Mensur Suljovic muss die Premier League verlassen

Der neunte Spieltag der Premier League Darts 2018 war die sogenannte „Judgement Night“ – für zwei Spieler war dies vorerst der letzte Auftritt in der Premier League. Die Ausgangslage im Vorfeld des Spieltags in Liverpool war dabei ziemlich unkompliziert – offen war nur, ob Mensur Suljovic oder Peter Wright das Turnier verlassen müsste. Gerwyn Price war rechnerisch bereits ausgeschieden und eröffnete den Abend gegen Simon Whitlock. Danach folgten zwei an diesem Spieltag weniger im Fokus stehende Partien zwischen Raymond van Barneveld und Michael Smith sowie Gary Anderson und Rob Cross. Richtig spannend wurde es im Anschluss, Mensur Suljovic musste gegen Michael van Gerwen in jedem Fall punkten, je nach Ergebnis dieser Partie stand Peter Wright zum Anschluss des Abends gegen Daryl Gurney entweder unter hohem oder unter gar keinem Druck.


Brillanter Smith vernichtet van Barneveld

Für Gerwyn Price endete seine Debütsaison in der Eliteliga des Darts in Liverpool, das stand in jedem Fall schon fest. Offen war dagegen, ob sich der „Iceman“ gegen Simon Whitlock versöhnlich verabschieden und seinen ersten Sieg überhaupt feiern durfte. Dass das ganze Spiel von Doppelfehlern geprägt werden sollte, zeigte sich bereits im ersten Leg. Whitlock vergab drei Chancen, da Price aber einen Breakdart liegen ließ kam der Australier doch zum ersten Leg. Mit einem sicheren 15-Darter konnte der Waliser ausgleichen, ein unfassbares Leg folgte darauf. Da Price so gut wie keine Triplefelder traf, spielte sich Whitlock schnell nach vorne. Er vergab jedoch insgesamt dreizehn (!) Versuche auf die Doppelfelder. In der Zwischenzeit war auch Price vorgerückt, verpasste allerdings seinerseits vier Würfe zum Break; Whitlock traf schließlich die Doppel-10 zum 26-Darter. Dies offenbarte das schwache Niveau des Spiels, beide trafen zu dieser Zeit so gut wie überhaupt keine Triplefelder, bei Price mischten sich zudem auch viele Bounceouts unter. Nachdem Whitlock zunächst auf 3:1 stellen konnte, schaffte er per 23-Darter auch das 4:1, erneut hatte der Waliser nicht auschecken können.

Gleich der erste Versuch auf der Doppel-20 saß dann im sechsten Leg, sodass Price auf 2:4 stellen konnte. Ein erneut katastrophales Leg beider brachte Price, der hierfür erneut 23 Pfeile brauchte, sein drittes Leg. Nach dieser Situation schaffte es der „Wizard“, sich aus dem Tief herauszuarbeiten. Aus heiterem Himmel spielte er einen 12-Darter inklusive 164er-Finish, welchem er einen 13-Darter zum 6:3 und dem sicheren Unterschieden nachlegen konnte. Bei 106 Restpunkten warf Price dann im zehnten Leg seinen letzten Pfeil in der Premier League und verpasste Tops ziemlich deutlich. Whitlock tütete den 7:3-Sieg ein, über mehr darf er sich aber auch nicht freuen. Am Ende steht eines der schlechtesten Spiele der Premier-League-Geschichte; Whitlock gewann mit seinem Average von knapp 82 Punkten und seiner Doppelquote von 23 Prozent (sieben Treffer aus 30 Würfen) nur deshalb, weil Price mit seinem Average von knapp 77 Punkten und der Doppelquote von 17 Prozent (drei Treffer aus 18 Versuchen) noch schlechter war.

Den Blick eher schon in Richtung Playoffs werfen konnte man bei der Partie von Raymond van Barneveld und Michael Smith. Beide haben die erste Phase sicher überstanden, sodass dieses Match mit dem Ausgang der Judgement Night nichts zu tun haben würde. Weil der Niederländer im ersten Leg einen Dart auf Tops nicht zu nutzen wusste schaffte Smith per 86er-Checkout auf dem Bullseye sofort ein Break, welchem er ohne Probleme das 2:0 nachlegen konnte; „Barney“ punktete in der Anfangsphase nicht gut genug. Dies änderte sich im dritten Leg, als van Barneveld mit Scores von 140 und 180 eröffnete. Da er wenig später jedoch viermal auf Doppelfelder patzte gab der „Bully Boy“ sich bei 70 Rest überhaupt keine Blöße und brachte 70 Zähler mit zwei Pfeilen zum 3:0 auf null.

Ein 14-Darter trotz nur knapp verpassten 170er-Checkouts ließ den Vorsprung des Engländers anwachsen. Jetzt war Smith natürlich voll in Fahrt und legte mit einem 13-Darter ein weiteres Break zum 5:0 nach, auf der anderen Seite musste van Barneveld mittlerweile aufpassen, nicht den ersten Whitewash der Saison zu kassieren. Genau das wollte er auch verhindern und stellte sich im sechsten Leg nach zwölf Darts 16 Rest. Smith hatte jedoch ganz andere Pläne und checkte 116 Punkte zum 6:0 aus. Per 76er-Checkout im siebten Leg gelang Smith es dann tatsächlich, die Höchststrafe für seinen Gegner zu vollenden. Mit einem Average von über 103 Punkten und sieben Treffer aus acht Versuchen auf Doppelfeldern gelingt dem Tabellenzweiten eine sensationelle Performance, während van Barneveld bei fünf Versuchen keinen Dart im Doppelfeld unterbrachte und den ersten Whitewash seiner Premier-League-Geschichte überhaupt hinnehmen musste.


Cross mit Premierensieg über Anderson

Es gibt nicht viele Spieler, die gegen den Weltmeister Rob Cross noch nicht verloren haben. Gary Anderson kann dies allerdings schon von sich behaupten, schließlich ging er aus allen bisherigen fünf Begegnungen als Sieger hervor. Ein Fehler auf der Doppel-20 kostete Anderson das erste Leg; der Weltmeister schaffte es auch auf 2:0 zu stellen, in diesem Fall hatte Anderson vier Mal auf Doppel gepatzt. Im dritten Leg steckte endlich ein Pfeil des Schotten im gewünschten Doppelfeld und er verkürzte auf 1:2. Dass Anderson im Anschluss daran auf 2:2 stellen konnte hatte er vor allem dem schwachen Scoring seines Gegners und einem eigenem 82er-Finish zu verdanken. Ein Fehler des „Flying Scotsman“ auf Tops im fünften Leg sorgte dafür, dass Cross das sofortige Rebreak und die erneute Führung produzieren konnte.

Im Grunde punktete Anderson besser als sein Gegner, verpasste allerdings immer wieder Doppelfelder, so auch im sechsten Leg. Weil dieses Mal auch „Voltage“ zwei Möglichkeiten ausließ kam der Schotte doch zum neuerlichen Break und dem 3:3-Ausgleich. Ein ähnliches Bild wie eben zeigte sich auch im siebten Leg. Anderson verpasste haarscharf die Doppel-12 für ein 144er-Checkout, Cross konnte ihn dafür bestrafen, indem er 67 Punkte für ein weiteres Break auslöschte. Dieses Mal gelang es dem Weltranglistendritten allerdings, dieses Break per 14-Darter zu bestätigen. Auf der Doppel-20 schaffte es nach längere Zeit auch Anderson mal wieder, sich das selbst begonnene Leg zu greifen, 4:5 lautete der Spielstand jetzt aus seiner Sicht. Ein 155er-Finish hätte Anderson den Ausgleich eingebracht, doch er verfehlte die abschließende Doppel-19. Stattdessen versenkte Cross seinen Dart in der doppelten 4 und hatte sich mit seinem sechsten Leggewinn bereits einen Punkt gesichert. Per 13-Darter brachte Anderson den eigenen Anwurf ohne Schwierigkeiten nach Hause, sodass ein zwölftes Leg über den Spielausgang entscheiden musste. Cross durfte dieses beginnen und startete mit Scores von 100, 100 und 180. Anderson kam da nicht mehr hinterher, ein Treffer in der Doppel-16 brachte dem Weltmeister seinen ersten Sieg gegen Anderson und einen wichtigen Erfolg im Kampf um die Playoff-Plätze ein.

Einn absolutes Schlüsselspiel folgte im Anschluss. Mensur Suljovic musste unbedingt mindestens unentschieden spielen, eine Niederlage würde sein Aus bedeuten. Bei diesem Vorhaben musste der Wiener es ausgerechnet mit dem Tabellenführer Michael van Gerwen aufnehmen. Mensur durfte zwar den ersten Pfeil des Spiels werfen, doch es war van Gerwen, der mit sechs perfekten Pfeilen begann und schließlich 76 Punkte zum Break auslöschte. Mit 100 Punkte startete der Weltranglistenerste ins zweite Leg, Mensur gelang sein erstes Maximum. Van Gerwen konterte dies angemessen mit einer 180, ehe „The Gentle“ noch eine perfekte Aufnahme gelang und auf Kurs 9-Darter war. Van Gerwen legte eine weitere 180 nach, doch Mensur war zuerst dran. Leider landete der siebte Pfeil um Millimeter in der dreifachen 5. Weil van Gerwen allerdings viermal auf Doppel patzte gelang es Mensur, sich dieses hochklassige Leg zu holen, er schaffte auf diese Weise das Rebreak. Ein 15-Darter brachte Mensur das 2:1, van Gerwen konnte im Anschluss daran allerdings ohne größere Schwierigkeiten den Gleichstand stellen.

Zwei Fehler auf Doppel bei 75 Restpunkten kosteten den Österreicher dann auch noch das fünfte Leg, van Gerwen schaffte das Break zum 3:2. Auf der doppelten 14 konnte der Titelverteidiger auch seinen vierten Leggewinn nachlegen und Mensur war gezwungen, das eigenem Niveau anzuheben. Dies gelang ihm im siebten Leg zwar nicht wirklich, weil van Gerwen jedoch sechs Mal an der Doppel-2 vorbeiwarf rettete Mensur das eigene Leg zum 3:4. Ein 75er-Checkout des Niederländers ein Leg später sorgte dafür, dass Suljovic für einen Sieg jetzt vier Legs in Folge würde holen müssen. Per 82er-Checkout gelang ihm zunächst das 4:5, er schaffte es allerdings nicht, diesem ein Break folgen zu lassen. Van Gerwen spielte einen 14-Darter zum 6:4, Mensur hatte jetzt keine andere Wahl, als zwei Legs nacheinander zu gewinnen. Schon im elften Leg des Spiels sollte dann allerdings alles vorbei sein. Van Gerwen spielte zwei 180er und vollendete den 7:4-Triumph mit einem 11-Darter. Der 106er-Average inklusive sagenhafter zehn 180er des Niederländers war am heutigen Tage einfach eine Nummer zu groß. Für Mensur Suljovic ist seine erste Premier-League-Saison nach neun Spielen beendet. Aus deutschsprachiger Sicht kann man hoffen, ihn im nächsten Jahr wiedersehen zu dürfen.

Für Peter Wright war fast alles vom Ergebnis des vorangegangenen Spieles abhängig, und aufgrund der Niederlage von Suljovic war der Druck von seinen Schultern abgefallen. Bei Daryl Gurney gestaltete sich die Situation dagegen von vorn herein entspannter. Lange Zeit selbst Kandidat für das Ausscheiden, schaffte er durch tolle Auftritte zwei Siege nacheinander und holte sich selbst aus der Bredouille. Zudem ist der Nordire am Donnerstagmorgen auch noch Vater geworden. Gurney kam nicht besonders gut ins Spiel und traf im ersten, selbst begonnenen Leg kaum Triplefelder, sodass Wright trotz sieben Fehlern auf Doppel breaken konnte. Besser machte es „Superchin“ im zweiten Leg, als er 121 Punkte auf dem Bullseye zum 12-Darter und dem umgehenden Rebreak ausmachen konnte.

Ein vergebener Pfeil auf genau dieses Feld kostete Gurney danach das dritte Leg, Wright checkte 96 zum 2:1. Ein Leg später war es „Snakebite“, der drei Mal auf Doppel patzte und seinem Gegner so den erneuten Ausgleich ermöglichte. Ein Leg später spielte Gurney einen 15-Darter und lag zum ersten Mal in Front, weil Wright im sechsten Leg ein perfekt gespieltes 100er-Highfinish präsentierte hielt diese Führung nicht lange. Ein ganz starker 11-Darter brachte dem Weltranglistenzweiten ein weiteres Break und seinen vierten Leggewinn ein, doch erneut konnte er nicht nachlegen und kassierte das sofortige Rebreak zum 4:4. Ein 82er-Finish von Gurney und das Spiel war erneut gedreht, schließlich war jetzt der Nordire mit 5:4 in Front. Ein 84er-Checkout des Schotten sorgte für das 5:5 und auch dafür, dass über die volle Distanz gespielt werden würde. Ein 13-Darter brachte Gurney zunächst das 6:5 und den sicheren Punktgewinn, ehe Wright per 15-Darter konterte und das 6:6-Unentschieden besiegelte.

Kampf um die Playoffs beginnt in Sheffield

Da die drei Spitzenspieler der Tabelle allesamt gewonnen haben, verändert sich in dieser Region nichts: van Gerwen führt vor Smith und Cross. Whitlock besetzt den letzten Playoff-Platz, während Anderson und Gurney mit jeweils neun Punkten auf den Plätzen fünf und sechs liegen. Van Barneveld hat einen Punkt weniger; und Wright rettet sich auf dem achten Platz in die zweite Turnierphase. Suljovic mit vier und Price mit zwei Punkten verlassen die Premier League nach der Judgement Night.

Der nächste Spieltag wird am nächsten Donnerstagabend in Sheffield stattfinden. Welche Begegnungen dort absolviert werden, wird noch bekannt gegeben.

Während des letzten Spiels zwischen Gurney und Wright wurde bekannt, dass Eric Bristow am Abend im Alter von 60 Jahren verstorben war. Bristow war fünfmaliger Weltmeister in den 80er-Jahren und Gründungsmitglied der späteren PDC. Noch während des letzten Spiels stimmte das Publikum Gesänge auf den „Crafty Cockney“ an.

Alexander Kuck

Premier League Darts


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