter nacheinander, holte sich den Satz dementsprechend zu Null und führte insgesamt mit 2:0. Von van Gerwen musste nun einfach mehr kommen, doch er streute immer wieder Ungenauigkeiten ein. So auch zum Start des dritten Durchgangs, als er einen Breakdart ausließ. Zwar konnte der Weltranglistenerste dies umgehend korrigieren, doch Whitlock blieb bei seinen Anwürfen außerordentlich sicher und benötigte nach einem Treffer in der Doppel-4 nur noch ein einziges Leg. Zwar verpasste der „Wizard“ wenig später haarscharf ein 170er-Finish, doch van Gerwen konnte seine letzte Chance auf der Doppel-16 nicht nutzen. Whitlock ließ sich den Sieg jetzt nicht mehr nehmen, verwandelte seinen dritten Matchdart und erreichte nach dem glatten 3:0 die Vorschlussrunde – unterm Strich kam er auf einen Average von über 100 Punkten.

De Zwaan wird Price nicht gefährlich

Ein solches Ausscheiden wollte Gerwyn Price im letzten Spiel des Abends natürlich verhindern. Der Weltranglistendritte musste sich nun voll und ganz auf seinen Gegner Jeffrey de Zwaan konzentrieren. Der Niederländer hatte gestern die deutsche Hoffnung Gabriel Clemens klar bezwungen und zum Ende hin überragend gespielt. Heute ging es für de Zwaan allerdings sehr schlecht los, er ließ in den ersten beiden Legs insgesamt vier Möglichkeiten liegen. Price war in beiden Situationen zur Stelle, legte einen 12-Darter hinterher und hatte nach wenigen Minuten der ersten Satz bereits auf seine Seite gebracht.

Auch das erste Leg nach der Unterbrechung ging an den „Iceman“, ehe de Zwaan auf der Doppel-16 erstmals erfolgreich war. Da auch die nächsten beiden Legs gerecht aufgeteilt wurden, ging der zweite Durchgang in das Entscheidungsleg, welches insbesondere für de Zwaan von großer Bedeutung war. Doch der anwerfende Price ließ in diesem Moment nichts anbrennen, traf seine favorisierte Doppel-20 und erhöhte seine Führung auf 2:0. Im Auftaktleg des dritten Durchgangs ließ Price fünf Breakdarts liegen, konnte diesen Fehler aber schnell wieder egalisieren. De Zwaan war von seinem Topniveau weit entfernt, steigerte sich jetzt aber etwas. Er zeigte zunächst ein 100er-Finish, ehe er seinen ersten Satzgewinn mit einem 14-Darter klarmachte. Es ging jetzt in den vierten Satz, wo beide Profis zunächst ihr Anwurfleg durchbrachten. Da Price dies auch im Anschluss daran geschafft hatte, benötigte er nur noch ein Leg zum Weiterkommen. Dieses sicherte sich der Waliser auf eine ganz besondere Weise: mit einem 164er-Finish machte er den verdienten 3:1-Erfolg perfekt.

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