Dartsbuch

Van Gerwen schlägt Ratajski im Entscheidungsleg

Wenn die Dartsprofis ihre Legs nicht nur mit einem Treffer in einem Doppelfeld beenden, sondern auch beginnen müssen, kann es sich nur um den World Grand Prix handeln. Doch auch dieses besondere Turnier war im Jahr 2020 natürlich von der allgegenwertigen Corona-Pandemie betroffen. So wurde nicht, wie man es seit Jahren gewohnt war, in Dublin gespielt, sondern vor leeren Rängen im englischen Coventry. Zudem wurden mit Adrian Lewis und Stephen Bunting zwei Teilnehmer positiv auf das Virus getestet, sodass der Spielplan angepasst werden musste und Simon Whitlock und Jeffrey de Zwaan nachrückten. Titelverteidiger bei diesem Turnier war Michael van Gerwen, der seinen Auftakt gleich am heutigen Dienstagabend gegen Krzysztof Ratajski erlebte. Das Topspiel heute war jedoch sicherlich die Begegnung von Rob Cross und Gary Anderson; zudem starteten unter anderem auch Mensur Suljovic, James Wade und Michael Smith in den Wettbewerb. Absolviert wurde die erste Runde über die Distanz „Best of 3 Sets“.

Vorgesehen war, dass Adrian Lewis und Chris Dobey den Anfang machen würden, doch dies war aus dem oben genannten Grund natürlich nicht möglich. Stattdessen waren nun Danny Noppert und Ryan Searle für die Eröffnung verantwortlich. Der Engländer startete hervorragend, zeigte gleich ein 112er-Highfinish und breakte kurz darauf mit einem 13-Darter. Noppert hatte in dieser Situation zwei eigene Möglichkeiten in den Sand gesetzt und warf zu Beginn des dritten Legs drei Pfeile außen an der anvisierten Doppel-14 vorbei. Searle nutzte dies konsequent zu seinen Gunsten, machte wenige Momente später 82 Zähler via Bullseye und Doppel-16 aus und hatte den ersten Satz in Windeseile gewonnen. Noppert hatte sich in der Pause gesammelt und machte es im nächsten Leg überragend: er warf zwei 180er nacheinander und löschte auch noch die übriggebliebenen 110 Restpunkte für einen 12-Darter. Insgesamt verlief dieser zweite Satz komplett gegensätzlich zum vorangegangenen. Searle hatte Schwierigkeiten beim Reinkommen und wurde „Noppie“ nicht gefährlich. Der Niederländer machte das 3:0 auf der Doppel-20 perfekt und sorgte für den 1:1-Satzausgleich.

Dementsprechend wurde der dritte Satz notwendig. Searle konnte hier vorlegen, doch Noppert konterte sofort mit einem 127er-Highfinish. Anschließend profitierte Noppert davon, dass Searle sieben Versuche benötigte, um ins nächste Leg hineinzukommen und holte sich selbst das letztlich vorentscheidende Break. Schon wenig später war die Angelegenheit durch, Noppert gewann mit 2:1 und war der erste Mann in der zweiten Runde.

Suljovic bekommt Scoring und Doppelfelder nicht in den Griff

Im Anschluss daran wollte Mensur Suljovic beweisen, warum er als Favorit in das Duell mit Dirk van Duijvenbode hineinging. Nachdem die ersten beiden Legs gerecht aufgeteilt wurden – van Duijvenbode verteidigte seinen Anwurf mit einem 13-Darter – leistete sich Suljovic die ersten Fehler. Der Wiener warf zum Abschluss des dritten Legs sage und schreibe zehn Pfeile allesamt außen an der Doppel-16 vorbei. Das vierte Leg lief dann ähnlich schlecht aus der Sicht von „The Gentle“: beim Double-In leistete er sich fünf Fehler, beim Double-Out vier Stück. Van Duijvenbode konnte diese Geschenke gar nicht mehr ausschlagen und hatte den ersten Satz für sich entschieden.

Auch der zweite Satz fand auf einem sehr bescheidenen Niveau statt. Der Niederländer streute im ersten Leg insgesamt zehn Fehler ein und kassierte das Break, ehe Mensur nach langer Zeit wieder auf Anhieb ein Doppelfeld erwischte und auf 2:0 in den Legs erhöhte. Auch im darauffolgenden Leg hatten beide Akteure Startschwierigkeiten, doch letztlich behielt Mensur die Oberhand und glich zum 1:1 in den Sätzen aus. Zu Beginn des entscheidenden dritten Durchgangs gelang van Duijvenbode per 76er-Checkout ein wichtiges Break, doch aufgrund zweier Fehler konnte er nicht nachlegen. Schlussendlich hatte jedoch der Niederländer den längeren Atem, Suljovic schaffte es heute einfach nicht, sein gewohntes Niveau abzurufen. Van Duijvenbode nutzte seinen dritten Matchdart auf der Doppel-20 und war über sein Weiterkommen hochgradig erleichtert.

Petersen stellt seine starke Form unter Beweis – King souverän

Erst vor neun Tagen hatte Devon Petersen in Hildesheim Geschichte geschrieben und als erster Spieler vom afrikanischen Kontinent ein PDC-Turnier gewonnen. Dieser große Erfolg verhalf dem Südafrikander zur Teilnahme beim Grand Prix, wo es für ihn gegen den ebenfalls debütierenden Jose de Sousa ging. „The Special One“ holte sich zwar das Auftaktleg, zeigte in den nächsten Minuten jedoch speziell beim Auschecken Unsicherheiten. Petersen bestrafte vier gegnerische Fehler im dritten Leg mit einem 100er-Finish über zweimal Tops, ehe er den ersten Satz auf der Doppel-1 zumachte.

Wenige Minuten später setzte der „African Warrior“ seinen Erfolgslauf mit einem 13-Darter zunächst fort, doch dann konnte de Sousa dazwischengehen. Er brachte den eigenen Anwurf auf der Doppel-20 nach Hause und breakte wenig später mit einem starken 12-Darter. Bei 144 Rest hatte der Portugiese anschließend die erste Möglichkeit zum Satzgewinn, verfehlte die Doppel-12 allerdings. Petersen holte sich das Rebreak und benötigte nur noch ein Leg zum Weiterkommen. Doch de Sousa erhielt zuerst erneut eine Möglichkeit zum Ausgleich, in diesem Fall waren es allerdings 139 Punkte, an denen er nur knapp scheiterte. Petersen stellte sich im Gegenzug mit 93 Restpunkten vors Oche, verwandelte seinen Matchdart mitten im Bullseye und vollendete so den 2:0-Erfolg.

Ganze 48 Partien absolvierten James Wade und Mervyn King bereits gegeneinander, wobei der zweimalige Grand Prix-Sieger Wade 24 Partien für sich entschied und der frühere Finalist King 23 Male gewann (ein Unentschieden). Beim heutigen Aufeinandertreffen hatte King im allerersten Leg Pech, als er einen Bounceout aus dem Bullseye akzeptieren musste. Wade warf selbst fünffach an Doppelfeldern vorbei und brachte sein Anwurfleg doch noch nach Hause, konnte anschließend jedoch einen eigenen Breakdart nicht ausnutzen. King, der in dieser Situation 72 Zähler gelöscht hatte, holte sich kurz darauf dann selbst das erste Break und entschied den ersten Durchgang dank des darauffolgenden 14-Darters mit 3:1 für sich.

Beim Double-In gaben sich beide Profis keine Blöße: King war auf seiner favorisierten Doppel-16 sehr erfolgreich, „The Machine“ machte auf der Doppel-20 ebenso wenige Fehler. Dementsprechend entschieden Kleinigkeiten über die Leggewinne. So warf King zu Beginn des zweiten Durchgangs knapp am Bullseye vorbei und ermöglichte Wade das Break. Doch dieser leistete sich im darauffolgenden Leg ganze sechs Fehlwürfe beim Auschecken. King vollbrachte das sofortige Rebreak auf der Doppel-1, ließ diesem einen 14-Darter folgen und hatte die Ziellinie bereits vor Augen. Zum Ende hin machte King seine Sache nun richtig gut, spielte zum Abschluss noch einen 15-Darter und hatte das Match souverän mit 2:0 gewonnen.

Anderson nutzt die zahlreichen Fehler von Cross aus

Nun folgte das Topspiel der ersten Runde. Mit Rob Cross und Gary Anderson trafen zwei Top-10-Spieler sowie zwei frühere Weltmeister direkt aufeinander. Der Start in dieses Match verlief ausgeglichen, beide Profis konnten ihre jeweils ersten zwei Anwurflegs verteidigen. Somit wurde das Entscheidungsleg nötig, in dem „Voltage“ ganze zwölf Versuche benötigte, um endlich ein Doppelfeld zu erwischen. Anderson war da natürlich längst davongeeilt, machte wenige Momente später 103 Punkte aus und brachte den ersten Durchgang nach Schottland.

Obwohl Cross direkt nach der Pause die nächsten sechs Darts an Doppelfeldern vorbeigeworfen hatte, konnte er das erste Leg des zweiten Durchgangs für sich entscheiden. Doch insgesamt lief beim Engländer nur noch wenig zusammen. So hatte er im zweiten Leg bei 106 Rest die Triple-20 bereits getroffen, warf allerdings an der großen 14 vorbei und nahm sich selbst eine Breakmöglichkeit. Noch schlimmer wurde es im darauffolgenden Leg, als Cross bei 18 Rest umbauen wollte und statt der Single-10 die Single-15 erwischte. Da er dies nicht mehr korrigieren konnte, kassierte er hier und jetzt das Break, ehe er wenig später drei weitere Male patzte und so seine letzte Chance vergab. Anderson machte schließlich auf der Doppel-5 den Deckel drauf und erreichte die nächste Runde.

Viel wurde in den letzten Wochen und Monaten über die Form von Michael van Gerwen diskutiert. Der Weltranglistenerste musste entgegen seiner Gewohnheit zuletzt viele frühe Niederlagen einstecken, so auch bei den World Series Finals oder erst kürzlich beim European Tour-Event in Hildesheim. Beim Grand Prix wartete auf den Titelverteidiger nun die nächste schwierige Aufgabe: es ging gegen den Weltranglisten-14. Krzysztof Ratajski. Der vierfache Grand Prix-Sieger erlebte einen Start nach Maß, schnappte sich das Auftaktleg und beobachte anschließend, wie Ratajski zweimal außen an der Doppel-8 vorbeiwarf. Van Gerwen vollendete hier einen 13-Darter mit einem Treffer in der Doppel-16, glänzte anschließend mit einem 11-Darter und hatte den ersten Durchgang mit einem 110er-Durchschnitt bereits eingefahren.

Nach der Pause erlaubte sich „Mighty Mike“ erstmals drei Fehler beim Auschecken, sodass Ratajski seinen ersten Leggewinn verbuchen konnte. Doch die Freude beim Polen war nur von kurzer Dauer, da er erst mit dem achten Versuch in das nächste Leg hineinkam. Van Gerwen nahm darauf natürlich keinerlei Rücksicht und beendete einen 12-Darter mit einem 108er-Highfinish. Nachdem sich der „Polish Eagle“ anschließend mit einem 80er-Finish innerhalb des Satzes wieder in Führung gebracht hatte, unterliefen van Gerwen ganze sechs Fehlwürfe auf Doppelfelder. Ratajski konnte diese Fehler für sich nutzen, verwandelte in der Doppel-16 und glich zum 1:1 in den Sätzen aus. Der Weltranglistenerste schwächelte nun massiv beim Double-Out und ließ auch zum Start des dritten Satzes zwei Chancen ungenutzt. Ratajski schaffte an dieser Stelle das Break, verpasste anschließend aber selbst drei enorm wichtige Möglichkeiten und brachte seinen Gegner dadurch zurück ins Spiel. Van Gerwen rebreakte mit einem 103er-Highfinish, legte ein ebenso wichtiges 82er-Checkout hinterher und benötigte nur ein Leg zum Sieg. Doch Ratajski gab sich noch nicht geschlagen, antwortete mit einem 14-Darter und sorgte für das alles entscheidende fünfte Leg. Dort zeigte der anwerfende van Gerwen seine Klasse, ließ bei eigenem Anwurf mit einem 15-Darter nichts anbrennen und bejubelte den knappen 2:1-Erfolg.

Im letzten Match des Abends standen sich Michael Smith und Dimitri Van den Bergh gegenüber. Der World Matchplay-Sieger eröffnete mit einem 13-Darter und profitierte anschließend davon, dass Smith knapp an 170 Restpunkten scheiterte. Da wenig später der Belgier allerdings selbst eine Chance zum Satzgewinn vergeben hatte, meldete sich Smith in diesem Satz doch noch mal zu Wort. Er zeigte einen 14- und einen 13-Darter und sorgte für das entscheidende fünfte Leg. Dort ließ Van den Bergh jedoch nichts zu, brillierte mit einem 11-Darter und sicherte auf diese Weise den ersten Durchgang. Zu Beginn des zweiten Satzes ließ Van den Bergh zwei Breakchancen liegen, machte diese Fehler allerdings auch umgehend wieder wett.

Da die beiden darauffolgenden Legs ebenfalls gerecht aufgeteilt wurden, ging es erneut in das Entscheidungsleg, welches Smith zwingend gewinnen musste, um im Turnier zu bleiben. Doch der „Bully Boy“ traf erst mit dem fünften Versuch das benötigte Doppelfeld und gab so die Kontrolle über das Leg ab. Van den Bergh baute sich schnell einen Vorsprung auf, zeigte als letzte Aktion ein 132er-Finish und machte den 2:0-Erfolg offiziell.

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