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Kann man Siegen lernen?

Am 18. Mai 2017 kam es zu einem denkwürdigen Finale der "Premier League Darts". Während 15 Spieltagen hatte Peter Wright eine überzeugende Leistung gezeigt und sich seinem bisherigen Angstgegner, dem Ausnahmespieler Michael van Gerwen, als nahezu ebenbürtig erwiesen. Im Finale trafen beide direkt aufeinander: Wright erwischte den besseren Start, führte schnell mit 7:2 und schien den Sieg bereits gebucht zu haben, als van Gerwen in gewohnter Manier mit enormem Willen und Präzision zur Aufholjagd blies und das 8:8 erzwang. Anders als schon so oft, hielt Peter Wright diesmal jedoch dem Ansturm stand, zog seinerseits auf 10:9 davon und hatte schließlich nur noch einen Dart ins Ziel zu bringen, als er an dieser relativ leichten Aufgabe unfassbare 6 mal in Folge scheiterte. Demoralisiert konnte er nur noch zusehen, wie sein Kontrahent, der sieggewohnte Weltmeister, die Trophäe errang, die seinen Händen bereits näher als irgend möglich gewesen war. Manchem Zuschauer mag sich dabei die Frage gestellt haben:

Kann man Siegen lernen?


Der Sieg begleitet den Spieler fast von Anbeginn. Der Charakter dieses vordergründigen Spielziels [1], verändert sich jedoch mit wachsender Spielerfahrung: Ereignen sich Siege zunächst nur sporadisch und nahezu willkürlich, werden sie mit gereiftem Spielvermögen buchstäblich erwartet. Die Zahl der Gegner, die eine solche Erwartung gerechtfertigt erscheinen lassen, ist naturgemäß ansteigend, bis bestenfalls ein Niveau erreicht ist, welches den Sieg als normalen Ausgang des Spiels erscheinen lässt – reine Gewohnheit also.

Man kann es etwas überspitzt auch so ausdrücken: Der Spieler trifft entweder auf Gegner, die zu besiegen er sich erwartet, oder auf solche, von denen er das Gegenteil annimmt. Je größer technisches Vermögen und Erfahrung, desto leichter fällt es, an den Sieg zu glauben und desto häufiger tritt er auch ein. So wird das Ego durch errungene Erfolge bestärkt, so hilft ein stärkeres Ego beim Sammeln weiterer Erfolge – ein sich selbst verstärkender Prozess.

Freilich bleiben immer Gegner, die kaum zu bezwingen sind. Nimmt ein Spiel gegen diese einen überraschend guten Verlauf, beschleicht den Spieler unwillkürlich ein Empfinden der Einmaligkeit des Ereignisses, ein Zweifel an der Wiederholbarkeit der Situation. Es liegt auf der Hand, dass diese Gedanken den erfolgreichen Ausgang nicht eben fördern und ein wesentlicher Grund dafür sind, dass der Sieg sich dann doch nicht einstellt.

Kann man darauf vorbereitet sein?

Der Wettbewerb ist ein Lernprozess, bei dem sich der Spieler peu a peu von seinen Qualitäten überzeugt und bei dem – neben Anderem – auch das Siegen gelernt wird. Bei genauerem Hinsehen entscheiden sich viele Spiele jedoch frühzeitig, weil eine der Parteien tatsächlich unterlegen ist, sie ihr Leistungsniveau nicht abrufen kann oder einfach dem Druck nicht standhält. Kampfspiele, die bis zum Schluss beiderseits entschlossen geführt werden und mit knappem Ausgang enden, sind selten. Nur diese sind es aber, die auf Endspiele vorbereiten, weil einzig sie den Spielern das Erlebnis einer unkontrollierbaren Situation bieten [2].

Immer dann also, wenn wir nachhaltigem Widerstand begegnen, stehen wir an einer Pforte. Deren Durchschreiten, so wir sie denn aufzustoßen vermögen, lässt uns weitere Schritte gehen.

Freilich bedarf es dazu entsprechender Gegner. Mit fortschreitenden Fähigkeiten nehmen die Situationen eher ab, die auf enge Spiele vorbereiten. Für den überstarken Kontrahenten oder die vermeintlich einmalige Chance ist schlecht präpariert, wer seine Spiele meist mit Leichtigkeit gewinnt. Solche Situationen zu bestehen, bedarf es daher Fähigkeiten, die mehr in Charakter und Persönlichkeitsstruktur des Einzelnen zu finden sind:

  • Im Moment der Entscheidung ruhig zu bleiben, nicht aufzuwallen, sich nicht von Gegner oder Ereignissen affizieren zu lassen, ist einerseits eine Gabe. Andererseits ist es möglich, sich im Sinne antiker Philosophie um solche Gelassenheit zu bemühen und ein Denken einzuüben, das in Krisen eher die Möglichkeiten wägt, denn die Schwierigkeiten betrachtet; eine Haltung, die es ermöglicht, einer Sache weiter zu betreiben, und schiene sie auch verloren.
  • Hilfreich ist ein unerschütterliches Selbstbewusstsein, mag es objektiv auch unbegründet sein, denn es muss zu der Annahme führen, die Situation sei letztlich doch bewältigbar. Damit verbunden ist der Glaube an die eigene Zukunft. Mag man sich auch gegenwärtig als den Unterlegenen erkennen, so wird sich das Stärkeverhältnis künftig angleichen oder gar umkehren. Das scheinbar so wichtige Spiel ist möglicherweise nur das Präludium zu Bedeutenderem; ein Sieg wäre lediglich ein Bonus, mehr aber auch nicht. Eine Bewährungsprobe kann also niemals Ausweis endgültigen Scheiterns sein (siehe hierzu ebenfalls [1]).
  • Die Tatsache, dass es häufig Unwägbarkeiten sind, die in engen Partien den Ausschlag geben, sollte dem Spieler bewusst sein. Er sollte nicht aus der Fassung geraten, so sie zu seinen Ungunsten ausschlagen, sondern bereit sein, günstige Gelegenheiten zu nutzen.

Um Kampfspiele und Endspiele zu meistern, in denen beide Parteien bis zum Schluss davon überzeugt sind, dass jeweils ihnen der Sieg gebührt, existieren somit zwei Wege: Zum einen muss man sich die technischen Voraussetzungen aneignen, sie häufiger zu erreichen, wodurch sie den Nimbus des Außerordentlichen verlieren. Zum anderen muss man eine bestimmte Einstellung oder Geisteshaltung pflegen, die den Sieg weniger wichtig erscheinen lässt und die zudem die Freude an der Herausforderung betont.

In dem eingangs geschilderten Finale spielten zwar beide Spieler auf technisch ähnlichem Niveau, nur einer der Akteure genoss jedoch den Rückenwind der vielen zuvor errungenen Siege, während dem anderen der Gegenwind des häufigeren Scheiterns entgegenwehte. Auch in einem künftigen Finale wird wohl derjenige obsiegen, der am stärksten von sich überzeugt ist – mag er diese Auffassung nun grundsätzlich hegen, oder sie sich nach und nach erwerben. Zu Siegen kann nur gelernt werden, indem man es vollbringt – immer wieder aufs Neue. Dann aber geschieht es, dass ein Gewinn den anderen nährt. Siege zeugen Siege!

Thorsten Dodzuhn, Adaption Jürgen Schmitz

  1. ^ Der Autor vertritt die Ansicht, dass es prinzipiell notwendig ist, jedes Spiel ernsthaft anzugehen, es also unbedingt gewinnen zu wollen. Diesem Nahziel weit übergeordnet ist allerdings die Spielerentwicklung, hin zur "Meisterschaft". Es kann nicht übersehen werden, dass beide Ziele in bestimmten Phasen kollidieren. Immer wieder kommt es vor, dass am Wurf technische Veränderungen vorgenommen werden müssen, wobei es dann unvermeidlich ist, dass sich die Dinge kurzfristig verschlechtern, um langfristig besser zu werden.
  2. ^ Der Zerfall der Wirklichkeit in grundsätzlich kontrollierbare Situationen einerseits, und unkontrollierbare Situationen andererseits, wurde wurde in den Artikeln "Vom Umgang mit wechselndem Glück" und "Quellen der Gelassenheit" behandelt. Besonders ersterer ist wesentlich für das Verständnis der des Autors prägenden Auffassung.

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