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Ein Tag im Ally Pally

Gary Anderson ist der neue und alte Weltmeister. Die WM ist vorbei und es heißt leider wieder ein Jahr warten, bis die nächste Weltmeisterschaft im Ally Pally stattfindet. Damit man die Zeit sinnvoll nutzt, kann man sich mal Gedanken machen, ob man beim größten Event des Dartssports nicht sogar mal live vor Ort dabei sein möchte. Um euch einen Eindruck zu vermitteln, was da in London Jahr für Jahr abgeht, wollte ich meine gewonnenen Erfahrungen mit euch teilen.

Der Weg gen Mekka

Vorweg: Ich bin 21 Jahre alt und verfolge Darts nun seit mehreren Jahren. Bis zur WM hatte ich aber noch kein anderes Darts-Event besucht und war auch sonst nicht bei Veranstaltungen wo tausende, verkleidete Leute anwesend sind und feiern, wie zum Beispiel beim Karneval. Kurz und knapp: Ich hatte absolut keinen Plan was mich erwarten würde.

Am 30.12.2015 zur Abend-Session sollte es also soweit sein. Ich fuhr mit meinen beiden mitgereisten Kumpels im Bus zum Austragungsort. Er sollte direkt davor halten. Ich stieg aus und stand vor dem Mekka des Dartsports, dem Alexandra Palace. Um es herum liefen schon ein paar seiner Verehrer. Unter anderem die Minions, ein Rudel Warnhütchen und, wie sollte es aktuell anders sein, ein paar Stormtrooper. Wir selber hatten uns als Tick, Trick und Track verkleidet. Womit man bei anderen Feiern im lockeren Mittelfeld landen würde, waren wir im Ally Pally, zumindest was die Kreativität anging, allenfalls unterer Durchschnitt. Wir gingen von der Busstation Richtung Haupteingang. Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich bei dem kurzen Marsch eher Richtung London als auf den Alexandra Palace geguckt habe. Der Ausblick vom hohen Berg auf die Stadt herab ist bei Dunkelheit aber auch schon die Reise dahin wert. Am Haupteingang standen wir dann für ca. 5-10 Minuten in der Schlange. Es können auch 15 Minuten gewesen sein, denn ich hab absolut kein Zeitgefühl, weil ich nur dabei war die verschiedenen Kostüme zu begutachten.

Die Fans konnten bei zahlreichen Aktionen mitmachen
Die Fans konnten bei zahlreichen Aktionen mitmachen

Nachdem man den Haupteingang passiert hatte, stand man in einer riesigen Halle. In der konnte man nun seine Jacken abgeben, etwas Essen und "Surprise!" "Surprise!" Bier holen. Es waren aber auch ein paar kleine Aktionen aufgebaut. Zum einen konnte man ein Foto mit verschiedenen Darts-Legenden machen. Oder man konnte mit sechs Pfeilen möglichst viele Punkte werfen und so die Chance auf einen großen Preis haben. Das Ganze kostete natürlich was. Manche Sachen wie zum Beispiel Pitcher konnte man nur mit sogenannten Tokens kaufen. Die Pizza wiederum konnte man nur mit Pounds kaufen. Die Tokens erwarb man direkt vor Ort im Tausch gegen Pfund. Ich empfehle euch einmal rumzulaufen und zu gucken, wo ihr Tokens und wo ihr Pfund braucht damit ihr abschätzen könnt, wie viele Tokens ihr in etwa braucht. Falls ihr am Ende doch mehr Durst habt als gedacht, ist das auch nicht schlimm, denn die Schlangen bei den Tokens waren nicht lang. Die Preise selber waren nicht sonderlich gering, aber auch nicht übermäßig hoch. Ein Pitscher (1,8 Liter) Bier kostete umgerechnet ca. 27€, was meiner Meinung nach in Ordnung ist. Selbstverständlich konnte man in dieser Halle durch den Hauptsponsor noch etwas anderes machen. Richtig: Wetten! Und hier der nächste Tipp: Geht erst zu einem Wettstand und holt euch da euer "180-Schild" und falls ihr wollt eine Mütze/ einen Riesenfinger ab. Ihr müsst dafür kein Geld zahlen und auch keinen Wettschein ausfüllen. Wir haben den Fehler gemacht und sind erst ein bisschen durch die Halle getingelt und danach direkt zu unserem Platz gegangen. Dort liegen aber nur "180-Schilder", wenn ihr einen Tischplatz habt. Die Tribünenplätze sind ohne Schilder ausgestattet. Wir hatten noch Glück und haben drei Schilder bekommen, aber es hatte nicht jeder von den Zuschauern eins. Und mal ehrlich, wer will kein "180-Schild" haben?! Meins prunkt mittlerweile stolz zu Hause neben meinem Dartboard an der Wand, während ich eine "Twenty-Six" schmetter.

Von Super Mario, Schlümpfen und schottischen Mexikanern

Zurück zum Abend: Wir gingen von der Halle in Richtung Bühne. Der Weg war nicht weit, aber als ich das erste Mal die Bühne sah und dabei einlief, fühlte ich mich unsterblich. Genießt diesen Augenblick wenn ihr da seid! Es dauerte nicht mehr lange bis zum ersten Spiel, welches Peter "Snakebite" Wright gegen Dave "Chizzy" Chisnall sein sollte. Für ein Achtelfinale an sich schon eine Riesenansetzung. Um es perfekt zu machen, war mit Russ "The Voice" Bray der Caller schlechthin am Start. Was will man mehr? Ich muss dennoch zugeben, dass ich mir den Walk-On von den Beiden ein bisschen besser bzw. anders vorgestellt hatte. Warum weiß ich nicht genau, aber es hat mich in dem Moment nicht so geflasht wie ich es erwartet hatte. Wahrscheinlich, weil ich in dem Moment erst realisierte, wie "klein" der Ally Pally eigentlich ist. Wir saßen ziemlich zentral von den Spielern aus gesehen in der dritten Reihe und konnten trotzdem gut sehen. Im TV wirkte es bis dahin, zumindest auf mich, alles wesentlich größer. Ich hoffe, der "Walk-On-King" Peter Wright wird mir das an dieser Stelle verzeihen. Das Spiel lief dann so ca. fünf Sekunden und es wurden die ersten Gesänge angestimmt. "Boring Boring Tables" hallte es von den Tribünen. Super Mario und seine Freunde ließen sich an den Tischen nicht lange bitten, standen mit anderen Leuten auf und sangen "You can't afford a table." (z. Dt.: Du kannst dir keinen Tischplatz leisten.) Doch ich merkte schnell, dass hier was anders ist. Es waren zwar provokante Gesänge aber keiner wurde wütend. Im Gegenteil es wurde gelacht. Unvorstellbar bei anderen Sportarten. Bei der zweiten Runde sang ich mit und zeigte gezielt auf einen Schlumpf. Durch Zufall sah er es und zeigte bei seinem Gesang auf mich. Als die Gesänge leiser wurden, lachten wir beide und zeigten uns gegenseitig den Daumen hoch.

Das Spiel war jetzt ein paar Minuten alt und ich wusste warum Elmar Paulke und Tomas „Shorty Schleifstein“ Seyler diese Fans und diese Stimmung lieben. Hier wird zusammen gefeiert und jeder genießt es. Natürlich ließ auch das erste "Stand up if you love the Darts" nicht lange auf sich warten. Alle standen und rissen die Hände in den Himmel. Man hätte mir in den Moment viel Geld bieten können damit ich aufhöre von einem Ohr zum anderen zu Grinsen. Ich hätte es nicht tun können. Und wäre die Stimmung der Fans und allgemein meine Stimmung nicht eh schon am Anschlag, mussten Wright und Chizzy uns auch noch eins der besten Spiele der WM zeigen. Persönlich bin ich von beiden Spielern ein absoluter Fan, so dass es mir vor der Partie schwer fiel zu sagen, für wen ich sein sollte. Vom Fußball, Handball oder Basketball bin ich es gewohnt immer ein Team zu favorisieren, wenn ich ein Spiel gucke. Egal welche Liga oder welches Land, ich brauche immer ein Team, dem ich mehr den Sieg gönne, damit das Spiel auch in langweiligen Passagen zumindest für mich spannend bleibt. Selbst beim Darts habe in der Regel einen Favoriten. An dem Tag nicht. Die Jungs schraubten eine 180 nach der anderen ins Board. Teilweise blieben wir gleich stehen, weil wir wussten es kommt bei der nächsten Aufnahme wieder eine. Als das Spiel in den Entscheidungssatz ging, war es mir endgültig egal, wer gewinnt. Ich feierte jeden Leg-Gewinn, egal von wem. Ich feierte einfach nur den Sport, den ich so liebe. Und ich war nicht der Einzige. Hinter uns saßen drei Schotten, die als Mexikaner verkleidet waren. Im ersten Satz schrien sie noch aus voller Kehle "Come on Chiiiiiiizzzzzy!" Die Tonlage übrigens einmalig. Hoch und quietschend aber gleichzeitig rau. Wenn man so will eine Mischung aus Spongebob und Russ Bray. Im Laufe der Partie wurde das "Chiiiiiiizzzzzy" gegen "Peeeeeteeeeer" getauscht. Dann wieder zurück usw. . Sie konnten sich nicht entscheiden bzw. wollten schlichtweg beide anfeuern, weil es beide durch ihre Leistungen verdient hatte. Am Ende setzte sich bekanntermaßen Peter Wright durch. Gefeiert wurden beide.

Peter Wright und Dave Chisnall legten einen Klassiker hin
Peter Wright und Dave Chisnall legten einen Klassiker hin

Toilettenpausen mit Helden der Kindheit

Nach dem Spiel musste ich erst mal auf das Klo. Und so merkwürdig das klingt aber sogar der Gang auf die Toilette war ein Highlight. Im Fußballstadion bin ich es gewohnt, dass in der Halbzeitpause auf dem Klo gemeckert wird. "Der Schiri ist schuld." "Man spielen die wieder schlecht." "Ruf unseren Trainer an. Ich kann das besser." Und beim Darts? Da wird gefeiert. Ich ging Yaya-Kolonierend zum Urinal und stand neben Batman und einem Teletubbie. Wenn das mal kein Kindheitstraum ist! Wieder könnte ich nicht sagen, wie lange ich insgesamt Schlange stehen musste. Es war für mich kein Warten, weil überall nette und vor allem gutgelaunte Menschen waren. Man stelle sich übrigens mal kurz vor, dass die Fans von Borussia Dortmund und Schalke 04 in der Halbzeitpause oder nach dem Spiel gemeinsam auf Klo sich und den Sport feiern. Komisches Bild. Als ich zurück auf meinem Platz war, ging gerade mit Alan "Chuck" Norris gegen Mark "The Spider" Webster die zweite Partie des Abends los. Die Stimmung war während des gesamten Spiels nicht auf dem Niveau wie davor. Gerade im zweiten Satz merkte man aber wie viele Deutsche im Ally Pally waren. "Ohne Deutschland wär hier gar nichts los." "Steht auf, wenn ihr Deutsche seid." Und natürlich: "Ohne Holland fahren wir zur EM." Allgemein war ich überrascht wie viele Leute aus Deutschland da waren. Vor uns und neben uns Deutsche. Über uns die schottischen Mexikaner und über unseren Amigos wieder Deutsche. Schwer zu sagen wie viele wirklich da waren. Insgesamt kann man aber sagen, dass die Deutschen, Holländer und Briten den Großteil der Fans darstellten. Das Spiel neigte sich allmählich dem Ende und die Fans übten schon mal für das nächste Match. "Taylor Wonderland" hallte es durch den Raum. Ein bisschen taten mir Norris und Webster Leid, dass ihnen insgesamt doch eher wenig Beachtung geschenkt wurde. Selber brauchte ich aber auch eine Pause von dem Spiel davor und durch die vielen "180er" war man im Bier trinken auch eingeschränkt gewesen. Ja, ich weiß, jammern auf ganz ganz hohem Niveau. Norris gewann am Ende 4:1 und ich ging wieder tanzend Richtung Klo.

Das Gesicht des Darts fliegt raus

Gott sei Dank kam ich noch rechtzeitig vor dem Walk-On wieder. Die nächste und letzte Partie des Abends hieß Phil "The Power" Taylor gegen Jelle "The Cobra" Klaasen. Und beim Einlauf von Phil Taylor hatte ich pure Gänsehaut. Vor allem beim langgezogenen "The 16 times Champion..of the wooooooooooooorld". Das muss man einfach live erlebt haben. Zu Beginn des Matches waren die Fans klar pro Taylor eingestellt. Im Laufe der Partie sammelte Klaasen durch seine gute und selbstbewusste Leistung jedoch immer mehr Sympathie. Vor dem Spiel hatten meine Kumpels und ich ihm die Überraschung durchaus zugetraut. Trotzdem staunten wir nicht schlecht, dass er mit Taylor so deutlich mithalten konnte. Nachdem "The Cobra" seinen ersten Matchdart verpasste, merkte man die die kurzzeitige Erleichterung der Taylor Fans. Die Erleichterung wuchs als "The Power" im Entscheidungssatz 2:0 in Führung ging. Der Großteil der Masse feierte lautstark. Ich war mir auch sicher, dass er es jetzt machen würde. Doch Klaasen gab nie auf und kämpfte sich beeindruckend wieder zurück. Vor allem die holländischen Fans peitschten ihren Landsmann nochmal an. In dem Moment als Klaasen wieder Matchdart hatte, standen alle. Einige fassten sich mit ihren Händen fassungslos an den Kopf, denn sie wussten was jetzt kommt. Klaasen trifft und steht im Viertelfinale. Einer der großen Favoriten, ihr Idol, das Gesicht des Darts war raus. Ich war komplett geflasht. Nicht, weil ich für Taylor war. Im Gegenteil, ich war für Klaasen, weil er mich mit seinem Spiel und seinem selbstbewussten Auftreten beeindruckt hatte. Außerdem hält man ja gerne zu den Außenseitern. Nein, ich war geflasht, weil ich dabei war als der große Taylor aus dem Turnier flog. Was für eine Session hatte ich da heute erlebt? Wie viel Glück konnte man haben? Und verdammt nochmal wie geil ist dieser Sport?

Als wir Richtung Ausgang gingen, feierten wir noch kurz mit ein paar Holländern den Sieg von Klaasen. Und was mich bis heute beeindruckt, ist die Tatsache, dass es keinen Stress gab. Kein Taylor-Fan hat gepöbelt oder gesagt man solle aufhören Klaasen zu feiern. Was selbstverständlich klingt, ist es nicht. Dazu darf man nicht vergessen, dass während so einer Session nicht gerade wenig getrunken wird. Und trotzdem waren keinerlei Anzeichen von Gewalt. Die Session war also zu Ende und wir gingen, nachdem wir unsere Jacken geholt hatten, Richtung Busstation. Draußen tanzten die Leute schon wieder zum Yaya-Kolo-Song.

Jetzt, eine Woche später, weiß ich umso mehr warum Darts geil ist und warum dieser Sport immer mehr Leute in seinen Bann zieht. Er ist einfach anders. Es wird nicht gepöbelt. Es wird nicht gemeckert. Es wird zusammen gefeiert, gelacht und getrunken. Es ist in gewisser Weise familiär. Gut, zugegeben eine äußerst bunte Familie. Wer Darts nach wie vor nur für einen Kneipensport hält, soll das gerne machen. Für mich ist es weitaus mehr. Für jeden der da war, ist es weitaus mehr. Und deswegen hier mein letzter Tipp an euch: Wenn euch Darts interessiert und wenn ihr gerne mal live ein Teil dieser bunten Familie sein wollt, dann fahrt da hin! Ihr werdet es nicht bereuen. Vielleicht sieht man sich dann, denn ich werde definitiv wieder dort sein.

Tobias Janke

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