Dartsbuch

Glen Durrant gewinnt die Premier League 2020

An diesem Donnerstagabend Mitte Oktober wurde eine sehr ungewöhnliche Premier League-Saison beendet: in der Ricoh-Arena in Coventry wurden die Play-Offs ausgetragen. Teilnehmer waren die vier Spieler, die an den 16 Spieltagen zwischen Februar und September die meisten Punkte gesammelt hatten. Der Tabellenerste Glen Durrant traf im ersten Halbfinale auf Gary Anderson, im zweiten Match standen sich Peter Wright und Nathan Aspinall gegenüber. Die beiden Halbfinals wurden im Modus „Best of 19 Legs“ gespielt, im daran anschließenden Endspiel ging es über „Best of 21 Legs“.

Anderson und Wright scheitern vorzeitig

Mit seiner abschließenden Platzierung hatte Glen Durrant Geschichte geschrieben: als erster Spieler, der nicht Michael van Gerwen oder Phil Taylor heißt, wurde er Tabellenerster. Doch für das heutige Duell mit Gary Anderson spielte das keine Rolle mehr. Beide Spieler starteten schwach, konnten ihr jeweils erstes Anwurfleg aber nichtsdestotrotz nach Hause bringen. Nachdem „Duzza“ dies auch im dritten Leg gelungen war, schaffte er wenig später das Break, was vor allem daran lag, dass sein schottischer Gegner sieben Pfeile an Doppelfeldern vorbeigeworfen hatte. Anderson antwortete zwar mit dem direkten Rebreak, setzte anschließend jedoch zwei weitere Darts an Doppeln vorbei. Durrant war Sekunden später mit einem 74er-Finish zur Stelle und erhöhte begünstigt durch den nächsten Fehler seines Konkurrenten sogar auf 5:2. Der „Flying Scotsman“ kam mit einem 124er-Finish auf der Doppel-11 zu seinem Rebreak, konnte den Anwurf von Durrant im neunten Leg aber nicht gefährden. Der Engländer hatte sich in diesem Durchgang zunächst bei 136 Punkten überworfen, weil er statt der Doppel-8 die Doppel-16 erwischte, war letztlich aber doch erfolgreich. Das letzte Leg vor der Unterbrechung ging per 84er-Finish an Anderson, der noch immer mit 4:6 in Rückstand war.

Zurück auf der Bühne breakte der Doppelweltmeister mit einem 120er-Highfinish und vollbrachte in der Folge mit einem 80er-Checkout den 6:6-Ausgleich. Obwohl die nächsten beiden Legs fair aufgeteilt worden waren, war festzustellen, dass Anderson sein Niveau angehoben hatte. Mit 15 und 13 Würfen entschied er die nächsten beiden Legs ebenfalls für sich und stand ganz kurz vor der Ziellinie. Doch Durrant zeigte einmal mehr seine Kämpfernatur, überlebte einen Matchdart und sorgte selbst mit Checkouts von 113 und 64 Punkten – beide waren unter hohem Druck zustande gekommen – für das Entscheidungsleg. Dort konnte Anderson drei weitere Matchdarts nicht verwerten und bekam nach dem Fehlwurf auf die Doppel-8 keine weitere Möglichkeit mehr. Durrant traf die Doppel-10 und erreichte bei seinem Premier League-Debüt gleich das Endspiel.

Glen Durrant 10:9 Gary Anderson
86,10 Average 87,82
2 180s 4
113 High Finish 124
1 100+ Checkouts 2
10/19 Finishing 9/27

Dort wollten nun auch Peter Wright und Nathan Aspinall hin. Beide hatten einen enttäuschenden World Grand Prix hinter sich und waren nach dem dortigen Erstrundenaus heute auf Wiedergutmachung aus. „Snakebite“ leistete sich im Auftaktleg sechs Fehlwürfe auf diverse Doppelfelder und kassierte frühestmöglich ein Break, profitierte anschließend aber selbst von vier gegnerischen Fehlern und holte sich dieses sogleich zurück. Dies gab dem amtierenden Weltmeister Auftrieb, und er sammelte mit einem 14- und einem 12-Darter zwei weitere Legs ein. Aspinall antwortete mit einem 76er-Finish, nutzte im sechsten Durchgang zwei Patzer des Schotten und glich auf 3:3 aus. Nachdem die nächsten beiden Legs gerecht aufgeteilt worden waren, startete Aspinall mit zwei 180ern ins darauffolgende Leg. Auch der siebte Pfeil steckte perfekt in der Triple-20, erst der achte verfehlte die dreifache 19, sodass „The Asp“ letzten Endes mit einem 11-Darter Vorlieb nehmen musste. Nachlegen konnte der Weltranglistensechste mit einem 138er-Highfinish zum Abschluss eines 12-Darters, sodass er zu diesem Zeitpunkt mit 6:4 führte.

Nach der Unterbrechung verkürzte Wright mit einem 126er-Checkout, doch Aspinall hielt weiter dagegen und stellte den vorherigen Abstand auf der Doppel-8 wieder her. Analog dazu liefen auch die beiden nachfolgenden Legs ab: Wright verringerte seinen Rückstand, Aspinall reagierte darauf mit einem sehenswerten 141er-Finish. Da auch die nächsten beiden Legs ohne Breaks vonstattengegangen waren, benötigte Aspinall beim Stand von 9:7 nur noch ein einziges Erfolgserlebnis. Dieses Ziel hatte der Engländer schnell erreicht, er zeigte noch einen 13-Darter und machte so den Finaleinzug perfekt.

Nathan Aspinall 10:7 Peter Wright
95,67 Average 94,02
5 180s 3
141 High Finish 126
2 100+ Checkouts 1
10/24 Finishing 7/20

Aspinall lässt viel zu viele Chancen liegen

Somit trafen nun zwei Premier League-Debütanten im großen Endspiel aufeinander. Während der dreifache BDO-Weltmeister Glen Durrant in seinem ersten PDC Major-Finale stand, wollte Nathan Aspinall alles dafür tun, um zum zweiten Mal einen großen Titel zu gewinnen. „The Asp“ ließ im Auftaktleg eine Breakchance liegen und gewann sein erstes Leg dementsprechend erst einige Minuten später. Die nächsten beiden Durchgänge wurden ebenfalls gerecht aufgeteilt, ehe Aspinall zwei weitere Breakdarts ausließ. Durrant bedankte sich und holte sich auf der Doppel-5 die Führung zurück, vergab im Anschluss daran aber seinerseits eine Möglichkeit, um diese auch auszubauen. Vergleichbar dazu gestaltete sich die Situation auch einige Zeit später: Aspinall hatte im neunten Leg erneut zwei Möglichkeiten zu einem Break, warf jedoch zweimal sehr deutlich über die Doppel-20. Diesen Fehler konnte der Weltranglistensechste allerdings mit einem 13-Darter korrigieren, sodass es zur Pause 5:5-Unentschieden stand.

Nach Unterbrechung bot sich zunächst das gleiche Bild. „Duzza“ brachte sich erneut in Führung, konnte zwei Breakmöglichkeiten jedoch wieder nicht verwerten – Aspinall löschte 100 Zähler in diesem Moment sehr souverän. Das erste Break gab es dann erst im 14. Leg zu beobachten. Aspinall warf fünffach am äußeren Ring vorbei und machte es Durrant so sehr einfach, seinen Vorsprung auf 8:6 auszubauen. Aspinall ließ wenig später die nächste Möglichkeit liegen, was von Durrant mit einem ganz starken 127er-Finish bestraft wurde. Aspinall verringerte seinen Rückstand zwar sofort mit einem 96er-Checkout, doch Durrant blieb bei eigenem Anwurf wenig später fehlerfrei und war mittlerweile soweit, als dass ihm nur noch ein Leg zum Weiterkommen fehlte. Aspinall sicherte sich zwar noch ein Leg, doch Durrant ließ sich den Sieg jetzt nicht mehr nehmen: sein vierter Matchdart steckte in seiner favorisierten Doppel-16. Glen Durrant gewinnt die Premier League nach einem 11:8-Sieg im Finale und wird für seinen ersten großen PDC-Titel mit 250.000 Pfund belohnt.

Glen Durrant 11:8 Nathan Aspinall
91,84 Average 92,15
4 180s 8
127 High Finish 100
1 100+ Checkouts 1
11/31 Finishing 8/33

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