Dartsbuch

Van Gerwen revanchiert sich für die WM-Final-Niederlage

Im schottischen Aberdeen startete die Premier League of Darts in ihre 16. Saison. Dabei wurden von den PDC-Verantwortlichen neben den neun regulären Teilnehmern wie im letzten Jahr auch neun Challenger nominiert. In Aberdeen war dies erneut John Henderson, der gegen Debütant Nathan Aspinall einen klaren Heimvorteil genoss. Eröffnet wurde die neue Spielzeit von Michael Smith und Glen Durrant, ehe Rückkehrer Gary Anderson auf Daryl Gurney traf und dabei ebenfalls ein Heimspiel hatte. Im Anschluss durften sich alle Zuschauer auf die Neuauflage des WM-Finals zwischen Peter Wright und Titelverteidiger Michael van Gerwen freuen. Im letzten Match des ersten Spieltages duellierten sich noch Gerwyn Price und Rob Cross. Wie üblich wurden die Premier-League-Spiele im Modus „best of 12 Legs“ ausgetragen.

Traumstart für Durrant, Heimsieg für Anderson

Durch ein starkes erstes PDC-Jahr (drei große Halbfinals, WM-Viertelfinale) verdiente sich Glen Durrant seine Berufung in die Premier League. Sein erstes Match bestritt er dabei gegen Michael Smith. Der „Bully Boy“ eröffnete den Donnerstagabend mit einem 13-Darter, ließ in den beiden nachfolgenden Legs allerdings je eine Möglichkeit liegen. Den daraus resultierenden Rückstand konnte Smith aber mit einem starken 11-Darter egalisieren. Doch Durrant gelang wenig später mit einem 13-Darter die sofortige Reaktion; da er dieses Break per 14-Darter bestätigte, lag er nun mit 4:2 vorne. Auch weil Smith im nun folgenden siebten Leg zwei Darts am äußeren Ring vorbeisetzte, schnappte sich „Duzza“ das nächste Break und ließ sich auch nicht davon stören, dass Smith mit einem 74er-Finish konterte. Der dreifache BDO-Weltmeister spielte einige Minuten später seinerseits einen 13-Darter und hatte den ersten Punkt bereits in der Tasche. Den Sieg holte sich Durrant dann ohne Probleme, er nutzte seinen ersten Matchdart und sicherte durch das 7:3 die ersten beiden Zähler.

Michael Smith 3:7 Glen Durrant
95,41 Average 95,01
2 180s 1
84 High Finish 96
0 100+ Checkouts 0
3/8 Finishing 7/9

Nachdem er die Premier League 2019 aufgrund von Rückenproblemen absagen musste, war Gary Anderson nun zurück im Teilnehmerfeld. Im Match gegen Daryl Gurney wurde er dabei von 7.000 schottischen Fans lautstark angefeuert. Die Anfangsphase dieser Partie verlief ohne wirkliche Höhepunkte. Beide Akteure konzentrierten sich auf die eigenen Anwurflegs und brachten diese auch erfolgreich nach Hause. So schaffte es Gurney beispielweise im sechsten Leg, mit einem 80er-Checkout auf 3:3 auszugleichen. Erst als der „Flying Scotsman“ kurz darauf dreimal außen an der Doppel-10 vorbeiwarf, bot sich für Gurney eine Gelegenheit. Diese konnte der Nordire mit einem 72er-Finish auf der Doppel-6 auch wahrnehmen.

Ein Leg später unterliefen „Superchin“ jedoch gleich acht Fehlwürfe auf diverse Doppelfelder, wodurch letztlich Anderson profitierte. Nachdem Gurney jedoch umgehend rebreakte, hatte er eine Möglichkeit, um einen sicheren Punktgewinn klarzumachen, verfehlte Tops aber sehr deutlich. Anderson spielte seinerseits einen 13-Darter und läutete mit dem 5:5-Ausgleich seinen starken Schlussspurt ein. Der Schotte glänzte mit zwei 12-Dartern in Folge und beendete das Match mit einem 104er-Highfinish. So freute sich Anderson unterm Strich mit den Fans in Aberdeen über den 7:5-Erfolg.

Gary Anderson 7:5 Daryl Gurney
94,71 Average 91,65
3 180s 2
104 High Finish 80
1 100+ Checkouts 0
7/18 Finishing 5/21

Das Aufeinandertreffen von Michael van Gerwen und Peter Wright hat eine bewegte Vergangenheit. Nachdem der Niederländer seinen Rivalen in diversen großen Endspielen bezwungen hatte, revanchierte sich Wright bei der WM. Dort ließ er van Gerwen im Finale keine Chance und sicherte sich den größten Erfolg seiner Laufbahn – beim Masters konnte der Schotte kürzlich den nächsten Titel nachlegen. Mit einem 80er-Finish erzielte „Snakebite“ frühestmöglich ein Break, welchem er ein 120er-Highfinish hinzufügte. Diesen hervorragenden Beginn konnte er jedoch nicht aufrechterhalten, als er in den nächsten drei Legs insgesamt acht Pfeile an den Doppelfeldern vorbeisetzte. Stattdessen holte sich van Gerwen mit einem 106er-Finish zunächst sein erstes Erfolgserlebnis, glich kurz darauf per 13-Darter aus und übernahm mit einem eigenen 120er-Checkout sogar die Führung.

Erst als dem Weltranglistenersten im sechsten Leg der erste Fehlwurf auf Doppel unterlief, konnte Wright wieder dazwischengehen. Nachdem beide Profis in den nächsten Minuten je einen 13-Darter zeigten, war die Partie mit dem 4:4 weiter völlig offen. Van Gerwen glänzte anschließend mit einem 144er-Finish, doch Wright setzte kurz darauf unter Druck noch einen drauf und verteidigte sein Anwurfleg dank eines 157er-Checkouts. „Mighty Mike“ blieb davon unbeeindruckt und sicherte sich mit einem 14-Darter den ersten Punktgewinn. Wright hatte in dieser Situation keine Antwort mehr auf Lager und musste die Niederlage eingestehen. Van Gerwen warf zum Abschluss noch ein viertes Highfinish – diesmal 106 Punkte – und erlebte mit dem 7:5 einen erfolgreichen Turnierstart.

M. van Gerwen 7:5 Peter Wright
104,13 Average 97,71
4 180s 4
144 High Finish 157
4 100+ Checkouts 2
7/9 Finishing 5/14

Henderson mit enttäuschender Leistung

Unvergessen sind die Bilder, als John Henderson am 7. März 2019 seinen Walk-On in Aberdeen bestritt. Beflügelt von einer unglaublichen Atmosphäre trotzte der „Highlander“ damals van Gerwen ein Unentschieden ab. Heute wollte Henderson gegen Nathan Aspinall ähnliches vollbringen – natürlich erneut mit Unterstützung der Zuschauer. Beide Spieler taten sich zu Beginn extrem schwer und schwächelten beim Scoring. Die erste Breakmöglichkeit erhielt Henderson, der im dritten Leg aber ganz knapp am Bullseye vorbeiwarf. Auf der anderen Seite erhielt Aspinall einige Momente später sogar zwei Breakdarts, setzte beide aber außen an der Doppel-16 vorbei. „The Asp“ holte sich aber sofort die Führung zurück und konnte die Schwäche seines Gegners kurz darauf erstmals auch für sich nutzen: er erwischte die Doppel-6 und erhöhte seinen Vorsprung durch dieses Break auf 4:2. Mit einem 13-Darter gelang Aspinall anschließend das bisher beste Leg. Nachdem sich Henderson sein insgesamt drittes Leg gesichert hatte, zeigte Aspinall ein großartiges 170er-Finish, mit dem er für die Vorentscheidung sorgte. So ging auch das nächste Leg an den Engländer, der sich in einer über weite Strecken schwachen Partie mit 7:3 durchsetzte.

Nathan Aspinall 7:3 John Henderson
89,19 Average 81,93
2 180s 2
170 High Finish 60
1 100+ Checkouts 0
7/15 Finishing 3/5

Im letzten Match des Abends duellierten sich mit Gerwyn Price und Rob Cross zwei Profis aus den Top-4 der Weltrangliste. Price eröffnete die Begegnung mit einem 72er-Finish, doch auch „Voltage“ konnte sein erstes Anwurfleg durchbringen. Weil der Waliser im dritten Leg zweimal außen an der Doppel-10 vorbeizielte, konnte Cross anschließend für das erste Break der Partie sorgen, kassierte aber schon wenige Momente später das Rebreak. Price drückte nun auf das Gaspedal, übernahm mit einem 13-Darter zunächst selbst wieder die Führung und setzte dann ein echtes Highlight: mit einem 124er-Bullfinish zum Abschluss eines 12-Darters baute er seinen Vorsprung aus.

Cross konnte jedoch sofort verkürzen, profitierte anschließend von drei Fehlwürfen seines Konkurrenten und stellte durch das 4:4 wieder Parität her. Kurz darauf hätte Price beinahe 146 Zähler auf Null gebracht, scheiterte jedoch an der Doppel-13. Der Weltmeister von 2018 warf selbst einen 13-Darter und sicherte sich auf diese Weise ein drittes Leg in Serie; als er ein Leg später ein 100er-Highfinish zeigte, hatte er den ersten Punkt bereits eingefahren. Der „Iceman“ meldete sich dann mit einem 130er-Finish auf der doppelten 5 nochmal zu Wort und schaffte tatsächlich auch, das von Cross begonnene finale 12. Leg für sich zu entscheiden. Mit einem Treffer in der doppelten 20 besiegelte Price das 6:6-Unentschieden.

Gerwyn Price 6:6 Rob Cross
95,86 Average 100,10
2 180s 3
130 High Finish 100
2 100+ Checkouts 1
6/13 Finishing 6/10

Die Tabelle nach dem ersten Spieltag wird von den beiden Debütanten Durrant und Aspinall angeführt, ehe die beiden anderen Sieger van Gerwen und Anderson folgen. Cross und Price liegen nach der Punkteteilung auf den Plätzen fünf und sechs. Nach den knappen Niederlagen ordnen sich Gurney und Wright dahinter ein, Tabellenletzter ist Smith. Der zweite Spieltag wird in sieben Tagen in Nottingham stattfinden, wo Fallon Sherrock als Challengerin Durrant herausfordern wird.

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