Dartsbuch

Clemens bezwingt Aspinall und steht im Achtelfinale

Am Mittwochabend wurde die erste Runde des World Grand Prix 2020 fortgesetzt. Dadurch, dass gestern ein Match abgesagt werden musste, standen heute ganze neun Partien auf dem Spielplan. Dabei war auch der einzige deutsche Starter, Gabriel Clemens im Einsatz. Er forderte bei seinem Debüt Nathan Aspinall heraus. Zudem griffen mit Gerwyn Price, Glen Durrant, Daryl Gurney und Peter Wright auch einige weitere Topspieler ins Turniergeschehen ein.

Den Anfang machte heute Abend das Aufeinandertreffen zwischen Brendan Dolan und Kim Huybrechts. Dolan, der seit seinem 9-Darter beim Grand Prix 2011 der „History Maker“ ist, warf seine ersten neun Darts erfolgslos an Doppelfeldern vorbei. Schon im zweiten Leg machte er es mit einem 13-Darter allerdings deutlich besser und legte per 105er-Highfinish sogar ein Break hinterher. Als ihm kurz darauf auch noch ein 110er-Checkout gelang, hatte Dolan den ersten Durchgang mit 3:1 gewonnen.

Nachdem sich Huybrechts das erste Leg des zweiten Satzes sicherte, hatte er Glück, dass sein Gegner vier Breakdarts ungenutzt ließ. Im darauffolgenden Leg patzte Huybrechts jedoch fünf Mal beim Double-In und brachte Dolan zurück in den Satz. Der Nordire zeigte Legs von 14 und 13 Darts und musste nur noch das von ihm begonnene Entscheidungsleg gewinnen, um in die nächste Runde einzuziehen. Doch Dolan konnte diesen Vorteil aufgrund von zu schwachen Scorings nicht nutzen, stattdessen sorgte Huybrechts mit einem 65er-Checkout für den 1:1-Ausgleich. Da die ersten drei Legs des finalen Durchgangs ohne Breaks vonstattengingen, kam es dazu, dass Huybrechts jetzt selbst nur noch einen Leggewinn zum Weiterkommen benötigte. Zudem setzte er Dolan nun dermaßen unter Druck, dass dieser 161 Punkte ausmachen musste, um im Rennen zu bleiben. Dies gelang Dolan jedoch nicht ganz, das Bullseye verfehlte er um Millimeter. Huybrechts hatte nun leichtes Spiel, verwandelte in der Doppel-2o und besiegelte den 2:1-Erfolg.

White scheidet bei einem Major erneut früh aus

Anschließend waren Jonny Clayton und Ian White an der Reihe. Im Auftaktleg nutzte Clayton die Startschwierigkeiten seines Konkurrenten zu einem Break, doch im nächsten Leg brauchte „The Ferret“ selbst ganze zehn Versuche beim Double-In. Auf das daraus resultierende Rebreak reagierte Clayton mit einem 14-Darter für das nächste Break, legte diesem einen 15-Darter hinterher und entschied den ersten Satz für sich.

Nach der Unterbrechung sicherte sich Clayton ein drittes Leg nacheinander, während die Luft für White dünner wurde. Dementsprechend war es für den Engländer sehr wichtig, mithilfe von zwei 14-Dartern nacheinander innerhalb des zweiten Satzes die Führung zu übernehmen. Das eben produzierte Break konnte White mit dem nächsten 14-Darter bestätigen, sodass die Partie im dritten Satz entschieden werden musste. Zu Beginn dieses Durchgangs unterlief White ein grober Fehler, als er bei 86 Rest mit dem zweiten Wurf die große 18 verfehlte und so keine Chance zum Auschecken erhielt. Clayton war Sekunden vorher haarscharf an 164 Restpunkten gescheitert und schnappte sich nun doch noch das Break. Im nächsten Leg konnte Clayton sich mit einem Maximum 90 Restpunkte stellen. Diese Punktzahl brachte der Waliser auf dem Bullseye auf Null und stand daher ganz kurz vor der Ziellinie. Da er kurz darauf jedoch drei Matchdarts nicht verwertete, hielt er seinen Gegner noch im Match. White hatte kurz darauf sogar noch die Möglichkeit dazu, für den Decider zu sorgen, verfehlte die Doppel-10 allerdings knapp. Clayton hatte noch 106 Punkte übrig, traf abschließend die Doppel-16 und feierte einen umkämpften 2:1-Sieg.

Chisnall mit der Top-Leistung der ersten Runde

Das Duell zwischen Dave Chisnall und Glen Durrant gab es bereits in der Vorjahresausgabe des World Grand Prix. Im Halbfinale konnte sich Chisnall mit 4:1 durchsetzen, verlor anschließend jedoch das Endspiel gegen Michael van Gerwen. „Chizzy“ eröffnete diesmal das Match mit einem 112er-Finish via 19, Triple-19 und Doppel-18 und startete mit starken 160 Punkten in das zweite Leg. Diese Aufnahme war Grundlage für einen hervorragenden 11-Darter. Erst als Chisnall wenige Minuten später vier Setdarts ungenutzt gelassen hatte, kam Durrant erstmals zum Zuge, als ihm ein 97er-Finish gelang. Doch Chisnall blieb davon unbeeindruckt, begann im vierten Leg mit vier perfekten Darts und machte den Satzgewinn letztlich mit einem 13-Darter perfekt.

Nachdem der insbesondere beim Scoring klar überlegene Chisnall zu Beginn des zweiten Satzes das nächste Break vollbrachte, sah sich Durrant mit 135 Restpunkten konfrontiert. „Duzza“ konnte dabei auch das Bullseye und die Triple-15 treffen, warf den dritten Pfeil allerdings knapp unter die Doppel-20. Chisnall bedankte sich auf genau diesem Doppelfeld und stand kurz vor dem Sieg. Im nächsten und schließlich auch letzten Leg sorgte Chisnall mit sieben perfekten Darts nochmal für ein echtes Highlight, schlussendlich versenkte er den vierten Matchdart in der Doppel-5. Mit einem 103er-Average zeigte Chisnall die bis dato beste Leistung beim World Grand Prix 2020.

Als Nächstes durften sich die Zuschauer vor den Bildschirmen auf das Duell zwischen dem früheren Turniersieger Daryl Gurney und Joe Cullen freuen. Der „Rockstar“ legte mit einem großartigen 11-Darter los. Gurney hatte bereits im Auftaktleg sieben Anläufe zum Reinkommen benötigt und war im zweiten Leg erst nach sechs Versuchen erfolgreich. Cullen kam an dieser Stelle zum Break, überstand anschließend zwei Breakdarts gegen sich unbeschadet und sorgte selbst mit einem 76er-Finish für die 1:0-Führung.

„Superchin“ kam anschließend stark verbessert zurück auf die Bühne. Per 14-Darter verbuchte er zunächst sein erstes Erfolgserlebnis und glänzte anschließend mit einem starken 12-Darter. Doch Cullen hielt weiter dagegen und produzierte mithilfe eines eigenen 14-Darters das sofortige Rebreak, ehe er Glück hatte, dass Gurney eine Chance zum Satzgewinn ausließ. Cullen erwischte Sekunden später die Doppel-10 und musste nur noch das jetzt folgende Entscheidungsleg gewinnen, um die nächste Runde zu erreichen. Dies gelang dem Engländer allerdings nicht, weil er einen Matchdart vergab. Gurney verwandelte in der Doppel-16 und stellte den 1:1-Satzausgleich her. Da Cullen im Auftaktleg des so wichtigen dritten Satzes dreimal beim Double-Out gepatzt hatte, kassierte er ein Break, zeigte aber eine starke Reaktion und machte das eben Geschehene mit einem 12-Darter wieder rückgängig. Da die nächsten beiden Legs ebenfalls gerecht aufgeteilt wurden, ging die Partie in das Entscheidungsleg, welches von Cullen begonnen wurde. Diesen Vorteil konnte der Engländer voll für sich nutzen, ihm reichten 14 Würfe, um den 2:1-Sieg amtlich zu machen.

Große Überraschung: Wright unterliegt Joyce

Im Anschluss daran startete Peter Wright in diesen Wettbewerb. Der amtierende Weltmeister war gegen Ryan Joyce haushoher Favorit. Doch Joyce legte hervorragend los und löschte im dritten Leg souverän 92 Punkte aus. Da die beiden vorangegangenen Legs gerecht aufgeteilt wurden, stand der Engländer kurz vor dem Satzgewinn. Dieser war wenig später schon amtlich, als Joyce dem 14-Darter von eben einen weiteren folgen ließ.

Wright stand dementsprechend bereits jetzt unter großem Druck. Er holte sich zwar das erste Leg nach der Unterbrechung, kassierte aber wenig später die Höchststrafe: da der Weltranglistenzweite mit zwölf Würfen nicht in der Lage war ein Doppelfeld zu treffen, stand er noch bei 501 Punkten, als Joyce bereits bei Null angelangt war. Da die nächsten beiden Legs ebenfalls vom jeweils anwerfenden Spieler gewonnen wurden, musste nun der Decider her, welchen Wright zwingend gewinnen musste. Mit sieben Fehlern beim Double-In ging es für „Snakebite“ denkbar schlecht los, doch er holte unter anderem mit einer 180 auf und erhielt bei 80 Restpunkten tatsächlich nochmal die Chance. Dieses Checkout gelang ihm hier und jetzt allerdings nicht, sodass Joyce seine Möglichkeit auf der Doppel-8 wahrnehmen konnte und mit dem 2:0-Sieg für eine Sensation sorgte.

Ein solch überraschendes Ausscheiden wollte Gerwyn Price natürlich vermeiden. Der formstarke Waliser, vor einigen Wochen Sieger der World Series Finals, bekam es zum Auftakt mit Jermaine Wattimena zu tun. Price kam sehr schlecht in die Begegnung rein, hatte in den ersten beiden Legs Schwierigkeiten überhaupt hineinzukommen und warf insgesamt 14 Pfeile vorbei – im ersten Leg scheiterte er zudem auch knapp an 158 Restpunkten. Wattimena war in beiden Situationen zur Stelle, kam aber auch selbst erst mit dem achten Versuch ins dritte Leg. Dementsprechend verbuchte Price sein erstes Erfolgserlebnis, überstand anschließend zwei Setdarts gegen sich und löschte selbst 118 Punkte. Dieses Ereignis gab dem „Iceman“ spürbar Auftrieb, er ließ ihm Decider nichts anbrennen und brachte diesen Durchgang doch noch nach Wales.

Nach einer kurzen Pause ging es in den zweiten Satz, in dem „The Machine Gun“ per 15-Darter vorlegen konnte. Nachdem Price mühelos per 13-Darter geantwortet hatte, wurden auch die nächsten beiden Legs gerecht aufgeteilt, sodass der Satz ebenfalls über die maximale Distanz ging. Wattimena durfte hier zwar anwerfen, setzte die ersten drei Darts aber am äußeren Ring vorbei und gab diesen Vorteil daher sofort aus der Hand. Letzten Endes nutzte Price dann seinen zweiten Matchdart auf der Doppel-12 und zog glanzlos in die zweite Runde ein.

Jetzt hatte das Warten für Gabriel Clemens ein Ende. Der Saarländer freute sich auf sein Debüt beim World Grand Prix, hatte in Person von Nathan Aspinall allerdings ein sehr schwieriges Los erwischt. Clemens bestrafte gleich im Auftaktleg einen gegnerischen Fehlwurf mit dem Break und konnte dieses trotz ein paar Schwierigkeiten beim Double-Out auch bestätigen. Nachdem Aspinall per 72er-Checkout verkürzt hatte, wurde es im vierten Leg richtig kurios. Erst überwarf sich Clemens bei 92 Restpunkten, da er nach zwei Single-20ern mit dem letzten Pfeil versehentlich die Triple-20 erwischte. Die genannte Punktzahl konnte er auch im zweiten Anlauf nicht ausmachen, hatte aber kurz darauf Glück, dass „The Asp“ drei eigene Möglichkeiten in den Sand setzte. So atmete Clemens nochmal tief durch, traf schließlich die Doppel-4 und brachte den ersten Satz auf seine Seite.

Nach der Unterbrechung warf der „German Giant“ deutlich an der Doppel-16 vorbei, Aspinall nutzte dies zu seinen Gunsten und schnappte sich mit einem 90er-Finish das gewünschte Break. Clemens hatte vier Gelegenheiten zur direkten Antwort, konnte diese aber nicht verwerten. Den zweiten Satz gab der Deutsche aber nichtsdestotrotz noch nicht verloren, er gewann unter anderem mit einem 85er-Bullfinish zwei Legs nacheinander und benötigte nur noch das jetzt folgende Entscheidungsleg zum Sieg. Aspinall durfte es allerdings zuerst versuchen und musste nur 54 Punkte löschen, um für den Ausgleich zu sorgen. Doch wie quasi im ganzen Match lief auch in dieser Situation beim Engländer nichts zusammen: er verfehlte die große 14 und Sekunden später auch den einzigen Wurf auf Tops. Gabriel Clemens traf die Doppel-10 mit dem letzten Dart in der Hand und entschied dieses Match mit 2:0 für sich.

Whitlock als Nachrücker mit sehr guter Performance

Eigentlich hatte Simon Whitlock die Qualifikation für das Turnier, bei dem er 2017 im Endspiel stand, knapp verpasst. Da Adrian Lewis allerdings positiv auf das Coronavirus getestet worden war, rückte der Australier nach und bekam es mit Chris Dobey zu tun. Whitlock erlebte einen hervorragenden Start, kam im zweiten Leg per 15-Darter zum ersten Break und profitierte im dritten Leg wie schon im ersten davon, dass „Hollywood“ einige Probleme beim Double-In hatte. Whitlock selbst beendete einen 13-Darter und den gesamten Satz mit einem Treffer in der doppelten 6.

Nach der Pause erzielte dann Whitlock mit der ersten Aufnahme keine Punkte und machte es Dobey dementsprechend einfach, den ersten Leggewinn einzufahren. Doch den „Wizard“ ließ das völlig kalt, er setzte seine herausragende Leistung einfach fort. Nach einem 13-Darter sowie einem 11-Darter war er soweit, als dass ihm nur noch ein einziges Leg vom Weiterkommen trennte. Whitlock verlor jetzt überhaupt keine Zeit mehr, zeigte zum Abschluss noch einen 15-Darter und glänzte bei seinem 2:0-Erfolg mit einem 101er-Average.

Ähnlich wie Simon Whitlock war auch Jeffrey de Zwaan nicht für das Teilnehmerfeld vorgesehen. Doch er profitierte vom Aus für Stephen Bunting und duellierte sich im letzten Match der ersten Runde mit Jamie Hughes. Nachdem der Niederländer mit einem 80er-Finish gestartet war, hatten beide Akteure Schwierigkeiten auf den Doppelfeldern; letztlich war Hughes auf der Doppel-1 erfolgreich. Insgesamt kamen beide nur schleppend in die Partie hinein, doch de Zwaan war etwas aufmerksamer und entschied die nächsten beiden Legs und damit verbunden auch den ersten Satz für sich.

Die ersten zwei Legs des darauffolgenden Durchgangs wurden als Breaks gewonnen, doch insgesamt wurde deutlich, dass Hughes sein Niveau anheben konnte. So übernahm er innerhalb des Satzes zunächst die Führung, ehe er dieses Break mit einem 13-Darter bestätigte und zum 1:1 ausglich. Doch im nun folgenden Entscheidungssatz hatte plötzlich wieder de Zwaan Oberwasser. „The Black Cobra“ glänzte mit Checkouts von 90 und 136 Punkten und stand mit einem Bein in der nächsten Runde. Wenig später war es dann soweit, de Zwaan blieb auch bei 72 Rest fehlerfrei und wird am Freitag der Gegner von Gabriel Clemens sein.

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