Dartsbuch

Van Duijvenbode und Price erreichen das Finale

Nach dem gestrigen Viertelfinale, bei dem Michael van Gerwen ausgeschieden war, war klar, dass der World Grand Prix im Jahr 2020 einen neuen Titelträger erleben würde. Vier Anwärter auf den Pokal waren noch im Rennen, sodass heute Abend das Halbfinale in den Startlöchern stand. Großer Favorit auf den Gesamtsieg war nun Gerwyn Price, der im zweiten Match des Sonntags auf den Vorjahresfinalisten Dave Chisnall traf. Im ersten Halbfinale standen sich sensationell Dirk van Duijvenbode und Simon Whitlock gegenüber. Gespielt wurde im Modus „Best of 7 Sets“.

Whitlock spielt nicht annähernd so gut wie gestern

Mit diesem Line-Up im Halbfinale konnte man im Vorfeld des Turniers wirklich nicht rechnen. Auf der einen Seite hatte sich Simon Whitlock knapp nicht qualifizieren können, profitierte dann aber vom unglücklichen Aus für Adrian Lewis und nutzte seine Chance beeindruckend. Insbesondere nach dem herausragenden Sieg gegen van Gerwen wollte der „Wizard“ alles dafür tun, um in sein zweites Grand Prix-Finale einzuziehen. Auf der anderen Seite stand Dirk van Duijvenbode, der als Nummer 72 der Welt drei Top-16-Profis nach Hause geschickt hatte und seinen Traum weiterleben lassen wollte. Der Niederländer erlebte einen Start nach Maß. Nach einem eröffnenden 89er-Finish spielte er zwei 16-Darter und holte sich so den ersten Durchgang zu Null. Whitlock reagierte auf seinen schwachen Start, indem er das Tempo herausnahm und sich vor und nach seinen Aufnahmen ungewöhnlich viel Zeit ließ. Dies schien Wirkung zu zeigen, so zielte der „Titan“ zu Beginn des zweiten Satz dreimal über die Doppel-20 und ermöglichte seinem Gegner so dessen erstes Erfolgserlebnis. Nachdem die nächsten beiden Legs gerecht aufgeteilt worden waren, vergab van Duijvenbode eine Möglichkeit, um den Decider herbeizuführen. Whitlock brachte stattdessen Sekunden später 92 Punkte auf Null und glich zum 1:1 aus.

Nach der zweiten Unterbrechung kehrte Whitlock zu einem normalen Tempo zurück, ließ kurz darauf jedoch zwei Breakdarts aus und startete im zweiten Leg mit sieben Fehlern. Van Duijvenbode holte sich an diese Stelle das Break, konnte dieses trotz einiger Schwierigkeiten auch bestätigen und ging insgesamt mit 2:1 in Führung. Es folgte der vierte Durchgang, in dem van Duijvenbode mit einem herausragenden 10-Darter vorlegte. Der „Wizard“ meldete sich anschließend nach längerer Zeit wieder zu Wort, als er mit einem 68er-Finish rebreakte. Doch van Duijvenbode drückte wieder aufs Gaspedal, zeigte in der Folge einen 15- und einen 13-Darter und hatte seinen Vorsprung auf 3:1 erhöht. Von Whitlock kam insgesamt viel zu wenig, er schaffte es nicht mehr, sich nochmal ernsthaft gegen die drohende Niederlage zu stemmen. Dagegen machte van Duijvenbode seine Sache weiterhin richtig gut, schnappte sich auch die ersten beiden Legs des fünften Satzes und war mit einem Bein bereits im Ziel. Der Niederländer ließ sich jetzt auch nicht mehr davon abbringen und machte mit einem starken 12-Darter alles klar. Dirk van Duijvenbode gewann das erste Halbfinale mit 4:1 und stand sensationell im Endspiel des World Grand Prix.

Chisnall kämpft sich toll zurück und vergibt dann drei Matchdarts

Dave Chisnall hatte in den letzten beiden Runden großen Kampfgeist gezeigt, als er zweimal einen 0:2-Rückstand drehen konnte. Heute wollte der Engländer einen Fehlstart möglichst vermeiden und genau wie im letzten Jahr den Einzug ins Endspiel schaffen. Im Weg stand ihm dabei niemand geringeres als Gerwyn Price, der seine Favoritenrolle als Nummer drei der Welt unter Beweis stellen wollte. Beide Profis begannen mit jeweils einem 14-Darter, ehe Chisnall seine ersten beiden Breakdarts ungenutzt ließ. Price rettete seinen Anwurf nach einigen Problemen auf der Doppel-2. Letztlich musste dieser Auftaktsatz ins entscheidende fünfte Leg, wo der „Iceman“ mit einem 13-Darter erfolgreich war. Nach der Unterbrechung konnte Price fünf Breakdarts nicht verwerten, was „Chizzy“ wohlwollend zur Kenntnis nahm. Er kam kurz darauf selbst per 13-Darter zum Break und machte seinen ersten Satzgewinn mit einem 86er-Finish via 18, Doppel-18 und Doppel-16 perfekt. Chisnall spielte in dieser Phase ein sehr hohes Niveau und zeigte im dritten Durchgang Checkouts in Höhe von 130 und 88 Punkten. Price hatte kurz zuvor zwei Breakdarts ausgelassen, hielt nun aber wieder dagegen. Unter Druck gelang ihm im vierten Leg dieses Satzes ein 104er-Highfinish, sodass der Durchgang über die volle Distanz ging. „Chizzy“ ließ in dieser Situation einen Setdart liegen, Price traf die Doppel-6 mit dem letzten Dart in der Hand und brachte sich selbst wieder mit 2:1 in Front.

Der Waliser erhöhte jetzt die Schlagzahl, sorgte im vierten Satz per 14-Darter für ein schnelles Break, doch Chisnall antwortete ohne zu Zögern mit einem 122er-Finish auf dem Bullseye. Price ließ sich davon nicht beeindrucken und produzierte sofort das nächste Break, konnte eine Möglichkeit zum Satzgewinn aber nicht nutzen. Chisnall stellte sich mit 113 Rest vors Oche, checkte auf der Doppel-18 und sorgte für das nächste Entscheidungsleg. Erneut war Price in diesem wichtigen Moment zur Stelle, benötigte nur 13 Würfe und lag dadurch insgesamt mit 3:1 vorne. Mit einem 104er-Finish im Auftaktleg des fünften Satzes rückte Price dem Finaleinzug wieder ein Stückchen näher, doch der Weltranglistenzehnte ging mit einem eigenen 12-Darter dazwischen. Da Price in diesem Moment etwas nachgelassen hatte, konnte Chisnall mit zwei 16-Dartern in Folge den Satz zu seinen Gunsten entscheiden. Der Engländer, der in den letzten beiden Runden Erfahrungen mit Rückständen gesammelt hatte, war nur noch mit 2:3 im Hintertreffen. Nachdem es im sechsten Durchgang ausgeglichen losgegangen war, zeigte Chisnall ein 104er-Highfinish, ehe er registrierte, wie Price zwei Chancen auf Doppel vergab. Chisnall blieb seinerseits auf der doppelten 10 fehlerfrei und hatte für den 3:3-Satzausgleich gesorgt. Somit musste der alles entscheidende siebte Satz absolviert werden, wo Price gleich vier weitere Möglichkeiten zu einem Leggewinn ausließ. „Chizzy“ schaffte dementsprechend das Break, doch Price zeigte mit einem 130er-Bullfinish eine großartige Reaktion. Der Waliser schien sich nun wieder gefangen zu haben und war nach einem 69er-Checkout soweit, als dass ihm nur noch ein Leg zum Sieg fehlte. Chisnall brachte seinen Anwurf auf der doppelten 1 ebenfalls durch, die Partie wurde dadurch erst im alles entscheidenden Sudden Death-Leg entschieden. Hier wurde es jetzt richtig dramatisch: Chisnall scorte großartig und hatte nach neun Würfen 68 Punkte übrig, konnte in der Folge aber drei Matchdarts nicht ausnutzen. Price hatte sich selbst auf 56 Zähler heruntergespielt, versenkte seinen ersten Matchdart im Ziel und setzte sich am Ende doch noch mit 4:3 durch.

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