Price und Anderson erreichen das Endspiel

Als am Sonntagnachmittag der Fokus der Darts-Welt auf Wolverhampton gerichtet war fehlten beim Grand Slam of Darts nur noch drei Partien, bis ein Sieger gefunden worden war. Vier Spieler waren noch im Rennen um diesen prestigeträchtigen Major-Titel und spielten ab 14 Uhr die Halbfinals untereinander aus. Im ersten Semifinale bekam es Mensur Suljovic mit Gerwyn Price zu tun, ehe es im zweiten Duell zum Giganten-Treffen von Gary Anderson und Michael van Gerwen kam.

Price dreht das Spiel mit sieben Leggewinnen nacheinander

Mehr schlecht als recht hatte sich Mensur Suljovic durch die Gruppenphase gequält, sich danach aber deutlich steigern können, sodass ihn zwei relativ klare Erfolge über Rob Cross und Dimitri van den Bergh in die Runde der letzten Vier brachten. Dort erwartete der Wiener nun Gerwyn Price, der in einem ganz engen Viertelfinale gegen Simon Whitlock fünf Matchdarts überlebte und sich letztlich im Decider durchsetzte. Der Spielbeginn verlief relativ unspektakulär, beide Akteure verteidigten ihre ersten beiden Anwürfe ohne größere Schwierigkeiten. Erst danach gelang dem Wiener dank eines 76er-Checkouts das erste Break der Partie, weswegen er auch mit einer Führung in die erste Pause ging. Wenige Minuten und 14 Darts später bestätigte Mensur dieses Break, ehe der „Iceman“ im siebten Leg knapp an einem 167er-Checkout scheiterte und seinem Gegner das 5:2 ermöglichte; diese Führung konnte Suljovic anschließend sogar erweitern. Price sammelte sich kurz, spielte Legs von 14 und 11 Darts und war zur zweiten Pause immerhin noch auf 4:6 aus seiner Sicht herangekommen.

Mensur kam ganz stark zurück auf die Bühne, machte 121 Punkte auf der Doppel-14 aus und hatte durch diesen 12-Darter ein weiteres Break produziert. Dies stachelte Price umso mehr an, der zum sofortigen Rebreak ebenfalls 12 Würfe benötigt, das Leg aber mit einem brillanten 170er-Finish beendete. Es gelang Price jedoch nicht, dieses zu bestätigen; stattdessen spielte Mensur einen 14-Darter zum Break und holte sich auf seiner favorisierten Doppel-14 auch das nachfolgende Leg. Das letzte Leg vor der dritten Pause ging ebenfalls an „The Gentle“, der sich einen klaren 10:5-Vorsprung herausgespielt hatte. Besonders bemerkenswert war die Doppelquote des Österreichers, die zu diesem Zeitpunkt bei rund 77 Prozent lag; auch sein Durchschnitt mit über 106 Punkten pro Aufnahme war überragend. Im ersten Leg nach dieser Unterbrechung unterlief Mensur zum ersten Mal überhaupt in dieser Partie ein größerer Fehler, als er vier Pfeile an Doppelfeldern vorbeisetzte. Mit einem Treffer in der doppelten 3 konnte der Waliser breaken, kurze Zeit später löschte er unter hohem Druck 75 Punkte und verringerte seinen Rückstand auf drei Legs. Price befand sich jetzt in seiner besten Phase, profitierte im achten Leg von zwei Fehlern seines österreichischen Gegners auf Tops und nahm seinerseits 76 Punkte von der Scheibe, um das dritte Leg in Folge zu gewinnen. Mit einem Treffer in der Doppel-8 konnte Price wenig später sogar bis auf ein Leg herankommen, doch im 20. Leg der Partie stoppte Suljovic den Lauf seines Gegners und führte zur vierten und letzten Pause nun deutlich weniger komfortabel mit 11:9.

Nach dieser Unterbrechung holte sich Suljovic zunächst per Break sein 12. Leg, was man zu diesem Zeitpunkt aber kaum glauben konnte: es sollte unterm Strich tatsächlich sein letztes Erfolgserlebnis in diesem Semifinale bleiben. Doch der Reihe nach, weil Suljovic im nachfolgenden Leg einmal an der Doppel-16 vorbeiwarf konnte Price sofort rebreaken. Der Waliser drehte jetzt ein Stück weit auf, startete mit zwei 180ern ins 23. Leg und holte sich dieses letztlich mit einem brillanten 10-Darter, wenig später konnte er ein Break nachlegen um auf 12:12 auszugleichen. Als Mensur im darauffolgenden Leg einmal an der Doppel-20 vorbeiwarf, um wieder in Führung zu gehen übernahm Price genau diese und lag zum ersten Mal seit dem dritten Leg wieder in Front. Der Mann aus Wien hatte jetzt besonders mit seinem Scoring zu kämpfen, kam in den nächsten beiden Legs nicht hinterher, auf der anderen Seite holte sich Price auch die Legs Nummer 26 und 27 und war nur noch ein Leg vom Sieg entfernt. Genau diesen konnte Price schon wenige Momente später perfekt machen, er checkte 100 Punkte zum Abschluss eines 11-Darters und zog durch den 16:12-Erfolg in das zweite Major-Endspiel seiner Karriere ein.

Anderson behält die Oberhand gegen van Gerwen

Der zweite Finalplatz wurde im nächsten Match ausgespielt; und viel mehr kann man sich vom Line-Up her nicht erwarten: mit Michael van Gerwen und Gary Anderson trafen die nach allgemeiner Auffassung beiden besten Dartspieler des Planeten im direkten Duell aufeinander. Während Anderson bisher förmlich durch das Turnier spaziert war und in fünf Partien nur 12 Legs an seine Gegner abgab, musste „Mighty Mike“ bis hierhin mehr kämpfen und in derselben Anzahl an Matches seinen Gegners 27 Legs überlassen. Zu Beginn dieses Duells verteidigten beide Profis zunächst ihren eigenen Anwurf, ehe der Niederländer im dritten Leg eine Tempoverschärfung vornahm und per 12-Darter das erste Break der Partie produzierte. Mit 13 Darts bestätigte van Gerwen dieses Break im Anschluss daran, ehe der „Flying Scotsman“ dem Publikum ein 113er-Checkout präsentierte und auf diese Weise auf 2:3 verkürzen konnte. Nach der Pause stellte van Gerwen zuerst den alten Abstand wieder her, der Schotte antwortete auf der Doppel-4 und verkürzte. Im Anschluss daran unterlief dem Titelverteidiger der erste große Fehler, als er drei Pfeile an Doppelfeldern vorbeiwarf. Anderson nahm das Geschenk dankend an und glich durch dieses Break zum 4:4 aus. Die letzten beiden Legs vor der Pause wurden dann noch aufgeteilt – Anderson holte seines mit 12, van Gerwen sein Leg mit 11 Darts - sodass es mit unentschiedenem Spielstand in die zweite Unterbrechung ging.

Mit einem 13-Darter schnappte sich Anderson wenige Minuten später nach längerer Wartezeit die Führung zurück, vergab danach aber einen Breakdart auf die Doppel-5. So kam van Gerwen mit einem Schrecken davon und stellte wieder Parität her. Die nächsten beiden Legs liefen beinahe identisch vonstatten: nachdem „The Flying Scotsman“ problemlos in Führung gehen konnte verpasste er eine Breakmöglichkeit auf der Doppel-14. Van Gerwen bestrafte dies mit der folgenden Aufnahme und löschte 97 Zähler mit zwei Würfen. Im Leg danach war es dann am Weltranglistenersten, eine Breakchance aufs Bullseye zu vergeben. Anderson stellte sich Sekunden später vors Oche, brachte 112 Punkte auf Null und sich selbst zur dritten Pause mit 8:7 in Führung. Van Gerwen kam anders als gewünscht zurück, patzte bei eigenem Anwurf zwei Mal auf Doppelfelder und ermöglichte Anderson ein Break. Nachdem letztgenannter dieses auch bestätigen konnte hatte er einen Abstand von drei Legs aufgebaut. Im nachfolgenden Leg versuchte sich Anderson an einem 140er-Finish zum Break, versenkte seine Pfeile bereits in der Triple- und Doppel-20, doch der dritte Dart verpasste die noch fehlende Doppel-20. So konnte „Mighty Mike“ auf 8:10 stellen, hatte im nächsten Leg aber nichts zu melden, weil Anderson ein 118er-Finish zum 15-Darter spielte. Im 20. Leg vergab der Schotte einen weiteren wichtigen Breakdart, um seinem Gegner davonzuziehen. So konnte van Gerwen die Doppel-2 treffen, zur letzten Pause lag er aber immer noch mit 9:11 im Rückstand.

Zurück vor den Kameras drückte der Niederländer aufs Gaspedal, holte sich dank eines 11- und eines 12-Darter, die beide mit einem Highfinish beendet wurden, den 11:11-Ausgleich. Nachdem Anderson den kurzen Lauf seines Gegners mit drei Leggewinnen nacheinander stoppen zunächst konnte warf van Gerwen im 24. Leg der Partie ganz fünf Pfeile an diversen Doppelfeldern vorbei. Anderson brachte seinen Dart in der doppelten 10 unter und lag zu diesem Zeitpunkt mit 13:11 in Front. Mit einem 105er-Checkout via Single Bull und zweimal Tops konnte Anderson auf spektakuläre Art und Weise nachlegen und sich so wieder den Vorsprung von drei Legs herausspielen. Im Anschluss daran konnte der Weltranglistenvierte sogar nochmals breaken und war nur noch ein Leg vom Endspiel entfernt. Bei eigenem Anwurf im 27. Leg bekam der Schotte aber keine Möglichkeit dazu, weil van Gerwen sich durch einen starken 11-Darter noch im Turnier hielt. Schon wenige Minuten später war die Partie aber wirklich beendet: van Gerwen ließ seine letzte Möglichkeit auf dem Bullseye verstreichen, Anderson nahm 104 Punkte von der Scheibe und erreichte durch den 16:12-Erfolg das Endspiel gegen Gerwyn Price.

Grand Slam of Darts


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