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Interview mit Terry Jenkins

Terry „Raging Bull“ Jenkins

„ICH HABE LANGE GENUG DARTS GESPIELT“


Seinen Spitznamen „Raging Bull“ verdankt der Engländer Terry Jenkins seinem Drang, immer auf das Bullseye werfen zu wollen. Oder doch eher, weil er versucht, seine Gegner wie ein wildgewordener Stier niederzuwalzen? Diese Gegner können künftig aufatmen: Jenkins hört auf.

Bei der PDC European Championship im belgischen Hasselt sitzt ein schweißnasser Terry Jenkins im Umkleideraum. Es ist heiß und er hat gerade gegen seinen Landsmann Ian White verloren (2:6). Jenkins ist dementsprechend schlecht drauf, auch wenn ihm diese Niederlage im Grunde genommen egal sein kann: Schon vor einer Weile gab er bekannt, dass es nach der WM vorbei ist mit der stressigen Zeit als Top-Spieler der PDC. Terry will es künftig ein bisschen ruhiger angehen lassen, vor allem weniger reisen und sich auf ein paar Turniere und Exhibitions konzentrieren, nur noch Spaß haben und ein zusätzliches Taschengeld einkassieren. „Ich höre wirklich auf. Die Pfeile werden von nun an die meiste Zeit in der Schublade liegen. Noch ein paar Spiele in England und hin und wieder einen Schaukampf. Das ist alles.”

Eine Frage des Alters (er ist inzwischen 53)? „Ich habe lange genug Darts gespielt. In letzter Zeit bin ich mit dem Kopf auch nicht mehr ganz so dabei wie früher.“ Früher, das ist in Jenkins Fall in der Tat schon ein Weilchen her. Er fiel erst 2006 bei großen Turnieren auf. Davor spielte er in der englischen Kneipenliga und bei kleineren Turnieren. „Damals gab es auch nur eine Handvoll Vollzeitprofis, die von Darts leben konnten. Heute sind es so viele. Aber gut, ich hatte eine schöne Karriere, die ich auch wirklich genossen habe. Doch ich mache das jetzt seit 35 Jahren. Nur Phil Taylor ist noch länger dabei als ich. Es fällt mir immer schwerer, mit Begeisterung bei der Sache zu sein. Und dann ist es wirklich Zeit, die Pfeile in der Schublade verschwinden zu lassen und etwas anderes zu machen. Neben dem Dartsport habe ich mich schon immer für andere Dinge interessiert. So bin ich zum Beispiel im Antiquitätenhandel und im Immobiliengeschäft tätig. Für mich war Darts immer ein außer Kontrolle geratenes Hobby. Wohlgemerkt, ein sehr lukratives Hobby. Ich habe damit gutes Geld verdient. Doch ich bin die ganze Zeit nebenher arbeiten gegangen. Phil hat ja ebenfalls angekündigt, dass seine Karriere auf der Zielgeraden angekommen ist. Vielleicht war es bisher für ihn etwas einfacher, weil er außerhalb des Dartsports nichts hatte. Für ihn hieß es immer nur darten, darten und nochmals darten.“

Familie und Haustiere

Schade, dass Terry Jenkins bald nicht mehr bei den PDC-Majorturnieren zu sehen sein wird. Hängt sein bevorstehender Rückzug vielleicht auch damit zusammen, dass er befürchtet, in der PDC-Rangliste als „Veteran“ irgendwann durchgereicht zu werden? „Nein, denn ich trainiere schon seit zwei Jahren nicht mehr. Damit habe ich damals bewusst aufgehört. Ich dachte, dass ich dann ganz automatisch in der Rangliste zurückfallen und schließlich aus dem Blickfeld verschwinden würde, doch das Gegenteil war der Fall: In der Order of Merit ging es für mich in die falsche Richtung, von Platz 15 in die Top Ten! Doch jetzt habe ich eine endgültige Entscheidung getroffen. Versteht mich nicht falsch: Wenn ich es wirklich nochmal wissen wollte und das Training wieder aufnehmen würde, wäre ich ganz schnell wieder unter den Top Ten. Doch mir ist es jetzt wichtiger, wieder mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Mit meiner Frau, meinen drei Kindern, drei Enkelkindern, zwei Hunden, fünf Enten und fünf Hühnern. Das ist es doch, worauf es im Leben wirklich ankommt. Der PDC-Kalender ist heutzutage mit so vielen Terminen vollgestopft. Man investiert viel Zeit, um von Hü nach Hott zu reisen. Damit kommen vor allem die jüngeren Semester besser klar. Ältere Spieler wie ich können dieses hohe Tempo nicht mehr mitgehen. Die Frage ist auch, inwieweit man sich immer und immer wieder motivieren kann.“

Nicht nur das mörderische Tempo der PDC von heute macht den älteren Spielern wie Jenkins zu schaffen, sondern auch die gestiegenen Anforderungen an die körperliche Verfassung der Top-Spieler. Denn die können eine immense Zusatzbelastung bedeuten. „Das stimmt. Man muss sich nur manche der jungen Spieler anschauen, wie beispielsweise Gerwyn Price. Die sind auch körperlich unglaublich fit. Auf diese Spieler muss man in Zukunft achten.“

Terry Jenkins nach seinem 10:6 Sieg über Alex Roy beim World Matchplay im Juli 2008
Terry Jenkins nach seinem 10:6 Sieg über Alex Roy beim World Matchplay im Juli 2008

Das große Geld verdienen

Jenkins kann auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Ärgert es ihn manchmal, dass man als Darts-Profi erst seit wenigen Jahren das große Geld verdienen kann? „Na klar. Ich war schon 38 Jahre alt, als ich zur PDC ging. Was das große Geld angeht, war der Zug für mich da eigentlich schon abgefahren. Wenn es zu dieser Entwicklung des Dartsports gekommen wäre, als ich 25 war, hätte ich auf jeden Fall ein paarmal die WM gewonnen. Und das entsprechende Preisgeld eingesackt. Daher sage ich den jüngeren Spielern auch immer: ‚Seht zu, dass ihr mit 20 bei der PDC landet und ordentlich Geld verdient, dann könnt ihr aufhören, wenn ihr 35 seid.‘ Doch ich beklage mich nicht. Ich habe mittlerweile genug Geld beisammen, um gut leben zu können. Bei mir hatte es weniger mit purem Glück zu tun, ich habe in Geldangelegenheiten immer einen kühlen Kopf bewahrt.“

Text: Jeroen de Vries und Paul Teixera
Übersetzung: Martin Rönnberg

 Terry Jenkins Porträt

 Terry Jenkins Interview März 2009


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